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Ismael - Die Gegenseite

Er wird ein wilder Mensch sein. Er wird gegen jeden kämpfen und jeder gegen ihn. Er lebt getrennt von seinen Brüdern und fordert sie alle heraus. Genesis 16,12 und 25,18

1994-07-10 / 01. Safar 1415 AH
1994-08-02 / 24. Safar 1415 AH*

tauhid-stiftung
Ustad Tarik T. Knapp

*Die Aufzeichnungen tragen die Daten "1. Safar 1415 AH", das ist der 10. Juli 1994, und "2.8.94", das ist nach dem islamischen Kalender der 24. Safar 1415 AH. Der Text entstand in dieser Zeit und danach.

Der Islamismus und die Juden heute

Wer die ideologischen Tendenzen bei orientalischen wie europäischen Muslimen beobachten und analysieren kann, für den besteht kein Zweifel daran, daß die Bombenattentate in London, New York, Buenos Aires und Panama auf einen Arbeitszusammenhang zwischen dem "fundamentalistischen Islam", d.h. dem traditionalistischen Real-Islam orientalisch-mittelalterlicher kultureller Überformung des Ur-Islam, und nazistischen sowie "konservativen" Gruppen der europäischen bezw. europäisierten überseeischen Welt zurückzuführen sind.

Die Annahme, die für solche Attentate notwendige Infrastruktur sei allein aufbaubar innerhalb der relativ kleinen arabischen und muslimischen Bevölkerungsgruppen in England und den Amerikas, ist unrealistisch. Auch die Vermutung, der Iran und die von Iran und Syrien gestützten Gruppen Hisb'ollah und Hamas seien allein verantwortlich, schließt von deren unzweifelhafter Entschlossenheit auf ihre nichtvorhandene Potenz.

Die letzten zehn Jahre haben erwiesen, daß die revolutionäre Schia des Iran im Bereich des Sunnitentums keine mobilisierende und motivierende Kraft geworden ist; der Iran hat sich isoliert; die Gruppe des iranischen Präsidenten möchte realistischer Weise Zeit gewinnen, um die militärische und technisch-industrielle Macht des Landes aufzubauen, und vermeidet Provokationen.

Dieser Politik entgegenarbeitende schiitische Gruppen im Iran sind zu schwach, einen weltweiten Terrorismus zu organisieren; sie sind auf die Hilfe nazistischer und "konservativer" Gruppierungen angewiesen.

Es gibt so gut wie keinen Konservatismus außerhalb der US-Republikaner, der britischen Conservatives und der Gaullisten Frankreichs mehr, der nicht nazistisch verseucht wäre. Dies ist seit den dreißiger Jahren insbesondere für Deutschland und Zwischeneuropa zutreffend, für Rußland gar seit 100 Jahren.

Die rasch wachsende Durchdringung europäischer und überseeisch-europider Nazi- und Konservativengruppen durch den "Islamismus" des traditionalistisch-antijüdischen Schlages, entstanden in Saudi-Arabien und sehr viel später erst im Iran, kann in England, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Rußland festgestellt werden.

Schrittmacher war der italienische Ordine Nero, eine Abspaltung von neofaschistischer Partei und Terrorgruppen (Omar Amin Claudio Mutti: Gründer der Iran-finanzierten Zeitschrift Al-Jihad, der Zeitschrift Éléments und, in Venedig, der Vereinigung Europa-Islam); dann folgten Teile der algero-französischen OAS (Olivier Mordrel), die heute in England das Islamic Center for the Defence of Europe organisieren und die Militärzeitschrift CENTURIO herausgeben; dicht nebenbei und ebenfalls in England der offen nazifreundliche "Sufi"-Orden des Scheich Ian Dallas/Abdelqadir as-Sufi ad-Darqawi al-Murabit mit Filialgruppen in Deutschland (Freiburg) und Spanien (Granada) und mit angeblichem Rückhalt in Marokko; in Dänemark vorerst nur akademisch mit dem deutschen Prof. Dr. H. Eichberg (Aarhus); in Spanien neben Dallas noch Adriano Medrano (Die "arische Geistigkeit des Islam ... viel arischer ...") in Feindschaft zum "Freimaurertum" des echten Muslims Roger Garaudy (Cordoba); in England und Deutschland der eher kuriose, dafür ideologisch eng an den CODE-Verlag (Diagnosen-Verlag Leonberg, Württemberg; Omar Czack) angelehnte "Orden vom Heiligen Grab in Medina".

Die Murabitun des Dallas haben Niederlassungen in Tucson, Arizona, und Bolivien.

Eine frühe erste Bilanz dieses Zusammenfließens findet sich bei dem angeblich jüdischen Thierry Lalevée: "Nazis, Sufis und die Neue Rechte" in der Zeitschrift SUFI Nr. 3/4 1985.

Aktuellere Einzelaufzeichnungen liegen der Tauhid-Stiftung vor.

Dies ist die, freilich unterschätzte, Situation in Europa. Es liegt nahe, ähnliches in den Amerikas anzunehmen, zumal aus den USA seit Jahrzehnten propagandistische ("Geschichtsrevisionismus") und andere Hilfe (Ku Klux Klan) den europäischen Nazis reichlich zufließt, zumal deutsche und andere Nazis nach 1945 mithilfe der katholischen wie der evangelischen Kirche in Lateinamerika Unterschlupf fanden.

Werfen wir einen Blick auf den historischen Islam. Auch namhafte jüdische Autoren (B. Lewis, L. Poliakov) stimmen darin überein, daß es in der islamischen Welt keine Judenfeindschaft gegeben hat, besonders im Vergleich mit dem christlichen Europa, bis die zionistische Landnahme in Palästina eine affektive, später mithilfe europäischer Ideologien "rationalisierte" Haßreaktion provoziert hat.

Es ist bekannt, daß der Zionismus Herzls entgegen dem äußeren Anschein keine Rückkehr der Juden zum Judentum war (der damalige neopagane Zeitgeist hat dies ausgeschlossen), sondern eine andere Art der Assimilation von Juden an die christliche Gesellschaft, nämlich die Übernahme des europäischen rassistischen (Abstammungs-) Nationalismus und des imperialistischen Kolonialismus. Das Zusammenspiel Weizmanns mit dem britischen Imperialismus hat den Ansatz Herzls verfestigt, so daß die humanitäre Konzeption M. Bubers und seiner Freunde wirkungslos blieb.

Heute lassen sich zwei Folgerungen aus dem Erfolg der Konzeption Herzls ziehen:

a.) Es hat sich erwiesen, daß die Politik Herzls, Weizmanns, Ben Gurions insofern richtig war, als sie die Rettung von Teilen des europäischen Judentums vor dem Holocaust und die Rehabilitierung der traumatisierten Juden, die bis 1945 überlebt hatten, ermöglichte ("Rehabilitierung" solcher Verwundungen kann freilich nie vollendet sein).

b.) Dennoch ist die Politik Herzls, Weizmanns und Ben Gurions gegenüber den Arabern stets anmaßend, imperialistisch, kolonialistisch und unmenschlich gewesen, was ihrem europiden Konzept entsprach. Der Appell an den Humanismus der Araber, die Erinnerung an die islamische Toleranz und Gastfreundschaft unterblieb ebenso wie der Bezug auf die Tatsache, daß der Dar-ul-Islam jüdische Flüchtlinge aus Andalusien und dem von Habsburg eroberten Ungarn herzlich aufgenommen hatte. Statt dessen eine permanente Politik der Rüstung, der ethnischen "Säuberungen", der Drohungen und Terrorisierungen, die den zunächst arabischen Widerstand zu einem islamischen machte und die Front des Widerstandes wellenförmig nach außen drängte: von Ägypten und Syrien bis nach Libyen und dem Iran.

Wie weit will der Staat Israel den Widerstand noch verfolgen? Der Irak wurde vernichtet und damit die PLO zur Kapitulation gebracht; die Vernichtung des Iran wäre mithilfe der US-Kriegsmaschine ein weiteres Kinderspiel. Aber dann würde sich der Widerstand wohl in Nigeria und Indonesien zeigen.

Ist der Staat Israel vielleicht nur der Katalysator der antijüdischen Politisierung (also der Christianisierung) und Modernisierung (also Amerikanisierung und Nazifizierung) der Welt des Islam?

Die Verwandlung der Juden - der Gehetzten, Verfolgten, Geschundenen, Ausgemordeten, Neurotisierten durch die christlich-rassistische Unkultur Europas - zu tüchtigen Europäern ist ein psychisch-kultureller Prozeß, der tiefenpsychologisch und sozialpsychologisch nachvollzogen und nachempfunden werden kann. Bei gutem Willen. Der in der muslimischen Welt immer stärker um sich greifende Judenhaß - als sichtbarster Teil des Hasses auf den Westen - ist ebenso nachvollziehbar und nachempfindbar.

Doch geht es nicht um das Begreifen schlimmer sozialpsychologischer Prozesse, sondern um die Vermeidung weiterer Katastrophen. Denn voraussehbar ist der Untergang des Kleinstaates Israel, und sei es in einem Hitlerschen Muspilli - sobald sein Rückhalt, die westliche Welt, an seiner eigenen egoistischen Welt- und Selbstzerstörung eingegangen sein wird. Auch die Juden außerhalb Israels, auch die nichtzionistischen Juden werden dann furchtbare Zeiten haben. Denn leicht absehbar ist die selbstgewisse Schuldzuweisung der Christenheit: "Die Juden sind am Zusammenbruch schuld, die Juden sind an allem schuld!"

Der Grundtext des Christentums, das "Neue Testament", stellt diese jede Selbstkritik ersparende "Erklärung" mit der ersten Religionsstunde jedem Christen gratis zur Verfügung, sie schläft von da an in seinem Unterbewußtsein, um in der Stunde der Krise ins Bewußtsein aufzutauchen. Die Nöte im Zusammenbruch des westlichen Systems treiben die christianisierten nationalistischen und demokratisierten Massen zu Judenpogromen totaler Art.

Diese Perspektive sollte veranlassen, trotz allem Abscheu die moralische und Geisteskrankheit des Nazismus aufs neue zu analysieren.

Als erstes verbietet sich die Gleichsetzung des Nazismus mit den Faschismen Italiens, Spaniens und Portugals. Nazismus ist totaler Rassismus und Judenhaß. Er hat mehr Gemeinsamkeiten mit seinerzeitigen Konservatismen in Frankreich (Maurras, Barrès), Polen, Rumänien sowie mit dem Stalinismus als mit den Regimen Mussolinis, Francos und Salazars, die eher Vorbeugungsmittel waren gegen die stalinistischen und nazistischen Demokratismen. Daß heute alle Faschismen, vorzüglich der italienische, nazifiziert sind, ändert nicht den historischen Unterschied. Die marxistisch-leninistisch-stalinistische Propaganda mit ihrem "Antifaschismus" verwirrt nur den Antinazismus und fördert den Nazismus; die deutsche Linke wurde somit unfähig, den Nazismus mit der Härte zu bekämpfen, die allein zum Erfolg verhelfen kann.

Als zweites muß festgehalten werden, daß der berechtigte Haß der nichtwesteuropäischen-nichtnordamerikanischen Menschheit gegen den Kapitalismus und seine Zerstörungen sich seit dem Wegfall des Sowjetsystems nur noch nazistisch artikulieren kann.

Der Nazismus entspricht genau dem niedrigen intellektuell-sittlichen Niveau der aus allen traditionellen Bindungen, Sitten, Verhältnissen und Sicherheiten herausgerissenen, in grauenhaftes Elend verstoßenen und nahezu "vertierten" Menschen.

Diese Entrechteten und Verzwergten bilden die übergroße Mehrheit der Menschheit, und sie werden allein durch ihre Zahl die "Ordnung" der westlichen Welt zerstören, ohne allerdings eine bessere Ordnung herstellen zu können.

Es ist der Westen, der sich bis auf seine Strukturen der Ausbeutung und Kolonialisierung (Interventionstruppen) systematisch (hedonistisch-kulturell) selbst auflöst, wodurch nur noch diese Ausbeutungs- und Unterwerfungsstrukturen von den Ausgebeuteten zerstört werden müssen. Das ist aber eine Frage der Zeit und der "Zufälle".

Der Westen gedeiht seit jeher durch Zerstörung; intern waren bis zu ihrer Vernichtung die gläubigen Juden das einzige sittliche Ordnungselement unter der "Freiheit des Christenmenschen", extern die Muslime als aktiver Widerstand.

Europa ist antisemitisch, weil die sittliche Ordnung der Semiten seine unsittlichen Freiheiten einschränkt. Aber genau an seiner "Freiheit" wird Europa samt seinem amerikanischen Ableger eingehen. So, wie der Westen die Menschheit zugerichtet hat, so wird sie über den Westen herfallen: in einer mechanischen, völlig unreflektierten und vertierten Reaktion (s. die FIS Algeriens). Also nazistisch und mit US-Protektion!

So weit die Kurzanalyse des Nazismus unter aktuellem Aspekt. Auf der anderen Seite steht der Islam als Lehre, als Din. Er bietet das Konzept einer gerechten Weltgesellschaft unter dem Gesetz Gottes an, was seine riesige Attraktivität auf allen "farbigen" Kontinenten erklärt.

Wenn das islamische Gesetz, die Scharia, auch alle Merkmale der hydrokulturell-despotischen Gesellschaften des alten Orients trägt, so bietet der politische Kern des Koran und der Scharia dennoch - ähnlich der Torah, aber nun für eine globale Ordnung - die Blaupause einer besseren Menschheitsordnung.

Der westlichen Unordnung wird das Modell einer Ordnung gegenübergestellt. Dies macht die unwiderstehliche Attraktion des Islam aus; deshalb verbreiten sich der Islam als Religion des unpolitischen Menschen und der politische Islamismus mit Windeseile in der farbigen Menschheit.

Die globale WASP- und WC-Kaste (White Anglo-Saxon Protestants, White Christians), die als herrschende selbstgewisse Minorität bis heute über einer Menschheit thronte, die sich ihrer Einheit nicht bewußt war, wird durch die Islamisierung der Menschheit zu einer isolierten Minderheit, zwar noch mit Macht, doch schon ohne Prestige.

Es war voraussehbar, daß "Islamismus" und Nazismus sowie nazifizierter Faschismus (als Aufstand der Untiere gegen die Plutokratie) einmal zusammenfließen. Dies geschieht jetzt.

Die gemütliche Spekulation, die vernünftig-humanitär-antirassistisch-semitische Grundtendenz des Islam werde eines Tages die antizionistische und nazistische Verzerrung ausscheiden, ist zugleich realistisch und illusionär.

Denn wer weiß, ob wir noch die Zeit für diesen Ausscheidungsprozeß vor uns haben? Der Islam als politische Kraft könnte an dieser Vergiftung sterben, bevor er den Westen besiegt und das Gift ausgeschieden hat. Es kommt aber darauf an, die nächste Phase der Weltgeschichte so zu kanalisieren, daß die finale Katastrophe nicht eintritt.

Wer die unvermeidliche Flut des Weltaufstandes gegen den Westen kanalisieren will, muß schnellstens große konzeptionelle und praktische Anstrengungen auf sich nehmen. Geschieht dies nicht, etwa im Vertrauen auf die Überlegenheit von "sophisticated methods and weapons", auf eine weitere "Operation Wüstensturm", dann werden sich die Sprengungen jüdischer Zentren der letzten Tage erweisen als schwache Vorbeben des "Menschheitsbebens" der nächsten Jahrzehnte.

Gleichermaßen töricht ist es für Juden, zusammen mit dem Westen die kulturelle "Compradorenklasse" der muslimischen Länder zu verbreitern und die Entislamisierung nach dem Muster der Entchristianisierung Europas zu fördern.

Der Typus der Taslima Nasrin (Bangla Desh) kritisiert z.T. wirkliche Übelstände seiner Länder und Kulturen, aber er kennt die Qualitäten des Islam nicht und liefert sein Land der Entkulturierung, dem Amerikanismus aus.

Als Typus Salman Rushdie gar beschränkt er sich auf die zynisch nihilistische Verhöhnung des Islam und provoziert den Haß der Beleidigten, was seine Förderer sogar einkalkuliert haben dürften. (Die Verkaufszahlen steigen, der Islam kann negativ dargestellt werden, die westliche Freiheit erstrahlt im Licht, nihilistische Literaten finden einen Lebenssinn und glauben sich als mutige Helden).

Der Westen hat zwischen A.Koestler und R.Havemann große Erfahrungen mit der Promovierung von Renegaten gesammelt, doch A.Solshenizyn und die Opposition gegen Tito (die heute in Belgrad die Politik bestimmt) lehren, daß sich die Politik der Zersetzung nicht lohnt. Diese Politik erzeugt Nazismen. Die Juden zahlen ihre Folgekosten immer zuerst.

Jeder wahre Monotheist muß jetzt deutlich machen, daß die Botschaft des Gottes Abrahams ein Appell an die Vernunftfähigkeit und Mitmenschlichkeit des Menschen ist sowie der Befehl, die ganze Erde vernünftig-humanitär zu ordnen. Insofern ist der Monotheismus in der Tat die konservative Revolution. Prophetische Politik ist jetzt überlebensnotwendig geworden.

Wenn die Politik des Staates Israel, des Jüdischen und des Zionistischen Weltkongresses den von Rabbi Adi Steinsaltz ausgesprochenen Wahrsatz - "Wir als Juden könnten die meisten unserer Glaubensartikel mit denen der Moslems austauschen..." (Der Spiegel Nr. 15/94) - zum Leitmotiv ihrer praktischen Arbeit machen würden, dann wäre die Bombe entschärft, die durch das Zusammenfügen von Gruppen des "fundamentalistischen" Islamismus und der Nazis entstand und laufend weiter entsteht.

Aus der prophetischen Wurzel muß jetzt schnellstens ein globales Konzept gegen die ethisch-kulturelle und ökonomisch-politische Verwüstung der Menschheit und gegen die ökologische Verwüstung der Biosphäre durch die westliche Hegemonie entwickelt werden.

Nicht der kleine Staat Israel (trotz der blöden Arroganz und Aggressivität seiner zionistischen Führer) ist das Problem; bei globaler pro-islamischer Politik könnte sogar eine große Aufgabe für die in den Lagern vegetierenden Palästinenser in Afrika gefunden werden. Das Problem der Juden ist ihre prowestliche, proplutokratische Einstellung geworden.

Aber Juden mit ihrem Mut zur Konsequenz sind für die globale Rettungsbewegung, für den Islamismus unentbehrlich, um ihn frei von Borniertheit zu machen, um ihn flott zu machen für den Sieg.

Sie waren unentbehrlich für die sozialistische Bewegung. Jene Fragen, die der Sozialismus einmal aufgeworfen und z.T. falsch, nämlich von seinen europäischen Grundlagen her (Szientismus, Atheismus, Materialismus, ethische Indifferenz, Arbeiterkult, Volkskult, Etatismus) beantwortet hat, erweisen sich auch nach dem Sturz des Sowjetblocks als dringend der Lösung harrende Probleme.

Sie sind natürlich weder durch eine Rückkehr zur "arischen" Barbarei lösbar noch durch eine Rückkehr zur Kultur der damaligen Republik Medina, sondern nur durch die schöpferische Neuanwendung der Prinzipien des Koran und der echten Sunna.

Sobald die Juden diese Weltprobleme im Licht ihrer Torah erkennen, werden sie sehen, daß Israel der Bruder Ismaels ist, welcher "vor ihm wohnt", d.h. um Israel herum im Geist des Korans die Welt ordnet. Ein neuer Tag von Peniel nur kann den Lauf der Weltgeschichte zum Heil wenden.

Ein paradigmatischer Koalitionswechsel der Juden, weg vom Westen, hin zum Islamismus, ist unabdingbar, um die Juden wie die ganze Menschheit zu retten, um den Islam orientalischer kultureller Überformung und antijüdischer Verzerrung vor der Invasion westlicher Nazis zu retten. (2.8.94)

Zu einigen Begriffen dieser Streitschrift:

a.) dem Traditionalismus,
b.) dem Panislamismus.

Es ist eine historische Tatsache, daß England den islamischen Traditionalismus näch Kräften geschützt und gefördert hat, daß die USA die Schutzmacht der Saudis und ihres reaktionären, geldgestützten Export-"Islam" sind. Als "Gegengewicht" schuf derselbe Westen den Nationalismus: die Baath wurde von einem christlichen Libanesen französischer Ausbildung gegründet, die Universitäten Paris und Beirut standen dabei Pate.

Die Baath wurde in den Irak exportiert, um die Engländer zugunsten Frankreichs hinauszudrängen. Im Gegenzug gründeten die Engländer die Arabische Liga, um Frankreich aus der arabophonen Welt, auch des Maghreb, zu verdrängen. Der Nasserismus entstand im britischen Ägypten, wo nach Nassers Tod seine Mitarbeiter Sadat und Mubarak dem Westen dienen.

Daß der Antisemitismus auch gegen die Araber gerichtet ist, bezeugt das Hauptwerk Rosenbergs, Mythus des 20. Jahrhunderts, überdeutlich. Ganz abgesehen davon, daß es eine arische Rasse nie gegeben hat, sondern lediglich die indogermanische oder arische Sprachfamilie - daß der nazistische Rassismus also ohne jede wirkliche Basis ist - (andernfalls z.B. die englischsprachigen amerikanischen Schwarzen "Arier" sein müßten wie auch die recht dunkelhäutigen Inder), ist eine dumme, aber mörderische Ideologie und so ernst zu nehmen wie eine Vereinigung für Kinderschändung.

Der Autor ist als Muslim entschieden ein "geistiger Semit" (Pius XI.). Als solcher faßt er das ideologische Ariertum als die Weltanschauung der Teuflischen auf. Monotheismus gegen Nazismus bedeutet Gott gegen den Teufel auf Erden. Der Islamismus bekämpft deswegen die Nazis mit dem Ziel ihrer physischen Ausrottung als Erzverbrecher; gleichfalls bekämpft er, was in Europa übersehen wird, die rassistisch konstituierte Kastengesellschaft des hinduistischen Indiens. Kaste: "Varna" (Sanskrit) bedeutet wörtlich (Haut-) Farbe.

Die "Arier" gelten den "geistigen Semiten" also nicht als die Gegenrasse, sondern als "geistig Kriminelle"; es wird kein rassistischer Gegenkrieg geführt gegen den nazistischen Rassenkrieg, sondern ein Weltanschauungskrieg gegen die Nazis - auch die in den Islam einsickernden Nazis, so strikt sie auch zur Tarnung die fünf Pflichten des Muslims einhalten mögen. Dies ist Dschihad!

Im Jahre 1971 wurde im englischen Sherborne der "Beshara Trust" gebildet, der zwei "Schools for Intensive Esoteric Education" aufzog, in denen u.a. die Lehre des hochbedeutenden Sufi-Mystikers Ibn el-Arabi aus dem Andalusien des 13. Jahrhunderts n.Chr. gelehrt wurde, dazu auch christliche Mystik. Deren Schüler schlossen sich dem Darqawi-Orden an, der von einem Zeitgenossen Ibn Abdel Wahhabs, ad-Darqawi (1760-1823), in Marokko gegründet worden ist.

Der Darqawi-Orden folgt der strengen malikitischen Rechtsschule. (Der auf el-Afghani zurückgehende Tauhid-Orden folgt der toleranten hanafitischen Rechtsschule). Seine Zentrale befand sich lange Zeit im britischen Norwich (Norfolk), sein Verlag nannte sich Diwan Press. Von dort breitete er sich nach Spanien, Deutschland, Bolivien und in die USA aus.

Angeblich schärfstens gegen jeden Nationalismus, läßt sein Scheich Ian Dallas jedoch unübersehbaren und unüberhörbaren rassistischen Ressentiments freien Lauf. So ist z.B. der britische Premierminister Major für ihn kein Christ, sondern wegen angeblicher jüdischer Vorfahren ein "Jude".

Die von Dallas hochgeschätzten Größen seiner Ideologie sind ein einseitig interpretierter Nietzsche, der als Antisemit bekannte Nazidemokrat von 1848 Richard Wagner, R.M. Rilke, und der gottlose Lebensphilosoph Heidegger (s. hierzu: Ian Dallas, The New Wagnerian, Granada 1990, und The Ten Symphonies of Gorka König, Kegan Paul London 1989).

Gegen das "jüdische Verteidigungssystem" empfiehlt Dallas u.a.: "Eine gutgezielte und weittragende Abfolge von Überfällen wird die erste Stufe dieses Kampfes sein. Er wird in wichtigen Gegenden und sogar Ländern bis zum Entstehen nationaler militärischer Unterstützung durch islamisch gebildete Offiziere führen... Wenn Banküberfälle und Geiselnahme die erste Phase der Schlacht ausmachen, ... Gleichzeitigkeit des Angriffs von Jakarta bis zum Westen ..." (Das Zeichen des Schwertes, Madinah Verlag, Freiburg i. Brsg. 1991, Erstveröffentlichung 1984 ohne Ortsangabe; zit. S.118 ff.).

Kein Muslim und Kenner des westlichen Imperialismus wird Dallas' Letter to an African Muslim (Diwan Press, 1981) die Anerkennung versagen. Die Methodologie des Neokolonialismus wird exakt analysiert und beschrieben, ebenso die der befreienden Islamisierung Afrikas. Es geht hier allein um die unverkennbare Sympathie des Ian Dallas für den Nazismus und seine Vorbereiter.

A. Rosenberg nannte als die "Ahnen" des Nazismus ausdrücklich Wagner, Nietzsche, Lagarde und Chamberlain; in: Gestalten der Idee, 2.Aufl., Mchn. 1936, S.18.

Chamberlain schrieb u.a. - in: Die arische Weltanschauung, 2.Aufl., Mchn. 1912, S.17) -, weil Judentum und "Mohammedanismus" eine "Demokratie der absoluten Gleichheit" kennen, beweise dies die rassische Minderwertigkeit ihrer Träger. Über den britischen Kolonialismus, das Vorbild des nazistischen Imperialismus, schrieb er in Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts, 2.Aufl., Mchn. 1900, Bd.II, S.726: "Daß das Vorherrschen des Germanentums ein Glück für sämtliche Bewohner der Erde bedeutet, kann niemand beweisen; von Anfang an und bis zum heutigen Tage sehen wir die Germanen ganze Stämme und Völker hinschlachten ..., um Platz für sich selber zu bekommen."

Wohlgemerkt war dies keine Anklage, sondern die zynische Billigung des Völkermordes, woraus sein Schüler und Freund Hitler die Konsequenzen zog. Hitlers KZ-Mörder aber sind für Dallas "heroes for us", so mündlich in Granada am 17. August 1991 vor ca. 500 Zeugen.

Die Verdeutlichung der Position des ICDE muß hier, wenn auch abgekürzt, in einer Gegenüberstellung der Aussagen des ICDE zu den Grundsätzen des panislamistischen Tauhid-Ordens geschehen. Wir zitieren aus der Rede eines ICDE-Mitgliedes vor einer Versammlung des Third Way (Mr. Michael Walker, Mr. Bouchet, Redaktion ORION) im Juni 1992.

ICDE: "The koran acknowledges the Divine origins of the races, nations, languages and cultures ... the Nation remains the framework of action and experience ... an ideology which negates Nationalism is doomed to collapse."

Tauhid: Es ist wahr, daß Gott die Menschen als zwei Geschlechter und in Stämmen schuf, doch die beiden Geschlechter werden als sich ergänzende Polarität gesehen, die Stämme zur besseren Unterschiedlichkeit ihrer jeweiligen kulturellen Eigenheiten, die sich jedoch ebenfalls ergänzen sollen. Der Nationalismus hingegen ist die Ersatzreligion der vom Christentum abgefallenen Völker und das Gift, an dem die muslimische Welt zerfallen soll. Im Dar-ul-Islam lebten und wirkten von allem Anfang an mehrere Völker zusammen. Die bekanntesten Nichtaraber z.Zt. des Propheten waren der Perser Salman und der Afrikaner Bilal sowie jüdische Ehefrauen des Propheten. In seiner Abschiedsrede sagte Mohammed, sein Nachfolger solle der frömmste Muslim werden - "und selbst wenn er schwarz ist und eine abgebrochene Nase hat." (Die Araber erklärten sich die Gesichtszüge der Afrikaner in dieser naiven Art, die Mohammed übernahm, um das Volk zu belehren).

ICDE: "... the Italian Colonel Sironi, the founder of Geostrategy, considered as a high probability a conflict between ... the USA and the European powers."

Tauhid: Sironi (1885-1961) war ein Künstler der futuristischen Richtung, die den italienischen Imperialismus hochstilisierte, insofern Vorläufer des Faschismus war. Sie verfocht die italienische Spielart des europäischen Imperialismus und Kolonialismus, auch zur Zeit der Eroberung des osmanischen Libyen.

Es ist möglich, daß es zum Konflikt USA-Europa kommen wird, aber dies wäre ein innerkapitalistischer Konflikt, in dem ein Muslim das taktische, für den Islam günstige Moment wahrnehmen muß, aber nicht grundsätzlich Stellung beziehen darf.

ICDE: Die USA destabilisierten Europa. "The British Isles and the Iberian Peninsula constitute fortresses which protect ... our Continent."

Tauhid: Soweit Europa ein kultureller Kontinent ist (und es ist geografisch nur ein Subkontinent Asiens), ist es eine Gruppe wahnhaft aggressiver Nationalstaaten, die über die gesamte Menschheit hergefallen sind. Die größten Völkermörder in Übersee waren die (anti-islamischen und antijüdischen) Spanier sowie die Engländer, die die herrschende Schicht in den massenmörderischen ("Indianer", "Neger", Mexikaner) USA sind.

ICDE: "We Europeans belong to different nations yet to the same tribes. We have the same ancestors ... We must once and for ever be able to create an European empire, or we will disappear altogether."

Tauhid: Diese Definition der Nationen ist eindeutig rassistisch, ist Abstammungsnationalismus.

Ein Europäisches Empire würde die kolonialistische Vergangenheit Europas, die Weltherrschaft Europas wieder herstellen - das Ziel nicht nur der Nazis, sondern auch der EG (hier verhüllt mit humanitären Phrasen englischer Art). Die farbigen Völker werden sich bedanken für diese neuen "muslimischen" Glaubensbrüder!

ICDE: "There is also an evidence that these ideas require an ideology, let us rather say "une idée force". Islam is the "idée force" which marks the turn of this millenium."

Tauhid: Die Nationalismen Europas sollen einig und zusammen wieder auf den weltweiten Raubzug gehen. Der Islam ist in der Tat die geistige Macht von morgen. Dies veranlaßt "Kulturen", die bisher den Islam immer verfolgt haben, plötzlich seine Kraft anzapfen zu wollen, ähnlich wie der Nationalismus vor 70 Jahren sich "sozialistisch" gab, um dem marxistischen Sozialismus den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ein bewußter oder unbewußter Trick von Dieben?

Dem Tauhid-Orden geht es um die endgültige Entmachtung, um die Islamisierung und damit die Zivilisierung und Kultivierung Europas und der Europäer, damit sie Mitmenschen der Menschheit werden. Einzelne Völker Europas könnten in diesem Prozeß der Islamisierung schnell sein, andere in der Dunkelheit stecken bleiben wollen und wieder nazistisch werden. Eine Unifizierung Europas im Sinne des ICDE könnte diesen Entwicklungsprozeß der schnellen Völker nur behindern - und soll dies vielleicht auch behindern.

Warum eigentlich steht das ICDE in einer derart scharfen Feindschaft zu den USA, wo deren weiße Bevölkerung doch zu denselben "tribes" gehört wie die Europäer und dieselben "ancestors" hat? Es wird vorsichtiger Weise nicht ausgesprochen, ergibt sich aber aus dem Unterschied, der neben den Gemeinsamkeiten zwischen Europa und den USA besteht: in den USA gibt es große Bevölkerungsgruppen nichteuropäischer, also afrikanischer und asiatischer Herkunft, und die für "Nichtweiße" gehaltenen Juden scheinen in den USA eine größere und nicht mehr "ausmerzhare" Rolle zu spielen als in Europa. Es ist der rassistische Aspekt, der dem Nazi die USA so widerwärtig macht, nicht der ethisch-kulturelle Gesichtspunkt, der für einen Muslim ausschlaggebend ist.

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