2010-06-18
HEUTE, 18ter Juni
Vor 57 Jahren, ich war auch damals kein Held, war schon wieder alles vorbei.
Ich bin kein Steinewerfer, kein Brandstifter, kein Schläger, warum auch das alles.
Meine angeborene Aufgabe ist die des Beobachters, ich will und wollte immer verstehen, was geschah.
Auch am 16ten und 17ten Juni 1953.
Ostberlin war schon weitgehend abgeriegelt, überall begegnete man russischen Panzern, die das Feld in Richtung Westberlin verschoben.
Eine starke Erinnerung sind fast freundliche Sowjetsoldaten und feindselige Deutsche in der Uniform der «Kasernierten Volkspolizei».
Die Russen schossen in die Luft, die Deutschen trafen.
Später hörte man von 50 sowjetischen Soldaten, die sich geweigert hatten, auf deutsche Arbeiter zu schießen, und dafür erschossen wurden.
Heute heißt es, alles Legende, die nicht den Tatsachen entspreche; ich glaube eher, dies ist die - neue - Legende.
Bloß keine prodeutsche Handlung!
Die Aufständischen durften vor allem keine deutschen Arbeiter, sie mußten «feindliche Agenten» sein.
Gesine Schwan, Politikwissenschaftlerin und frühere Präsidentschaftskandidatin, hat einen Vergleich gezogen.
Sie vergleicht die Erhöhung der Arbeitsnormen in der DDR mit der sozialen Lage der Menschen im heutigen Deutschland und meint, daß unter der Oberfläche sich irgendwie ähnliches zusammenbrauen könnte.
Was politisch wünschenswert, ist nicht unbedingt realistisch.
Ich denke, daß der «17te Juni» letzten Endes ein nationaler Aufstand war und daß der aktuelle soziale Skandal zur nötigen Brisanz der nationalen Komponente bedürfte.
Die Fremdherrschaft war 1953 allgegenwärtig, über sie mußte nicht aufgeklärt werden.
Bezeichnenderweise personifizierte sich diese Fremdherrschaft weniger in den russischen Soldaten als vor allem in den deutschen Kollaborateuren der Besatzungsmacht.
Der Druck auf die Arbeitsnormen wurde zum fast schon willkommenen Anlaß.
Der Aufstand drängte auf Wiedervereinigung, der 36 Jahre jüngere Leipziger Montagsruf «Wir sind das Volk, wir sind ein Volk!» beseelte bereits den «17ten Juni».
Es war der selbe politische Wille.
Hierin liegt auch der Grund für die alsbaldige Abschaffung dieses gesetzlichen Feiertages - nach der Wiedervereinigung. Eine Geste an die Antideutschen.
Die 53er Vereinigungsbestrebungen wurden in deutsch-alliierter Gemeinsamkeit verhindert, wie übrigens auch die 1961 errichtete Berliner Mauer unter dem vereinten Schutz der Alliierten und ihrer «linken» Handlanger stand.