2009-07-27
Nachgehen
Den Dingen, den Ereignissen und Behauptungen, nachgehen den Lügen, die sich als Wahrheiten ausgeben, nachgehen der Wahrheit.
Den Spuren, die ins Verderben führten, und jenen, wieder heraus, den Denunziationen in Richtung A und Richtung B und C bis Z...
Der Treter von gestern als der Getretene von heute, welch ein Sieg!
Nachgehen den Düften von Kaffee und Tabak, die Duftenden anzuzeigen.
Den versteckten Juden und den verdeckten Antisemiten, den politisch Korrekten und den Inkorrekten, je nach Zeit und Umstand, anstreichen den Abweichler von jedweden Farben und Zeichen.
Der Denunziant, der keinem Flüchtigen und Verfolgten das Verschnaufen gönnt, der freiwillig den Herrschenden und Tonangebenden die für sie notwendigen Fingerzeige gibt, der Lump, der sich darin sonnt, kleine Lebenssonnen auszulöschen, der Schattenwerfer und Verfluchte, der Gottesfeind hinter Tür und Haus, in jedem Winkel kann er lauern, wie den Mächtigen es gefällt.
Ist das unterschiedslos richtig, gibt es nicht den berechtigten Feueralarm?
Die offene Auseinandersetzung ist kein Hinterhalt, und doch kann auch in der öffentlichen Diskussion ein Hinterhalt sein, wenn der Staat mit seinen Gesetzen das freie Wort nicht garantiert, sondern bedroht und somit aus jeder Diskussion und jedem Gespräch einen Pfuhl der «zivilcouragierten» Aktenanlage für Polizei und Staatsanwaltschaft macht, aus dem Grundrechtskatalog ein gefährliches Schlinggewächs.
Eine «zivilisierte Gesellschaft», die sich heute weitgehend der Zuarbeit von scheinbar freiwilligen Denunzianten verdankt, hat ihr Ende vielleicht schon überschritten.
«Sodom & Gomorrha» ist eine Metafigur, nicht die Sache selbst, eine Metastase und Giftspinne, die aus dem schlürft, was einmal unser aller Hoffnung war.