Erschienen in:
Der Graue Fundus: Horst Lummert (Avram Kokhaviv)
Band 1. Die letzten 100 Artikel
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2010-08-23

Horst Lummert

Entfeuern und entwässern die Erde

Dem Tüchtigen gehört die Welt!

Mit dem vielen Wasser das Feuer löschen...

Einfach auch, an Brandstiftungen zu denken...

Und die Fluten, kann man die «stiften»?

Ich glaube, es ist besser, vom Menschen als Verursacher und Handelnden wegzukommen, nicht daß er's nicht wäre, sondern weil er nicht autonom ist.

Gehe ich vom frei und in eigener Machtvollkommenheit Handelnden aus, komme ich auf das «aufgeklärte» Menschenbild, der Mensch als Herr und Meister seines Tuns und Unterlassens.

Aber das setzt voraus, daß wir Menschen uns aus dem Gesamtzusammenhang herausnehmen könnten.

Menschen haben ihre Schicksale, ihre Charaktere, sie können nicht einfach tun, was sie wollen, ihr Freiheitsraum ist relativ eng, falls er überhaupt besteht, das Bedeutende an der Freiheit ist, daß wir sie erleben, nicht, daß wir wirklich frei wären.

Das menschliche Empfinden, frei zu sein, ist ein zivilisatorisches Ereignis.

Der Mensch des Westens hat sich die «Freiheit» als letzten Rest seiner Selbstvergewisserung belassen.

Sie ist nun sein Schicksal!

Er hatte früher - als Christ - einen ganzen Kosmos weltanschaulicher Halteregeln, also Richtlinien, die ihm genau sagten, wie er sich im Umgang mit anderen Menschen, bei seinem ganzen Tun und Lassen zu verhalten habe, das befreite ihn auch von Irrwegen und Fehlhandlungen.

Was ihm heute als Rest geblieben ist, ist die «Freiheit», jetzt alles tun zu dürfen, was früher - nach dem alten Richtliniennetz - verboten war.

Demnach ist unsere «Freiheit» gar kein Hoffnungsschimmer, sondern ein gefährliches Irrlicht.

Wer keine Lehren annimmt, wer nicht unterscheiden kann zwischen richtig und falsch, wahr und unwahr, der hat sich aus dem von Gott gegebenen Ratgabekatalog entlassen, der ist da irgendwann herausgerutscht oder herausgerissen worden und glaubt sich nun unabhängig, obwohl er nur die Orientierung verloren hat.

Geschichtliche Ereignisse - wie Reformationen und Revolutionen - haben dazu kräftig beigetragen.

Geblieben ist «Freiheit» als die Allerweltsformel des Westens.

Wenn wir also jetzt erleben müssen, wie die halbe Welt unter Wasser steht und die andere Hälfte abbrennt, so haben wir ein Stück Welt- und Menschheitsschicksal vor uns, und wir können uns allenfalls noch fragen, welche Menschen denn von den Katastrophen betroffen sind.

Die «Freien» oder die «Unfreien», und ich fürchte, daß die hier aufgestellte Theorie bald in Schwierigkeiten gerät.

Denn es sieht keineswegs so aus, als würden die Freien bestraft und die Gehorsamen verschont, eher scheint mir das Gegenteil der Fall zu sein.

Vielleicht haben wir aber eine andere Kausalität vor uns, so daß zum Beispiel «der Westen» sich aufgrund seiner Tüchtigkeit von Naturkatastrophen freigehalten hat, ihm diese schwerwiegenden Erfahrungen fehlen und er darum so oberflächlich geworden ist.

Oder er hat mit seinen katastrophenfreien Siedlungsgebieten einfach nur Glück gehabt.

Der Mensch des Westens glaubt wirklich an seine Allmacht, an seine unbegrenzten Fähigkeiten, die Welt zu beherrschen, Gott und die Götter vertrieben zu haben, ohne sie auszukommen, sie waren ihm lästig.

Das ist sein Verhängnis!

Denn auch der tüchtige und «freie» Mensch des Westens ist nicht ohne übergeordnetes Geschick, das historische Schicksal der tüchtigen Deutschen gemahnt uns zur Nachdenklichkeit.

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