2009-09-15
Unheiliger Stern
Es muß nur wieder aufgesagt werden: es steht geschrieben, es gilt, wie es scheint, ja, es gilt.
Die moderne, überalterte, als eine degenerierende Gesellschaft bestätigt die Theorie von Wilhelm Fließ, wonach - so seine profunde Beobachtung - den Familien bestimmte Geburtsdaten zugeteilt sind, die in jeder Generation von neuem belebt werden, die Nachgeborenen verdrängen die Alten, die Alten machen den Jungen Platz.
Ich las das, glaube ich, in einem Briefwechsel bei Sigmund Freud, der davon allerdings nichts wissen wollte...
Ich kann aus eigener Beobachtung in meiner - fleißig regenerativen - Familie, von der ich mittlerweile sechs Generationen - zwei vor mir, vier mit mir - überschauen kann, zurückhaltend, wie es dem Laien zukommt, Fließens Theorie, wenn es denn eine ist, bestätigen.
Die - degenerative - Überalterung einer verwandten (?)* Gemeinschaft ist auf fehlenden Nachwuchs zurück zu führen, nicht nur quantitativ und relativ, sondern absolut und bezeichnenderweise auch der Kompetenz nach, mithin qualitativ.
* Bei angeheirateten, also gewählten Verwandtschaften aus Peru entdecke ich gleich zweimal identische - nicht verdrängende - Geburtsdaten mit der hiesigen Familie.
Wenn die Nachfolge ausbleibt, wird der Alte auf seinem Platz immer älter.
Peter Scholl-Latour ist vielleicht das beste und aufregendste Beispiel fürs Unersetzbare.
Der «alte» Scholl-Latour, dem keiner das Wasser reichen kann, wird gleichwohl von «jungen» Naseweisen, die faktisch nichts zu bieten haben, aufgefordert, endlich das Feld zu räumen, seinen Platz frei zu machen, obwohl bisher niemand sichtbar ist, der diesen Platz ausfüllen, den Mann ersetzen oder ablösen könnte.
Da haben wir im kleinen eine generative Krisensituation, die sich mit Reden nicht beseitigen läßt.
Am Ende setzt sich gewöhnlich ein kleines Stück praktischer Vernunft durch, das Leben geht auch regelwidrig weiter.
Doch ich lasse mir den Glauben an eine höhere Ordnung und an den Menschen als ihren Treuhänder nicht nehmen.
Störfaktor sind nicht die Alten, die nur nicht - oder nur zögerlich - abtreten können, solange die Ablösung fehlt.
Mit dem Geburtsdatum gehen die Bedingungen einher, unter denen der Mensch ins Leben tritt und seine Talente entfaltet.
Dabei scheint eine natürliche Regel wie ein Gesetz unauffällig zu walten.
Der relativen - spezifischen - Regeneration folgt die absolute - allgemeine - Regeneration, so daß erreichte Qualitäten verloren gehen, wenn jeglicher Nachwuchs ausgeblieben ist: Regeneration schlägt in Degeneration um.
Wo dem Tischlermeister der Sohn fehlt, endet der Familienbetrieb. Der Hof des Bauern ohne Sohn ist gerichtet.
Mit «Genderismus» ist auf diesem Gebiet nichts zu machen.
Die abstrusen Modeerscheinungen sind lesbare «Zeichen an der Wand».