Erschienen in:
Der Graue Fundus:
Band 1. Die letzten 100 Artikel
© 2011 kokhaviv publications
2010-07-23
Gemeint sind ja wohl geistige Quellen, also Tradition, Literatur, religiöse Überlieferung, so etwa die Bibel, der Quran, natürlich antike und deutsche Philosophie, nicht zuletzt die Psychoanalyse.
Aus ihnen leben und denken wir, ihnen entrinnen wir auch nicht.
Geistige Quellen sind aber auch die unerkannten, ja mißachteten, an denen wir vorbeizugehen meinen, die uns aber dennoch berühren und beeinflussen.
Schließlich ist es die große Geschichte, die politische Geschichte, die uns nicht in Ruhe läßt.
Es wird schwer, wenn nicht unmöglich sein, die geistige Identität eines Menschen auf ihre Quellen zurückzuführen.
Wir selbst, jeder für sich, bevorzugen diese oder jene Ursprünge, weil sie uns gerade am Herzen liegen und auch der Einfachheit halber.
Ich stütze mich zum Beispiel immer wieder gern auf die Torah, obwohl sie seinerzeit mein Quellenstudium sozusagen abschloß.
Davor lagen deutsche und griechische Philosophie, eher am Rande das marxistische Denken, die Psychoanalyse, über Freud kam ich auf den Mann Moses und die monotheistische Religion, und da war es um mich geschehen.
Ich drehte Freud nämlich um, sah in ihm nicht den Analytiker, sondern den Ödipus, der sich am biblischen Gottvater rieb und damit nicht fertig wurde.
Ich identifizierte mich längst mit meiner eigenen mehrfachen Vaterrolle, und so fiel es mir nicht schwer, den Einen Gott vom Sinai gut zu verstehen, während Sigmund Freud nun allmählich an den Rand geriet.
Ich denke, daß ich diese Gedanken auch schon früher, vielleicht mehrmals, aufreihte, ich komme darauf im Denken immer wieder mal zurück, weil da wirklich die innere Folge meiner geistigen Quellenlage aufgezeigt ist.
Mein Schritt zum Islam verlief nicht über den Quran, sondern über die Geschichte Ismaels, wie sie in der Torah ausführlich geschildert wird.
Über die Folgen bin ich mir vielleicht noch nicht völlig im klaren.
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