2001-07-31
Dschihad oder Hidschra?
Die Frage, welche Sunna des Propheten Mohammed (a.s.s.) die guten Muslime befolgen sollen - die Sunna vor der Hidschra nach Medina oder die aus der Zeit danach -, beantwortet sich durch die heutige konkrete Weltsituation. Wie sehen die gegenwärtigen globalen Zustände aus, auf die Muslime antworten müssen? Werfen wir einen Blick auf die Weltkugel:
Bei der Aufzählung der Großmächte der Erde werden meistens die USA an erster Stelle und danach Rußland, China, Indien genannt. Nicht zufällig sind sie alle Atommächte. Eine Macht wird bei der Aufzählung meist vergessen: der winzige Staat Israel. Nicht zufällig ist auch er eine Atommacht.
Dazu kommt, daß heute der Zionismus und der Staat Israel identisch sind mit dem Judentum und seiner vielfältigen ökonomischen und publizistischen Macht. Das war nicht immer so. Noch 1933 waren nur 5% der deutschen Juden zionistisch gesinnt. Erst Hitler, dieser kriminelle Tiefpunkt europäischer Verblödung, rottete die anti- und nichtzionistischen Juden aus und begünstigte die Auswanderung der zionistischen Juden nach Palästina. Die Nazis schufen erst die Einheit zwischen Zionismus und Judentum, Hitler ist der eigentliche Gründer des Staates Israel.
Eine Weltmacht ist eine Macht, die die Welt so oder so bewegen kann. Das Judentum ist eine Weltmacht auch ohne Atomraketen, auch ohne den Staat Israel - die es jedoch nur gibt infolge der politischen und sonstigen Intelligenz der Juden. Die 1,5 Milliarden Muslime jedoch sind keine Weltmacht. Die erste Aufgabe der guten Muslime besteht deshalb darin, mit Gottes Hilfe die menschliche Intelligenz zu steigern (und nicht die Künstliche Intelligenz KI zu entwickeln).
Die jüdische Intelligenz ist politisch im Zionismus konzentriert, und er orchestriert das weltweite Judentum. Im Jahre 1947 begann seine Eroberung Palästinas, und die Dummheiten der arabischen Machthaber gestatteten die Ausbreitung dieser Invasion. Judentum/Zionimus/Staat Israel betrachten jeden als Todfeind, der das zionistische Experiment schädigt oder aufhält oder beenden kann. Sein historisch erster Feind im 20. Jahrhundert mußte somit das palästinensische und arabische Volk sein. Ben Gurion hat diese Wahrheit in aller Klarheit ausgesprochen, als er sagte, der Zionismus sei der "Aggressor", weil er den Palästinensern ihr Land wegnehme.
Wir müssen die Geschichte der letzten fünf Jahrzehnte nicht erzählen, weil jeder Zeitungsleser weiß, daß die Zionisten immer weiter vorgedrungen sind, bis sie und die Palästinenser jetzt in der Krise stehen.
Diese Krise ist nur durch einen Krieg "lösbar". Dazu dienen die punktgenauen Provokationen Scharons wie der "Getreuen des Tempelberges". Zuerst läßt man scheinbar ahnungslos solche Provokationen zu, dann erregt man sich über die Reaktionen der Palästinenser, schließlich muß man sich gegen die ohnmächtig-heldenhaft-blödsinnigen Selbstmordattentate präventiv zur Wehr setzen. Das ist das Schema seit der angeblich von Nasser geplanten Sperrung der Straße von Tiran. Aber die präzisen Zugriffe auf den Haram al-Scharif signalisieren, daß diesmal nicht nur die Palästinenser provoziert werden sollen und nicht nur die Araber, sondern auch die 1,5 Milliarden Muslime der ganzen Erde.
Eingeweihte zionistische Kreise sprechen jetzt vom bevorstehenden Dritten Weltkrieg. Und er wird schon vorbereitet durch Aufklärungen und Organisation dieser angeblichen Notwehr. Provozieren heißt auf Deutsch: "aufreizen, künstlich hervorrufen, aufwiegeln, geschickt hervorlocken".
An dieser Stelle empfiehlt sich ein Blick in die jüngste Zeitgeschichte: Hitler und seine NSDAP waren Todfeinde der Juden. Also mußten die Juden mit Recht im Nazismus ihren Todfeind sehen. Sie wirkten ab 1933, in Voraussicht des kriegerischen und schlicht kriminellen Konfliktes, führend dabei mit, gegen den Nazismus eine Weltkoalition zusammenzubringen, die schließlich siegte.
Wäre der heutige Islam imstande, sich gegen eine Weltkoalition aus Israel, USA, Rußland, China, Indien usw. zu behaupten? Die kurze Antwort lautet: Der Islam würde diesen Weltkrieg noch schneller verlieren als Hitler den seinen verlor.
Man mag hier einwenden, daß doch eine so große Koalition nicht zustande kommen könne. Aber gegen Hitler fanden der Bolschewismus Rußlands und die kapitalistischen Westmächte trotz größter Gegensätze zusammen. Und es blieb dem Islam auch nichts anderes übrig, um unterdrückte Muslime zu befreien (wie die afghanischen), als sich mit den Unterdrückern anzulegen.
Die muslimische Welt spannt sich zwischen Marokko und Nigeria im Westen und Bangladesch, Indonesien sowie Malaysia im Osten bis Tatarstan im Norden. Die arabische, semitische Lehre erlaubt nicht die Duldung der Unterwerfung von Muslimen unter die Jurisdiktion und politische Herrschaft von Nichtmuslimen. Dadurch entstand Streit überall, wo Muslime unterdrückt werden: Nicht nur in Palästina, sondern auch im Kaukasus (Tschetschenien, das bittere Erfahrungen der Russen in Afghanistan wieder in Erinnerung ruft), in Zentralasien (Uighur-Sinkiang), auf dem Balkan (Bosnien, Kosowa, Mazedonien), im Sudan und in Äthiopien, in Arakan (Burma), in Kaschmir (Indien), in Moroland (Philippinen) usw.. Der Islam mußte sich aufgrund seiner Weltanschauung fast auf der ganzen Welt Feinde machen, und diese halten den Islam für ihren Feind. Dazu kommt noch der weltanschauliche und praktische Hedonismus, also die Kultur des modernen Westens, als feindlicher Faktor.
Der Islam hat aus kulturgenetischen Wurzeln also genug Feinde. Dazu kam seit dem Zionismus, einer europäischen kolonialistischen und sehr aggressiven Ideologie ähnlich dem deutschen Nazismus, jetzt eine weitere Herausforderung, deren Intelligenz alle früheren feindlichen Faktoren zusammenfassen und organisieren wird.
Der Staat Israel ist mächtig genug, die palästinensische Autonomie militärisch zu beseitigen und die Kader der PLO sowie der Hamas zu vertreiben, die angrenzenden arabischen Staaten atomar auf Distanz zu halten und damit "Frieden" im Nahen Osten zu schaffen - zur Beruhigung des hedonistischen Westens. Denn seine "Freiheit" ist eine hedonistische.
Solch eine weitere arabische Niederlage, so könnte man einwenden, würde durch die Verletzung des Haram al-Scharif das Tonicum eines militanten allmuslimischen Islamismus. Jedoch mangels Koordinierung würde sich das schnell totlaufen. Es wird deshalb wohl keinen größeren Krieg geben, sondern "nur" eine endlose Kette von Scharmützeln, Kleinkriegen, Pseudofriedensschlüssen und weiteren Kleinkriegen. Das alles in wechselnden Bündnissen mit wem auch immer.
Wie am Ende der beiden letzten Weltkriege wird es Sieger geben, die wie die UdSSR 1945 wirkliche Sieger sind, und andere wie Britannien, Frankreich, Niederlande nach 1945, die in Wahrheit Verlierer wurden, obwohl sie Deutschland besiegt hatten.
Der Krieg des Zionismus gegen den sich wehrenden Islam wird am Ende keinen der heutigen Machthaber noch an der Macht oder am Leben sehen. Das Dschihad-Gerede der offiziellen Muslime ist verantwortungslos! Die muhammedanische Sunna der Hidschra in einer temporär aussichtslosen Situation würde einen Ausweg aus der Notlage öffnen. Aber dafür müßte man seine Intelligenz aktivieren und steigern.
