2009-11-10
Der unaufhebbare Unterschied
Wenn nicht Gegensatz
Als Hitler das deutsche Volk gegen die Juden mobilisierte, stand nicht Volk gegen Volk, sondern einer gegen viele.
Der Nationalsozialismus war keine Volksbewegung, sondern die Idee weniger, die das Volk indoktrinieren, die Deutschen einen und in ihrer Geschichte voranbringen wollten.
Der historische Nationalsozialismus ist ohne Hitler nicht denkbar, einen «führerlosen» Nationalsozialismus, wie er einigen «freien Kameradschaften» vorschwebt, gibt es nicht und wird es auch nicht geben.
Das deutsche Volk besteht wie andere Völker aus einer Vielzahl von Individuen, die je für sich ihren Interessen und Vorlieben nachgehen; insofern sind deutsche Individuen nicht anders als andere.
Sich - im Herderschen oder Hegelschen Sinn - als völkische Entität zu verstehen, scheint den Deutschen eher schwer zu fallen; ihre ethnischen Bindungen sind vor allem regionaler und mundartlicher Natur.
Die Identität des jüdischen Volkes beruht auf einer uralten schriftlichen Überlieferung.
Die - weitaus jüngeren - Schriften der Deutschen - ich denke an Martin Luther, die deutsche Philosophie, aber auch an Hitlers «Mein Kampf» - haben im Volke keine vergleichbare Bedeutung erlangt.
Letztlich, Deutscher, bestimmen deine Feinde, wer du bist.
Man könnte nun annehmen, daß die Deutschen mehr Feinde als jedes andere Volk haben, dem ist aber keineswegs so.
Die Deutschen stehen auf der umfraglichen Beliebtheitsskala weltweit an erster Stelle, während die Israelis das Schlußlicht bilden.
Vermutlich werden die Deutschen aus den selben Gründen, die in Europa und den USA ihre Unbeliebtheit ausmachen, von der überwältigenden Mehrheit geliebt.
Sobald das Judentum sich zum - eigenen - Staate entschloß, verließ es den sicheren Pfad seiner heilsgeschichtlich gewachsenen Tugenden.
Ich denke an die Entdeckung Gershom Scholems, daß die Juden in ihrer Geschichte geschützt waren, solange sie sich treu blieben.
Es entspricht meiner vagen Ahnung, daß sie - vor Gott - nicht verfolgt wurden, weil sie Juden, sondern weil sie's - vor Gott - eben nicht mehr waren.
Die jüdische Geschichte wird zur Vorgeschichte ihrer zionistischen Komponente.
Während das traditionelle Judentum im Staat an sich eine existentielle Bedrohung erkennt, kommt das nationalsozialistische Deutschland erst im Staat zu seiner vollen Entfaltung.
Derselbe Staat aber, der den einen zum Segen gereicht, ist den andern ein Fluch.
Nach diesem Fluch entsteht ein neuer - ein jüdischer Staat Israel.
Die hohe Zahl der Freunde Deutschlands in der Welt soll nicht darüber hinweg täuschen, daß die feindliche Minderheit mächtiger, weil wissender ist als all jene zusammen.
Es ist den Deutschen nicht gelungen, in der majoritären Quantität sich als minoritäre Qualität zu profilieren, sie haben sich einer solchen lediglich angeähnelt und dabei ihr Gesicht verloren.
Dennoch frage ich mich, ob Angela Merkel aus dieser Not nicht längst eine Tugend gemacht hat.