2001-09-27

tauhid-tariqat
Ustad Ridwan Abdul-Muqsit

Schon verspielt bevor es begann?

KarthoumEs ist noch nicht die dritte Woche seit den Triple-Attentaten von New York und Washington vollendet, und schon hat es den Anschein, als ob die Partie der NATO verspielt sei. Es gibt jetzt schon zu viele Eröffnungszüge, die verpatzt wurden. Ohne Kenntnisse der wirklichen Hintergründe und allein auf das Fernsehen und die Tagespresse angewiesen, gehen wir immer noch von der plausiblen Annahme aus, die Täter seien Ibn Ladins Gruppe in Kooperation mit einem irakischen Geheimdienst gewesen. Denn ein Millionär, selbst wenn er wirklich ein mehrfacher sein sollte, und seine nach einigen Tausenden gehende fanatische Gefolgschaft allein kann eine derartige, logistisch umfangreiche, Tat unmöglich ins Werk gesetzt haben. Da muß ein Staatsapparat wichtige Hilfe geleistet haben, ob mit oder ohne Wissen der benutzten Ibn-Ladin-Gruppe.

In der FAZ vom 26.9.01 hat denn auch ein nicht näher vorgestellter Autor namens Doron Arazi, wahrscheinlich ein Israeli, unsere Annahme argumentativ untermauert: "Die Einschätzungen Bin Ladins (sind) stark übertrieben." Und: "... die inhärent staatlichen geheimdienstlichen Fähigkeiten, die diese Großschläge erst ermöglicht hatten", seien "selbst von einem schwerreichen Erben aus seiner Privatschatulle am freien Markt nicht zu erwerben gewesen." Arazi weist direkt auf Saddam Hussein hin.

Avram Kokhavivs letzter Satz in seinen kritischen Anmerkungen zum Tripleschlag auf die USA lautet: "wenn nicht die Fixierung auf Osama Bin Laden ein Ablenkungsmanöver darstellt, um die Nahost-Intervention gerade zu vermeiden." Uns fiel schon am "Tag danach" die Blindheit westlicher Geheimdienste auf. Wie konnten sie alle sich völlig überraschen lassen? Doron Arazi ist im Gegensatz zu uns intensiver informiert, so daß wir annehmen, er arbeite vielleicht mit dem israelischen Mossad zusammen. Verschweigt seine detaillierte Arbeit vielleicht gerade mittels der Fülle der Details, daß ausgerechnet der Mossad die westliche Erblindung gefördert oder verursacht haben könnte in der Erwartung einer NATO-Intervention im Nahen Osten zugunsten des zionistischen Siedlerlagers und seiner Förderer Scharon und Genossen?

Wenn es sich so verhalten sollte, dann wäre dieses Vorhaben aber zumindest vorerst sehr schief gelaufen, so daß jetzt die US-Regierung Scharon stark unter Druck setzte, den Verhandlungen mit Arafat zuzustimmen. Ob diese freilich fortgesetzt werden können, darf bezweifelt werden. Der Attentäter gibt es genug auf beiden Seiten.

Wie auch immer: Wir können nicht zufrieden sein. Allzuviel mühsam bisher Erarbeitetes ist inzwischen schon "den Bach hinuntergegangen." Scharon war der erste westliche Politiker, der engere Kontakte mit dem KGB-Offizier im großrussischen Präsidentenamt und seinen Tschetschenenmördern angebahnt hat. Die große Masse der westlichen Kälber lief nach den Schlägen auf die USA stracks hinter ihm her. "Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber!", schrieb vor 1933 das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold an die Mauern deutscher Städte. Es war vergeblich, und diese Mauern stürzten im Zweiten Weltkrieg ein.

Angesichts dieser Verblödung der immer manipulierten Massen und ihrer Berufspolitikerkaste muß man nicht taktvoll schweigen, wenn man genießt. Frech und ganz offen erklärte jetzt Putin, er "staune immer mehr" über Schröder, der ihm unaufgefordert den Konflikt in Tschetschenien "differenzierter (zu) bewerten" versprochen habe. Unser Kanzler mag unter Schock klein beigegeben haben. Öffnet Schröder jetzt die Tore der EU sperrangelweit für das seine Weltmachtposition wieder anstrebende Rußland?

Und für die zentralasiatischen, noch immer von Stalinisten regierten OSZE-Staaten nebst Rotchina?

Putin mag erstaunt sein, doch wir sind es überhaupt nicht. Vielmehr haben wir derartiges von unseren deutschen Linkspolitikern mit ihrer Brockdorff-Rantzau-Tradition aus den Zeiten von Brandt, Scheel, Schmidt und Genscher erwartet. Sollten DIE GRÜNEN für eine solche erweiterte Ost- und Friedenspolitik nicht länger die Nerven haben - die FDP Westerwelles und NRWs steht zur Ablösung gerne bereit.

Und die USA, die nicht wildwestartig aus der Hüfte schießen? Sie sind, im Bestreben, eine Großkoalition ohne historischen Rückhalt - ihren früheren treuen Partner Pakistan haben sie gegen die atomaren Ambitionen Indiens und seine Okkupation Kaschmirs nie unterstützt - zu errichten, eifrig dabei, sich selber in ein vietnam-ähnliches Afghanistan-Abenteuer zu verstricken. Sie haben Islamabad finanziell ausgeblutet und danach erpreßt, ihnen Beistand zu geben. Doch infolge aller amerikanischen Fehlurteile und falscher politischer Züge wird wohl Pakistan sich talibanisieren. Und die USA müssen ersatzweise Rußland, nein, sogar die Sowjetunion wiederentstehen lassen.

Wir gehen fürwahr herrlichen Zeiten entgegen!

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