2000-05-07
Sehr geehrter Herr Dr. Hennig,
besten Dank für Ihren Brief v. 4. d.M.! Inzwischen habe ich den PREUSSEN gelesen; am 1.5. hatte ich ihn nur am Anfang durchgesehen. Ich bin erfreut, daß Sie auf Seite 15 die Situation Chinas genau analysieren! Auch die beim Besuch Clintons zutage getretene Auswechslung des seitherigen Bündnispartners Pakistan durch den bisherigen Rußlandpartner Indien. In der Tat: hier kündigt sich der nächste interkontinentale Großkrieg USA gegen China an. Ob er sich an Taiwan entzünden wird oder anderswo, wird sich zeigen.
Die Partner Chinas sind bis jetzt nur im islamischen Raum zu finden: Pakistan seit etwa 30 Jahren, Iran seit Khomeinis Revolution (Afghanistan ist leider ein Zankapfel zwischen den beiden geworden), Iraq (auch dieser ist leider seit längerer Zeit im latenten oder offenen Konflikt mit Teheran), Syrien (leider in der Zange zwischen dem zionist. Staat u. der Türkei), Sudan (wird von christlichen Kirchen ständig destabilisiert), Libyen. Chinas Beziehungen zu Rußland sind nur insofern entwickelbar, soweit Moskau antiamerikanisch ist und soweit ein gemeinsames Interesse an der Abwehr islamistischer Kräfte u. Bestrebungen im ehem. sowjet. Zentralasien u. im chines. beherrschten Uighur-Ostturkestan-Sinkiang besteht. Zentralasien incl. Uighuristan aber ist ein altes Gebiet des Dar-ul-Islam. Das chinesisch-islamische (Waffen-) Bündnis ist also permanent destabilisierbar.
Inwieweit Pakistan unserem Wunsch nach dipl. Anerkennung Preußens nachkommen will u. wird, läßt sich nicht verläßlich prognostizieren. Was das von uns in früheren Tagen angesprochene Nordzypern anbetrifft, so schätze ich die Aussichten gering ein, weil seine türkische Schutzmacht im Einverständnis mit den USA preußischen Aspirationen insgeheim nicht wohlwollend gegenübersteht. Hier könnte nur ein Regierungswechsel zur Tugendpartei abhelfen; doch der ist unmöglich, solange die türkische Generalität kemalistisch gesinnt ist. Also müßten wir dort auf eine islamistische Revolution setzen, und wie man ihr begegnen würde, erhellt aus dem Schicksal Algeriens.
Der wirklich entscheidende Schritt zu einer internat. Anerkennung Preußens wäre ganz einfach das preußische Bekenntnis zum Islam. Und da ersehe ich aus dem an sich logischen Artikel von B. Fuchs (Punkt B 3 "Dekulturation") sowie aus dem Artikel von J. P. Ney, daß dazu keine Neigung vorhanden ist. Keiner fragt sich, ob heute noch eine deutsche Kultur besteht, ob der "Multikulturalismus" nicht in Wahrheit eine totale Amerikanisierung ist. Ob das Christentum heute nicht ein Beeinflussungsorgan dieses Amerikanismus ist, also ob die Wiederprussifizierung Deutschlands durch einen problemerkennenden Islam nicht den Durchgang durch eine multireligiöse Landschaft erfordert. (Der Islam toleriert ja sowieso das Christentum u. ein nichtzionistisches Judentum, allerdings nicht die hedonistische heutige Unkultur!).
Der Vorteil einer Islamisierung Preußens ist täglich ersichtlich an der weltweiten finanziell-waffentechisch-personellen Förderung jeder Widerstandsbewegung in der Welt, die sich auf den Islam beruft. Da gibt es Solidarität! Siehe z.B. der Widerstand der muslimischen "Philipinos" in Mindanao (der "Moros" = Mauren!). Oder der Kaschmiris oder der Tschetschenen.
Aber, wie gesagt, die Preußen bleiben lieber matte, friedliebende Christen oder "Heiden" oder naturwissenschaftlich Verbildete (also letztIich Filialleiter des Weltamerikanismus).
Ich füge diesem Brief meinen Abo-Bestellzettel sowie einen 20-DM-Schein bei.
Mit den besten Grüßen, Ihr gez. T. E. Knapp
