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Der Krieg ist der Vater der Dinge. -HERAKLIT

Kurt-Schumacher-Stiftung e.V.

Bundesgeschäftsführer

6000 Frankfurt am Main 50 Praunheimer Weg 102 Telefon (069) 571517

19.3.1987

Herrn Horst Lummert Skalitzer Str.75 1 Berlin 36

Sehr geehrter Herr Lummert!

Mitglieder des Kurt-Schumacher-Kreises, einer 1968 gegründeten Vereinigung von Mitgliedern und ehemaligen Mitgliedern der SPD, die sich den freiheitlichen Prinzipien der Arbeiterbewegung, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg von Kurt Schumacher vertreten wurden, verpflichtet fühlen, haben am 30.12.1986 die Kurt-Schumacher-Stiftung gegründet. Die Gründungsmitglieder haben eine Liste von ihnen bekannten Personen aufgestellt, von denen sie glaubten, annehmen zu können, sie könnten sich für die Zielsetzung der Stiftung interessieren. Sie gehören dazu.

Wir wollen mit der Stiftung über unseren bisher engeren Kreis hinaus mithelfen, die freiheitlichen, rechtsstaatlichen und demokratischen Impulse unseres Grundgesetzes wiederzubeleben und in das Bewußtsein einer breiten Öffentlichkeit zu heben. Wir halten das gerade jetzt für notwendig, weil mit dem Anwachsen der außerparlamentarischen Bewegung der kommunistisch gesteuerten Grünen und deren Einfluß auf Parlament und Medien erneut die Gefahr sichtbar wird, unsere demokratische Republik könnte ein weiteres Mal scheitern, diesmal aber im Sog einer totalitären Weltmacht.

Diese grüne Bewegung konnte nur deshalb diesen Einfluß gewinnen, weil die SPD, durch jahrelange Unterwanderung in ihrer Substanz verändert, dabei ist, sich zu ihrem Werkzeug zu machen.

Die beigefügte Broschüre zeigt Ihnen, welche Grundsätze uns leiten, womit wir begonnen haben und welchen Weg wir vorhaben. Wir wollen mit dieser Zielsetzung in die politische Willensbildung der Bundesrepublik Deutschland eingreifen und sind für jeden dankbar, der dabei mitwirken oder uns auch nur finanziell helfen will. Gehören Sie dazu?

Dann schicken Sie uns bitte den entsprechenden Abschnitt ausgefüllt zu! Wir sind darüberhinaus auch für zusätzliche Bemerkungen und Anregungen dankbar.*

Seien Sie bis dahin freundschaftlich gegrüßt!

Kurt-Schumacher-Stiftung Im Auftrag:

gez. Emil Bernt Bundesgeschäftsführer

Präsidium der Kurt-Schumacher-Stiftung

Präsident: Hermann Kreutzer, Min.Dir.i.R., Berlin

Vizepräsident und Geschäftsführer: Emil Bernt, Oberstudiendirektor i.R., Frankfurt am Main

Schatzmeister: Johannes Schnakenberg, Kaufmann, Oyten

Vizepräsident: Hans Robert Joepgen, Direktor i.R., Berlin

Vizepräsident: Hans-Joachim Pöhl, Regierungsdirektor a.D., Hofgut Reichlos, Freiensteinau

Horst Lummert

*So einfach ist das

Wie die einstige Transportarbeitergewerkschaft zur ÖTV, so verkam die proletarische SPD zur Direktorenpartei. Die Spaltung war eine Frage der Zeit. Denn jeder Direktor verlangt eine Direktion, jede Direktion braucht einen Apparat für sich.

Der Unterschied zwischen den offiziellen und den inoffiziellen Sozialdemokraten liegt in ihrer Beziehung zur Altersversorgung, von der die einen einstweilen nur träumen können, während die andern sie schon genießen.

Es tut mir leid, meine Herren Sozialdemokraten, doch ohne die Klassen-Orientierung, ohne den wunden Fuß aus dieser Falle, können wir politisch niemals Freunde werden. Was vor Jahrzehnten theoretisch, wenn auch unzulänglich, sich auf die Dritte Welt beschränken ließ, ist mittlerweile diamantenhart praktischer Alltag in unserer "modernen" Gesellschaft. Wie die Reichen immer reicher werden, so werden die Armen von Tag zu Tag ärmer.

Dieses Problem kann offensichtlich von keiner Regierung gelöst werden. Dieses Problem müssen die Betroffenen selbst in die Hände nehmen. Wir retten die Demokratie, indem wir das soziale Problem souverän und mit Würde zum "Problem des 19.Jahrhunderts" machen, das mithin seit hundert Jahren fällig, inzwischen aber überfällig ist. Wir werden die Kardinalverbrechen des Zeitalters nicht an der Wurzel packen, solange die soziale Kluft die zivile und physische Existenz von Millionen Menschen bedroht, Millionen Menschen alljährlich vernichtet.

Der Kuckucksruf ist ein Klassenschrei seit Anbeginn. Wer ihn nicht zur Kenntnis nahm, wer ihn nicht wahrhaben will, gehe unvorbereitet in einen Krieg, mit dem seit den Jahren der ökofaschistischen ("wertkonservativen") Restauration niemand mehr rechnet. Die Auseinandersetzung mit der vielfarbigen Regression war eine - gewiß zeitraubende - Übergangsphase, war ein kritisches Intermezzo, um Situationen und Gedanken zu klären, sie zu ent-täuschen.

Proletarier aller Länder und Systeme, vereinigt euch, ihr habt nichts zu verlieren als eure Ketten: Diese gemeinsame Erkenntnis überwindet die neue Armut noch nicht. Die gemeinsame Erkenntnis ist aber das A und O, ist das Alpha und das Omega der proletarischen Revolution. Ihre Organisationsform ist das geschriebene Wort.

Die Revolution einer ausgehungerten Intelligenz möge die satte Beschränktheit um den Schlaf der Gerechten bringen. Wir haben nichts mehr zu verlieren. So einfach ist das.

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