2001-07-02

tauhid-stiftung
Ridwan Abdul-Muqsit

Hidschra nach Faschoda und Wau

Die Nachkommen der Magd Hadschar (Hagar), der Mutter des Abrahamsohnes Ismael, wandern in Zeiten der Not, wie sie, aus in Länder, die lebensgeeigneter sind. In der Zeit Abrahams wanderte Hadschar mit ihrem Ismael weiter in ein Land, das seither der Hedschas genannt wird. Zur Zeit des Propheten Mohammed wanderten die Nachkommen Ismaels in Mekka, die Nordaraber, aus; zuerst nach Äthiopien, dann endgültig nach Jathrib, das seither Medina heißt (d.h. Stadt des Propheten). Seither wird dieser Typus kollektiver Befreiung Hedschra oder Hidschra geheißen.

Die Palästinenser können zur Zeit keinen gewinnbaren Krieg gegen die zionistische Besatzungsmacht in ihrem Land führen; sie sind zu schwach. Sind so schwach wie die ersten Muslime im heidnischen Mekka. Warum wandern sie nicht ebenfalls aus in ein Land, in dem sie sich eine eigene und freie Heimat schaffen können? Der Ausgang der Hidschra von Mohammed und seinen Anhängern ist bekannt: Sie kamen nach Mekka zurück als Sieger, und die heidnischen Mekkaner bekehrten sich fast alle zum Islam. Warum bleiben zwei Millionen Flüchtlinge aus Palästina seit Jahrzehnten in Lagern, nicht anerkannt als Staatsbürger (mit Ausnahme Jordaniens) in den Staaten ihres jetzigen Aufenthaltes? Sie sind arm und verzweifelt, aber sie bleiben mit bewundernswerter Sturheit und Opferbereitschaft. Doch werden sie nur verheizt.

Einen Krieg, den man nicht gewinnen kann, sollte man besser verschieben; auf den, wie die Deutschen sagen, "Sankt Nimmerleinstag" bezw. auf den Tag, wenn der Mahdi kommt. Ihm das Reich vorbereiten, heißt, sein Kommen beschleunigen. Denn ohne ein spirituell-religiös-politisches Wachstum der Menschheit wäre das Kommen des Mahdi wahrscheinlich sinnlos. Nur eine ethisch fortgeschrittenere Menschheit ist des Mahdi wert und kann für ihn eintreten. Der Mahdi ist sehr wahrscheinlich keine Person aus Fleisch und Blut, sondern eine künftige kollektive Figuration, ein Symbol für den ersehnten ethischen Standard der Menschheit, wie der Meschiach der Juden und der Messias der Christen auch. Dieser Standard ist von Gott vorgegeben worden durch die große Zahl der jüdischen Propheten sowie den christlichen Propheten Jesus und den islamischen Propheten Mohammed. Insofern könnte das Kommen dieses Erlösers die gemeinsame Arbeit sowohl der Muslime wie der Juden wie der Christen sein.

Das heuchlerische Mit dem Finger anklägerisch auf die "streitsüchtigen Muslime und Juden" zeigen, wie es die europäische Christenheit tut, ist geschichtsblind. Denn die Europäer sind es ja gewesen, die im 19. Jahrhundert den Zionismus Theodor Herzls mit ihrem rassistischen Protonazismus produziert haben. Sie haben wahrhaftig keinen moralischen Grund, andere Menschen anzuklagen. Sie sollten vielmehr ihre Untaten bereuen und sie wiedergutzumachen versuchen.

Statt dessen versucht ihre amerikanische Vormacht, gegen den sich verteidigenden Islam ein Bündnis zu schmieden. Zum Beispiel gegen die Republik Sudan das inzwischen (und vorläufig nur?) gescheiterte Bündnis zwischen Äthiopien, Eritrea und Kenia. Hinter diesem Versuch stehen die calvinistischen wie römischen wie orthodoxen und äthiopischen Christen sowie die westlichen Neuheiden. Ihre Schamlosigkeit und Scheinfreiheit läßt sie aufständische Heiden und gerade christianisierte Südsudanesen mit Waffen, Geldern und manchesmal auch Nahrungsmitteln versorgen, damit die Metzelei andauere. Das ist die Verlängerung der Verwüstungen des Kolonialismus mit anderen Mitteln. In den Filmen der Regisseurin Leni Riefenstahl, die einst die Filmproduzentin des Mordrassisten Hitler gewesen ist, tritt die Sympathie der weißen Schamlosigkeit für die zurückgebliebenen nackten Südsudanesen ins helle Tageslicht. Für diese Rebellion treten im Grunde ihrer verdorbenen Seele Nazis ein. Ob sie es wissen oder nicht: die christlichen Unterstützer der südsudanesischen Rebellen sind ebenfalls Nazis. Nazismus war ein Aufstand gegen die globale monotheistische Zivilisation. Daher der Antisemitismus der Christen Europas wie der Nazis. Daher die allgemeine Aversion des Westens gegen den Islam.

Wir sprechen von zurückgebliebenen nackten Südsudanesen, obwohl wir wissen, daß sowohl die Zurückgebliebenheit wie das damit zusammengehende Nacktläufertum auf den westlichen Kolonialismus zurückgehen. Solche Ausdrucksweise wird uns nun als politically incorrect vorgeworfen. Aber korrekt wäre es, die Zurückgebliebenheit mit ihrer Folge der Nacktgängerei als Schuld des Westens zu bezeichnen, als eine weitere westliche Schamlosigkeit, die von den Regierungen des Sudan abgestellt werden soll. Allein, auch in dieser Hinsicht muß festgestellt werden, daß der Sudan zu schwach ist, seine moralische Aufgabe zu erfüllen. Wie wäre es, wenn die Schwäche der palästinensischen Flüchtlinge in Elendslagern Syriens, Libanons, Jordaniens usw. mit der Schwäche des Sudans zusammengetan würde? Zwei Schwächen könnten inshallah eine neue Stärke ergeben. Der Südsudan ist menschenarm und unterentwickelt. Die palästinensischen Lager sind überfüllt und unterentwickelt in technischer, ökonomischer Hinsicht. Das menschliche Potential Palästinas aber, wenn es im Südsudan angepflanzt wird in einer großangelegten Hidschra, kann dieses Land aus seinem Elend herausreißen und die Palästinenser dazu. Leni Riefenstahl hat wie Rousseau in ihrer Weise durchaus recht, wenn sie die Nacktgeher als "edle Wilde" sieht. Wilde sind sie in der Tat, insofern sie gegen die Zivilisation Khartoums und den islamischen Prozeß der Zivilisierung kämpfen, wie die Nazis gegen den europäischen Prozeß der Zivilisation angekämpft haben. Die Sprache Riefenstahls wie Rousseaus wie Nietzsches entlarvt das Freiheitsgerede des Westens ebenso, wie die Berliner Love Parade die Moralität dieses angeblich freien Westens decouvriert.

Inzwischen gibt es zwei Millionen Palästinaflüchtlinge. Ihre systematische Ansiedlung am Oberlauf des Nil und seinen Nebenflüssen in landwirtschaftlichen Siedlungen, natürlich bewaffnet gegen barbarische Überfälle, verstärkt durch Kleinindustrien zur besseren Versorgung aller Sudanesen, würde den demografischen und zivilisatorischen Charakter Afrikas vorteilhaft verändern. Das wäre den Einsatz aller Geldmittel der reichen muslimischen Erdölstaaten wahrhaftig wert. Aber auch jene Kräfte im Westen, die in einem weiteren Nahostkonflikt die Lösung sehen, sollten, selbst wenn er nicht von den Palästinensern gewonnen werden kann, sondern elend verloren gehn würde, sich jetzt rechtzeitig die Folgen, die ökonomischen und politischen Folgen, durch den Kopf gehen lassen. Eine Kampfpause im Nahen Osten wäre auch eine Ruhepause zum Überdenken. Unnötige Opfer müßten nicht gebracht werden. Zeit wäre gewonnnen für die Vorbereitungsarbeit des Kommens des Mahdi. Deshalb wäre eine palästinensische Hidschra nach Faschoda am Nil und nach Wau und in die Territorien dazwischen ein Segen nicht nur für die Araber und alle Sudanesen, sondern auch für die gesamte Menschheit. Wenn ihr nur wollt, ihr werdet es erlangen!

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