1970-04-00

Unger Varnsdorf

Der Fall G

Eine Abweichung / nacherzählt

Ich muß aufschreiben, um Klarheit zu gewinnen, auch für mich. In G vertiefte sich's zur tödlichen Feindschaft. "Wenn es diesmal nicht klappt, bleibt mir noch der nächste Baum." Er schlug mit dem Wagen gegen die Betonkante und muß nach Lage der Dinge am Ort sofort tot gewesen sein.

Er sollte nicht fahren; seine Gastgeber ermahnten ihn, bei diesem Wetter nicht... Er fuhr und drehte auf Glatteis im Uhrzeigersinn exakt mit dem Führersitz gegen die Kante unter der Bundesbahn. Zehn Zentimeter vor oder zurück, er wäre mit dem Schreck und also mit dem Leben davongekommen. Bewußter Selbstmord kam bei so präzisem Anschlag außer Betracht.

G hatte den Heiminstinkt, den Instinkt zum häuslichen Stall, in die mütterliche Geborgenheit der warmen Küche mit weißem Gaslicht im Arbeiterbezirk Wedding.

Ich war der "Stammhalter" der Familie, der erste Knabe in weitem Verwandtenumkreis mit väterlichem Namen. Um mich wurde jener Trubel entfaltet, in dem G, mein jüngerer Bruder, untergehen mußte, wie ich nun sehe.

"Mörder!"

Ich war zweieinhalb Jahre, als er geboren wurde, und ich ging ihm um ein Haar ans Leben. Das Eisengewicht einer alten Wanduhr in den Kinderhänden, krabbelte ich auf den Neugeborenen zu und hob zum Schlage an, dem ersten Anschlag auf den jüngeren Bruder.

"Karel Grandy ist wieder auferstanden!" hatte ich an die Eltern geschrieben, bei denen er zuletzt wieder wohnte. Wenige Wochen darauf schlug G mit der linken Stirnseite gegen den Brückenpfeiler auf der Straße nach D. Bei seinem Begräbnis sagte mir die Mutter, ich sei der alte Großvater, der Tagelöhner aus Tasdorf, der aus dem Litauischen nach Preußen gekommen war um die Jahrhundertwende.

Die tödliche Geschichte meines Bruders wird zur Geschichte meiner Identitätsfindung; die Analyse seiner Persönlichkeit zur Bestandsaufnahme eines Lebens aus proletarischer Dunkelheit, Unwissenheit und Angst. Wenn es wahr ist, daß ich sein Leben zerschlagen habe, so will ich wissen, warum, will ich die Ursachen und Beweggründe finden. Dem Toten Gerechtigkeit widerfahren lassen.

G wurde ans Licht der Welt gebracht zu Frühlingsbeginn des Jahres 1934 - ich, sein Bruder, in die Finsternis, ins Grau des 31er Spätherbstes. Er kam am Tage und aufsteigend dem Sommer und der Sonne entgegen. Ich aus der mütterlichen Tiefe, um sogleich in das Dunkel der Jahresnacht zu tauchen.

Geschichte kleiner Familien, Geschichte im Kleinen. Kleine Geschichten vom kleinen Klassenkampf der robusteren Mutterlinie gegen die absterbende jener der Väter, gegen deren aus Schwäche geborene, irrational gründende, autoritäre Herrenschaft?

Der Ruf meiner Klasse.

Ewig wird der Ruf auf dieser Klasse lasten, wenn wir ihn nicht reinwaschen, wenn wir uns nicht erheben. Ewig!

Verflucht, wenn wir auseinanderlaufen, uns nicht sammeln zum großen Aufstand! Es gibt keine Bande der Familie, solange dieser Riß nicht zur tödlichen Kluft auseinandergebrochen. Der Schlag gegen den feindlichen Teil der Familie ist der Beginn des Bürgerkrieges, der Revolution!

G, gestorben am 30. Januar 1970, etwa 21.34, an einem Brückenpfeiler der Straße nach D.

G's letzte Gedanken, aufgeschrieben auf den Monat genau acht Jahre vor seinem tödlichen Unfall mit dem schmutzigen graublauen Ford 17M - am 16. Januar 1962:

Gedanken von G.

***Wäre es möglich, daß jeder Mensch versucht, ein großes Werk zu schaffen? Nein, es ist noch nicnt einmal der Versuch möglich, weil dieser schon so viel Geist, Mut und Willenskraft verlangt, die der normale Mensch nicht aufzubringen vermag. Allein die Ideenlosigkeit schon verhindert die Ausführung. Sie meinen, Sie könnten das höchste Haus der Welt bauen? Dazu brauchen Sie keinen Geist, nur Geld. Sie könnten etwas Sensationelles vollbringen? Sie werden bekannt, vielleicht auch berühmt; aber was hat Sensation mit Geist zu tun? Es gibt nur wenige Große unserer Weltgeschichte. Ich finde, Geld macht unruhig, woher kommt es, wer hat es geschaffen?

Es hatte den Sinn, irgendwie Ordnung in unser Leben zu bringen, aber wurde es erreicht? Für Geld werden Menschen umgebracht, für Geld tut man vieles, wenn nicht alles. Warum? Geld ist Macht, wer besitzt, wird umkrochen, man lauert auf einen Brocken, der mit oder ohne Absicht herunterfällt. Die Meute zerfleischt sich gegenseitig um die Gunst. Um wessen Gunst? Wozu, warum, wo ist der Stolz, der Mensch, wozu braucht er, brauche ich die Gunst des Anderen, doch höchstens die Gunst des anderen Geschlechts. Die Großen unserer Welt, wie haben sie es vollbracht, ich glaube, durch eine unheimliche Leidenschaft, durch Haß, Liebe oder sonst etwas Überdurchschnittliches. Es hob den Geist ins Unermeßliche. Ich kann mich nicht einfach hinsetzen, einen Roman oder ein Musikstück schreiben, ich streite nicht ab, es muß Talent da sein, aber ist es nur dies? Ich muß etwas haben, woran ich mich steigern kann, wenn man liebt, kann man besser, schöner Liebesbriefe schreiben, als wenn nur Sympathie vorhanden ist. Ich weiß nicht, warum ich dies schreibe, es ist bestimmt Unsinn, aber trotzdem schreibe ich, der kein Großer ist, sondern der Herde entstammt. Vielleicht habe ich sogar den Herdeninstinkt, es wäre furchtbar.

Manchmal bilde ich mir ein, anders als die Anderen zu sein. Jeder Mensch denkt, er steht über den Anderen, er will etwas haben, womit er die Anderen überragt. Es fängt bei den Kindern schon an, ich kann den Ball weiter werfen, ich kann am längsten tauchen, ich laufe am schnellsten, es ließe sich unendlich fortsetzen. Glauben Sie denn, dies Über-den-Anderen-sein-Wollen merzt sich mit Zunahme des Alters aus? Im Gegenteil, es nimmt zu, natürlich im anderen Sinne. Fangen wir bei dem Arbeitnehmer an. Fast jeder versucht, in einer höheren Gunst beim Chef zu stehen als der Andere, auf welche Art, welche Mittel er dazu nimmt, ist gleichgültig, die Hauptsache, er erreicht sein Ziel, Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Im Geschäftsleben ist es die harte Konkurrenz. Im Privatleben unter 'Freunden' hört man sich selbst am liebsten sprechen, meistens nun auch noch, die Überlegenheit, die man sich einbildet den Anderen gegenüber zu haben, voller Ironie anzudeuten. Kurzum, der Mensch will Mittelpunkt sein, Bewunderung erheischen, umworben und umschmeichelt sein. Wie bemitleidenswert diese Menschen, die darin Erfüllung sehen. Reiße dem Menschen, dem Schauspieler die Maske vom Gesicht und du findest eine Fratze, die dich erschreckt, nur wenig ist heute noch gut und echt. Das Leben ist wie die Wildnis, voller Gefahren, achte auf dich, sonst wirst du eines Tages zerfleischt u. dein kläglicher Rest den Geiern zum Fraß vorgeworfen. Dann hast du nie mehr die Chance, Ich zu sein, denn dein wirkliches Ich hast du verloren. Darum finde zu dir selbst, denn wenn du weißt, wie du bist, weißt du auch, was du willst, lebe so wie du bist, dann wird dein Leben nach deinem Willen sein, nur so wirst du glücklich. Heuchle dir nicht selbst etwas vor, sonst wird es dir wie in einer Zwangsjacke ergehen, eng und unzufrieden. Bist du zufrieden, sind es Andere, bist du glücklich, sind es Andere, sei einfach Ich.***

"Ich" - damit enden G's letzte Aufzeichnungen, niedergelegt acht Jahre vor seinem Tode, der sich ausnimmt wie die schicksalhafte, der Illusion entgegenwirkende listige Erfüllung seines ureigenen, individuellen Gesetzes, dessen Grundstrukturen wir hier aufspüren wollen; aufspüren die List der Geschichte in der ererbten, vorgefundenen, erworbenen und ausgetragenen Ambivalenz der Personlichkeit G's, in seinen Ursprüngen und Hinterlassenschaften.

Als ich den Text las, war mir, als hätte ich das eine oder andere schon einmal gehört oder anderswo gelesen. Allmählich erinnerte ich mich eines Schriftwechsels, den ich vor ungefähr zehn Jahren plötzlicn abgebrochen hatte - einen Schriftwechsel mit G. Ich suchte in meinen Briefordnern und fand einige, für mich nunmehr aufschlußreiche Schreiben.

Der Austausch begann mit einem Brief G's vom 2. April 1959; darin leitete er eine nicht zuletzt politische Diskussion ein, von deren Themenwahl - Generationen in Deutschland und ihre Beziehungen zur Wiedervereinigung des Landes - die ersten Antworten und Rückantworten zehrten; eher am Rande brachte ich einige mich derzeit beschäftigende Dinge zur Sprache, die sich um allgemein menschliche, literarische und philosophische Fragen woben. Dieser Hiinweis ist für das Verständnis der weiteren Entwicklung wichtig. Auf der Suche nach den ersten Spuren jener am 16. Januar 1962 aufgeschriebenen "Gedanken von G" fand ich tatsächlich einen Brief vom 27. April 1959, in dem G die oben zitierten Zeilen bereits vorweggenommen hatte.

"Ich habe mal in einer ruhigen Stunde ein paar Gedanken zu Papier gebracht. Ich weiß nicht, vielleicht ist es Unsinn, vielleicht habe ich mich schlecht ausgedrückt. Aber trotzdem, bei Dir wage ich die Veröffentlichung. Vielleicht kannst Du mich dadurch besser kennenlernen. Probiern's wir mal. Es ist vielleicht etwas übereinander getürmt, nicht sehr zusammenhängend."

Und der folgende Text begann wie der oben zitierte: "Wäre es möglich, daß jeder Mensch versucht, ein großes Werk zu schaffen?" Es sind kleine Differenzen zwischen der alten und der späteren Fassung festzuhalten. Letzte ist stilistisch etwas überarbeitet und enthält einige Zutaten und Auslassungen.

Während die Aggressivität etwas zurückgenommen wurde, hat der Druck von außen offensichtlich zugenommen.

Es besteht kein Zweifel, daß G nach diesen Maximen fortan zu lebte. Wichtig ist nun der Umstand, daß dieses "Lebensbild" womöglich durch etwas ausgelöst wurde, was von außerhalb seiner selbst, was als Fremdes in G's Gedanken gekommen war.

In meiner Antwort auf G's erstes Schreiben vom 2. April 1959 (wir hatten zum letztenmal vor zwei Jahren Briefe getauscht) wollte ich unter meinen "Beiträgen" zu literarischen und ähnIichen Fragen unter anderm auch den folgenden Aphorismus an den Mann bringen:

So suchet den Sinn, und ihr werdet finden die Sinnlosigkeit. Der Zweck regiert die Welt der Gedanken, die frei sein wollen und es nicht sind. Der Wille aber gehorcht dem Zweck. Und der Zweck ist das Ich. So frei sind wir, nur so! Das zu begreifen ist der Sinn!

Ich schrieb dies am 4. April 1959 in einem Brief an G. Und ich habe den Verdacht, mit der Auflassung des Prinzips "Ich" einen nicht gerade segensreichen Eingriff getan zu haben. Als schwinge der "Zweck", das "Ich"-Prinzip, von mir in die Diskussion geworfen, jetzt immerfort mit und bestimme gar wesentliche Abschnitte seines, G's, Lebens bis zum Tode am Brückenpfeiler.

Nicht zu übersehen ist, daß G, was ich derzeit eher pessimistisch, bestenfalls stoisch, entdeckt zu haben glaubte, prompt zum Lebensprinzip, zur Richtschnur seines weiteren Lebens erhob und damit scheiterte - weil die forcierte Anwendung des egoistischen Motivs die Untergangstendenz verschärfen mußte. Was ich als eine "Tatsache" zu erkennen glaubte, mahnend, ihren vom Tode gezeichneten Zwangsläufigkeiten möglichst aus dem Wege zu gehen, nahm G sich zu Herzen. Ein "Faktum" wurde ihm buchstäblich zum Fatum.

Die Frage nach der Aufnahmebereitschaft für solche "Anleitungen" und "Lebensanweisungen" ist die nach den Beziehungen der beiden Brüder zueinander.

Ich könnte intellektuell zu seinem frühen Tode, er starb im Alter von 35 Jahren, beigetragen haben.

Wiederholt spielt der Tod in G' s Leben hinein. Seine erste Nachricht vom 2. April 1959 war wie ein Signal, er wolle jetzt alles in seinem bisherigen Leben Verdrehte wieder gerade richten, alles ins Gleichgewicht bringen . Und es blieb ihm nicht die Zeit, um gutzumachen. Damals nicht - und später nicht. Er lebte von seiner ersten Frau getrennt. "Aber ich kann Dir jetzt schon sagen, daß die Trennung nur vorübergehend ist... Nun, es sind Fehler gemacht worden, die aber nicht so bedeutend sind, um sie nicht wieder einzurenken", schrieb er mir. Wenige Monate später war seine Frau tot. Darmverschlingung. Keine Rettung. Tot. " ... und nun ist etwas vorbei, das gerade wieder anfing. Ich warte auf ein Wunder, ich weiß, es ist idiotisch, aber ich warte. Ich liebe etwas, was nicht mehr da ist. Man sieht die alten Straßen, das Stammcafé, unsere Bank, man denkt und denkt... Man macht vieles verkehrt, könnte man die schlechten Stunden auch noch in gute umwandeln. Ich sehe sie genau vor mir. Ihr Haar, ihr Lächeln, ihre kleinen Angewohnheiten, ich kann zufassen... Ich hatte schon dumme Gedanken, aber beruhige Dich, ich hatte. G." Datum: 8.September 1959. Vielleicht sein schönster Brief.

"... minus mal plus gleich minus. Das Leben ist dem Tode nicht gewachsen. Ohne Bestand ist es, ein ewiges Werden und Vergehen. Minus mal minus gleich plus. Leben ist das Quadrat des Todes.

Der Urgrund ist die Ruhe. Daher kommen wir, dahin gehen wir. Sein, Dasein, Leben, Liebe - alles Bewegung, auf der Stelle, vorwärts, zurück, hin und her; darum geht es... Am Ende empfängt der Tod. Soll man nun die Ruhe lieben oder das Leben, oder beides..."

So schrieb ich am 10. September 1959 an G, meinen jüngeren Bruder. "Ich werde Dir im Laufe dieses Briefes einige Stellen aus einem Hörspiel (das ich gerade geschrieben habe) zitieren... Ein Mann, ich werde ihn in der Folge A nennen, hat irgendwann irgendwelche "Thesen" aufgestellt, von denen ein anderer, B, weiß. A ist in eine Lage geraten, in der er sich auf der Grundlage seiner "Thesen" ein wenig Klarheit verschaffen könnte... Das augenblickliche Leid des A ist so schwer, daß seine eigenen früheren Worte, seine "Thesen", von ihm selbst als leeres Geschwätz abgetan werden. Den eingangs zitierten Abschnitt hat B gesprochen.

A. Ich will nicht mehr, verstehst du!

B. Du bist ein Feigling!

A. Was ändert es...

B. Und deine Theorien?

A. Theorien... Besserwisserei!

B. Bekenne: wahr oder nicht wahr, deine Ansichten über das Leben, die Liebe, den Tod!
...
...

A. Ich habe ihn erlebt.

B. Einen Sterbenden!

A. ... sie war mein Leben.

B. Und jetzt?

A. Nichts. Gar nichts. Alles Theorie. Du kannst nicht abstrahieren...

B. Weil du im Leben versagt hast, weil du versäumt hast...

A. Ja...

Auf geradezu sadistische Weise "erinnert" B den A an dessen eigene Theorien, "Thesen" usf.

B. (zitiert) ... und ist er eines Tages tot, trauern wir. Wir meinen, es geschehe um ihn. In Wahrheit geht es um den Verlust, und der berührt uns, uns ganz allein - unser kleines schäbiges Ich. ... Ich zitiere: Dem Einzelnen bliebe viel Leid erspart, würde er sich bewußt, daß er selbst es ist, der ihn leiden läßt... Du fragtest: Ist das unmenschlich? und verneintest aufs entschiedenste. ...

A. Lebensinhalt, weiter nichts. Bis gestern...

B. Und heute hast du Angst... Angst, Angst!

A. Angst? Wovor?

B. Eben Angst, Angst vor - vor nichts...

A. Vor der Nacht, der Dunkelheit, vor morgen... Ist es die Zukunft?

B. Vor der Einsamkeit, der Verlassenheit, dem Nichts.

Es geht um die Lebenden. Warum kommst du nicht nach Berlin?" schrieb ich zum Schluß. Und er kam nicht nach Berlin, schrieb jedoch postwendend (14.9.59) eine Antwort:

***Es ist 22 Uhr, ich bin soeben von der Arbeit nach Hause gekommen und habe gerade Deinen Brief gelesen. Es ist so unwahrscheinlich, aber laß mich erklären: Ich habe mich auf dem Nachhauseweg mit folgendem beschäftigt, es war nicht das erste Mal: Trauer um den geliebten Toten? Nein. Trauer aus Egoismus!!! Warum? Aus welchem Grunde liebe ich jemanden? Weil er mir das gibt, was ich suche, was ich haben möchte, er erfüllt irgendwie meine idealen Vorstellungen. Also, er gibt mir etwas, sicher, ich gebe auch etwas, warum, weil ich etwas bekomme.

Also in dem Moment, wo der Andere nicht mehr da ist, fehlt mir in diesem Fall der wichtigste Inhalt meines Lebens. Ich möchte geradezu behaupten, es ist nur Selbstmitleid. Es muß Selbstmitleid sein. Darf ich Dich zitieren:

"B. ... und ist er eines Tages tot, trauern wir. Wir meinen, es geschehe um ihn. In Wahrheit geht es um den Verlust, und der berührt uns, uns ganz allein - unser kleines, schäbiges Ich."

Das Unwahrscheinliche ist, ich wollte Dir das schreiben, was Du mir schriebst, also kann ich nur noch antworten. Es muß so sein, Ich, Ich und nochmals Ich.

Ich glaube nicht, daß dieses Thema für die Öffentlichkeit reif ist (Hörspiel). Wer sieht schon gern seine Schwächen? Erwarte baldige Antwort. G.***

Und in einem Nachsatz: "Ich finde es immer noch unwahrscheinlich, daß wir die gleiche Lösung fanden. Noch nie darüber gesprochen und doch direkte Übereinstimmung. Wir sind zu einer Erkenntnis gekommen, die vielleicht mehr Weisheit in sich birgt, als wir annehmen."

Hier hatte ich gleich den Eindruck, daß er ("Noch nie darüber gesprochen...") den Komplex nicht genügend reflektierte. Wir hatten natürlich sehr wohl darüber lang und breit in unseren Briefen diskutiert - nicht über Tod und Trauer, wohl aber über das "Ich"-Prinzip, den vermeintlich einzigen "Zweck" unseres Daseins. Es lag nur allzu nahe, es auch auf das jetzt akut gewordene Problem Trauer und Tod anzuwenden. lch weiß nicht, ob G später noch einmal darüber nachgedacht hat. Aber es kann durchaus sein, daß ihm der Tod seiner ersten Frau einen solchen Schlag versetzt hatte, ihn zugleich moralisch quälte, daß er, um nicht in Trauer und tiefster Melancholie unterzugehen - ich erinnere: er hatte bereits an Selbstmord gedacht -, völlig zu versinken, verdrängen mußte. Die Beurteilung seiner späteren Lebensabschnitte - er hatte nur noch gut zehn Lebensjahre vor sich - hängt weitgehend von der richtigen Untersuchung und Analyse dieser ersten, außerordentlich schmerzlich und hart empfundenen Katastrophe ab.

Dieser Dialog zwischen den Brüdern erscheint mir bis heute als fruchtbar, wenngleich ich seinen Einfluß auf das weitere Geschehen auch nicht überbewerten möchte.

Merkwürdigerweise ließ bei G das Interesse am Fortgang der Diskussion, vor allem an ihrer Problematisierung und Intensivierung sehr bald nach - für mein Gefühl erstaunlich schnell und fast zu früh nach dem soeben empfangenen Schicksalsschlag durch den Tod seiner Frau.

So verlor ich einen Gesprächspartner, der durch persönliches Leid in den seelischen Zustand versetzt worden war, in dem der Mensch sich existentiell philosophischen Fragen öffnet, die ihn sonst nicht bewegen. War dieser Zustand so schnell wieder verflogen, das alte Einerlei zurückgekehrt; hatte der Tod nichts gefruchtet, keine Lehre erteilt? Ich ging von dem Glauben an G's "Bekehrung" aus, schrieb frischfröhlich weiteren Stoff aus meinem "Hörspiel" - und stieß auf plötzliche Ablehnung, erhielt "Ratschläge", lieber leichtere, "witzigere" Sachen, kurze Stories usw. zu schreiben, nicht so problemreiches Zeug, das würde doch nicht ankommen - unabhängig von der Tatsache, daß wir beide, G und ich, in den behandelten Fragen übereinstimmten. Die "Masse" wolle halt doch was anderes...

Der Sturz unter die "Eisenente" (so bezeichneten wir Kinder die kleinen verschnörkelten Eisenschlitten) sein Trauma? Hundebiß ins Gesicht. Mit dem Fuß zwischen die Bodenbretter eines fahrenden Karussels auf dem Rummelplatz im Treptower Volkspark. Fahrradsturz. Ellenbogen zerschlagen. Accattone. Auto. Kopf. Tod. "Jetzt ist es besser... "; ausatmen. Nicht einmal eine Witwe ließ er zurück: Eine Frau mit nervösen Fingern. Sie hatte sich "wegen Geldangelegenheiten'' ein Vierteljahr vor seinem Tode von ihm scheiden lassen. Die "Erbschaft" sei "überschuldet", sagte man auf dem Nachlaßgericht. "Schulden" hinterließ er, und einen kleinen Jungen von acht Jahren.

Ins Auge sprang die alte, ältre, Elterngeneration, ihre Zähigkeit, ihre "Unverwüstlichkeit". Ihre Schläue.

Nach Lage der Dinge ist die kunterbunte Kindheit weniger kunterbunt als zweigeteilt: in die zufriedene und die geängstigte. Die geängstigte ist die nicht preisgegebene Kindheit, sie ist um so bewußter.

Es wäre falsch, es wäre (mindestens) mißverständlich, wollte ich die geängstigte Kindheit, die nicht preisgegebene, die verschwiegene Kindheit als die "unbewußte" bezeichnen. Ich war mir ihrer ständig (sehr) bewußt, ich verbarg sie jedoch vor meiner Umwelt und schützte sie, indem ich sie verschwieg. Ich lebte in dieser Welt meiner empfindsamen Kindheit in hoher Bewußtheit; sie hatte einen weiten Horizont, den meiner Träume, die nicht preisgegebene Kindheit war die schöne und liebevolle Verklärung der Welt. Ich mochte und vermochte nicht, sie zu offenbaren, einem Menschen, dem ich hätte vertrauen können, vollauf.

Ich lebte in einer hermetischen Welt bewußt, eine Zeitlang beglich ich diese Bewußtheit mit unbewußtem, halbbewußtem alltäglichen Leben, im Umgang mit den Menschen und Dingen, denen ich mich ausgeliefert sah, ohne auf ihre Unmittelbarkeit Einfluß zu haben.

Die Gewalt der Umstände durch den Krieg, durch Vertreibung, durch den Riß aus der Kindheit; Nachkriegselend und Ohnmacht in der täglichen Schererei mit dem Bäcker um ein Stück Brot, um Kohlen, Fensterglas (Pappe!), Frieren, Hungern, ungewollte Berufs-"Wahl" - diese kleinen und großen Gewalten stürzten auf das Kind und auf den Jugendlichen ein.

Die Geschichte der Kindheitsträume aufzuschreiben, ist schwieriger als das Aufzeichnen dessen, was als "real", als Geschehen der Außenwelt, "erinnert" werden kann. Was "geschah", hole ich hervor, aber was ich damals dachte und empfand, die Realität meiner Bewußtheit - ist das auch im nachhinein nicht preiszugeben"?

Hätte ich "kontinuierlich" mich aus meiner Kindheit herausentwickeln können - wie wäre es mir ergangen, was wäre aus mir geworden? Aber ich erinnere mich, daß ich schon beim ersten Mal ohne Ängste fortging.

Das Neugewonnene, das Spätere verteidigte ich mit Zähnen und Klauen - gegen die Rückforderungen der Kindheit, der Eltern. Ich sträubte mich gegen die Rückkehr, wie andere - auch G - sich sträubten gegen die Vertreibung.
Was ich nach den vielen unterdes vergangenen Jahren als "Hölle" bezeichnen möchte, gegen die meine "zweite Kindheit" sich wie paradiesisch abhob - diese "Hölle" war die Stadt, in der wir lebten, war Berlin.

Die "Hölle" spielte sich wiederum so tief und konzentriert in mir ab, daß ich nicht sicher bin, ob es bewußt oder unbewußt geschah. Ich muß die erlebten Einzelheiten und realen Vorgänge zu erinnern suchen, um aus ihnen meine damaligen Empfindungen und Gedanken nacherleben zu können.

Mir fällt der große Hof ein, in dem wir als Kinder spielten, und wo wir am Spielen fortwährend gehindert wurden durch die Portiersfrau. Diese Frau - "Frau Withold" - habe ich als äußerst "böse" in Erinnerung. Ich entsinne mich nicht, sie jemals freundlich zu uns Kindern gesehen zu haben, kann mir ihr Gesicht nicht lachend, nicht herzlich, nicht irgendwie nett und liebenswert vorstellen, um darüber das "Böse" zu vergessen.

Seltsam ist, daß ich bei dem Gedanken an ihren Mann den Schwiegervater von G vor mir sehe, der sich das Leben nehmen wollte, von seiner Tochter, der zweiten Frau G's, daran gehindert wurde, indem sie ihn rechtzeitig vom Strick schnitt. Hatte nicht "Herr Withold " sich ebenfalls erhängt beziehungsweise erhängen wollen?

An Witholds Parterrewohnung vorbei führte unser kindlicher Weg zur im vierten Stock gelegenen elterlichen Wohnung, die ich sonnig und licht erinnere. Das Zuhause war die "Hölle" nicht, so viel wird mir jetzt klar. Aber an der Witholdschen Wohnung im dunklen Erdgeschoß rannten wir Kinder wie gehetzt vorbei - gleich in welcher Richtung, ob wir das Haus verließen oder den Aufgang betraten. Die dunkle Ecke hinter der Treppe bereitete nicht diese Ängste, wie die Aussicht, von Frau Withold vielleicht einmal durch die Tür in die Wohnung gezogen oder einfach nur am untersten Treppenpodest abgefangen zu werden. Vor dieser Frau hatte ich als kleines Kind Angst, jetzt weiß ich es.

Und G?

Hatte Frau Withold auf G eine ähnliche Wirkung? und wenn - warum zog es ihn immer wieder zurück?

Ich möchte verstehen, warum G mit 35 Jahren an den Brückenpfeiler knallen mußte, warum er sterben mußte! Ich habe in den Zufällen, im Zusammentreffen verschiedener Umstände, Geschehnisse und Menschen, Menschentypen, erste Spuren von Gesetzmäßigkeiten entdeckt, die - obgleich von "außen" an G herangekommen - seinem inneren Wesen zu entsprechen scheinen, so als würde sich im äußeren Ablauf des Lebens, Zufälle und ihr Aufeinandertreffen eingeschlossen, "erfüllen", was im Innern der Person G von Kindheit an angelegt war.

Was mich bewegt, die Geschichte G anzureißen, ist der Urgedanke "G", sind die schlummernden, unerwachten Potenzen, der unerlöste, uneingelöste Traum, das Versprechen, die Hoffnung, das Recht auf Leben: auf Rückkehr!

Im Prinzip "G" sammelt sich, bündelt sich, glimmt auf, was in der individuellen "Realität" G sich nicht zu treffen und zu entfalten vermochte - umständehalber.

Vielleicht ist "G" die Idee, die G von sich hatte, ohne sie noch realisieren zu können.

Bedurfte es nicht der Idee vom Proletariat, um der proletarischen Realität einen historischen Sinn einzuhauchen?

Das Jahr 1970 bringt Tod, Krankheit, miserables Wetter, Krieg. Winter bis in den Mai, Überschwemmungen, Demonstrationen und die Wahrscheinlichkeit von mehr Krieg und Tod und - Revolution.

Der Gedanke "Weltrevolution", diese Idee, nimmt in der Realität konkrete Formen an. Daraus schöpfen die Hoffnungslosen ihre phantastische Hoffnung! 1970 - aus diesem Hundsfott- und Hundewetterjahr löffeln sie schweigsam und verschlossen eine erstaunliche Gewißheit.

Die Gesetze erfüllen sich, scheint's, alles ist in Bewegung.

Waren G's Träume Vorzeichen des Untergangs? Der Untergang belebt ein Neues, das er nicht miterlebt, das aber sein Leben besiegelt, neues Leben, das über ihn hinausführt, das ihm posthum seinen Wert beimißt, den spezifischen Sinngehalt "G", von dem hier die Rede ist und sein wird.

Ich sehe eine Schwierigkeit, der Person G Leben einzupulsen, ihr Gestalt und Konkretheit zu geben. Was mich verfolgt, ist die Vorstellung von Blässe.

Ich finde keine Anhaltspunkte, keine handfesten Kriterien für eine Rekonstruktion des "Falles" G.

Wlir wuchsen am Wedding auf und hatten Verwandte in Moabit, wo straßenweise eine Fabrik an der anderen steht. Die rot-schwarzen Klinkermauern, der scnwarzgraue Putz an den Wänden, Kohlen, Ruß, Gerümpel und Poltern, Kurbeln, Quietschen, Lebensgefahr unter Riesen-Ungetümen von Kränen, Seilbahnen, Staub... Nirgendwo eine Oase, nur Arbeit in diesen Fabriken.

Ich habe nie begriffen, wie die Menschen es aushalten, jahrelang, tagaus, tagein. Wie jene Kohlenkumpel, die sich unter Tage die Staublunge geholt und ihr Leben lang kaum Sonne zu Gesicht bekommen, und die sich von ihrer Grube nicht trennen können. Und dann auf einmal die Solidarität unter Tage!

Die Fabrik ist Teil meines Kindheitstraumas, kein Zweifel. Die Angst vor der Fabrik reicht zurück bis in die jüngsten Jahre.

Als kleiner Junge war er viel unterwegs, verschwunden, stundenlang nicht wiederzufinden. Abends kehrte er heim, mit einem Mitbringsel für die Mutter: etwas Kistenholz zum Verfeuern zum Beispiel, das er nach Ladenschluß vom Fischhändler ergattert hatte.

Mit seinem Freund Alfred zog er durch Berlin.

Alfred hatte einen großen Kopf und hieß darum, typisch für Berlin, "Eierbatz". Mein Bruder G wurde "Keule" genannt, ein Spitzname für "Bruder". "Keule" konnte den Namen "Alfred" nicht richtig aussprechen, er sagte: Alchred, wobei er das "ch" rauh aus dem Rachen heraus sprach. "Keule" trug an dem kleinen Sprachfehler, der vom Unfall mit der "Eisenente" herrührte.

So wurden die beiden Freunde, streiften "Eierbatz" und "Keule" durch das noch unzerstörte Berlin, vom Wedding bis zur Siegessäule, die Ufer der Kanäle entlang, badeten im Westhafen, kletterten auf Parkbäume und wilderten durch Sandkästen, wo sie oft lange Stunden spielen konnten und die Zeit verloren...

Auf diesen Streifzügen "passierte" nichts, fügten sie einander und fügten auch die Umstände ihnen keine Schäden zu. Aus dieser Zeit - Zeit, offensichtlich, einer gewissen Geborgenheit auf ihren ungestörten Wanderwegen durch die Großstadt - ist mir Nachteiliges, Schreckhaftes, böse Überraschung wie Unfall oder dergleichen nicht bekannt. Diese Reisen, diese stundenlangen Fußwege der zwei Knaben von damals vielleicht sechs bis sieben, später neun oder zehn Jahren müssen beider Seelen wohlgetan haben. Kein Streit auch in dieser Zeit, kein Prügeln, keine Bosheit untereinander. Einklang und Abenteuerlust - das trieb die beiden fort. Und nichts vermochte sie auf ihren Wegen zu stören. Diese Ungestörtheit durch äußere (auch brüderliche!) Einflüsse in so offenbar günstiger Konstellation zu Alfred "Eierbatz" halte ich hier fest.

G war vielleicht weniger als ich auf diese Stadt und ihre grauschwarzen Mauern fixiert. Er schien weniger gebannt, beweglicher als ich, weniger nachdenklich als pfiffig nach Auswegen luchsend, wo er wieder verschwinden konnte in seine Freiheit. Er träumte vielleicht weniger von der Freiheit, er nahm die Freiheiten wahr, so wie sie sich ihm boten. So hielt er es aus und fühlte sich recht wohl in der Großstadt Berlin, die mich unglücklich machte. Ich stockte im Weitergehn, im Handeln, in dem, was getan werden mußte.

G hatte mehr Freunde als ich; "Kumpels" mehr freilich denn Freunde, wie ich sie verstand.

G's Verachtung für die Arbeiterheere, die "Herde", wie er sie nannte, zu entschlüsseln, wird mir nicht leicht; sie erscheint auf den ersten Blick ihm eher fremd, wie fremd eingewirkt. Er verachtete sie gewiß nicht als Opfer, sondern als Subjekte, die ihre Hölle nicht sahen und die Kraft nicht fanden, etwas dagegen zu tun... G's Verhängnis bestand darin, daß er eines Tages selbst sich verstrickt hatte ein für allemal.

Es braucht Sonne (menschliche Wärme, Liebe), um die Zirkulation in Gang zu halten.

In der Kälte bedarf es der Ersatzdinge: Kleidung, Arbeit, Sport... War's nicht eine Idiotie, in der frostigen, unwirtlichen, ungewissen Erdhälfte sich auf Trab zu bringen?

Der Mensch ist ein durch und durch unvernünftiges Wesen, ein Fabeltier eher als ein lebendiges Etwas.

G fror als Kind an Händen und Füßen, besonders an den Händen, für die jeder Handschuh zu dünn war. "Mama, obengehn!", nach Hause in die warme Küche, im Winter, das war G's Sehnsucht. Wärme.

Nestwärme hat er gebraucht, sagte die Mutter, als seine erste Ehe auseinanderging. Nestwärme hat ihm gefehlt, sagte die Mutter, als die zweite Ehe kaputtgegangen war. Nestwärme, ja Nestwärme, ihm hat sie gefehlt, sagte sie, als wir ihn zum Friedhof fuhren, bei Schnee, Kälte, Naßkälte; es hätte ihn gefroren an Händen und Füßen in diesen ersten Februartagen.

Sein Sohn, achtjahrig, dunkelrot im Gesicht und beide Hände in die Manteltaschen versenkt, musterte mich verstohlen von unten bis oben, ehe wir uns langsam anfreundeten. "Von wem bekomme ich denn jetzt meine 31 Mark?" Hatte G irgendwo eine heiße Spur, eine lebendige Menschenseele hinterlassen, Denkwürdiges?

War er Abel, so wurde ich sein Kain. Besetzte ich den Ort unserer Kindheit, bis daß er nicht mehr zu atmen vermochte, mußte er eines Tages entweichen, um sich zu erlösen... Doch er entrann seinem Mörder nicht, schlug mit dem Schädel gegen die Kainsmauer aus Beton an der Straße nach D. in Nordrhein-Westfalen. War es das?

Kurz zuvor hatte ich den Brief geschrieben, die Botschaft: Großvater Karel sei wieder auferstanden! Und die Mutter, plötzlich, am Tage des Begräbnisses: Du bist der alte Opa. Damit meinte sie mich. Hatte der Alte den Jungen erschlagen? Warum aber hatte ich es geschrieben, denn als ich schrieb, empfand ich auf einmal etwas Ungewöhnliches, etwas mehr als Briefschreiben, mehr als Familiennachricht, empfand es wie Bolschaft, deren Mund ich nur war, die ich nicht erdacht, nicht formuliert, nur ausgesagt, aufgeschrieben hatte. Ich fühlte, daß ich etwas tat, das ernste, womöglich todernste Folgen haben konnte, und ich fühlte zugleich den inneren Zwang, es dennoch zu tun, es tun zu müssen.

Bei den "Folgen" dachte ich freilich eher an einen "Schreck" bei den betagten Eltern, besonders der Mutter, doch sie hielt stand, und seit dem Tode Abels, des jüngeren Bruders, hat sich das Verhältnis zur Mutter, und neuerdings sogar das zum Vater gebessert.

Ich finde meinen Frieden mit den Eltern, freue mich über diese späte Versöhnung mit ihnen, und ich erschrak, als ich erstmals jene Psycho-Logik der Abel-Kain-Projektion zu entdecken glaubte. So hatte ich mir die Versöhnung mit den Eltern durch das Bruderopfer "erkauft"? Das ist so blödsinnig, in sich schlüssig, unwahrscheinlich und ungeheuerlich zugleich, daß ich mir der Tragweite dieser Überlegungen in diesem Augenblick überhaupt nicht bewußt bin.

Es ist doch bemerkenswert, daß ich meine Eltern, die mich seit Jahren baten, sie doch endlich einmal zu besuchen, jetzt erst wieder traf, daß der Anlaß Tod und Begräbnis meines Bruders war. Mutter sagte: "Ja, Papa, jetzt sind wir wieder allein mit unserm Ersten", und sie meinte mich damit. "Wie damals, als er noch ganz klein war." War das Leben G's nur eine Zwischenphase, die nun abgeschlossen, ein alter Zustand wiederhergestelltZ

Hatte G zu wenig Liebe bekommen? Er bekam weniger Obst in den ersten Jahren, Vater war damals arbeitslos...

Arbeitslosigkeit habe ich nie als Bedrohung empfunden, schon dazumal nicht, als ich die Beziehung zum Geldverdienen nicht einzuschätzen wußte; später war ich selbst jahrelang ohne "Erwerb", sah aber nach wie vor in der Arbeit für den Lebensunterhalt eine gesellschaftliche Bosheit, die sich eingebürgert hatte, nie etwas anderes als einen rigorosen Eingriff in meine persönliche Freiheit und Eigenständigkeit... "Sei nicht so phlegmatisch", hatte die Mutter mir von Kindheit auf ans Herz gelegt. Von meinem "Phlegma" war die Rede, bis ich es nicht mehr hören mochte und vertrieben wurde aus dem Elternhaus, aus der elterlichen Wohnung im Hinterhaus, vierten Stock, Stube/Küche, Klosett auf der Treppe.
"Tante Jette", angetraut dem "Onkel August", Markor mit Familiennamen, verfügte über kräftige Arme, eine laute, freche, bestimmte, autoritäre Stimme, mittels derer sie die eigenen und die Kinder ihrer Verwandten zur Räson rief, so es die Situation abverlangte.

Jette war mir noch die liebste, weil sie grob und herzlich, einmalig, so wie sie war, sich gebärdete. Aus. Ihre drei Söhne: gefallen der eine, die anderen: ich habe es zu erinnern.

Es sind kräftige Namen, die ins Haus, in die Familie stehen: Markor, Janos, Max, August, da hatten die Väter, Großväter, kraftig nachgeholfen, und sie trugen den Zufall mit sich herum: Jutta, die eine Tochter, fortwährend in Ängsten vor den Schlägen ihres Vaters Maxe Janos. Mutter Martha, Maxens Weib.

Wenn wir Kinder zu Jetten in den Garten kamen, durften wir keine Blume anfassen, sollten stille sitzen, nicht mux sagen, wenn wir uns bewegten, war die Hölle los. Das nächste Mal gingen wir gar nicht mehr mit Muttern mit. Man wußte so wenig zu erzählen, darunter litt das Verhältnis zu dieser Tante wie zu andern Verwandten.

Onkel August war Maurer, stürzte vom Gerüst und brach sich den Hüftknochen. Er wurde mit einem silbernen Stift wieder zusammengenagelt. Onkel August verstand sich mit dem Opa Karel ganz gut, jedenfalls verstand sich der Opa mit dem August noch am besten, sonst saß er in seiner Ecke und sagte kein Wort.

Opas Hose hing lose um die dünnen Beine, er hatte sie mit einem Lederriemen um den Leib festgemacht und trug den Bart voll im Gesicht.

Bei Fliegeralarm verließ er nicht die Wohnung. Einmal splitterten die Fensterscheiben und Großvater bekam ein paar Scherben ins Gesicht, daß er blutete. Sein Bett stand am Fenster. Von dieser Nacht an erhielt das Bett einen neuen Platz in der hinteren Ecke des Raumes.

In den Luftschutzkeller war Opa auch jetzt nicht zu kriegen. Ein einziges Mal hatte der Luftschutzwart ihn die drei oder vier Stockwerke hinuntergezwungen, danach nie wieder. Man ließ ihn fortan in Ruh, und das Haus stand sicher; die Hausbewohner glaubten an den Schutzgeist in Opa Karel. Großvater lebte zurückgezogen. Ich habe ihn mit Mütze, runder Zinkbrille und Ziegenbart in Erinnerung. Dünne Arme, spitze Stimme, etwas eigensinnig, singendes Sprechen. Er hat den Krieg überlebt, das Haus blieb stehen, als einziges in der weiteren Umgebung in Oberschöneweide.

Fabriken sind das Antlitz von Oberschöneweide in Berlin. Fabriken stellen sich unserer Kindheit immerfort und allerorts in den Weg. Rote Backsteinbauten mit vergitterten Fenstern. Die kleinen Fabrikfensterscheiben in gitterartigen Metallfassungen erinnerten mich an Gefängnisgitter.

Eines Tages ging mein Vater mit mir spazieren, wir kamen irgendwo in Berlin, vielleicht in Moabit an einem Gefängnis vorbei. Ich wußte es nicht, sah nur einen Mann aus einem Kellerfenster heraus, das vergittert war, mit meinem Vater sprechen. "Ich kann nich raus, und du kannst nich rin." Es kann nur ein Gefängnis gewesen sein, oder eine Fabrik.

Die Gefängnisse und Zuchthäuser stehen nicht weitab von den Fabriken, in den Arbeiterbezirken.

Im Norden der Stadt befinden sich die Arbeiterwohnungen, die Fabriken, dort sind auch die Zuchthäuser und Gefängnisse und das Kriminalgericht und schließlich die Irrenanstalt. In schrecklicher Erinnerung habe ich das Frauengefängnis, an der Grenze zwischen Moabit und Wedding gelegen. Die Vorstellung, daß Frauen wie meine Mutter in Zellen eingesperrt... Plötzensee, Tegel, Moabit - das sind Schrecksignale aus der Kindheit. Die Bosheit hat viele Gesichter.

Die Parteinahme für die Ärmsten, für die Geschundenen, für die Häftlinge und Arbeiter, für die Plebejer und Proleten einer Zivilisation, die sich auf ihre "sozialen Errungenschaften" so viel zugute hält, ist nicht zu verwechseln mit solidarischer Blindheit für die erschreckenden Male, die den Menschen geschlagen wurden.

Die Menschen sind der industriellen Produktion angepaßt.

Es wäre illusionar und unverantwortlich, in der Masse des solcherart verhunzten Proletariats Spuren eines naiven, unverdorbenen, reinen Menschentums aufdecken zu wollen. Die Enttäuschung könnte mit der Wirklichkeit auch die Idee von diesem Proletariat, die Idee von seiner revolutionären Selbstbefreiung über Bord werfen.

Wenn Opa Karel im Industrie- und Arbeiterwohngebiet Oberschöneweide ein kaum zu beeinträchtigender Ruhepol war, um den sich zwar nichts drehte, der aber auch nicht mitdrehte, sondern das einmal für richtig Erkannte auch in seinem Handeln beziehungsweise Unterlassen eigenwillig verfolgte, vertrauend auf Gott, wie man vermuten darf, so deshalb, weil er die Industriegesellschaft nicht in ihrem heißen Kern, der industriellen Produktionssphäre, kennengelernt hatte.

Großvater hantierte mit Pferden in seinen Arbeitsjahren, ärgerte sich über Gutsherren und besoffene Kollegen. Es waren Landarbeiter.

Onkel August, mit dem der Alte in gutem Einvernehmen stand, hatte das Maurerhandwerk erlernt, und er ließ seine Söhne Handwerker werden: Schuhmacher, Elektriker. Der Dritte ging freiwillig zum Militär, Krieg war inzwischen ausgebrochen.

Das Klassenbewußtsein des Maurers August Markor in Hönow bei Berlin war nicht das Bewußtsein eines Industriearbeiters, eher vorindustriell, noch frei vom Zwang des Organisationsapparats einer Fabrik. Er war Sozialdemokrat und Maurer, dem Produkt seiner Arbeit kaum entfremdet (in seiner Freizeit baute er an einem eigenen Häuschen), nicht Rädchen in einem namenlosen, undurchsichtigen Getriebe.

Und G, der Verunglückte, erlernte kein Handwerk, entzog sich dem Lehrmeister, weil er den für dämlich hielt, einen Hersteller von Industriewaagen, und ging nach Westdeutschland, nach Nordrhein-Westfalen, wo er eine Zeitlang, die mich als die glücklichste seinem Naturell nach dünkt, als Traktorist in der Landwirtschaft arbeitete.

Aber es befriedigte ihn nicht, er wollte höher hinaus, nicht Arbeiter sein, wollte es einmal leichter haben, wollte es sich kinderleicht machen, entstieg dem Milieu der Landarbeiterschaft und wurde Hansdampf auf allen Straßen: "Vertreter". Eine eigene Sorte Mensch.

Ein Vertreter ist überall und nirgends, immer unterwegs, nirgendwo richtig zu Hause, ständig dem Geld hinterher wie der Teufel den unverdorbenen Seelen. Geld, nein, Glück nennt er es, Erfolg, Geschäftserfolg, Verkaufserfolg. Er will den Leuten irgendwelche Dinge aufschwatzen, er muß es tun, auch wenn er weiß, daß alles nichts taugt, sonst kommt er nicht voran.

G lernte das Betrügen und Täuschen wie eine Wissenschaft beim Bertelsmann-Lesering. Hier wurde ihm in Spezialkursen beigebracht, was die Kundschaft wert sei, was ihre Worte gelten, nämlich nichts. Kunden wissen nicht, was sie wollen, sie bilden es sich ein. Man muß sie vom Gegenteil überzeugen, ihnen klarmachen, daß sie die Ware X nötig haben, daß X für sie unverzichtbar geworden sei...

Der betrogene Betrüger, eine Verkaufskanone? Ich weiß es nicht.

G hatte Vorbehalte. Die eine Hälfte seiner Person verkaufte und betrog, während die andere traurig dem Tode entgegensehnte. Die eine Hand wußte nicht, was die andere tat, sie würde es auch nicht gutgeheißen haben.

G erfuhr wiederholt, daß es zu spät war, als er einzusehen begann. Für G ging es um nicht wieder gutzumachende Schäden. Er nahm den Tod seiner ersten Frau auf sich, begrub sich unter dem Geröll seiner eingebrochenen Zukunftsträume des Wiedergutmachenwollens, begrub sich im Schutt von Schuld. Alles war so widersinnig, ich sehe die Schuld nicht, mit der er sich trug. Sie erscheint mir wie der Schatten seiner Tagträume und Illusionen, nicht weniger illusionär, nicht weniger erträumt, wenn auch dunkel, sehr dunkel,

Es sog an seiner Substanz, die Menschen seiner Umgebung schienen nichts davon zu spüren. Von dem Verstorbenen sprachen sie wie von einem Menschen, der es verstanden hatte zu leben. "Er hat wenigstens sein Leben gelebt", sagten sie. Den Gedanken, er könne womöglich Selbstmord begangen haben, räumten sie aus: "Nein, nein, nein. Dazu hat er vielzugerne gelebt. Neinnein. Es war ein Unfall."

Sie kannten ihn nicht. Im Zentrum seiner psychischen Person war er ihnen bis zuletzt fremd geblieben, außer seiner Mutter vielleicht: "Er war nicht schlecht, er war zu gutmütig, wollte den andern immer helfen, wenn er hatte, gab er immer ab, war großzügig. Seine Frau wollte immer hoch hinaus, das war es, er hätte eine andere Frau haben müssen."

Und die Frau warf ihrem Mann dasselbe vor: "Er träumte vom großen Wurf, wollte hoch hinaus, mehr sein als die andern, dabei war er nichts, der große G zitterte, wenn es an der Haustür klingelte, kroch fast auf den Knien, wenn ihm einer unter die Arme griff. "

Sie verulkte ihn mit seiner verletzten Nase: "Bulldogge", sagte sie im Spaß zu ihm, sie wußte wahrscheinlich nicht, wie sie ihn damit verletzte, diese Nase war zeitlebens sein Handikap. In seiner Kindheit hatte er darunter zu leiden. Er ließ es sich nie anmerken. "Von Schönheit kann bei mir keine Rede sein", schrieb er. Seine Jugendfreunde hatten ihn "Pudding" gerufen. Er spielte mit, sprach von sich als dem "geheimen Tip Götterspeise" und litt im geheimen.

Die Familie seiner letzten Frau hatte sich der chemischen Industrie geopfert. "Glanzstoffabriken". Alle schafften bei der "Glanzstoff", und sie wohnten am Ort, wo sie morgens in der Herde durchs Fabriktor zogen und nachmittags wieder heraus. Und die Mutter der Frau, G's Schwiegermutter, kaufte Häuser, eine Lohnarbeiterin.

Sie sah sich nach baufälligen Steinhäuschen um, erwarb sie für ein erträgliches Geld, und jetzt begann die Arbeit; vor allem für den Mann, der tagsüber in der Fabrik schaffte und feierabends an der Puppenstube hämmerte, sägte, knickste und knackste... Eine märchenhafte Bleibe fur eine Familie, deren bastelnder Vater bereits am Strick gehangen, deren Mutter geil nach "Gütern" ist, deren Kinder, ein Sohn und eine Tochter, nur ans "Anschaffen" denken... Eine fürchterliche Familie, gräßlich zu erinnern. Jetzt arbeiten sie in Überstunden für den nächsten Wagen, einen größeren... Ein zierliches Mädchen, blasses, blondes Kind, ihre Enkeltochter. Der Sohn denkt an morgen.

Eine Verständigung ist nicht mehr möglich. Man redet weniger am andern vorbei als in ihn hinein, durch ihn hindurch; man stößt in eine Leere in ihm, ein seelisches Vakuum, das vom Betroffenen nicht empfunden, das in den bewußteren Fällen erlitten wird, als Neurose, Hysterie...

Die "Glanzstoff"-Familie war mir so fern - ich weiß es nicht zu vergleichen... Mit einem arabischen Wüstenanrainer kann ich mich durch Blicke, Zeichen, mit Händen und Füßen verständigen. Mit der "Glanzstoff"-Familie verbindet mich nichts.

Ich spreche zu ihnen wie in eine totgelegte Telefonleitung. Was als Antwort gemeint ist, höre ich wie Fetzen eines fremden Gesprachs. Der Abgrund ist unüberbrückbar.

Ich weiß, daß die industrielle Wucherung wieder verschwinden muß. Eine lichtere Zukunft nach der Höllenfahrt durch den Industrialismus ist nur dadurch zu erreichen, daß die Menschheit ihn abwirft wie einen Schorf nach fürchterlicher Wunde.

Ich anerkenne diese sogenannten historischen Gewalten nicht!

Der Destruktions- und Todestrieb erhält hier unerwartet Erlösungsfunktion. Seine Bestimmung, je nach individueller Konstitution mehr oder weniger durchschaut, wird glaubhaft auch ohne "objektiv" hinreichenden Beleg gesellschaftlicher Ursachen oder historischer Gesetzlichkeit.

Die dialektische Spannung zwischen dem individuellen Zufall und der Gesellschaft ist unaufhebbar; es sei denn durch Liquidierung des Einzelnen.

Der dialektische Funke einer Hoffnung leuchtet aus dem tödlichen Abstand zur todgeweihten Zivilisation, aus der Möglichkeit danach.

Jede Versöhnung mit der Geschichte führt, wie Adorno und Horkheimer bereits in ihrer "Dialektik der Aufklärung" erkannten und aussprachen, konsequenterweise in die Identifizierung mit einer realen Macht, Staatsmacht. Allerdings auch mit Gott, als dem "Herrn der Geschichte", wie ich heute nachtragen möchte.

Die sich aufdrängenden politisch-historischen Alternativen entpuppen sich als dialektische Widersprüche, die eine historische Einheit bilden; als verschiedene Aspekte, Erfahrens- und Interpretationsweisen eines zusammengehörigen Ganzen.

Im Zwiespalt der Alternativen rührt sich die schöpferische Kraft des Zweifels... Das Zünglein an der Waage dialektischen Denkens.

Es wären die Beziehungen des "Zufalls" zum "gesetzmäßig Notwendigen" in den Horizont der Überlegungen zu stellen...

Die Notwendigkeit der Freiheit stellt sich gegen die techno-ökonomischen Zwänge!

Im Lichte des Mondes spiegelt die Sonne ihre Gesetze wider. "Geborgtes Salz gibt man doppelt zurück", sagt die Nachbarsfrau.

In der hochempfindlichen Krise des Zusammenspiels kann die geringfügigste Störung zur Störung des Gesamtbildes überspringen. Die dialektische Denkmethode ist hier die plumpe Bauernregel.

Arnold Toynbee hat auf die zeitliche Diskrepanz zwischen dem technischen Fortschritt und dem rückgewandten Bewußtsein der Menschen aufmerksam gemacht.

Mit dem verspäteten Verstehen geht natürlich ein verspätetes Erkennen der eigenen Geschichtsverflechtung einher, des Nichtwiedergutmachenkönnens. Die Erkenntnis der unaufhebbar im Vergangenen gründenden Schuldverstrickung ist Substrat von Erkenntnis überhaupt. "Erweiterung des Bewußtseins" ohne Erweiterung und Vertiefung dieses Bewußtseins ist nicht nur oberflächlich und inhuman; sie verstellt zugleich jede Voraussicht.

Der Zweifel im Zwiespalt der Alternativen definiert keinen politischen Standort.

Max Deutsch zitiert Goethe: Es ist leicht zu denken, schwer zu handeln. Am schwersten ist es, zu handeln, wie man denkt (Nordd.Rundf., III. Progr., 18.5.70).

Max Deutsch ist Kompositionslehrer an der Sorbonne.

Er selbst, Deutsch, habe kein starkes Talent fürs technische Detail, für die technische Seite der Musik, obwohl selbstverständlich bereits die Griechen und die Ägypter wußten, daß Musik nach mathematischen Gesetzen sich aufbaue in ihren Strukturen, den Tonsätzen... Er spricht von dem einen Organ des Musikers, dem Ohr...

Ist Denken heute bereit, sich auf Mathematik einzulassen?

Oder hatten die Indianer recht, die Gott mit einem Orkan verglichen, und wo er zur Ruhe kam, entstand der Mensch?

Sind die Zukunftsbesessenen den Vergangenheitsaposteln auf ihre Weise verwandt?

Der Wüstensturm ist vorübergezogen, hat beigedreht und kommt zur Ruhe allmählich; Menschen gehen aus ihm hervor, erheben sich und lernen neuen Sturm entfachen... Werden auch meine verborgenen Ohrenschmerzen nachlassen?

Es mag das "Neue" einer Rückbesinnung ähnlicher sein als einem "Fortschreiten" in den Dunst - oder in die programmierte Leere einer fetischisierten Zukunft.

www.kokhavivpublications.de

kokhaviv publications > fresh. on line

© Copyright 1999 - 2011 kokhaviv publications