Erschienen in:
Der Graue Fundus: Horst Lummert (Avram Kokhaviv)
Band 1. Die letzten 100 Artikel
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2010-05-02

Avram Kokhaviv

Auffangen den Wurf

Es gibt Menschen, die ich neidlos bewundere, weil sie eine Kunst beherrschen, an die ich niemals herangereicht habe.

Ich habe Fußball gespielt, Handball gespielt, Wasserball gespielt, doch sobald mir ein Ball zugeworfen wurde, mußte ich passen, er flog an mir vorbei, bestenfalls berührte ich ihn mit den Händen, um ihn dann fallen zu lassen, den Ball auffangen, das konnte ich nicht, es gelang mir jedenfalls so selten, daß ich es längst vergessen habe, während der Nichtfang mir bis heute im Nacken sitzt.

Gut, ich übertreibe und übertreibe hinwiederum nicht, und wenn ich meine geniale Tochter erwähne, eine Frau mit dem Ballfang-Instinkt, der blind funktioniert, kann ich mich nur wundern, daß so was möglich ist, in meiner Familie.

Gut also, doch ich will ja ins Übertragene, Analoge, wie sieht es da aus?

Da Angriff die beste Verteidigung ist, gebe ich mich mit dem defensiven Auffang gar nicht erst ab.

Ich lasse den feindlichen Angriff an mir vorbei gehen, das ist, meine ich, die richtige Verhaltensweise im Ernstfall.

Der auf mich gerichtete Wurf ist kein Spielball, sondern eine Bedrohung, ein gefährlicher Gegenstand, ein Schuß.

Wer auf mich schießt, wird nicht erwarten, daß ich die Kugel, den Stein, das Geschoß, wie zum Spiele fröhlich auffange, ich gehe der Gefahr instinktiv (!) aus dem Wege, soweit ich es vermag.

Mein Ernstfall ist kein Spiel, und ich denke nicht daran, darf gar nicht daran denken, den Ernst zu verkennen, den Fall auf die leichte Schulter zu nehmen.

Von meiner Tochter habe ich indessen zu lernen:

Sie würde eine anfliegende Handgranate in der Luft ergreifen und zurückwerfen.

Rückverteidigung als Gegenangriff.

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