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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2009-09-13

Avram Kokhaviv

Afghanistan und die Berliner S-Bahn

So tief stecken wir im Schlamassel

Oder die seelisch-geistige und charakterliche Armut der «deutschen», sprich: bundesrepublikanischen Politik

Vorweg eine Bemerkung zu Horst Mahler, dem einstigen politischen Freund Gerhard Schröders.

Mahler hat in seiner Haftzelle eine Erklärung zur Zukunft Deutschlands entworfen und aus diesem Anlaß sein Schattenwunschkabinett vorgestellt.

Auf der Liste steht Gerhard Schröder an erster Stelle als Zuständiger für die Außenpolitik.

Neben vielen anderen, auf die wir gelegentlich zurück kommen können, ist auch der ehemalige Bundesbahn-Chef Hartmut Mehdorn genannt.

Ein willkommener Übergang zu den aktuellen Problemen mit der Berliner S-Bahn.

Die S-Bahn war bis zum Kriegsende Teil der Deutschen Reichsbahn, nach dem Sieg der Alliierten wurden irgendwann die jeweiligen Zuständigkeiten oder Rechtstitel verteilt, jeder Sieger erhielt seine Besatzungszone und in Berlin seinen Besatzungssektor.

Eine Sonderregelung betraf die Reichsbahn, deren Gleisanlagen, Bahnhöfe und Fahrzeuge der sowjetischen Besatzungsmacht übertragen wurden.

So unterstand auch nach der Teilung Berlins der gesamte Bereich der S-Bahn - mit dem Reichsbahn-Besitzstand in Westberlin - der sowjetischen Besatzungsmacht.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und der Erlangung seiner Souveränität in Gestalt der erweiterten Bundesrepublik Deutschland blieb es gleichwohl bei Alliierten-Vorbehalten auf dem Boden Deutschlands, und man muß davon ausgehen, daß dergleichen nicht nur auf die westlichen Alliierten zutrifft.

Die Frage anläßlich der seltsamen Techno-Probleme mit den S-Bahnwagen ist nun, ob sich da möglicherweise sowjetische Vorbehalte angekündigt haben, die die Zukunft Deutschlands betreffen.

Im Afghanistan-Krieg geschehen die alltäglichen Dinge, wie wir sie seit Jahren kennen, aber auf einmal ist die Hölle los, meldet sich der Staatsanwalt in Potsdam zu Wort, spricht die UNO von Kriegsverbrechen in Afghanistan, donnern die amerikanischen Militärs auf Präsident Obama ein, er solle doch die Deutschen an die Leine nehmen, der deutsche oder deutschsprachige Fernsehsender N24 kommentiert den Umstand, daß von allen Seiten Deutschland auf einmal angegriffen wird.

Die Bundeskanzlerin sagt am 8. September 2009 vor dem Bundestag, egal, wie Deutschland sich verhalte, es gebe keinen Ausweg, wir könnten uns der Verantwortung nicht entziehen.

Klartext: Deutschland macht den Krieg mit oder auch nicht, es wird - so oder so - letztlich doch zur Verantwortung gezogen.

Der psychologische Krieg gegen Deutschland ist, wie es scheint, in eine neue Phase getreten.

Der Druck kommt von mehreren Seiten, vornehmlich aus dem Westen von den Bündnispartnern, aber neuerdings auch wieder aus dem Osten, nämlich aus Rußland, dessen Handschrift nicht mehr zu übersehen ist.

Inwieweit Rußland hierbei verbliebene Souveränitätsrechte geltend macht, sei zumindest mitbedacht.

BRD, Opel, S-Bahn... - bei allem haben wir ein Problem: die Deutschen sind politische und zeitgeschichtliche Ignoranten: das gilt für sie in ihrer überwiegenden Mehrheit und - im ursächlichen Zusammenhang - natürlich vor allem für ihre Politiker und Meinungsmacher in den Medien, für die Lehrer an den Schulen...

Die Deutschen glauben bis heute, daß die Bundesrepublik Deutschland ihr Staat, Opel ein deutscher Autobauer, die Berliner S-Bahn ein deutsches Unternehmen seien...

Man könnte fast sagen, wider besseres Wissen, denn Opel wurde bereits 1928 - also vor rund achtzig Jahren - an General Motors verkauft, was jeder wissen kann, aber niemand wissen will, wie es scheint.

An den Besitzverhältnissen änderte sich auch in der NS-Zeit nichts, lediglich die Produktion wurde der Kriegswirtschaft eingeordnet: GM arbeitete praktisch für die deutsche Rüstung, war Teil der deutschen Rüstungsindustrie.

In Auschwitz Mono bei IG Farben wurde aus schlesischer Braunkohle «Buna» hergestellt, synthetischer Kautschuk; zwischen IG Farben Deutschland und Rockefeller Standard Oil USA gab es ein Übereinkommen, daß sie wechselseitig ihre jeweilige Produktion nicht stören wollten.

Das galt um so mehr in Kriegszeiten, so daß Amerika Auschwitz nicht bombardierte und Deutschland die Kautschukfelder und Produktionsanlagen der USA nicht angriff.

Für manche Rätsel gibt es eben ganz einfache Erklärungen.

Die Berliner S-Bahn gehört ursprünglich zur Deutschen Reichsbahn, ging mit dieser nach 1945 ins Verfügungsrecht der sowjetischen Besatzungsmacht über.

Mit der (kleinen) Wiedervereinigung hat sich diese Frage keineswegs erledigt, was allerdings in deutschen - sowohl offiziellen als auch inoffiziellen - Köpfen sehr wohl angenommen wird.

Die Deutschen unterliegen im Hinblick auf ihre nationalen, völker- und staatsrechtlichen Fragen und Ungereimtheiten einer durchgehenden Desinformation, sie werden darüber bewußt in Unkenntnis gehalten.

Die Bundesrepublik Deutschland ist letztlich nicht der Deutschen Staat, sondern besatzungsrechtlich entstanden und in demokratischen Wahlen der Ignoranz quasi legitimiert worden, ähnlich, wie wir es jüngst in Iraq und Afghanistan erleben, wo der Scheincharakter solcher Prozeduren noch deutlich hervortritt.

Mit der kleinen Wiedervereinigung ist die DDR darin aufgegangen, es ist jedoch ein gefährlicher Irrtum, etwa anzunehmen, daß mit dieser Vereinigung via «2+4» und dem offiziellen Ende der Besatzung deren Rechte restlos auf die Deutschen übergegangen seien.

Die Amerikaner haben sich gewisse Rechte, ihre Sicherheit betreffend, vorbehalten, und auch die Russen werden nicht mit leeren Händen aus Deutschland weg gegangen sein.

Ich kann mir vorstellen, daß die alten - auf DDR und Berlin bezogenen - Rechte bezüglich der Reichsbahn-Anlagen - S-Bahn Berlin inklusive - auf das gesamte neue Bundesgebiet erweitert worden sind; daß - mit anderen Worten - für die NATO-Erweiterung bis zur russischen Grenze ein angemessenes - ebenso sicherheitsrelevantes - Gegengut entrichtet werden mußte.

Als Russe würde ich darauf nicht verzichten wollen.

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