2000-04-30

Sehr geehrter Herr Dr. Hennig,

ich danke herzlich für Ihren Brief v. 27. d.M. und die Kopie Ihres Schreibens an die pakist. Botschaft v. 28.9.1996! Letztere habe ich weitergeschickt... Auf längere Frist sehe ich in diesem Kontakt gute Aussichten, zu unserem Ziel zu gelangen. Das muß natürlich behutsam angegangen werden, nichts ist zu überstürzen

Was Dirk Hasert anbelangt, so ist dieser höchstwahrscheinlich von einer Tarnorganlsation der indischen Armee entführt worden und inzwischen ermordet, um die kaschmirischen Freiheitskämpfer in den Augen uninformierter Westler zu diskreditieren. Man könnte das Thema zwar noch ansprechen, aber das hätte m.E. eher einen akademisch-historischen Rang. Das tut mir sehr leid, aber realistische Einschätzung macht dies nun mal unumgänglich.

Nach wie vor schätze ich auch Rußland anders ein als Sie. Bitte lassen Sie mich freimütig sagen, daß ich staune über die Illusionen des nationalkonservativen Lagers über Rußlands Situation. Putin ist wie sein Vorgänger ein Geschöpf des Milliardärs Beresowski u. des KGB. Dieser ist ein Geschöpf des Tschekagründers Dsjerschinskij, eines Juden. Die Tscheka/NKWD/MWD/GPU/KGB war eine stark jüdisch dirigierte Gründung der stark jüdisch bestimmten bolschewist. Partei. Die Oktoberrevolution 1917 und danach hat ganz Rußland durch Massenmorde unerhört, Kulakenausrottung, Industrialisierung, Akademisierung, Verfolgung der orthodox. Kirchen, Ausrottung des Adels u. Bürgertums usw. dauerhaft zu einem judisch-modern-quasiwestlichen Land gemacht. Der nun wiederholte Massenmord an den tapferen Tschetschenen zeigt doch, daß dieser Kurs im Nach-1917er-Rußland dauerhaft angelegt ist. Rußland bleibt deswegen ein Partner der antideutschen Weltkräfte bei der Niederhaltung der Deutschen u. Preußen. Rußland kann sich ganz einfach nicht fangen, weil es so ist, wie es seit 1917 geworden ist. Auch Putins "starker Staat" wird deswegen ein antipreußischer sein. Und ein Verbündeter der NATO. Ich gebe einen feuchten Dreck auf die angeblich empörten Reaktionen westeurop. Parlamentarier auf die Gräuel der Russensoldateska in Tschetschenien. In Wahrheit ist doch der Westen froh, daß Rußland im Nordkaukasus die Muslime ausrottet!

Ich erkenne in dieser nationalkonservativen Fehleinschätzung Rußlands dasselbe Phänomen der freiwilligen polit. Erblindung wie in meinem Lager, wo man nur Frömmigkeit u. Mystik pflegt, als ob die Sunna des Propheten nicht die eines überragenden Politikers u. Heerführers gewesen sei. Letzterem muß ein guter Muslim nachstreben statt ein dem westl. System willkommener Frömmler und Mystiker werden zu wollen. Ich habe mit diesen Leuten gebrochen, sie sind zu keiner kohärenten polit. Tat zu bewegen. Und ich hoffe auf eine entsprechende Politisierung auch in Ihrem Lager.

Der Machtwechsel in Islamabad kam durch den Überdruß über die Korruption des parteiparlamentarischen Systems in Pakistan zustande. Außerdem bahnt sich in Asien eine generelle Umstellung der Konstellation an. Die USA bereiten sich auf einen Kalten oder streckenweise heißen Krieg gegen China vor und verbünden sich mit Indien, "die größte Demokratie der Welt". China (u. Nordkorea) aber sind die engsten waffentechnischen Verbündeten Pakistans, das letztens zum Mißvergnügen der USA Atommacht wurde.

Putin schlug neulich ein Dreieck aus Rußland-China-Indien vor, was den USA genehm wäre. Gleichzeitig hat das rußlandfreundliche Serbien enge Freunde in London u. Paris. So schwierig die globale Lage jetzt auch ist, so sehe ich eine Chance für das Aufbrechen der "Ordnungen" von Versailles, Potsdam usw. nur im gleichzeitigen Spielen der islam. Karte sowie der nichtzionistischen in den USA. Nicht aber mit Rußland. Königsberg wird nie frei mit Zustimmung Moskaus noch mit Zustimmung von Paris oder London oder jener EG, die heute gegen Haider, Österreich und tendenziell gegen die mitteleuropäische Möglichkeit hetzt und boykottiert, sondern nur im komplizierten Zusammenspiel einerseits mit islamisch-islamistischen Kräften und andererseits mit rußlandfeindlichen Kräften in den USA.

Der Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa hat uns in der Verfolgung der Politik Adenauers - allmähliche Rückgewinnung der mitteleurop. Positionen und nicht, wie der blöde Kohl meint, die Einigung Europas und die Aufgabe deutscher Positionen - stark bei der Austarierung der globalen Kraftfelder zurückgeworfen. Die Einigung Europas war doch nach dem verlorenen Weltkrieg nur zum Schutz Restdeutschlands vor dem aggressiven Kommunismus gedacht u. nicht als Ziel an sich! Deutsche Politik, die nicht nur dem Namen nach deutsch ist, müßte die völlig neuen Gegebenheiten der Welt nach 1990 endlich realistisch erkennen und überdenken wollen.

Eine Zusammenarbeit über solche Details wie Kaschmir hinaus ist m.E. Zeitverschwendung, wenn eine gemeinsame Sicht unserer polit. Interessen noch nicht erarbeitet ist. Konkret hätte das national-konservativ-preußische Lager längst Partei für die verfolgten Tschetschenen gegen die russischen Landräuber u. Massenmörder ergreifen müssen, um Vorbedingungen für die Befreiung Preußens von seinen Eroberern u. "Säuberern" nach 1945 zu schaffen.

Ich bedauere, diese harten Worte gebrauchen zu müssen, möchte aber andererseits nicht einer im Grunde verlogenen Höflichkeit zuliebe die Gebote der Nüchternheit verletzen.

Mt den besten Wünschen und Grüßen

Ihr

gez. T. E. Knapp

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