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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...
Kolumbien. Kipah. Briefpost. In letzter Zeit häufen sich die Signale. Wo war das bloß? Irgendwo am Rande der Stadt? Auf einem abgelegenen Vergnügungspark. Ich fuhr mit der Straßenbahn hin. Viel junges Volk, hippyartig. Sie lebten in engen Verschlägen, gemütlich, irre. Für 60 Mark, sagte jemand, für 60 Mark könne man, könnte ich - nach Kolumbien. Ich vermenge es mit der Möglichkeit, für 60 Mark bei diesen Leuten unterzukommen. Dann denke ich an ein Ticket nach Kolumbien. Mein Gedanke ist mein Grundgefühl: herunter von den zivilisatorischen Umständen, Boden gewinnen. Die jungen Leute sind plötzlich bewaffnet. Einer trägt eine Maschinenpistole, Tarnanzug, Schirmmütze. Sie lachen mit mir, wollen mir alles zeigen. Ein Mädchen läuft vor, steigt auf einen Kasten, eine bunt gekleidete Schaustellerin, mit ausgebreiteten Armen vor einem hohen Metallgerüst, an dem viele Lampen farbig leuchten und blinken.
Ich solle meine farbige Kipah aufsetzen. Zwei Frauen sagen es, die selbst bunte Kappen tragen, bunt und eckig. Ich denke an Usbekistan. Ein zartblaues Fadenmuster, nicht so grob und tieffarbig wie meine. Eine Menge Schriften erreichen mich endlich.
In dem Traktat von Teichtal lese ich: "Dies ist der Zeitpunkt - verpaßt ihn nicht!" Zum 27. Tewet 5759 / 15. Januar 1999. Rabbiner Teichtal befaßt sich mit den Plagen über Ägypten, die den Auszug Israels beschleunigen. "Einer der wesentlichsten Aspekte dieses Auszuges ist die Hast und Eile, mit der er sich vollzog. Als die Stunde der Befreiung schlug, verließen die Juden das Land sofort; sie ließen auch nicht einen einzigen Augenblick vergehen, oder - wie unsere Weisen es ausdrücken (Mechilta zu Exodus 12, 41-42, zitiert in Raschis Kommentar ibid.) - sie machten sich auf, ohne mit der Wimper zu zucken. Unsere Weisen fügen hinzu (Kommentare im Namen des Sohar - Sajit Ra'anan, zitiert in Or Hatorah, S. 327), daß die günstige Gelegenheit für ihre Befreiung für immer verloren worden wäre, die Haggadah für Pessach: Wir, unsere Kinder und Kindeskinder wären dem Pharaoh versklavt geblieben...). (...) Die Gefahr, daß die Gelegenheit verpaßt würde (siehe Tanja, Kap.31), lag nicht darin, daß die Ägypter es sich vielleicht anders überlegt hätten, sondern darin, daß manche Juden selbst sich die Sache möglicherweise wieder anders überlegt hätten, besorgt darüber, daß sie ihre gewohnte Lebensweise ändern und für eine neue Kultur und Gesellschaftsordnung in der Wüste austauschen mußten" (Paraschat Wa'era 72). "Die oben erwähnte Episode lehrt uns daher", so Teichtal, "daß wir nicht zögern dürfen, wann immer sich die Gelegenheit bietet, diesen Exodus zu vollziehen, d.h. spirituell auf eine höhere Ebene anzusteigen." "Wir hoffen deshalb, daß jeder Jude und jede Jüdin die außerordentlich günstige Gelegenheit des gegenwärtigen Zeitpunktes wahrnimmt, um ihre Selbstbefreiung zu erlangen und auch anderen zu dem gleichen Ziele zu verhelfen: die Befreiung aus jeder Art von Knechtschaft, innerlicher wie äußerlicher, und insbesondere aus jener betrüblichsten aller Versklavungen (siehe Kuntress Umajan, Ende Kap. 11), nämlich dem verderblichen Losungsworte: Laßt es uns den anderen gleichtun."
Die Gefahr, die Gelegenheit, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen, ist akut. Das Volk verzettelt sich. Rebecca fährt nach England und Frankreich. Der Ernst der Lage wird nicht erkannt. Israel schwindet aus dem Sinn, je dringender es bedacht werden müßte. Sie gehen nach Prag zur jüdischen Vertiefung.
Das Volk verliert, scheint's, das Ziel aus den Augen. Es ist zu spät, denke ich, wir haben den geschichtlichen Augenblick verpaßt, indem wir nicht mit ganzem Herzen dabei waren. Dann denke ich wieder: Gott hat dich hierher gesetzt, nicht dorthin und nicht dahin, sondern hierher, und hier bleibe und tue recht im Sinne Gottes. Richte dich ein, nicht, um es "den anderen gleichzutun", sondern um die Herausforderung anzunehmen, wie du es bisher getan hast, nur, jetzt wird es ernst, und du mußt Zäune errichten ums Gesetz, nun auch du.
Ein Paradigmenwechsel besagt, daß die Grundeinstellung, Zielsetzungen, Wertetafeln sich ändern, sich geändert haben. Irgendwann bei irgendeiner Gelegenheit wurden die Weichen gestellt. Die Karawane hat ihr Ziel verträumt. Eine graue Gewöhnung schlich sich ein, ein Realismus minus, der von der Mißgunst lebt.
Der Vergleich mit der ägyptischen Chance geht nicht auf, weil Teichtals Annahme einer faulen Zögerlichkeit zwar heute zutrifft, in Ägypten jedoch die Situation verfehlt. Niemand hatte eine Wahl. Zum Auszug gab es die Alternative des gemeinsamen Untergangs im Schatten der Pyramiden. Gott entschied und trieb an.
Ich darf nicht jedes mit allem vergleichen. Wer antreibt, lähmt auch und bringt nicht voran.
Ohne Gott ist den chassidischen Bedenken prinzipiell zuzustimmen.
Wenn ich sage: Mein Platz ist hier. Gott hat mich hierher gesetzt, immer wieder hierher gebracht, so sage ich die Wahrheit, drücke aber zugleich jene Resignation damit aus, die "das Volk" möglicherweise in Bewegung bringt. Meine Feinde darf ich provozieren, meine Kinder aber muß ich weise umsorgen, ohne mich in ihre Angelegenheiten einzumischen.
Aussteigen oder nochmals richtig einsteigen und aufsteigen. Vordergründig bezog es sich auf die literarische Politik: entweder steige ich aus, mache also Schluß damit, oder ich fange nochmals richtig an. Der Ausstieg ist aufs Urziel gerichtet. Aliyah. Dies heißt aber Aufstieg. Mit anderen Worten: Ausstieg und Einstieg, Aufstieg, meinen dasselbe. Galuth, die Wegführung, Vertreibung, von hier ist die Einführung dort.
Geh in dein Schweigen, geh ein ins Ungesagte - und wisse: Du hast alles gesagt. Wenn du dich selbst zitierst, ist es an der Zeit.
Du sollst die Zäune einreißen, Ismael, gilt nicht für dich, Avram. Du mußt jetzt restriktiv dich verhalten. Dann geh an Bord. Wohin, soll deine Sorge nicht sein. Bered ist ein Ort in der Wüste nach Ägypten zu. Barad ist der Hagel und das Hagelkorn. Barod heißt gefleckt, buntfarbig, scheckig. Ins Geheimnis, geh.
Ja, die Situation ist verzwickt. Überall. In der Politik, im Privaten. Als ob alle auf etwas warten. Die Chaotischen erwarten die Katastrophe, die Messianischen den Messias. Zeit gewonnen. Finanzen erholt.
Deutschland ist Rußlands Glacis. Politisch. Wirtschaftlich könnte es umgekehrt sein. Politik wird von der Politik bestimmt. Also muß Rußland daran denken, während Deutschland sich Illusionen machen soll, darüber und über das andere sonst. Die ökofaschistoide Machination trennt Deutschland nach Strich und Faden aus dem Westen heraus.
Die politische Analyse ist die Antwort auf eine okkulte Konspiration. Ein vielfältig religiös getönter Ordens-Mystizismus ist wichtigstes Ingrediens eines irrationalen Großangriffs auf die westliche Demokratie als auf eine erprobte und erfolgreiche Institution in Deutschland (West).
Alles steht still. Ich meine, es ist so, es scheint so. Als ob sich nichts wirklich bewegt, nichts Entscheidendes, obwohl es sich bewegen müßte. Eine unruhige Stille herrscht und drängt sich vor. Die Dinge sind wie Knospen, die nicht aufgehen wollen. Als ob die Zeit verpaßt würde. Es könnte zu spät sein, wenn es nicht bald geschieht. Israel ist so nah und so ferngeruckt.
Ich habe den Schlüssel nicht, habe ihn verloren, hatte ihn nie. Ich setzte meine Hoffnung auf die Jugend, die dritte Generation. Sie hat ihre Fristen versäumt und Termine verpaßt. Wenn du mit 18 zugreifst, mit 21 oder 22 leer dastehst, ist es schiefgelaufen. Gott hilft, wenn er will, er läßt laufen und läßt fallen.
Wenn der Prophet seinen Nimbus verliert, die Zahl seiner Feinde zunimmt. Weniger Dunst und mehr Realität. Ja, sie haben die Herausforderung angenommen, auf ihre Weise. Da sie von der Schattenseite des Mondes kommen, bringen sie kein Licht mit. Von Feinden umgeben, denen alle Mittel recht sind. Eine ertragreiche Zeit. Vom Vergönnten das Höchste.
Die Bestattung des jordanischen Königs Hussein Haschem zeigte ein großes Ereignis. Der königliche Leichnam wurde mit Myrrhe abgerieben, in ein weißes Tuch gehüllt, aus dem Sarg gehoben und ins bereitete Grab gelegt. Ein heiliger Akt. UN-Resolution gegen Israels Siedlungspolitik.
Mein Weib sagt, daß sie in mir einen sehe, der sich aus den Steinen, die ihm in den Weg gelegt werden, eine Treppe errichte, auf der er emporsteigt, über die er aufsteigt. Israel in weiter Zeitenferne. Und vierzig Wüstenjahre.
Abgrund im Hades, Gefängnis der Titanen.
Alles wird mit der Sonne gehen, nicht der Sonne entgegen. Die Erde erlebt einen Richtungswechsel. So verlagern sich die Ausgangspunkte. Während es früher von Europa ausging, wird jetzt das alte Asien wieder ausstrahlen. Finden wir dafür eine kosmische Entsprechung?
Die ständige Zufuhr hat den Westen reich gemacht. Das ist die andere Seite der Medaille.
An der Völkerrechtslage sind sämtliche Diktaturen der Welt interessiert. Staaten wie China und Rußland haben im Weltsicherheitsrat nach wie vor ein Vetorecht. So ist die UNO in ernsten Fällen nicht handlungsfähig. In Bosnien sahen die UN-Einheiten zu, wie die Menschen von den Serben massakriert wurden. Sie hatten kein Mandat, einzugreifen. Diese Lehre führte zu der NATO-Entscheidung.
Die neue Weltordnung entsteht mit dem Ende des Sowjetreichs. Die Umwandlung geschieht nicht von heute auf morgen.
Der Oberkommandierende der NATO-Streitkräfte, General Clark, sagte, daß der Krieg ein Kampf um die Durchsetzung westlicher Werte sei. Es gehe darum, kommunistische Diktaturen, die gegen ihre eigenen Bevölkerungen Krieg führen, endgültig abzuschaffen. Es ist ein Kampf um die Werte der freien Welt, um Demokratie, Menschenrechte, Freiheit und Glück jedes einzelnen Menschen. Ich begrüße diese grundsätzliche Klarstellung. Sie ist eine Warnung an Rußland und eine Kriegserklärung an all jene Kräfte, die den Untergang der Sowjetdespotie wieder rückgängig machen wollen. Eine Kriegserklärung an die kommunistische "Volksrepublik" China, nicht zu vergessen.
Deutschlands konsequentere Integration in die westliche Allianz unterstreicht, wo wir stehen werden, wenn es ernst wird, täglich ernster wird. Die Botschaft richtet sich auch an jene in Deutschland, die versuchen, irgendetwas von der "DDR"-Vergangenheit zu retten. Wenn Deutschland ernstmacht mit seinem Abschied von allen Diktaturen der Vergangenheit, ernstmacht mit seinem Bekenntnis zur Demokratie, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Ein Differenzierungsprozeß ist fällig. Deutschland muß sich von den inneren Rückständen zweier Diktaturen freimachen.
Wir haben es heute mit fascho-kommunistischen Regimen und Parteiungen zu tun. In Serbien, in Nordkorea, in China. Die "Kurdische Arbeiterpartei" PKK und die Kräfte um Schirinowski und Tjuganow gehören in diese Klassifizierung. Mit ihnen korrespondieren - noch nicht so deutlich erkennbar - islamo-faschistische Gruppierungen, zu denen ich den türkischen Sufi-Derwisch-Islam und -Semi-Islam rechne. Den Iran nehme ich davon vorerst aus; da scheint sich eine demokratische Entwicklung anzubahnen. Es geht in der Tat um eine demokratische Eroberung der Welt.
China ist ein sehr schwieriger Fall. Die demokratische Eroberung Chinas bedeutet: die islamischen Völkerschaften kommen zu ihrem Recht, die Tibetaner, die Mongolen, die vielen Völkerschaften am Rande und im Innern des Riesenreichs. Der fernöstliche Raum wird sich neu begründen und formieren können. Ich denke, daß die Veränderungen von den Küstenrändern ausgehen werden.
Die Meere wieder als verbindendes Element begreifen und neu erfahren. Das Festland den Meeren zuordnen. Die mediterrane Welt neu ergründen. Den pazifischen Raum. Das afrikanisch-arabisch-indische Meer. Die Küsten beleben! Heißt: die Intelligenz des Menschen wiedererinnern und zu neuem Leben erwecken!
Die Atlantische Allianz hat eine Zukunft, hat Substanz und Bestand, weil sie auf den Prinzipien und den Erfahrungen der Meeresüberschreitungen beruht.
Ein Vergleich mit 1991, mit dem damaligen Verhalten des Westens in der Balkanfrage, macht deutlich, daß durch die Politik der USA jetzt gewissermaßen die klassische deutsche und österreich-ungarische Position auf eine höhere Ebene gehoben und konsequenter vertreten wird. Amerika macht "deutsche" Politik auf dem Balkan, aber im Geiste der Freiheit, im Geiste der westlichen Werte-Demokratie. Seiner alten Pflichten und Verantwortungen enthoben, kann oder könnte Deutschland aufatmen. Es war damit ohnehin überfordert. Europa & NATO, das ist die Union, die uns endlich weiterführt. Die machtpolitisch-historische Gelegenheit muß beim Schopfe gepackt werden, und es sieht ganz so aus, als ob das nun begriffen worden ist. Auch die "Verwestlichung" jener Balkanrepubliken, jugoslawischen Teilrepubliken, die traditionell auf "deutscher", ja selbst auf hitlerdeutscher Seite standen (und kämpften), trennt und befreit eine richtige Politik von ihren engstirnig-nationalistischen Beigaben.
Die USA beschlossen mit Zustimmung der Opposition die Entwicklung eines umfassenden Raketenabwehrsystems, nicht ganz so perfekt wie Reagans SDI, aber immerhin in dieser Richtung. Amerika macht fast unauffällig eine Rekonstitutionalisierung durch. Clarks 99er Rede ist eine Neudefinition Amerikas. Die USA finden zu ihren Wurzeln zurück. Das ist ein gutes Zeichen, und so hätte die Monica-Clinton-Affäre doch noch einen politischen und historischen Sinn erhalten - nämlich als Überbrückung des Paradigmenwechsels - zurück zu den geistigen Ursprüngen der Vereinigten Staaten, das heißt: voran in eine gesicherte Zukunft.
Im Moment sehe ich eine feine Differenz zwischen der amerikanischen und der britischen Auffassung. Als ob die Amerikaner eher bereit wären, den Kosovaren, wie die Kosovo-Albaner jetzt oft genannt werden, und den Montenegrinern die politische Unabhängigkeit zuzugestehen, während die Engländer das bis heute ausdrücklich nicht wollen. Über Bodentruppen wird jetzt schon öfter spekuliert und nachgedacht. Die stärkere Unterstützung der UCK hat auch die Form eines Hilfsfonds, der soeben in Amerika gegründet wurde. Die UCK hat die Kosovaren aufgefordert, ihre Heimat nicht zu verlassen, sie hätten keine andere. Und sie will das Volk von Kosovo verteidigen. Ohne ausreichende Bewaffnung geht das nicht. Inzwischen läuft die zweite Phase der Luftangriffe. Flugzeuge mit Bomben, Raketen und neuerdings auch panzerbrechenden Waffen sind unterwegs.
Manche Entwicklung, die "im Trend" liegt, wird sich dann und wann verzögern. Es kommt aber auf die Richtung an, die eingehalten werden muß.
Vor ein paar Tagen hatte sie einen Traum. Da saß ein Mann und sagte, er sei Ja-El: "Ich bin Ja-El." Ich interpretierte: "... ja El. "
Sie tritt hervor und spricht: "Ich bin Yael" oder "Ich heiße Yael". Und sie fand, daß ihre Brüder die hebräischen Namen nicht angenommen hatten.
Letzte Nacht träumte mir: Ich war auf einem Boot, nicht groß, eher wie ein Ruderboot, aber wohl motorisiert. Ich fuhr ziemlich schnell auf einen Bootssteg zu, eine Anlegestelle vor einem Gasthaus. Dort lief ein Mann hin und her, ein Kellner (ich denke auch: Kölner) mit Weste, der verteilte weiße Tücher. Ich fuhr schnell darauf zu, rief, denn ich wollte eins davon haben. Ein weißes Handtuch. Je näher ich kam, desto deutlicher wurde, daß er von einer Rolle Papiertücher abriß und den Leuten zuwarf. Zuletzt nahm er die leere Rolle und warf sie ins Wasser oder auf ein Boot wie das meine. Dann wurde ich wach. Ich dachte an "Handtuch werfen". Ich sah Land, dort warf der Kellner das weiße Papier.
Der Mann winkte mit dem Serviertuch, ich raste auf den Hafen zu.
Balkankrieg. Mit einem Serben keinen Streit anfangen. Eine balkanische Weisheit. Der Streit ist da. Stille Gedanken, daß der Krieg auf Deutschland übergreifen könnte. Serben vergleichen die NATO-Bombardements mit den Angriffen der Hitler-Wehrmacht. Belgrad lehrt: Serben sind Opfer, nicht Täter. Serbische Verbrechen sind Akte der Selbstverteidigung.
Die Bewohner Jugoslawiens wissen nichts von Massenvertreibungen und Massakern, obwohl sie westliche Nachrichten empfangen. Serben, die in westlichen Ländern leben, demonstrieren und argumentieren gegen die westliche Intervention: Kosovo-Albaner "gehen freiwillig weg" oder "fliehen vor den Bomben der NATO", heißt es.
Die neue eurodeutsche Friedensbewegung wird Probleme bekommen, wenn sie vollends - wie die alte - Parteigängerin der Serben (und Russen) sein will, was sie eigentlich schon ist: eine Kriegsbewegung gegen die politischen Interessen des eigenen Landes im westlichen Bündnis.
Krieg im Kosovo. Balkankrieg. Dieser Krieg prägt möglicherweise eine neue Generation. Wir hatten die Kriegs- und die Nachkriegsgeneration, die 68er, die vor allem vom Vietnam-Krieg motiviert waren. Damit verband sich eine nach und nach prosowjetisch agierende "Friedensbewegung", die sich jetzt wieder zu Wort meldet. Auch diese "Friedensbewegung" ist eine Kriegsbewegung gegen die Bundesrepublik Deutschland, gegen die westlichen Demokratien, gegen die NATO. Deutschland und Amerika stehen im Zentrum ihrer Propaganda. Auch hier gilt wieder, daß diese "Friedensbewegung" ohne Wenn und Aber Partei für die Menschenverächter, die KZ- und Vertreibungsmentalität, für den organisierten Massen- und Völkermord ergreift. Und es finden auch jetzt wieder zusammen, die wir von damals kennen: Kommunisten und Nationalisten, rote und braune Faschisten.
Die Belgrader Fraktion ist das déjà-vu der Moskauer Fraktion. Der Unterschied zu damals liegt in der anderen Zusammensetzung der Bundesregierung. Das "Kriegskabinett" besteht aus Schröder, Fischer und Scharping, früheren Sympathisanten der Moskauer Fraktion. Das ist das Neue. Eine rot-grüne Koalitionsregierung "macht Krieg gegen Jugoslawien". "Deutschland muß sterben, wenn wir leben wollen", heißt es wieder auf Transparenten der sogenannten Friedensbewegung. Und noch etwas kehrt zurück: Die Stasi-Fraktion hängt sich ein "jüdisches" Mäntelchen um. Eine neue Publikation vom Prenzlauer Berg, die sich "Das Blättchen" nennt und in der Aufmachung der alten "Weltbühne" erscheint, schmückt sich mit einer Anzeige der "Jüdischen Korrespondenz", dem "Monatsblatt des Jüdischen Kulturvereins" (9. Jahrgang) und einer Anzeige der "Deutsch-nordamerikanischen Gesellschaft" für Reisen nach New York City unter der "Fachbegleitung" einer Publizistin und ehemaligen Stasi-Mitarbeiterin, wie es heißt. Da ist wieder alles beisammen. Und wir müssen nur höllisch aufpassen, daß nicht alles, was auf dem Balkan passiert, propagandistisch wieder in sein Gegenteil verdreht wird. Es kann dann nämlich sehr schnell geschehen, daß die Serben als Opfer und nicht als kriminelle Täter in die Schlagzeilen kommen, daß nicht die Vertriebenen an die Vertreibung der Juden erinnern, sondern daß die Bomben gegen das verbrecherische Regime in Belgrad mit den Bomben Hitlers auf Belgrad verglichen werden.
Der Bundeskanzler Schröder (SPD), der Außenminister Fischer (Grüne) und der Verteidigungsminister Scharping (SPD) stehen überzeugend im Bündnis und vertreten die Politik der NATO ohne Abstrich. Fischer warnte seine Partei und die Mitglieder der Koalitionspartei SPD davor, das Bündnis in Frage zu stellen und von der gemeinsamen NATO-Politik abzurücken. Dies würde Deutschland isolieren und das Bündnis zerbrechen. Schröder sagte fast am selben Tag, daß die NATO am Ende moralisch recht behalten und schließlich auch siegen werde. Scharping meint seit langem, daß Milosevic nicht an einen Verhandlungstisch, sondern vor ein Kriegsverbrechertribunal gehöre. Aber es bröckelt bei Grünen und Sozialdemokraten.
Parteiaustritte und Übertritte zur PDS signalisieren so etwas wie einen Klärungsprozeß, dessen Resultat aber nicht ein Ausstieg aus dem Bündnis, sondern ein Regierungswechsel sein wird. Volker Rühe, der frühere Verteidigungeminister, der sich jetzt in Schleswig-Holstein um den Platz des Ministerpräsidenten bewirbt, es ist Wahlkampf, äußerte sich weitaus weniger entschieden in diesen Fragen. Er sprach viel von den Russen, ohne die es eine politische Lösung auf dem Balkan nicht geben könne, betonte die Nichtentsendung deutscher Bodentruppen, und das zu diesem Zeitpunkt. Ohne Bodentruppen kann Serbien nicht besiegt werden. Es bliebe zuletzt eine halbe Sache liegen, die ganz im Sinne der Russen und Serben wäre. Will sagen, daß eine CDU-Regierung nicht unbedingt jetzt die richtige Politik fortsetzen würde.
Alfred Dregger soll sich bereits gegen das NATO-Bombardement geäußert haben.
Die Deutsch-Nationalen wollen nicht "Germans to the front". Sie wollen keine Bündnispolitik außerhalb unmittelbar deutscher Interessen. Aber der Balkankrieg folgt auch deutschem Interesse. Die NATO macht jetzt endlich "deutsche" Politik auf dem Balkan, wozu sie sich im Bosnien-Krieg nicht bereitfinden wollte und konnte. Damals waren die europäischen Interessen noch stärker national zersplittert. Differenzen gibt es auch heute. Es ist jedoch eine grundsätzlich intakte Bündnis-Disziplin zu beobachten. Der Westen ist offenbar entschlossen, die verbrecherische Politik "ethnischer Säuberungen" nicht mehr hinzunehmen, ja ein Exempel gegen sie zu statuieren.
Bei dieser Gelegenheit, und das ist bezeichnend, wird endlich auch die UNO nicht nur als Papiertiger, sondern als die falsche Vereinigung erkannt. Die Vereinten Nationen / UN wurden einst gegen das Hitler-Reich gegründet. Damals waren sich die freien Völker gegen das Völkermordregime einig. Inzwischen besteht die Weltorganisation zu zwei Dritteln aus Staaten, die nicht die einfachsten Regeln der Demokratie einhalten, sondern diktatorisch, despotisch und totalitär beherrscht werden. Diese Staaten vertreten ohne Einschränkung das Prinzip der "Nichteinmischung in innere Angelegenheiten eines souveränen Staates", was auch den Völkermord einschließt. Sie nutzen jetzt für sich das "Völkerrecht" zur Unterdrückung, Verfolgung und Ausrottung "völkischer" Minderheiten. Die UNO ist heute eine mehr oder weniger polit-kriminelle Organisation, die nicht die Interessen der Menschen, sondern die ihrer Unterdrücker vertritt. Das Blau der Vereinten Nationen ist trügerisch wie das Grün der Okofaschisten und das Rot der Kommunisten.
Es wird von Legitimation bzw. ihrem Fehlen gesprochen. Die NATO sei zu ihren Einsätzen nicht legitimiert, nur die UNO könnte dazu berechtigen. Das Gegenteil ist richtig und wahr. Die Mehrheitsverhältnisse bei der UNO sichern die Durchsetzung des politischen Willens antidemokratischer Staaten.
Hier steht Menschenrecht gegen Völkerrecht, das Recht von Minderheiten und Individuen gegen das Recht kollektiver Mehrheiten. Die NATO als wertepolitisches Bündnis der freien Welt, der Atlantischen Gemeinschaft demokratischer Gesellschaften in frei gewählten staatlichen Strukturen, ist sehr wohl - und vielleicht als einzige in der heutigen Welt - legitimiert, menschenfeindliche Diktaturen auch militärisch zu bekämpfen, sich in ihre "inneren Angelegenheiten" einzumischen.
Vielleicht erleben wir diesen Paradigmenwechsel: daß die UNO ihre moralische Legitimation längst verloren hat; daß die NATO an ihre Stelle tritt und endlich wahrmacht, wozu die UNO aus den genannten Gründen nicht fähig und vor allem gar nicht willens war. Die Durchsetzung von Demokratie und Menschenrechten "all over the world". Nicht die von den UNO-Föderalisten angestrebte "Weltregierung", sondern die Befreiung der Welt von ihren despotischen, diktatorischen, unterdrückerischen, menschenfeindlichen und mörderischen Regimen.
Die demokratische Eroberung der Welt ist mehr als der politische Begleitumstand der wirtschaftlichen, technologisch-elektronischen und finanzpolitischen Globalisierung. Die Demokratisierung ist eine Befreiung der Menschen, ist ihre Ins-Recht-Setzung. Die demokratische Eroberung ist ein Akt der Durchsetzung von Rechtsgleichheit, gleichen Rechten und Freiheiten für alle Menschen. Dies ist die politische Grundvoraussetzung jeder sozialen, hier auch klassenpolitisch gemeinten Gerechtigkeit. Die uneingeschränkte Gleichheit vor dem Gesetz ist die rechtspolitische Aufhebung der Klassen, ihrer Unterschiede und Gegensätze. Eine unabdingbare Voraussetzung einer in sich gerechten Gesellschaft. Die Voraussetzung ist noch nicht die Verwirklichung. Die Geschichte der sozialen Befreiung geht weiter. Der demokratische Rechtsstaat ist das notwendige Fundament schlechthin.
Die demokratische Eroberung richtet ihr Augenmerk zwar auf den Osten, den Orient, von Europa aus betrachtet. Aber sie impliziert zugleich den Grundgedanken, daß Demokratie und Rechtsstaat Kinder der Torah und ihrer Gesetzesidee sind. Das Gesetz vom Sinai kommt gewissermaßen geläutert, gewendet, geprüft, in seinem Wesen verstanden, nach Osten zurück. Oder anders: Das Gesetz vom Sinai ging seinen Weg durch den Mittleren Osten über Europa nach Amerika und von dort als "Offenbarung der Demokratie" in den "Mittleren Osten" weiter, aus europäischer Sicht: "zurück". Ein geprüftes Torahwissen kann jetzt auch politisch Früchte tragen.
Das "Projekt Yishmael" zielt auf den Islam, ja auf eine Islamisierung Deutschlands und Europas ab - als demokratische Eroberung. Das bedeutet: Ein Islam in Deutschland und Europa ist denkbar nur als ein demokratisch gewandelter. Die Unterstützung der islamischen Kosovaren und Albaner durch die NATO-Demokratien gegen die christ-orthodoxen Serben (und Russen) ist ein Kriterium. Ähnliches spielt sich im Kaukasus ab. Rußland und China. Indien.
In Deutschland ist die Rußland-Linke mit der Rußland-Rechten längst wieder auf Tuchfühlung gegangen.
Sie werden mit den "Serben" siegen und mit den Serben untergehen.
Milosevic ist ein Kriegsverbrecher, ein Völkermörder und ein politischer Fuchs. Man darf ihn nicht unterschätzen.
Größer ist die Gefahr, daß die russischen Mafia-Strukturen in Mitteleuropa dazu benutzt werden, um die Bundesrepublik Deutschland zu destabilisieren. Der Schwebezustand ist wie in den achtziger Jahren die beste Voraussetzung für einen Krieg unterhalb der Grenze zum Krieg.
Strategisch geht es darum, Rußland zu provozieren und gleichzeitig in die Schranken zu weisen; der eurasisch-mittelöstlichen Region zu demonstrieren, daß mit Rußland nicht mehr zu rechnen ist. Das würde alles ändern.
Kommen wir im mittelöstlichen Raum wieder auf die Türkei zurück? Sie ist ein notwendiger Ordnungsfaktor in der Region südlich und nördlich (!) des Kaukasus. Die Türkei ist NATO-Mitglied, wird aber von der Europäischen Union, deren Mitgliedschaft sie anstrebt, zurückgewiesen. Dabei spielen sicherlich euro-christliche Vorbehalte eine entscheidende Rolle. Die USA hingegen wünschen eine solche Europäisierung der Türkei. Es wäre der Anfang der Verknüpfung des gesamten nahöstlichen und nordafrikanischen Mittelmeerraums. Die verfügbaren Technologien erlauben eine gesunde Durchstrukturierung der Großregion vom Atlantik bis an die Grenzgebiete zu Indien und China.
Der fernöstliche Raum wäre dem pazifischen Becken zuzuordnen. Die Kriege der Zukunft gehen wahrscheinlich um China und Indien. Da könnte Rußland wieder eine Rolle spielen, wenn es nicht nur mehr als Hinterland Ostasiens dienen will. Chinesen sickern bereits jetzt in Sibirien ein. Der Ferne Osten ist nicht aufzuhalten. Ein großer Fehler allerdings wäre es, Rußland auch für die Zukunft als machtpolitischen Faktor zu unterschätzen.
Europa verschiebt seine Grenzen gen Süd und gen Ost. Nach Nordafrika und bis nach Indien und zum Kaukasus und darüber hinaus. Afrika ist ohnehin weitgehend europäisch kontrolliert. Die früheren Kolonien vor allem Frankreichs, aber auch Belgiens, Spaniens, Portugals, ja, selbst Italiens, nicht zu vergessen Englands haben sich nie wirklich abnabeln können. Mit amerikanischer Hilfe, ja, unter amerikanischer Führung schafft sich das Abendland wichtige Grundbedingungen für eine neue eurozentrische Politik mit weiter historischer Perspektive. Es ist das elektronische Zeitalter, das Europa eint und dadurch wieder ins weltpolitische Spiel bringt.
Kosovo. Albright und Iwanow haben sich getroffen und ein paar Punkte abgehakt. Uneins sind sie in der Frage der internationalen Garantie-Truppen für die Sicherung einer Rückkehr der Kosovaren. Das war abzusehen. Also gibt es keine Einigung.
Milosevic zündet den Weltbrand. Die Amerikaner schicken täglich mehr Flugzeuge an die Adria. Heute wurden weitere 300 angekündigt. Das müßten jetzt bald 1000 Kampfbomber, Hubschrauber usw. sein. Was haben sie vor? Ist der Kosovo nur ein gebotener Anlaß? Wie sieht's im Nahen und Mittleren Osten aus?
Dieser immense Einsatz ist für die Russen a) eine Herausforderung, sich militärisch einzuschalten, und b) das Signal, es besser sein zu lassen. Die Folge wird sein, daß die politische Szene in Rußland sich schärfer profiliert, d.h. die innere Polarisierung der Kräfte zu Konfrontationen führt. "Tauben" und "Falken" stehen sich aber schon heute als Minderheit und Mehrheit gegenüber. Die antiwestliche und zugleich proserbische Kriegspartei aus Nationalisten und Kommunisten bildet die Mehrheit. Diese Mehrheit ist indirekt auch in Westeuropa, besonders in Deutschland präsent. Das Problem der inneren Sicherheit darf auch militärpolitisch nicht übersehen werden. Wie schon bei anderer Gelegenheit gesagt, ist die neue Phase des Balkankrieges ein Vorgriff auf nahöstlich-mittelöstliche Entwicklungen, die rechtzeitig vorangetrieben werden müssen, wenn der Westen nicht die Initiative verlieren will. Aus einer hier konzipierten euro-islamischen Strategie würde praktische Politik.
Schon kurzfristig ist ein griechisch-türkischer Konflikt zu erwarten. Latent findet er ohnehin statt. Griechenland unterstützte Öcalan und seine PKK: in deren Kampf gegen die Türkei. In Griechenland fanden gleich zu Beginn der NATO-Schläge gegen Serbien die ersten schweren Krawalle, Demonstrationen gegen den Westen, vor allem gegen die USA statt. Die christliche Orthodoxie verbindet Griechenland mit Serbien und Rußland, aber auch mit Bulgarien, Armenien, Georgien. Die jetzige US-Strategie spielt die regional-islamische Karte aus, während die EU mit ihrer abweisenden Türkeipolitik immer noch starke anti-islamische Vorbehalte an den Tag legt. Der Balkankrieg schließt den Mittleren Osten auf. Der Kampf gegen Rassismus und Nationalismus, wie Heiner Geißler es neulich formulierte, wäre in der Tat eine neue Phase auf der Grundlage richtiger zivilisationsgeschichtlicher Prinzipien. Es wäre die wohlverstandene Anwendung ewigen Rechts.
Der christ-orthodoxe Raum birgt viele Gefahren. Seine spezifische Unaufgeklärtheit bei gleichzeitiger Glaubensgewißheit nationalen und panslawistischen Sendungsbewußtseins ist eine seelisch-geistige Brutstätte klerikalfaschistisch-rassistischen Widersinns. Der Krieg gegen "Ostrom" ist ein euro-islamischer Aufklärungskrieg, dessen Früchte auch dem Islam zugute kommen werden.
OST-ROM hat in der islamischen Schia einen Verbündeten gegen die Sunna. Strenggenommen, ist die Schia ein ost-christliches Aufweichungsunternehmen gegen den Islam. Der Ali-Kult kann seine Wesensverwandtschaft mit dem mystischen Christus-Kult der Orthodoxie kaum verbergen. Wie andererseits die Fatimiden dem Marien-Kult der Westkirche korrespondierten. Sie spielen indes heute keine Rolle mehr. Der christliche und alidische Mystizismus des Ostens ist ein vornehmliches Arbeitsfeld für einen Fundamentalismus der Aufklärung, d.h. für eine Rückbesinnung auf die Torah, auf die geistigen Quellen, die geschichtliche Offenbarung Gottes als eine Erkenntnistheorie.
Von links, insonderheit aus Reihen der PDS, kommt seit Kriegsbeginn in Jugoslawien die Klage, daß die NATO einen (grundgesetzwidrigen) Angriffskrieg führe, daß hier eine neue Weltordnung konzipiert werde, daß die NATO sich inzwischen als NEUE NATO definiere... Ich hoffe es. Und kann nur feststellen, daß die PDS-Denker das Richtige, aus ihrer Sicht: Falsche, sofort erkannt haben. Das NEUE an dieser NATO und ihrer Strategie ist eben die Neudefinition des Völkerrechts, das nunmehr vor den allgemeinen Menschenrechten seine Gültigkeit und Bedeutung verliert. Das Motto heißt: Gegen Nationalismus und Rassismus - und könnte eigentlich von der PDS ohne weiteres unterschrieben werden. Von der PDS wie von jeder anderen demokratischen Partei. Ideologische Konflikte, so sie dennoch entstehen, haben darum andere Ursachen. Die Kernfrage ist außenpolitischer Natur und lautet: OST oder WEST. Die nachkriegsdeutsche Linke hat das Problem ihrer Geburt. Sie vermag sich bis heute nicht von Rußland zu trennen, Rußland als eine politische, eine machtpolitische Gefahr zu erkennen.
Ich glaube an die Unantastbarkeit und die Würde jedes einzelnen Menschen. Ich glaube, daß jedem Menschen von Gott das gleiche Recht auf Freiheit gegeben wurde. Ich verspreche, jedem Angriff auf die Freiheit und der Tyrannei Widerstand zu leisten, wo auch immer sie auftreten möge.
KRIEG. Aggressive Politik. Feindstaatenklauseln. Völkerrechts-Status der Bundesrepublik Deutschland. Was verhüllt die Bündnispolitik? Sie verhüllt gewisse Differenzen, verhüllt, daß Deutschland im Sinne der UN-Charta als Staatswesen historisch ein Sonderfall ist. Der Serbienkrieg hat kein UN-Mandat. Die Feindstaatenklauseln sind nicht außer Kraft gesetzt. Serbien und Rußland können sich darauf berufen. Selbst die deutsche Wiedervereinigung (2+4-Vertrag, Einigungsvertrag) könnte in Frage gestellt werden - und damit die NATO-Mitgliedschaft der ehemaligen DDR, Ostdeutschlands. Mit den Feindstaatenklauseln kann die gesamte Situation Deutschlands und Europas zumindest rechtstheoretisch aus den Angeln gehoben werden. Für Deutschland ist das westliche Bündnissystem als ein Ganzes, doch besonders die NATO, existenznotwendig. Wir stehen jetzt vor dem Sachverhalt, daß die Feindstaatenklauseln nicht nur den Kommunisten, sondern auch den neuen Nationalsozialisten nützlich werden könnten. Als Recht in Anspruch genommen, richtet sich diese Regelung aktuell gegen Deutschlands Bündnispartnerschaft-West.
Es liegt also auch im spezifisch deutschen Interesse, die UNO als Rechtsinstitution in Frage zu stellen. Sonst könnte hier jederzeit Krieg hereingetragen werden, ohne daß dies gegen internationales Recht verstieße.
Aus allem folgt, daß die Vereinten Nationen a) aufgelöst werden oder b) sich daheim demokratisieren. Die Mitgliedschaft müßte von Bedingungen abhängig gemacht werden, die denen einer NATO- oder EU-Mitgliedschaft gleichen. Die demokratische Eroberung hat diese Tendenz. Menschenrecht geht vor Staatssouveränität und Völkerrecht. Das sogenannte Völkerrecht ist nichts weiter als ein angemaßtes "Recht" von Regierungen und Machtbabern. Das principium individuationis ist das Gesetz der Souveränität, der Freiheit und des Rechts jedes einzelnen Menschen. Die Westberliner Freiheitsglocke verkündete das Credo des freien westlichen Menschen.
Die Feindstaatenklauseln legalisieren den Terror gegen Deutschland.
Privat höre ich aus der Umgebung, daß Bundeswehrreservisten aufgefordert werden, sich freiwillig in den Kosovo melden.
Ben Ladins Terrordrohung war ein Signal, das beachtet werden mußte. Die islamische Welt ist kaum berechenbarer als Rußland.
Die euro-islamische Strategie.
Hat der Islam mittlerweile einen anderen, vielleicht minderen, Stellenwert? Was heißt überhaupt noch Religion, wenn die westliche Welt ihre Ideen wieder ins Spiel bringt. Wenn wir uns erinnern, wie es damals war, nach dem Weltkrieg II, welche Frische von der Idee der Freiheit ausging, jedes einzelnen Menschen, daß der Mensch nicht einer Regierung untertan war, sondern ihr kritischer Beobachter und Kontrolleur, kein Untertan, der sich alles von ihr bieten ließ. Natürlich klaffte ein Spalt zwischen Idee und Wirklichkeit, aber das Bewußtsein konnte Berge versetzen. Die Freiheit war nicht nur ein Traum, sondern täglich einsetzbar, und sie ließ uns denken. Das war anfangs nicht einfach. Du mußt deine Fähigkeiten erst kennenlernen. Die Hilfen, die einem in Deutschland literarisch zuteil wurden, waren nützlich, aber bei weitem nicht ausreichend. Allmählich merkst du, daß deine Lehrer selbst noch viel lernen müssen. Deutschland hatte nicht nur graduelle, sondern auch spezifische Probleme. Halte ich mich am Gesetz Gottes, am Judentum und am Islam fest, weil ich die Freiheit des Denkens fürchte? Ich meine, komme ich ohne Gesetz denn nicht aus?
In einem demokratischen Jugoslawien könnte auch der Kosovo verbleiben. Jugoslawien hat die diplomatischen Beziehungen zu Albanien abgebrochen. Inzwischen wird ein albanisch-jugoslawischer Krieg für möglich gehalten.
11 Jahre nach Tel Aviv, aber 33 Jahre nach Israel.
Demokratisierung. Kriegsverbrechertribunal. Aussortierung und Bestrafung der Schuldigen.
Die sogenannten Drohnen, unbemannte Beobachtungsraketen der Bundeswehr, haben gute Bilder geliefert. Danach lassen sich Flüchtlingsansammlungen feststellen. Die Serben gehen systematisch vor. Sie kreisen einen Treck ein. Ein weiterer, innerer, Kreis wird gebildet. Im Einsatz sind Fahrzeuge, Panzer, jugoslawisches Militär und Spezialpolizeitruppen. Diese gehen dann konzentrisch gegen die Vertriebenen vor, töten sie, trennen sie, verjagen sie. Oft treiben sie sie von Grenzstation zu Grenzstation und lassen sie nur selektiv über die Grenze. Hinzu kommt, daß Mazedonien Fluchtlinge an der Grenze abweist. Die Bundesregierung will die Bilder nicht nur für die Presse freigeben, sondern auch als Beweismaterial den Untersuchungsrichtern in Den Haag vorlegen. Diese investigative Feinarbeit ist äußerst wichtig und wertvoll. Auch über die sogenannten Tiger des "Arkan" gibt es detaillierte Informationen. Verbindungen zur italienischen Mafia, zum sowjetischen Geheimdienst und zur Stasi bzw. dem militärischen Geheimdienst der DDR.
Sharon sieht es so: Mit einem unabhängigen Kosovo könnte eine Brutstätte des Terrors entstehen, wobei nicht einmal sicher ist, ob er diesen ausdrücklich als islamischen Terrorismus versteht. Netanjahu hat das sofort korrigiert: Sharon habe lediglich eine persönliche Meinung geäußert. Die Labour-Seite meint dagegen, noch nie habe Israel so im Widerspruch zur US-Politik gestanden. Die amerikanische Außenministerin Albright sprach mit Sharon. Amerika erwartet natürlich von seinen Verbündeten eine zuverlässige Solidarität, einen Zusammenhalt der westlichen Gemeinschaft, zu der Israel letztlich zählt. Von Sharon kommen folgende Argumente: Israel wolle den russischen Technologie-Transfer nach Iran stoppen bzw. darauf hinwirken. Aber die Sache hat vor allem den innenpolitischen Aspekt, und der ist auf lange Sicht ernstzunehmen. Die russischen Immigranten und die in Rußland verbliebenen Juden. Das schafft einen ganz natürlichen jüdisch-russischen bzw. russisch-israelischen Zusammenhalt. Daraus resultiert zusätzlich eine zumindest potentielle proserbische Haltung im jetzigen Balkankonflikt. Damit haben wir ein Sicherheitsproblem.
Das offizielle Israel nimmt Kosovo-albanische Flüchtlinge auf. In der Jerusalem Post ist im Fettdruck zu lesen, daß die Albaner nicht einen Juden an die Nazis ausgeliefert, daß sie vielen Juden geholfen, in den Bergen vor den Deutschen versteckt hätten. Israel schickte schnell ein Ärzteteam nach Albanien (oder Mazedonien?). Das offizielle Israel steht auch in einem militärischen Bündnis mit der Türkei und damit theoretisch gegen die Kurden, was sich ja in dem Sturm auf das israelische Generalkonsulat in Berlin bereits blutig ausgewiesen hat. Wir müssen also wohl davon ausgehen, daß "Rußland in Israel" auf seine besondere Weise auch politisch wieder zum Zuge kommen könnte.
Jedenfalls haben wir in Israel eine ähnliche Konstellation wie in Deutschland. Das Land ist geteilt, grob zweigeteilt in "West" und "Ost". Es kommt jetzt nur auf die Mehrheitsverhältnisse an. Auch in Israel ist die "Ost"-Neigung eine "Friedenspartei". Der Frieden im Nahen Osten hat mit der Hilfe Rußlands eine größere Chance. Dagegen ist die "West"-Neigung von vornherein offensiv - und demokratisch! - angelegt. Die israelische, auch religiöse Rechte könnte eher dem "Osten" zuneigen als dem demokratischen Westen.
Bei genauerem Hinsehen ist das "Rußland-Konzept" auch für Israel ein zwielichtiges Risiko. Der Grund dafür ist Rußland selbst.
Rußlands Unberechenbarkeit kommt nicht aus seiner Politik. Seine Unberechenbarkeit hat zwei Seiten. Sie entsteht in dem Moment, da Rußland außerhalb seiner Grenzen nicht richtig verstanden, nicht durchschaut, nicht wirklich erkannt wird. Nehmen wir die Gegenwart als ein Beispiel. Der Präsident Rußlands heißt Boris Jelzin. Jelzins Regierungen kommen und gehen. Er bleibt. Vorerst. Man ist da nie sicher. Auch Stalin blieb, während seine Minister und Regierungschefs oft wechselten. Rußland will Frieden. Es will einen russischen Frieden. Mit dieser Feststellung ist schon das Wesentliche gesagt. Aktuell: Im Hintergrund des offiziellen Jelzin-Rußlands lauern Faschisten, Rassisten, Antisemiten, Kommunisten, Völkische und Obskuranten. Auch das hat eine Tradition. Im Hintergrund lauerten immer irgendwelche Unwägbarkeiten. Rasputin ist ein Teil russischer Politik. Die Angst vor dem, was kommen könnte, macht Partner Rußlands eher bereit, sich mit dem abzufinden, was unbedingt geändert werden müßte. Sich als das kleinere Übel darzustellen, gehört zu den Instrumenten russischer Politik. Wer darauf hereinfällt, begibt sich in Gefahrennähe. In Deutschland ist die Neigung, in Rußland einen Freund und politischen Partner zu sehen, zur Schwäche geraten. Auf seltsame Weise fühlen sich die Völkisch-Okkulten der russischen Seele verwandt. Natürlich ist das ein Sumpfgebiet, aber manche Leute lieben solche Sümpfe, weil sie die Klarheit des Denkens zu fürchten haben.
Das Ende des Wortes ist das Ende des Gesprächs. Ich werde nur noch berichten und meine Meinung äußern, mein Urteil abgeben. Das "Gespräch" diente meinen "Gesprächspartnern" ohnehin nur als Gelegenheit, die ursprüngliche und eigentliche Aufklärungsarbeit zu konterkarieren.
Der Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit bedarf der Offensive. Es ist gut, daß momentan die euro-atlantische Gemeinschaft - der Westen, die NATO - nicht nur die Initiative ergriffen hat, sondern auch in Übereinstimmung mit der islamischen Welt handelt.
Das "geprüfte Torahwissen" sagt uns, daß der Gesetzesgedanke vom Sinai einer "Offenharung der Demokratie" (Hannes Stein) gleichkommt, einer Grundlegung des Rechtsstaats.
Rückkehr ist Schicksal.
Etymologisch ist beides austauschbar: SEIN und SchEIN sind ein und dasselbe. SchN ist der Zahn. ScheNA und ScheNaH sind der Schlaf. Die Wiederholung. Der Jahresumlauf. Der Haß (SNAH). Der Feind. Der Zahn. Der Harn (SchJN). SchNJ ist auch ein Numerale (= der, die zweite; zum zweiten Mal). SchaNaH = sich ändern, verschieden sein, wechseln, verstellen (= den Sinn = Wahnsinn heucheln, sich verkleiden. SEIN und SCHEIN sind identisch. Variationen derselben Sache.
Wenn Sein und Schein dasselbe sind, dasselbe ist, dann ist das Scheinen genau das, was das Sein ausmacht, dann sind Sein und Schein nicht Gegensätze, dann hast du keine Alternative zum Sein, keine zum Schein, du hast diese Alternative nicht einmal zum Schein, also auch nicht scheinbar, du hast sie nicht, oder sie ist diesem Schein oder dem Sein als dieses oder jenes bereits immanent. Die etymologische Analyse sagt uns etwas über die Absurdität des Seins. Wer sein will, muß auch scheinen, sagte das Hegel oder nur sein Epigon Imhoff in Frankfurt? Wer aber nur scheint, nur angibt, seiner Umgebung nur etwas vorspiegelt, der ist ebenso wie jeder andere Mensch. Ein Scharlatan ist nicht weniger als ein ehrlicher und weiser Mann. Vor Gott als dem Vater des Wortes, Sein/Schein, zählt der eine nicht mehr als der andere. Er müßte denn, dieser Gott des Wortes, eine Auswahl treffen, um dem Unterschied, dem Wesensunterschied auch in dieser Welt eine Chance zu geben, eine Möglichkeit zu eröffnen.
Die islamischen Staaten sind zur Untätigkeit erstarrt. Im Balkan-Konflikt halten sie still. Ihre Hilfe für die Kosovo-Vertriebenen ist gleich Null. Bereits die Bosnier sagten, daß die Deutschen ihnen mehr geholfen hätten als alle islamischen Länder zusammen. Während Israel gleich in den ersten Wochen des Kosovo-Krieges 100 Vertriebene aufnahm und eine moderne Zeltklinik mit medizinischem Top-Personal auf den Weg brachte, halten sich die Fundamentalisten auffällig zurück. Ihre "Brüder im Islam" verwelken merklich zur Redensart. All das zählt.
Der amoralische Westen zeigt, wo es nottut, eine praktische Moral, von der sich die Moralisten in aller Welt eine Scheibe abschneiden können.
Das Motto der Freiheit ist leise und wirksam. Die reichen Ölländer sind wie vom Erdboden verschwunden.
Die euro-atlantische Strategie überwindet ihre euro-islamische Vorläuferin. Bewährung ist in der Praxis.
Der antiamerikanische Klotz am Bein macht den Islam handlungsunfähig. Das ist ein Omen. Denn die Hilfsbedürftigen sehen das ganz anders: ihre Dankbarkeit ist unübersehbar, sie richtet sich an den Westen, an die NATO, an Deutschland im besonderen. Die euro-islamische Praxis ist womöglich schon der historische Schnitt, der einen demokratischen Islam von den islamo-faschistischen Kräften trennt. Israels Hilfe hat dabei eine ganz besondere Bedeutung.
Am Kosovo werden die weltpolitischen Gewichte umverteilt. Der Balkan trägt eine Zäsur. Ein paar alte Fehler werden, scheint's, korrigiert. Jetzt muß der Westen nur aufpassen, daß er nicht neue und andere Fehler macht.
1999-05-06
Die handschriftlichen Aufzeichnungen
Hermann Schabers "Friedens"-Initiativen in der ersten Hälfte der achtziger Jahre im außen- und nationalpolitischen Kontext.
Fragen:
1. Wer erarbeitete den Text der Strafanzeige gegen die Bundesregierung? Quellenverzeichnis analysieren, General Bastian beleuchten. Schlomann ("Die Maulwürfe") u.a. befragen.
2. Vergleich mit den Aktivitäten W. Schenkes und seiner "Neuen Politik". Textvergleiche (bei Schaber).
3. Analyse des "Fragebogens" von Schaber. Seine speziellen Attacken gegen Mechtersheimer.
4. Interessenlage: pro DDR oder USSR? Unterscheide. Vgl. Gorbatschows Beurteilung (BM).
5. Was bedeutet die Adresse Sindelfingen damals und heute (noch gültig)?
Was auffällt: Die Strafanzeige liest sich wie eine militärwissenschaftliche Expertise. Quelle über Schenke? Schaber: aus dem Spiegel.
Die Fragen (Fragebogen) sind genau gezielt auf Festlegung aus und nehmen bei Nichtgefallen ein moralisches Urteil vorweg. Eine Provokation, eine Nötigung, eine Erpressung. Zur Veröffentlichung vorgesehen.
Auch die Auswertung steht vorher fest. Was bezweckt es: Spaltung in "Gute" und "Böse" bei den Grünen. Friedensbewegung.
Schabers Analyse der "Friedensbewegung" ist zutreffend - auch im Kehrschluß. Offenbar war den meisten ein Licht aufgegangen.
Chronologie beachten. Die "Wendung" der Friedensbewegung, der Grünen usw. machte schon damals den Weg frei für die jetzige (1999) Entscheidung zu Kosovo.
Bestätigung der kkk-Einschätzung von 1981 (siehe feder 23/24). Vgl. auch heutige Frontierung auf dem Balkan mit feder 6: euro-islamische Strategie.
Überlegung:
Haben wir in Schaber (!) den "Inspirator", der mit seinen Beiträgen mehr bewirkte als viele andere zusammen? Bastian nahm sich und der Kelly das Leben. Er war (unwissentlich) inspiriert.
Mechtersheimer war womöglich nicht der, für den ich ihn hielt. Oder? Er vertrat den Standpunkt deutscher Souveränität. Auch: gesamtdeutscher Souveränität? Er blockte die Ost-(eher DDR- als USSR-)Strategie ab. Sein Hinweis auf angeblich europa-begrenzte Atomkriegsgefahr ist wichtig. Er sagt damit, daß ein begrenzter Atomkrieg möglich (und von den Amerikanern, Reagan zuerst, geplant) sei! Schabers Fragen stellen darauf ab.
Seine Position ist: Jeder Atomkrieg führt in den "atomaren Holocaust". Pershing 2 ist sozusagen der Zünder zum Weltuntergang.
Wer muß so denken?
Wer Deutschland vor den USA und ihrem wahnsinnigen Präsidenten "retten" will. Herauslösung aus der NATO, Abkopplung von Amerika. Deutsche Nationalisten und ihre Bündnispartner. Freilich eine Illusion. Sie berücksichtigen nicht die neuen Machtrelationen. Hermann Schaber ist Nationalist und als solcher Neutralist. Das Schenke-Konzept ist nicht subjektiv, aber objektiv pro-russisch (unabhängig von politischen Ideologien). Schenke war kein Vaterlandsverräter. Er lag konzeptionell in einer deutsch-russischen - geopolitischen - Interessenkonvergenz.
Schenke war kein Wichtigtuer, und Schaber ist es auch nicht. Beider Beeinflussungspotential liegt offen zutage. Sie als "Agenten" einer fremdbestimmten Politik zu denunzieren, wäre zu billig.
Eine deutsch-russische Interessenkonvergenz hat indes eine historische Begründung, für die man sich entscheiden kann. Ich lehne sie mit guten, nein, wie ich denke, besseren Gründen ab.
Wenn ich die ideologischen, religiösen, metaphysischen Aspekte bei Schaber weglasse, bleibt eine durchaus transparente Politik übrig. Seine messianischen Impulse, seine "theokratischen" Zielsetzungen machen das Modell allerdings abenteuerlich, mystisch, undurchsichtig. Seine Betrachtung ist nicht nur von philosophisch-intellektueller Glaubensneugier bestimmt. Schaber treibt voran. Er will die "Erlösung" organisieren. Die Schabersche Nachtseite gibt der politischen Arbeit die Brisanz. Ein interessanter Mann, der es verdient, nicht nur zur Kenntnis, sondern ernst genommen zu werden. Ein stiller und gründlicher Arbeiter, darüber hinaus ein Gesinnungstäter, der freilich mitunter die Pferde scheu macht. Eine auf "die Katastrophe" fixierte Angst als Grundbefindlichkeit ist das Phänomen, das mir als eine "nationale Eigenheit der Deutschen" schon früh, übrigens auch bei meiner redaktionallen Mitarbeit an der "Neuen Politik", die Wolf Schenke herausgab, aufgegangen war. Morgen, Samstag, ist der 8. Mai, Tag der Befreiung vom nazistischen Ungeist, Tag der Bescherung auch neuen Ungeistes.
Nein, es war kein Irrtum, diese historische Chance zu nutzen. Freiheit. Mehr nicht. Und es war alles, das Höchste. Mein Lebensgeschenk. Ohne diese neue Freiheit hätte ich nicht werden können, der ich bin. Dies ist mein Schicksal. Ja, Freiheit ist mein Schicksal geworden. Die Westberliner Freiheitsglocke ist im Einklang mit mir. Wo ist sie? Warum ertönt sie nicht? Ist sie vergessen worden? Es wäre die Sünde vor Gott. Das Bekenntnis ist unumstößlich und unverzichtbar.
Das Schöneberger Bekenntnis und die Friedensbewegung... Freiheit oder Frieden... Frieden in Freiheit! Das ist eine einfache Wahrheit und ein kämpferisches Bekenntnis.
Hermann Schaber und die Glocke. Die Freiheitsglocke gegen Schabers Hale-Bob-Song. Was ist Wahrheit?
Aber Schaber zitiert mich tendenziös - ähnlich wie Dirk Schröder. Wer noch? Bei Röhler eine gewisse Neigung, unauffällig, G. Rudolf. Ausnahme: Worch. Er bestätigt die Regel.
Die Rechte scheut das kritische Argument. Das zwingt sie zu diktatorischen, undemokratischen Organisationsstrukturen und Methoden. Die Rechte arbeitet per se eliminatorisch. Ähnlich die Linke - die aber manipulativ-demokratisch operiert. Gleiches Resultat, aber andere Vorgehensweise.
Freiheit. Das Bekenntnis vom Schöneberger Rathaus. John-F.-Kennedy-Platz. Wer war der Autor? General Lucius D. Clay? Luftbrücke.
Das rotbraune Komplott (getrennt kämpfen...) gegen West-Berlin, gegen die Bundesrepublik Deutschland, gegen das Atlantische Bündnis, hieß damals (und heißt heute wegen Serbien wieder:) "Friedensbewegung". Es wurde von der Geschichte widerlegt. In Serbien, denke ich, haucht es sein Leben aus, den Rest von geschichtlicher Legitimation. Vor Völkermord gibt es keine Neutralität. 50 Jahre NATO.
Die "intelligente", gleichwohl "versehentliche" Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad - vier Tote und mehr als zwanzig Verletzte - sei auf geheimdienstliche Fehlinformationen zurückzuführen. Auch das italienische Generalkonsulat wurde leicht beschädigt. "Schröder muß weg", plakatieren und skandieren friedensbewegte Demonstranten in Berlin. Auf einem Transparent erscheint Bundeskanzler Schröder mit Hitler-Schnurrbart. Man schimpft ihn "Mörder". Die rotbraungrüne Anti-NATO-Fraktion kocht.
Bleiben wir bei der Sache: China unterstützt Serbien und hetzt seit Wochen gegen NATO und Amerika. Die Attacke auf die chinesische Botschaft ist also gerecht. Wer Belgrads Vertreibungs- und Völkermordpolitik nicht nur nicht bekämpft, sondern befürwortet und unterstützt, ist mitschuldig. Das Insistieren Italiens auf der (termingerechten) Ablösung des deutschen NATO-Strategen General Neumann mitten im Krieg ist von allen anderen Bündnispartnern mit Befremden aufgenommen worden.
Strategisch paßt der mehrfache Raketeneinschlag in der chinesischen Botschaft genau ins Bild. Die Information über die Geheimdienste besagt: Der Intelligence Service will diesen Angriff. Die Regierung in Washington wird so entlastet, aber die Botschaft lautet: Ihr seid die Nächsten.
Der Bombeneinschlag erfolgte am 8. Mai 1999, dem 50. Jahrestag der NATO-Gründung. 54 Jahre nach der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht. Die Zäsur bezeichnet die Trennung der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs vom chinesischen Partner. Die amerikanische Botschaft in Peking, Generalkonsulate u.a. wurden von rasenden Demonstranten beschädigt. Auch das deutsche Generalkonsulat. China "kocht", zwar kontrolliert, aber es kocht. Der vor der Tür stehende Jahrestag zum Massaker auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" hat ein Signal empfangen. Die NATO ist bei euch! Versucht es noch einmal! Die neue NATO-Strategie zur Verteidigung und Durchsetzung der Menschenrechte, der Rechte jedes einzelnen Menschen, ist eine Wiederbelebung der Idee des gerechten Krieges vor Gott und den Menschen. Das principium individuationis erlebt seine historische Stunde. Der gerechte Krieg ist ein heiliger Krieg. Der heilige Krieg ist gerecht.
Kein "Doppelagent, sondern "altes Kartenmaterial"... Präsident Clinton "entschuldigt" sich in Peking und beim chinesischen Volk.
Es sind Umbrüche zu verzeichnen. Die Grünen hatten ihren Sonderparteitag, Außenminister Fischer wurde dabei mit einem Farbbeutel beworfen. Trommelfell geplatzt. Der Krieg geht weiter.
Die Ismael-Zeit geht zu Ende. Die islamischen Länder haben den Albanern nicht geholfen. Oder so unauffällig, daß es keiner merkt. Die NATO operiert nach einer neuen Strategie, die der "euro-islamischen" strukturell ähnlich ist. Sie hat die Initiative ergriffen, zu der der Islam offensichtlich nicht fähig war. Seine Irrationalismen sind stärker als jegliche strategische Kompetenz. Viel Großmannssucht und Rückwärtsträume verhindern die islamische Selbstbefreiung. Auch die anderen Religionen vermögen es nicht, von ihrern Selbstfesselungen, Eingrenzungen und Ausgrenzungen loszukommen. Ohne Freiheit aber sind sie alle historisch am Ende. Und damit endet auch das "Projekt Yishmael", ein interessantes Konzept, das jedoch nicht mehr vertretbar ist, wenn die Okkultisten und Sufi-Derwische überhandnehmen. Ein Zeitalter der Aufklärung ist identisch mit demokratischer Befreiung.
Ist der Balkan ein Modell?
Was ich grundsätzlich als positiv werte, wird von politischen Experten mit vielen Zweifeln bedacht: als ob eben den Serben mit Milosevic an der Spitze doch Unrecht geschah und geschieht. Es zeigt sich auch bei dieser Gelegenheit die Relativität der Zustände und Ereignisse. Wissen die Serben, was ihnen geschieht? Wenn die humanitären Beweggründe für den Krieg ebenfalls relativiert werden müssen, was bleibt dann aber als Strohhalm übrig?
Krieg in Kosovo, wegen Kosovo in Jugoslawien, auf dem Balkan. Irrtümer bei der Bombardierung. Angemessenheit der Mittel. Mein Krieg? In der Entscheidung - ja. In der praktischen Durchführung - ja und nein. Streubomben. Geiseln und Bomben. Bomben gegen Geiselnehmer, Ethno-"Säuberer", Völkermörder. Wie verteilt sich die Schuld? Die Schuld des Milosevic. Wer sind seine Handlanger? "Die Serben"? Was rechtfertigt diese Art der Kriegführung? Was brachte der Vietnam-Krieg? Welches war sein Ergebnis? Amerika verließ ein demoliertes Land, den politischen Sieg steckten die Vietnamesen ein. Nicht einmal diese - sondern das kommunistische Regime in Hanoi, das unter seiner Fahne das Land vereinigte. Amerika machte aus dem halben ein ganzes kommunistisches Land, das nun freilich, verstört wie es ist, in der Weltpolitik keine Rolle mehr spielt. Wird da periodisch wer vom Teufel geritten?
Das Leben ist der Güter höchstes nicht, liest man bei Goethe. Als ich es zum erstenmal hörte, war ich überrascht und erschrocken. Wie konnte man so etwas denken und schreiben? Ehre, Freiheit, Menschenwürde, gewiß, Freude, schöner Götterfunke. Was ist ein Sklavenleben wert? Aber ist nicht gerade dem Gefolterten, Getretenen, Geketteten, Geschlagenen letzten Endes das Leben das Höchste und Allerheiligste? Egal, wir leben, wir sind davongekommen. Ich bin das Leben, ist eine Selbstdefinition Gottes. Ohne ihn verliert jeder Krieg seinen Sinn. Pazifisten sind Gottlose. Ist es so? Wenn der Krieg der Vater der Dinge, Gott aber der Herr des Krieges und also der Geschichte ist, dann mag jeder Krieg durch Menschen verursacht, von Menschen angezettelt sein, sein Ausgang aber ist Chefsache. Gott entscheidet, gibt dem Krieg Richtung und Sinn. Ohne Gott ist der Krieg nicht mehr zu retten, ohne Krieg ist die Welt gottlos. Der pazifistische Irrtum beruht auf dem Fehlgedanken, daß Krieg Menschenwerk, also verzichtbar, abschaffbar sei. Was allerdings verloren gehen kann, ist der Sinn. Ohne Gott verstehen wir die Welt nicht mehr. Wir begreifen sie nur noch als Stückwerk, als unvollkommen, unfertig. Nun müssen wir Hand anlegen, um die Defizite auszugleichen. Mit Gott kommen wir gar nicht erst auf den Gedanken, daß eine von Grund auf veränderte Welt eine bessere sein und werden könnte. Wohin aber will Gott nun mit dieser Welt, mit seinen Kriegen und Ungerechtigkeiten? Gott ist denknotwendig. Denken braucht Gott. Müssen wir denken? Denken ist ein Gottesgeheiß.
Was wird aus dem Balkankrieg? Welcher Dinge Vater ist der Balkankrieg? Ich las (für Serben und Albaner) SRB/SRP und Al-Bani. Das sind Ideen-Hilfen. Es liest sich wie: Urkräfte (biblische Kräfte) sind am Werk. Die Gotteskinder erheben sich gegen die Feuerschlange. Prinzip gegen Prinzip. Mit der Feuerschlange, dem feurigen Himmelsboten, verknüpft sich das orthodoxe Christentum, die Ostkirche; historisch Byzanz und Moskau. SRB/SRP ist aber die Initialzündung. Fata Morgana: ein täuschendes Heißluftkissen als "Wasserspiegelung" in der Sonnenglut der Wüste. Also Vorsicht! Was wir sehen, ist vielleicht nicht das, was sich ereignet, nicht das, was Gott bewirken will. Amselfeld. Kosovo. Ist der Islam nur eine Übergangs-Strategie? Hinter der islamischen Revolution, heißt es dort (feder 2, Seite 26), erwartet uns, was früher war. Die Welt wird umgewälzt. Weltgeschichte geht in Wälzgeschichte über. Ich beklage, es gibt keine Geheimnisse mehr... Kreuzzug des Westens gegen den Islam, nennt Libyens Regierung die gegenwärtige Kampagne gegen sie. Es ist die Wahrheit, aber noch nicht die ganze (16.4.92).
Der christlichen Orthodoxie habe ich eine künftige und substantielle Bedeutung nie zugestehen wollen. Esoterik. Mystik. Ritual. SRB/SRP.
Der Islam. Seine Einschätzung überprüfen. Indien und Pakistan wegen Kaschmir. Rührt er sich erstmals wieder in Pakistan? Was tut er wegen Kosovo? Und im kaukasisch-mittelasiatischen Raum? Werden wir nicht ausreichend informiert? Menschenrecht contra Völkerrecht. Auf dem Balkan nimmt der Westen dem Islam die Arbeit ab. Und Israel ist dabei - medizinisch und bei der Aufnahme von Vertriebenen. Die NATO-Initiative hat das Weltbild verändert. Chaldäer. Der Islam schweigt, verhält (nachts) sich still. Wie gelähmt. Der Westen hat ihm das Heft aus der Hand genommen. Der Islam ist jetzt im Zugzwang. Kaschmir? Xinkiang?
Die Sklavenfrage als Klassenfrage begreifen. Oder umgekehrt: Die Klassenproblematik als Sklavenproblem verstehen. Die moderne Gesellschaft ist eine moderne Sklaverei. Das berührt die Menschennatur. Die Kampfnatur des Menschen - Mensch gegen Mensch - impliziert die Fähigkeit, sowohl zu herrschen, als auch sich zu unterwerfen, um bessere Zeiten abzuwarten. Dabei hilft Gott, d.h. es helfen die geschichtlichen Ereignisse, die schnell aus Herren (wieder oder erstmals) Sklaven machen können. Als ob wir uns damit abfinden sollten: Eine freie Gleichheit gibt es nicht. Doch wir lassen uns die Idee nicht wieder nehmen. Vielleicht eine neue Idee. Aber ich denke, daß die neuesten Ideen die ältesten sind, die nur wieder erinnert werden. Der Mensch wurde frei in die Welt gesetzt, und er verspielte die Garantie seiner Freiheit: Gott, seinen Schöpfer. Indem er auch von seiner Natur eines Geschöpfes sich losmachen wollte, verspielte er alles. Die Sklaverei wohnt ihm inne als Schwäche, als Verweigerung der Individuation.
Wer den Tod als Kennzeichen der Niederlage ausschließt, begründet damit die Sklaverei. Der Unterlegene ist der Entmachtete. Wenn er an der Flucht gehindert wird, bleibt ihm nur die Ergebung. Die ergebene Unterwerfung drückt die Angst vor dem Tode aus. Wer, des Todes, gleichwohl nicht sterben will, verurteilt sich zur Sklaverei, vielleicht mit der Hoffnung, eines Tages fliehen zu können. Sein oder nicht sein? Oder ob der Ausstieg den Einstieg bedingt, wenn nicht gar vorbereitet? Amen. Niemand soll sich erheben über andere - sie wären denn seine Todfeinde.
Die Idee Israel ist unsterblich. Und wieder: Der Islam. Welche Bedeutung kommt ihm jetzt (noch) zu? Der Balkankrieg beweist die Bereitschaft des US-"Teufels", für ein islamisches Volk in den Krieg zu ziehen, während die islamischen Länder sich bis zum Verschwinden und Vergessen zurückhalten. Pakistan bewegt sich jetzt gegen Indien - wegen Kaschmir.
Wir befinden uns in einem Umbruch. Auch Deutschland ist wieder - wie schon um Golfkrieg, Wiedervereinigung, Bosnien-Krieg - "gefragt". Die Kriegssituation ist sehr kompliziert. Eine Kausalität ist in Gang gesetzt worden. Folgen für Europa, für Deutschland.
Der Krieg ist der Vater des Prozesses. Der Prozeß ist ein Sohn des Krieges. Der Krieg in Kaschmir verschärft sich. Polytheismus contra Monotheismus.
Ist Milosevic nur ein Störenfried oder ein historischer Faktor? Vertritt er ein Element historischer Wahrheit, oder sabotiert er die Geschichte. NATO-Bonus. Mildernde Umstände...? Die Grundsätze des Westens. Menschenrechte gegen Völkerrecht. Der amerikanische Traum greift wieder in die Geschichte ein. Für einen hohen Preis. Was bewirkt der Bombenkrieg gegen Serbien? Wenn für die Kriegsverbrechen das Milosevic-Regime verantwortlich zu machen ist, so bleibt dennoch die "Frage": Das Kosovo ist den Serben ein heiliges Land. Das ist ernstzunehmen. Ernstzunehmen wie Jerusalem in seiner Bedeutung für die Juden. Gibt es eine Analogie Israels zu Serbien? Der Krieg heiligt die Serben, je länger er dauert. Ist das gewollt? Meine Abweisung des orthodoxen Christentums ist voller Vorurteile, ja, ein komplexes Vorurteil, auch wenn und wo ich Argumente vorzubringen weiß. Die christliche Orthodoxie - das ist Ost-Rom, ist Byzanz. Griechenland. Es ist mehr als Südosteuropa und Rußland. Die Orthodoxie reicht nach Ägypten, Syrien, Georgien, Armenien. Die Assyrer sind orthodoxe Christen. Das Vorurteil über die Orthodoxie revidieren. Der philosophische Ausweg. Das Undenkbare denken! Ein Imperativ? Eine erste Überlegung. Die richtige Lehre. Die richtige Leere. Etymologie. Wie Sein und Schein, so Leere und Lehre. Das will bedacht und verarbeitet sein. Gleichzeitig besagt es, daß etymologische Wahrheiten in der Realität nicht weiterhelfen, sondern die Dinge vereinfachen, indem sie sie semantisch pervertieren. Die offensichtlichen Gegensätze sind eben unaufhebbar, solange wir leben. Mystische Gleichmacherei ist gleich anmaßend und dumm. Die Unterschiede wollen und müssen beachtet sein. Die sprachlich vermittelten Vorahnungen bremsen das Leben, das Denken, den geschichtlichen Fortgang. Unterscheide also: westliches und östliches Christentum. Die euro-islamische Strategie war ein westlicher Schritt. Ist die Orthodoxie im Christentum das, was sie - bei gleichem Namen - auch im Judentum ist? Die authentische Urform, von der man nur abweichen kann? Ich nehme es dafür. Das orthodoxe Patriarchat ist unabhängig vom historischen Lehr- und Erfahrungsinhalt die alternative Botschaft, die jetzt erst verstanden wird, verstanden werden kann. In der Orthodoxie des Ostens schlummert die Zukunft des Christentums, falls eine solche überhaupt vorgesehen ist. Aber kommen wir damit nicht ins Traumland östlicher Mystik, in neue Nacht? Oder gehört diese Betrachtung ins Reich meiner Voreingenommenheiten? Und die Ikonographie? Die kritische Beschreibung und Bewertung des Bilderkults? Der Ikonenglaube ist vorbiblisch, verbrämter Hellenismus. Nicht nur. Die archaische Welt lebte, wo sie sich kultivierte, in Bildern. Du sollst dir kein Bildnis machen, ist vom wahren Kern der toranischen Lehre. Das hat der Islam aufgenommen. Ikonologie und Patriarchat, das ist Zauberei und Suggestion. Ist aber nicht das künstlerische Bedürfnis ein Motiv im Interesse der Erkenntnis?
Die Annäherung an die christliche Orthodoxie ist eine/die Annäherung ans Bild, an die bildende Kunst - und damit eine Abkehr vom Judentum, genauer: vom Hebräertum und vom Islam, mehr noch von der Torah als vom Quran/Koran. Das toranische Wissen wird im Koran zwar vorausgesetzt, ist aber eben dadurch im Islam nur implizit, nicht explizit präsent und wirksam. Die Aufklärung des Islam über sich selbst findet per se nicht statt.
Die toranische Lehre ist unüberwindbar. Ihre vorsichtige Zurücknahme ist immer dann ratsam, wenn Frieden gestiftet werden muß. Mit anderen Worten: Frieden ist torahwidrig wie die Niederschrift des gesprochenen Worts. Das Wort ist alltäglich geworden.
Ist die christorthodoxe Ikonologie der jüdischen Qabalah/Kabbalah vergleichbar, nur ein mystischer Zweig oder spezifisch ostkirchlich? Aber der Bilderkult ist auch römisch-katholisch. Der östliche unterscheidet sich vom westlichen, römisch-katholischen, Bilderkult in der seelischen Tiefe. Der Westen ist auch hier rationaler und aufgeweckter, dadurch aber auch ein bißchen verarmt. Auch die christliche Orthodoxie hat teil an der Weisheit des Ostens. Blätter vom Orient müssen sie mit einbeziehen. Die byzantinische Aufklärung hat soeben begonnen. Der Balkankrieg ist ihr Zeuger und Vater. Das Auftauchen des Ostens ist weiträumig und sehr komplex.
Noch einmal: Krieg und Prozeß. Vermittler sind tätig. Die diplomatischen bzw. anwaltlichen Bemühungen weisen eine zeitliche und in gewissem Sinne auch sachliche Übereinstimmung auf. Eine ähnliche Tendenz. Eine ähnliche Zweigleisigkeit. Der "Krieg" ist das Wesentliche. Die "Bemühungen" sollen den Schaden begrenzen. Was entspricht "prozessual" etwa der "Revision des christ-orthodoxen Bildes", der Ikonologie, des Urteils bzw. Vorurteils über die "oströmische" Religion und ihre Kirche? Eine "Grundsatzerklärung"? Sie verschärft das Klima möglicherweise. Zweifellos ein neues Element, aber nicht beruhigend, nicht Frieden stiftend. Die "Erklärung" gehört zum "Krieg". Und die Revision des Ostrom-Bildes habe ich inzwischen wieder aufgehoben. Die Prinzipien lassen es nicht zu. Das Christentum ist grundsätzlich unannehmbar. Praktisch und menschlich ist mehr möglich. Mithin: Die Möglichkeiten werden ständig ausgeschöpft; an der grundsätzlichen Einschätzung ändert es nichts.
Andererseits: Christentum ist 2000 Jahre Geschichte. Judentum ist Geschichtskritik seit Anbeginn. Sie ist der jüdische Geschichtsanteil. Das "Salz der Erde".
Zerstörtes ist zähe, Ruinen prägen das Stadtbild lange Zeit. Erst Spätere erleben den Neuaufbau und den politischen Wandel. Wenn er denn kommt. Unruhen im Westjordanland und auf dem Gazastreifen. Die Nahost-Berichterstattung ist dürftig.
Ich stehe zu allem, was ich geschrieben habe. Ich nehme nichts zurück. Das ist meine Verantwortung und Verantwortlichkeit. Vor Gott.
Alte Texte sind alte Zeiten, andere Konstellationen, überwundene Seelenlagen. Du identifizierst dich damit, korrespondierst wieder mit ihnen. Aber weise ist das vielleicht nicht. Du repetierst alte, vergangene Kombinationen. Du stehst zu allem, was du jemals geschrieben hast. Das ist dein Ethos. Dein Gesetz. Du müßtest denn dich aus der Sprache befreien, der Schrift. Sie holt dich immer wieder ein. Du sortierst die Steine von neuem und hast doch nicht verstanden. Ich habe das Gefühl, mich gerade in meiner Beziehung zum geschriebenen Wort nicht richtig begriffen zu haben. Schreiben sei eine Krankheit, habe ich des öfteren erkannt und ausgesprochen. Ich habe mit dem Wort schon viel Unheil angerichtet. Einmal ausgesprochen oder geschrieben und von anderen gelesen oder gehört, nimmt es seinen Lauf. Auch segensreich, wer weiß. Im Anfang war (und ist) das Wort. Immer wieder. Das Wort als Balsam ist meine Sache nicht, nicht genuin. Vielleicht haben Leute, die an mir - in meinen Worten, meinen Schriften, meinen gedruckten Intentionen - etwas Böses entdecken, vielleicht haben sie irgendwo, irgendwie, recht. Der Gott Avrahams ist der Gott Avrams und damit mein Genius. Was wir tun, ist unser Schicksal. Unsere Arbeit setzt Neues in die Welt, verlängert die Schöpfung als ihren Prozeß. Wiederkehr ist ein Zurückblättern oder das Umschlagen des ganzen Buches, um von vorn anzufangen. Aber das ist eine Illusion. Die Zeit ist nicht zurückzuholen. Die Erinnerung bleibt dir natürlich. Das ist viel, aber zu wenig, um Maß nehmen zu können. Das Wort Bescheidenheit hat eine Inflation erlebt, die ich zurücknehmen will.
1999 Jul 01: Heute im Bundestag Abschied von Bonn. Helmut Kohl wird mindestens 8mal von Rednern quer durch die Parteien als "Bundeskanzler" angesprochen, "Herr Bundeskanzler", der er ja nicht mehr ist. Die rotgrüne Regierung (Fischer, Schröder...) glänzte durch Abwesenheit. Dann: Verabschiedung des alten, Vereidigung des neuen Bundespräsidenten. Rau kommt (nach Berlin). Alles in allem ein Triumph für Kohl. Thierse, Antje Vollmer, Clement, Ulrich Klose, Wolfgang Gerhardt u.a. bedankten sich bei "Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl". Das ist schon was. Der richtige, nämlich jetzt amtierende Bundeskanzler war nicht anwesend oder erlitt es als Desavouierung. Herzog wirkte stark, Rau eher schwach und vor allem redesachlich veraltet. Man konnte ihn für den scheidenden, Herzog für den künftigen Präsidenten halten. Ein guter Tag im Sinne demokratischen Geistes.
Angriff ist die beste Verteidigung. Aber ich sehe mich nicht grundsätzlich in defensiver Haltung. Es ist ein Abwinken, ein Nicht-zur-Kenntnis-Nehmen, eine Geste der Nichtachtung. Oder ich greife an. Ein Sprung aus der Gelassenheit in die Offensive, unvermittelt, direkt und schmerzhaft.
Die notwendige Kraft wird dir sein.
Alle meine Verteidigungsmaßnahmen waren massive Angriffsoperationen.
Ja oder nein, das ist hier die Frage.
Natürlich sind rechtliche Fragen zu bedenken, aber die Wahrheitspflicht steht an erster Stelle, ist die Top-Orientierung, das Kardinalproblem. Alles andere kommt danach.
Was ist wahr?
Das publizistische Interesse kommt hinzu. Andererseits: Die Größenordnung. Mit den Flügelschlägen mobilisiere ich Winzigkeiten, Sandkörnchen. Mein Realitätssinn müßte mir sagen: laß die Finger davon, es bringt doch nichts. Die Schriften schließen und bauen auf.
Ich würde mich als "verantwortlich im Sinne des Presserechts" vorstellen.
Skorpion
Ich durchlebe im Moment eine pessimistisch-realistische Phase. Die Realität zumal in Berlin stimmt nicht optimistisch, sondern mies. Der aktuelle Polizeistaat äußert sich dergestalt, daß er den Besitz vor der Bevölkerung schützt. Die Polizei schützt nicht das Volk vor dem Verbrechen, sondern den Besitz, und der ist ja großenteils mit dem Organisierten Verbrechen identisch, vor dem Volk. Die Polizei macht sich in Berlin merklich sichtbar und zeigt sich unfreundlich und anmaßend. Die Rechtssicherheit nimmt also obrigkeitsstaatliche Formen an, um die Demokratie zu verabschieden. Der Neue-Mitte-Faschismus genügt sich auf diese Weise selbst.
Er wird sich noch wundern.
Wenn wir dieser politischen Farce nicht den Kampf ansagen, können wir gleich wieder einpacken. Wir finanzieren die Revolution oder gar nichts. Das jüngste Signal kam aus Moskau: eine Gruppe revolutionärer Schriftsteller jagte eine Bar in die Luft und erklärte der Konsumgesellschaft den Krieg. Wir können auf unsere Ursprünge zurückgreifen. Aqraph.
Die Gabe.
Wo? und Wohin? Die Fragen beschäftigen mich seit alters. Wo ist mein Platz? Wohin soll ich? Wo und Wohin sind dieselbe Frage: Wo ist mein Platz, wohin also soll ich gehen? Das Stichwort Revolution stellt eine weitere Frage: was für eine? Eine der Gerechtigkeit. Der Individuation.
Auf ein Neues.
NEUES:
NEUES heißt, daß wir Geduld haben müssen; daß sich die Dinge erst einspielen müssen. NEUES heißt, daß wir uns ständig aktualisieren, also auf dem laufenden halten müssen. NEUES heißt, daß wir eine neue Schreibweise einführen werden.
Die radikale kokhaviv reform will klarheit schaffen:
kleinschreibung ausser eigennamen, die werden in versalien geschrieben, also etwa SCHROEDER heisst der sogenannte junge bundeskanzler. ich will es mal in einer vorubergehenden kolumne damit versuchen. interpunktion straffen? wenn wir eine neue rechtschreibung kreieren müssen die alten formen verschwinden sonst kriegen wir den salat. auf den punkt verzichten wir nicht alles andere aber soll nicht mehr sein. das dehnungs-h koennte ebenfalls wegfallen. also denen wir wo es get mit den vokalen wie sie sind.
waiter im text. das: "ei" kan ebenso wegfalen wie de dopelkonsonanten. was wir wolen ist ganz enfak. die sprace sol sic in der srift verdutlichen. das "sch" kan verswinden. das "ch" ersetzen wir durc en ainfakes "k". enfak grosartig net war? so get et fort: be jede gelegenhet werden wir nue mogliketen endeken. warum egentlik net. de dutse sprake is en sone sprake. sprake un srift solen verstanden un laikt gelesen werden konen (oder kunen?). wen mir wirkelik wolen was mer sagen musen mer tun was notig is. ene anpasung or anpasing an de andere eropese spraken is notig und very ser tre praktik. jeder mus mitmaken damit mer voran komen. ales trenen und kene zusamen setzingen oder setsingen oder sezingen mer. ganz enfak. et makt rektig oder enfak rekte spas so ne reform an de sprake. man kunte so an ene vergermaning o(de)r or germanisering spraken. de en dat. so habe mer ne gute or gude losing. dat get or jet beser or beter als de o je denkst. de anpasing an de andere spraken in eropa is wol de beste losing. het is enfak en bilig or bilik. ene bilike brifmarke is wat fines wete dat. kene zwe or twe glike stahen samen so hes et or hat et en sin. enfak un or en klar als de denkst as je denk as you think as je denk. en wat es de ur? wole mer uf dese wise de sprak vesimpeln? o simpel make? mogelik is o es vele van dese saken mar wan te wisen wil wat is mute or mu te ene ane haven. for durk kan je dur nemen dat is we "tür" van de alde sprak van de dutse. dur o dor. i ge dor de strat. dinging is or es de vestandenis dat je te spraken wet je.
Norbert Blüm zieht an den Wedding. Da gefällt es ihm, da ist alles normal. Er zählt sich auch zur Arbeiterbewegung.
Endlich mal wieder ein vernünftiges Wort von einem Politiker. das de umlaute veswinden is wol avgemaket.
Von der jüdischen Pädagogik über Kunst und Literatur bis zur scharfen Politik, die gefährlich anmutet.
Plötzlich kam die Vergangenheit wieder hoch. Eine bewegende Zeit. Die kurze Traumerzählung "Chaim" habe ich bis heute nicht verstanden. Es ist keine Gruselgeschichte. Katzen, eine alte und eine junge, kommen darin vor. Ein Schnitt am Hals. 1988 kam ich an einer Katze vorbei, die ihren bösen Halsschnitt ausheilte. Ich hatte sie gar nicht bemerkt. Plötzlich hörte ich neben mir ein Fauchen. Sie lag in ein Grasbüschel gebettet auf einem Steinpfeiler, einem Rest davon, vielleicht einen Meter hoch.
Gras wuchs um sie herum, so daß man sie nur von oben sehen konnte. Ich beruhigte sie und ging weiter. Wahrscheinlich hatte sie sich an einem scharfen Blech oder einem Drahtzaun verletzt. Der bereits verkrustete Schnitt sah sauber aus, ohne Rand. Es konnte auch von einem sehr scharfen Messer herrühren. Sie war dann entkommen. Katzenbegegnungen sind ein Teil der 88er Israel-Erlebnisse. Avram schrieb es damals auf. Eines Nachts war mir, als ginge eine ägyptische Göttin, die Seele einer Pharonin, an mir vorbei. Sie folgte ihrem Kater und sah sich nach mir um. Zuvor hatten wir die Plätze auf einem Mauervorsprung gewechselt. In Yafo waren viele Katzen um uns herum. Sie schleckten unsere Joghurt-Becher aus. In den letzten Israel-Tagen häuften sich diese Begegnungen. Eine Katzenmutter mit ihren Jungen schnurrte um uns herum. Einmal, erinnere ich mich, warf ein kleiner israelischer Junge mit einem Schuh nach ihnen. Ich sah verwahrloste Hunde, ausgehungerte Pferde in Israel. Hat das merkwürdig lieblose Verhältnis zu Tieren etwas mit der jüdischen Beziehung zu Ägypten zu tun, der Versklavung unter den Göttern Mizraims? Überträgt sich die religiöse Abwehr der babylonischen und ägyptischen Tierkulte nun auf die lebendigen Tiere? Chajm, das Leben, war mit einem feinen Schnitt verwundet, dem Tode überantwortet worden. Ein Versehen, sagte ich, aber nun glaubte es mir nicht mehr. Hat Israel an Ägypten gefrevelt? Die Frage stellte sich mir erstmals vor acht Jahren. Das Unumkehrbare an Israels Geschichte hat viele Seiten und Schichten. Du kannst zurückblättern, aber nicht wieder gutmachen.
Ich wollte endlich Zeit haben, um meine alten Skripte aufzuarbeiten. Nun kümmere ich mich wieder mehr um andere als um meine Arbeiten. Und es macht mir Spaß. Die eigenen Sachen schiebe ich auf, bis keine Zeit mehr übrig bleibt. Sind meine Texte gesichert. Fordern sie nicht dazu heraus, verändert und umfunktioniert zu werden? Querlieger haben nun mal dieses Schicksal. Die permanente Kritik ist wie die permanente Revolution, ja mit dieser identisch. Spätere werden immer bestrebt sein, sie zu harmonisieren, ins Allgemeine einzupassen. Irgendwie trifft es auf alle Künste zu. Indem man sie gesellschaftlich dazu ernennt, die unnötige Arbeit zur "Kunst" erhebt, wird sie berechenbar, verliert sie ihre Stacheln. Der öffentliche Kunstbetrieb macht das Unwägbare zur Ware. Auf diese Weise ruhiggestellt, läßt sich noch aus der Revolution oder wenigstens der Revolte beträchtlich Gewinn ziehen. Die Gesellschaft integriert einfach alles. Ich arbeite nicht anders: ich korrigiere, redigiere, füge ins nächste Heft ein, schaffe eine Einheit aus oft Unvereinbarem. Die Kraft der Sprache bringt allerdings die inneren Konflikte hervor. Neutralisierungen haben also ihre Grenzen.
Wir haben uns den Schriften verschrieben. Wir sind spezialisiert. Die Sonderung herrscht jedenfalls vor, obwohl Schreiber schon gezeichnet und Maler schon geschrieben haben. Auch Elektronik und Grafik kommen zusammen. Und digitale Zauberei. Ein Zwischengebiet ist die Pädagogik.
Heute früh, heute früh. Blick aus dem Fenster, neben mir irgendwer. Vor uns die obere Etage eines Baumwipfels. Vielleicht schauen wir über den Rand einer gemauerten Balkonbrüstung. Wie ein breites Nest, auf dem unter blauem Himmel viele, viele junge Spatzen, Vögel zwitschern und herumtollen. Ihr Gefieder ist zunächst flaumig, dann reifer, aber noch jung, noch dünn. Ein lebendiges breites Nest, ein volles lustiges Nest junger Vögel in Augenhöhe vor unserem Fenster oberhalb der Balkonumrandung. Ich wurde wach.
Wenn wir uns nicht ausplündern wollen, müssen wir das Mausoleum, an dem wir uns abmühen wie antike Sklaven, zerschlagen. Gehet nach Petra und sehet, was ihr zu tun habt!
Die sechziger Jahre wenden! Ich hoffe, daß wir die Sumpflandschaft noch rechtzeitig erkannt haben,
Wir werden auch unsere vielen Literatur- und Kampfnamen ablegen. Wir werden uns wieder ehrlich machen. Wenn wir sein wollen, die wir sind und sein sollen, dürfen wir keine Spiele treiben mit unserm eingeborenen Gesetz.
Dieser Absatz ist von einem starken Zweifel begleitet und mit ihm gewürzt. Unsere Identität hat eine Geschichte, und was geworden, gehört dazu.
Wir können aber auch das Theater fortführen.
Das Wesen allen Beginnens.
Damit habe ich die ersten und grundsätzlichen Bedenken umgeworfen. Und doch haben sie Bestand. Sie korrespondieren über zwei Welten. Mit der Strenge des Einen Gottes, der, wie wir wissen, unsere Freiheit garantiert, und dem göttlichen Drama in großer Besetzung, daraus bei den Griechen eine heillose Komödie geworden ist, deren Ungestüm, Unordnung und Fehlsitte, mit Freiheit verwechselt wird, Freiheit aber tatsächlich gefährdet. Das sind natürlich sinaitische Überlegungen. Das Große Pantheon hält dir viele Möglichkeiten offen. Du erkennst dich in dieser oder jener Göttlichkeit wieder. Du kannst von Gott zu Gott oder Göttin wechseln. Vielleicht ist dir die eine Gunst sicherer als die andere. Und du lebst zeitloser, gelöster von der Ordnung des Werdens und Geschehens. Die Welt ist abgeschlossen. Die Sonne scheint jedem auf die ihm zugewandte Weise.
Aber das Theater hat auch eine Zigeunerseite. Ebenfalls uralt. Das Bunte und Viele mußt du nicht fürchten. Auch dies allerdings klingt nach vom Sinai. Dieser Gott gibt dir die Kraft, alle anderen Götter zu bestehen und mit ihnen ihr Spiel zu treiben. Er sagt, mach weiter, solange du mich nicht vergißt. Dies aber würde schrecklich für alle.
Das jüdische Theater hat sich ins Spiel der Griechen gemischt, eine babylonische Verwirrung kam zur anderen. Wenn du aber treu dem Bunde bleibst, hast du nichts zu fürchten. Dein Gott wird dich behüten. Spiele denn, was du glaubst, spielen zu müssen.
Biblisches Theater. Theater der Torah - Theatorah.
Mit List deine Feinde überspielen. Kriegsspiel treiben. In diesem Sinne wie Mardochai und Judith, und was die Richter taten oder tun ließen. Amaleq um den kleinen Finger wickeln. Ein Theater der List. Und alles aus seiner formalen Enge herausholen. Es gilt in diesem Sinne. Was immer du tust: du tust es zur Ehre Gottes, zur Heiligung des Namens. Deine Verpflichtung zur Wahrheit ist eine Bundespflicht, ist das Recht Gottes auf dich.
Theater heißt auch, daß die Torah ihre Feinde in die Irre führt.
Die Anleitung und der Grundgedanke des Spiels stehn geschrieben. So geh denn nach Indien und versuche die Götter des Umspiels und der Vernichtung. Kismet und Kairos.
Shiva und Kali.
Der Reiz Indiens besteht in der Herausforderung seiner Götter. Du bist gefragt.
Nicht aus dem Spielkreis herausragen. Das Spiel ist die Sache selbst. Die Schriften sind die Grenzüberschreitung, sind die Schritte ins Jenseits. Wer das durchhält, ist von Dauer, wird von Dauer sein.
Er hatte sein Licht unter den Scheffel gestellt und sich geweigert, den Nachruf zu schreiben.
Briefe aus dem Jenseits? So ging er denn: Und seiet gesegnet!
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