2001-06-25

Ali Nerter

Future Fiction

Der Berliner Verleger H.L. warnte aus gegebenem Anlaß am 6. Mai 2001 den deutschen Muslim T. E. K. vor folgendem Szenario: "Ich stelle mir vor, die kaukasischen Moslems machen sich auf den Weg, besetzen und besiedeln die Gegend um Königsberg. Der Kaukasus wird allmählich de-islamisiert. Im Kreml sitzt der neue Zar und reibt sich die Hände. Beim nächsten Handumdrehen schlägt er vor, daß Ostpreußen doch nun wieder deutsch werden könnte. Berlin nickt sofort mit allen Köpfen und verspricht, eine entsprechende Entschädigung an Rußland zu zahlen. Der Stratege in Moskau kann jetzt ruhiger schlafen. Sein Tschetschenien-Problem hat er an die Deutschen verkauft, und die sind ihm für alle Zeiten dankbar. Das steckt objektiv in Ihrem Konzept. Eine Entlastung des Kaukasus wäre ein großer Gewinn im Vergleich mit der dann neuen Belastung in und an Ostpreußen. Außerdem wäre es gelegentlich ein Anknüpfungspunkt für andere Gelüste Richtung West. Was Sie islamisch-revolutionär meinen, kann ebensogut antiislamisch-konterrevolutionär gewendet werden."

Der Angesprochene, dessen Thesen am 19.6.01 publiziert worden sind, hatte begründete Einwände privatbrieflich erhoben, schrieb jedoch am 8.6.01 (in "Welche Interpretation gilt?"), daß der Zusammenbruch der UdSSR und des Warschauer Pakt-Systems auch als eine diabolische Inszenierung des KGB interpretiert werden könnte, inszeniert, um den ohnehin jetzt im Fäulniszustand befindlichen Westen, genauer: den westeuropäischen Teil der alten NATO zum Nachteil der USA irrezuführen. Ein futuristisches weiteres Szenario bietet sich an:

Eine Woche, nachdem US-Präsident Bush dem großrussischen (KGB-) Präsidenten Putin in Slowenien tief in die Augen geschaut hatte, kündigte letzterer eine Weiterrüstung der russischen Raketenstreitkräfte mit atomaren Mehrfachsprengköpfen an. Trotz einer schier verzweifelten Wirtschaftslage, nur gemildert durch westliche Subventionen, wurde eine konfrontative Außenpolitik Moskaus angekündigt, die sich schon in diversen Gesprächen Moskaus mit Peking und New Delhi angebahnt hatte. Was wäre jetzt an der russischen Westgrenze zu erwarten? Zeichnen wir eine Art Future Fiction Story, geeignet als Weckruf für westeuropäische Schlafmützen, auf:

Der Kreml erklärt nach gründlicher Sichtung der Archive, daß während der Drei-Mächte-Konferenz 1945 in Potsdam der greise sowjetische Diktator Stalin kurze Zeit einen Schwächeanfall gehabt und in unverantwortlicher Weise der Westverschiebung Polens, vorgeschlagen von Roosevelt und Churchill, zugestimmt habe. Diesen kriminellen Fehler wolle Moskau nun wiedergutmachen. Man biete dem Freistaat Preußen den Oblast Kaliningrad als baltische autonome Region an; selbstredend seien die an Polen gefallenen, früher deutschen Oder-Neiße-Gebiete Deutschland in geeigneter Form zurückzueignen. Damit wären zwar die sozialliberalen Parteien SPD und FDP blamiert, aber rechts von der CDU/CSU gewönnen Kräfte hinzu, die heute schon auf diese Konzeption zuarbeiten. Die PDS würde für die Koalition SPD/GRÜNE auch auf Bundesebene zur unentbehrlichen Stütze, und es begönne ein weiterer Umdenkprozeß unter dem Begriff der Entstalinisierung. Zwischen der Berliner Republik und dem NATO-Mitglied Polen wäre der Samen des Mißtrauens und der Zwietracht ausgesät, und die zweite Phase der NATO-Osterweiterung käme in schweres Gewässer. Stalin hätte also posthum einen weiteren großen Sieg für Großrußland errungen.

© Copyright 1999 - 2011 kokhaviv publications