2010-06-12
Interessenpolitik
Wenn der soeben vergangene Bundespräsident eine entschiedenere deutsche Interessenpolitik - notfalls mit militärischen Mitteln - anmahnte oder zumindest in Erwägung zog, so sagte er damit nicht nur was Richtiges, sondern etwas drängend Notwendiges und rührte zugleich an ein Nachkriegstabu.
Deutsche Interessen werden nicht mehr offen vertreten, schon gar nicht in bewaffneten Einmischungen; um deutsche Interessen wurde letztmals im Jahre 1945 gekämpft, wir kennen den Ausgang, obwohl wir es so genau auch wieder nicht wissen.
Ich glaube nicht - und das wäre quasi meine erste Hypothese - an das militärische Ende der deutschen Wehrmacht, ich denke eher an einen ausgeklügelten Verrat, der die Befehlsstrukturen zerriß, die vorhandenen neuen Waffen von der Truppe trennte, den Sprit von den Panzern, die modernsten Flugzeuge von der Luftwaffe, die neuen Raketen von den einsatzbereiten Raketeneinheiten...
Ich glaube nicht einmal - so also meine zweite Hypothese - an den Selbstmord Hitlers, der über Jahre hin seine strategischen und taktischen Fähigkeiten an den Tag gelegt hatte: die militärischen Blitzkrieg-Erfolge der deutschen Wehrmacht waren sein Werk, nicht das der Generäle.
Es zeichnete ihn eine außergewöhnliche Fähigkeit aus, hoffnungslose Situationen positiv zu wenden.
Wer Deutschland ausschalten wollte, mußte ihn ausschalten, und so geschah es denn auch mit vereinten - freund-feindlichen - Kräften.
Jetzt fragen wir uns natürlich, ob wir eine andere Lösung überhaupt gewollt hätten.
Die Antwort auf diese Frage ist abhängig von der uns bekannten Faktenlage.
Wissen wir genug, um ein endgültiges Bild zeichnen und uns ein authentisches Urteil erlauben zu können?
Nein, wir wissen es nicht.
Unser Wissen ist mehrfach mit Propaganda belastet, es ist vage und immer wieder in Frage gestellt worden.
Die Luft ist nicht rein.
Meine Vorstellung von reiner Luft für die Klärung letzter und vorletzter Fragen verbindet sich unabdingbar mit einem Friedensvertrag, dem wahrhaftigen «Schlußstrich».