1996-12-25
Herrn
Bundesgeschäftsführer der CDU
Peter Hintze
Konrad-Adenauer-Haus
Fr.-Ebert-Allee 73
53113 Bonn
Sehr geehrter Herr Hintze,
die Gewinnung Frau Lengsfelds für die CDU ermuntert mich zu diesem Brief. Ich bin weder Mitglied noch Wähler Ihrer Partei (auch einer anderen nicht). Jedoch halte ich eine 1998 mögliche Regierung aus SPD und GRÜNEN, ob mit oder ohne direkte Unterstützung durch die SED-PDS, für eine europäische, nationale, ökonomische und langfristig-kulturelle Katastrophe. Deshalb müßte jetzt dafür vorgesorgt werden, daß die CDU/CSU mit oder besser noch ohne die FDP regieren kann.
Unsere monotheistischen Werte - Ihnen und mir gemeinsam und lebenswichtig - werden tödlich bedroht durch eine hedonistische gott- und vaterlandslose Mentalität und Politik, deren philosophische Ursprünge bei den Liberalen zu finden sind. Ein Blick auf die erfolgreiche intellektuelle Hegemonialpolitik à la Gramsci der KP Frankreichs unter Generalsekretär Hue könnte zeigen, was auch in Deutschland möglich und wahrscheinlich ist. Die Willfährigkeit Außenminister Kinkels, eines Zöglings Genschers, gegenüber Pressionen der PDS z.B. im Falle Botschafter F.v. Mentzingens, Bogota, (wo jetzt sicher nicht zufällig die Affäre Maus spielt!), beweist, daß die FDP im Ernstfalle das Einlaßtor der virtuellen Koalition SPD-GRÜNE-PDS-(SED) sein kann.
Wir müssen gegen diese Gefahr eine entschiedene in Gott, dem Offenbarer des Sittengesetzes, begründete Kulturpolitik setzen. "Monotheistische Werte oder Hedonismus" hieße die philosophische Entsprechung der älteren Wahlparole "Freiheit oder Sozialismus". Doch stehe ich auf dem Boden der Tatsachen und weiß, daß philosophische Argumente die Massen nicht bewegen. Man muß mit derben Fakten aufwarten, um sie zu bewegen.
Hiermit schlage ich Ihnen ein Wiederaufrollen der "Kairoer Affäre" von 1975 vor, auch wenn das übertriebene Ansehen des "slippery man" Genscher dabei beschädigt wird. Sollte diese Affäre jedoch im westlichen Ausland, evtl. in Buchform, aufgeworfen werden, dann könnte es für die CDU zu spät sein, die Sache so zu modellieren, daß für ihren jetzigen Koalitionspartner kein Schaden entsteht.
Die Fakten, deren restliche Aufhellung Chancen zum Modellieren gäbe:
1.) Es gab damals tatsächlich einen Verrat von Dienstgeheimnissen und vielleicht wirklich der "landesverräterischen Fälschung";
2.) es gab auch dichte Kontakte im Einvernehmen mit dem Sicherheitsbeauftragten unserer BRD-Botschaft Dr.B.W. zwischen dieser und der DDR-Botschaft in Kairo; W. ist FDP-Mitglied;
3.) sowohl der BRD-Diplomat P. Lazarek wie eine DDR-Diplomatin, deren Name mir entfallen ist, kamen in Kairo etwa gleichzeitig gewaltsam zu Tode ("Selbstmord" bezw. "Autounfall");
4.) die AA-Dokumente wurden vom Berliner EXTRADIENST publiziert und von der Presse des Ostblocks wiedergegeben; der "ED" gilt heute als Stasi-finanziert;
5.) bequemerweise wurde mir von der Regierung Schmidt-Genscher die Affäre aufgebürdet, wobei das sozialliberale Personal beflissen mitzog und fast die gesamte Presse sich zum Schweigen vergattern ließ, weil ich damals (dummer Weise!) ein "linker" Demokratischer, aber stets antisowjetischer Sozialist gewesen bin;
6.) trotz aller Intrigen und Manipulationen vonseiten des sozialliberalen Personals fand das BKA nicht einen (1) Sachbeweis;
7.) die von AA-Personal psychologisch (da unter Schock) präparierten Falschzeugen mußten vor der Sicherungsgruppe Bonn des BKA ihre schriftlichen Aussagen zurückziehen (in meiner Erfahrung hat sich das BKA als einzige deutsche Behörde als rechtsstaatlich korrekt erwiesen);
8.) es wurden nach einem, (zufälligen?) Kairo-Transit Genschers eventuelle Beweismittel kartonweise von Angehörigen der BRD-Botschaft Kairo im Reißwolf der Botschaft beseitigt;
9.) es wurden Zeugen aus Kairo vom BKA aus Gründen der "Sparsamkeit" (Reisekosten) nicht vernommen, auch nicht bei Heimaturlauben, sondern ausgerechnet von der Botschaft Kairo selbst;
10.) es kam zum Vorschein, daß die Bilharzia-Akte der Botschaft "verschwunden" blieb, obwohl ihr Letztbesitzer (m.W. ein Herr D.) aus der Ausgabekarte sich hätte eruieren lassen (das BAYLUZID der Fa. Bayer Leverkusen war in der für Sadats Vorbereitung des Oktoberkrieges strategisch wichtigen Oase Fayyum zur Anwendung gekommen, was Observierungen durch auch östliche Dienste hat ermöglichen können);
11.) trotz alledem hielt der Generalbundesanwalt an dem der Regierung Schmidt-Genscher willkommenen Falschverdacht fest (s.Anlage),
12.) klärte jedoch das o.a. Graufeld trotz meiner Anzeigen gegen unbekannt nicht auf;
13.) der Sarg P. Lazareks wurde nach Überstellung in die BRD und vor seiner Beisetzung weder für die Familienangehörigen geöffnet noch der Leichnam forensisch untersucht;
14.) alle Falschzeugen, Schweiger und vom BKA nicht vernommene Kenner der Kairoer Szene erhielten vom oder über das AA, oft unter Federführung seiner FDP-Kulturabteilung, lukrative Auslandsposten (Goethe Institut, Sprachdozentur an französ. Universität, Botschaften incl. Beförderungen);
15.) Botschafter Steltzer (SPD) wurde 1975 oder 76 auf dem Flughafen München vor dem Abflug nach Kairo "irrtümlich" festgenommen und nach Intervention Schmidts bald wieder freigelassen;
16.) die Fraktion der CDU/CSU im Bündestag, zumal Herr Alo Hauser, die sich bei Wischnewski, MdB, nach der Sachlage erkundigte, wurde von diesem abgefertigt: "Der Knapp ist doch ein Linker, um ihn sollten Sie sich nicht kümmern, das können wir besser";
17.) die Gauck-Behörde (Anlage anbei) hat herausgefunden, daß ich der Stasi als "Spion" und "Saboteur der Flugsicherheit" gegolten habe, daß sie mich als Mitglied des Bundesvorstandes der GRÜNEN (1980/81) ausgeforscht hat, was nach Aufdeckung aber den GRÜNEN gleichgültig blieb (so daß der Stasi-IM möglicherweise dort weiterwirkt); schon Anfang der 50er Jahre muß ich als Landesfunktionär des antikommunistischen BDJ in Hessen den Diensten des Ostblocks auffällig gewesen sein, um wieviel mehr als späterer Fulbright-Stipendiat und BRD-Diplomat;
18.) deutsche Presseorgane wurden von Wischnewski ("Kölnische Rundschau") und Hellenbroich ("Spiegel", evtl. "Stern") angehalten, ihre aufklärende Berichterstattung zum Fall "Kairo" einzustellen, was auch geschah, denn die damalige Bundestagswahl sollte nicht zuungunsten der Regierung Schmidt-Genscher belastet werden.
Die Aufzählung weiterer Details würde den Rahmen dieses Briefes sprengen, wäre auch unnütz für den Fall weiteren Desinteresses vonseiten der CDU.
Ich möchte für den günstigen Fall vorschlagen, daß die jetzt beim Bonner AA lagernden Akten des Außenministeriums der DDR und, falls möglich, der Kairoer DDR-Botschaft, auf die o.a. Vorkommnisse durchgesehen werden.
Da ich im 65. Lebensjahr stehe, habe ich keine Aussicht auf eine materielle Rehabilitation. Da mein innerer Abstand zu den damaligen Ereignissen und sogar zu meiner damaligen Persönlichkeitsstruktur so groß ist, daß diese Sache mir zuinnerst gleichgültig geworden ist und ich das gerechte Richten Gott überlassen kann, veranlaßt mich nur die Sorge um eine bevorstehende politische Katastrophe - nämlich die Machterschleichung einer Gruppierung, die eine Fortsetzung des Nazismus mit ganz anderer Phraseologie bedeutet - zu diesem Brief an Sie.
Sollten Sie sich bei Parteifreunden über mich näher informieren wollen, dann rate ich, an den Stadtverordnetenvorsteher Heppenheims, Herrn Paul Weißmüller (CDU), heranzutreten, der auch Kopie dieses Schreibens erhält.
Mit den besten Wünschen und Empfehlungen
gez. T. T. E. Knapp
(Tarik Taha - vormals Erich - Knapp)
