|
Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...
Diese Abhandlung ist unerläßlich. Die Intoleranz verbreitet sich immer mehr auf dieser Welt, sei sie religiös, rassisch oder ethnisch. Ihre stille Vorherrschaft stellt alle reellen Siege, die von der modernen Zivilisation errungen wurden, in Frage.
Wenn die Sprache, die Kommunikation fehlt, dann ist die Intoleranz nicht nur ein billiges Werkzeug des Feindes: sie ist der eigentliche Feind. Sie zerstört den Reichtum der durch die Sprache herbeigeführt wird.
Wenn die Sprache nicht mehr vorhanden ist, tritt die Gewalt an ihre Stelle. Die Gewalt ist die Sprache desjenigen, der sich nicht mehr der Worte bedient. Daher ist die Gewalt die Sprache der Intoleranz, die den Hass verursacht.
Der Hass ist irrational, impulsiv und unversöhnlich: seine dunklen Mächte richten sich an den zerstörerischen Teil im Menschen. Sein Rhythmus ist schnell, sein Ziel ist bedrohlich und seine Absichten sind unerbittlich.
Gibt es denn etwas Positives, Transzendentes oder Edles im Hass? Ist der Hass imstande, etwas anderes als den Hass hervorzubringen?
Die Fragen überschlagen sich: muss man sich denn der Intoleranz gegenüber intolerant zeigen? Muss man mit den gleichen grausamen Mitteln gegen die Faschisten vorgehen? Muss man den Hass hassen, um ihn zu entwaffnen?
Die Intoleranz und der Faschismus beginnen unvermeidlich mit der Unterdrückung des Anderen, also mit all dem, was wir Menschen so verachten und von dem wir uns freisprechen.
Dieser Plagegeist unserer Geschichte, der nicht dingfest zu machen ist und sich seine Wege auf unergründliche Weise ebnet, dieser Plagegeist ist der Hass. Der Hass setzt sich über Grenzen, ethnische Gemeinschaften, Religionen und soziale Klassen hinweg: das ist das Werk des Menschen, und ich wage zu behaupten, dass nicht einmal Gott das verhindern kann. Kein Volk der Welt kann gegen dieses Gift immun sein. Der Hass ist sowohl blind als auch blendend, er ist die schwarze Sonne, die in einem Himmel aus Asche wohnt, der alle Ideale und Vorstellungen des Menschenbildes, unseres Menschenverständnisses zerstört.
Wenn man hasst, dann verneint man die Menschlichkeit des Anderen, man minimiert sie. Wenn wir hassen, dann beschränken wir unseren Horizont, indem wir den des Anderen zunichte machen. Man sieht in sich selbst und in dem Anderen ein Objekt der Verachtung und des Terrors, keine Spur von Würde und Stolz.
Wenn man hasst, dann wählt man die Einfachheit der Verachtung, die man als Quelle der Zufriedenheit betrachtet. Der Hass schafft einen Graben zwischen Täter und Opfer, in dem beide ersticken. Der Hass ist der Auslöser der Kriege, wo Kinder Waisen werden und die Älteren vor Schmerz und Schuldgefühlen verrückt werden.
In der Religion versteckt der Hass das Angesicht Gottes. In der Politik zerstört der Hass die Freiheit des Menschen. In der Wissenschaft steht der Hass im Dienste des Todes. In der Literatur verunstaltet er die Wahrheit, entfremdet den Sinn der Geschichte und bedeckt die eigentliche Schönheit mit einer dicken Schicht aus Blut und Hässlichkeit. Der Hass dringt auf bösartige und heimtückische Weise in die Sprache und auch in das Bewusstsein des Menschen ein, um die natürlichen Beziehungen der Menschen untereinander zu stören.
Wie kann man die Intoleranz bekämpfen? Man weiss, wie man sich gegenüber dem Faschismus zu verhalten hat. Der Faschismus ist ein System, eine Struktur, ein Machtwille, eine politische Basis, die die Macht erringen möchte. Der Faschismus ist leichter zu handhaben: man findet sich nie damit ab. Niemals. Man prangert ihn an, man stellt ihn bloß, man nennt ihn beim Namen, man lehnt ihn ab... Man schließt ihn aus der menschlichen Gesellschaft aus.
Bei der Intoleranz verhält es sich komplizierter, weil sie subtiler ist. Der Hass hat seine Wurzeln in der Intoleranz. Und der Hass ist wie der Krieg: ist er einmal da, dann ist es zu spät. Der Hass befreit den Todesengel, der sein Unwesen mit großer perverser Freude treibt.
Diese Zeilen zeugen von meiner Vernunft, sie sind der Beweis, dass der Mensch ein - sozusagen - vernünftiges Tier ist. Aber wo verbleibt die Vernunft, wenn sich dann und wann der Hass in unseren Herzen einnistet? Ich kann mich nicht vom Hass, der mich manchmal einnimmt, freisprechen, weil er ein Teil meines Wesens ist. Es kann nichts Gutes geben, wenn es kein Böses gibt. Ich bin nur ein Mensch, der versucht, sich zu entwickeln und das Recht zu haben, sich Mensch zu nennen. Wir sind nicht geboren, um zufrieden zu sein, wir sind da, um unsere Intelligenz weiter zu entwickeln, um uns bewusst zu werden, das man immer auf der Hut sein muss. Die Freiheit der Gedanken und ihre Autonomie sind immer in Gefahr. Wir leben, um sie zu manifestieren und um Partei zu ergreifen. Partei für sich selbst. Wir sind immer auf der Suche nach unserem Standpunkt. Jeder ist schuldig... denn so sind die Spielregeln... und die sind elend. Unsere Geschichte ist eine Fabel, zu deren Erzähler ich mich gemacht habe. Wir sind die Helden der Geschichte, unserer eigenen Zerstörung Schmied...
www.kokhavivpublications.de
kokhaviv publications > fresh. on line
© Copyright 1999 - 2001 kokhaviv publications