Erschienen in:
Der Graue Fundus: Horst Lummert (Avram Kokhaviv)
Band 1. Die letzten 100 Artikel
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2010-08-24

Unger Varnsdorf

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Der erste Gedanke war: einfach weitererzählen, das wäre auch logisch.

Muß aber nicht sein, ich meine, es muß nicht so verfahren werden.

Wir können auch anders vorgehen.

Erfinde doch einfach etwas, irgendwas.

Wenn ihr damals nicht übers Wasser gekommen wäret, was dann?

Oder die Grenzübertritte, um Lebensmittel heranzuschleppen, wenn das nicht geklappt hätte.

Aber es hat, es hat geklappt, und warum hat es geklappt?

Weil es klappen sollte, weil Gott, an den ihr gar nicht dachtet, es so wollte.

Alles ist abgelaufen nach Gottes Plan, nach dem Willen Allahs.

Im Rückblick wird das deutlicher, nein, überhaupt erst deutlich, denn dieser Aspekt spielte in den früheren Betrachtungen gar keine Rolle.

Wer etwas tat, schrieb es sich zu, niemand sonst, von Gott war nicht die Rede, an ihn war kein Gedanke.

Dennoch lief und verlief alles, wie es nach dem Willen Allahs laufen und verlaufen sollte.

Und es lief gut, ich sehe nichts, das hätte anders oder gar besser verlaufen können.

So, wie es war und wurde, war es richtig und gut, ich habe nicht die Neigung, meinem Schicksal etwas anzukreiden, mit meinem Schicksal zu hadern, das lag mir noch nie.

Eher könnte ein Unwissender mir meine Dankbarkeit vorwerfen, allzu genügsam gewesen zu sein, doch, wie gesagt, nur ein Unwissender würde so etwas sagen.

Ich wußte, daß mir das Höchste zuteil wurde, ich sah mich von Kindesbeinen an auf einem besonderen Weg.

Mein Sendungsbewußtsein ist auf kindliche Art bescheiden geblieben.

Man darf sich darunter nichts Elitäres vorstellen.

Vielmehr eine Selbstbehauptung, die nicht aufgeben will.

Und das sollte normal sein.

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