2007-06-16
2007-08-20 / 2007-08-26*
* Siehe Nachtrag vom 20. und Letzte Meldung vom 26. August 2007
Die Flucht nach vorn
Ich glaube ihnen kein Wort
Das Geschäft mit dem Kind
Maddie ist der große Renner.
In kürzester Zeit gingen bei den Eltern umgerechnet eineinhalb Millionen Euro ein, leichter kann man sein Geld nicht verdienen.
Mit den Spendengeldern zur Finanzierung der Suchkampagne, die vor allem aus Fotoserien besteht, herauf- und herunterladbar, können die beiden Sorgeneltern sich endlich Kontinentalreisen erlauben... - ohne die beiden anderen Kinder, die bleiben, kaum zwei Jahre alte Zwillinge, in irgendeiner Obhut, denn die Suchaktion hat jetzt absoluten Vorrang.
Der Glasgower - oder mittelenglische? - Cardiologe Gerry McCann (I) hat in Glasgow einen Namensvetter, den bekannten Fotografen Gerry McCann (II), nach ersten Meldungen dachte ich, der Hobbyfotograf (I) sei mit dem Berufsfotografen (II) identisch.
Die von ihrem Gewissen geplagten Eltern Gerry I und Kate ziehen sich - nach wochenlangem Verwirren, Verwischen von richtigen und Legen von falschen Fährten, so jedenfalls mein Eindruck - vorerst aus der Öffentlichkeit zurück.
Der Onkel hat ihnen via Bildschirm empfohlen, für eine Weile auszuspannen.
Außerdem soll die Maddie-Gedenkstätte in Rothley verschwinden und wieder Normalität einkehren: es waren schreinsartig Teddybären, Blumen und Briefe in großer Zahl aufgetürmt worden; im Ort hatte man dreiundzwanzig Kilometer gelbes Farbband um Bäume, Laternen, Parkbänke und Häuser gebunden.
Man hört auch von Zeugenaussagen, die überprüft werden müßten.
Das Paar hat viele Spendengelder eingenommen, geht nach Marokko, wir werden die beiden vielleicht wiedersehen.
Wie werde ich Millionär?
Nach England wollen sie jetzt nicht zurückkehren; und wo bleiben die Jüngsten, Zwillinge von knapp zwei Jahren?
Der Hauptmann von Köpenick trieb sein leichtes Spiel mit dem preußischen Glauben an die Autorität der Uniform mit Offiziersrang.
Die PR-Meister der McCanns ließen immer wieder durchsickern, daß sie bis in höchste Kreise hinein ihre Beziehungen spielen lassen.
Ob Papst-Audienz oder Freundschaft mindest zur Umgebung des künftigen britischen Premiers... - nichts konnte den kritischen Betrachter von der Körpersprache der «verzweifelten» Kindesvernachlässiger abbringen.
Wohlgemerkt: vom ersten Tage an.
Später tritt eine gewisse routinierte Gelassenheit ein, die beiden wirken entspannter.
Was hat sie so ruhig gemacht?
Nun, sie waren fast über Nacht ihre Geldsorgen los.
Ich hoffe nur noch, daß jetzt auch die kleine Maddie wieder auftaucht.
Ein lebendes Kind läßt sich noch einmal, nun aber mit voller Kraft, vermarkten.
Das kostenlos empfangene umfangreiche Bildmaterial ist zig Millionen wert, Filmrechte winken.
Die Hauptrolle kann die kleine Madeleine selbst spielen.
Wenn das nicht schief läuft wie die Geschichte der Natascha Kampusch, die ihr heute keiner mehr abnimmt, selbst wo sie auf Tatsachen beruht.
Nataschas Mutter hat denn auch schon öffentlich ihr Mitgefühl mit den McCanns bekundet.
Aus dem Gröbsten ist auch Natascha heraus.
Die McCanns haben nicht nur ihre Kinder vernachlässigt, sie haben mit ihrer «Such»-Kampagne die kleine Madeleine, wenn sie entführt wurde, in höchste Gefahr gebracht.
Die schönen Bilder des schönen Kindes passen in einen Werbeprospekt, nicht in eine Suchanzeige.
Ein entführtes Kind, von dem inzwischen die ganze Welt den interessanten Farbfleck auf dem rechten Auge kennt, wird in den Händen seines Entführers wertlos und gefährlich.
Entführer eines Kindes wollen Lösegeld kassieren oder das Kind verkaufen.
Die Identifizierung macht einen pseudonymen Verkauf des unversehrten Kindes praktisch unmöglich.
Das von den Eltern enthüllte Augenmerkmal ist - im Zeitalter des kriminellen Organhandels! - geradezu ein Wink mit dem Zaunpfahl aus der Sackgasse dieses Verbrechens in ein anderes.
Der Tod - in «Sodom & Gomorrha» - ist ein besonders gutes, obendrein völlig anonymes Geschäft.
Ich möchte dem Arzt Gerry McCann den Rat geben, endlich alle Karten auf den Tisch zu legen.
Beim Amsterdamer De Telegraaf ging kurz nach dem Holland-Besuch der McCanns ein anonymes Schreiben ein, worin behauptet wird, daß Madeleine bereits tot und in der Nähe ihres Luxushotels in Portugal an einem Straßenrand verscharrt sei, Lageplan anbei.
Reaktion der suchenden Eltern?
Ein britischer Diplomat, der ihre Interessen vertritt, rast nicht zum eingezeichneten Ort, sondern erhebt erst einmal Anspruch auf den Brief.
Gerry I - der Medienonkel par excellence! - ist enttäuscht und bestürzt über die Veröffentlichung der ungeprüften Nachricht.
Die portugiesische Polizei hat nochmals die Spuren am Tatort, dem Kinderzimmer im Hotel, untersucht.
Sie durchforscht mit Spürhunden und in konkurrierender Begleitung von per Hubschruber herbeigeeilten Journalisten das in De Telegraaf anonym bezeichnete Terrain.
Die cleveren Eltern und ihre Medienassistenten beschuldigen den portugiesischen Hauptermittler, schon einmal Beweismittel unterdrückt zu haben oder fahrlässig mit Zeugenaussagen umgegangen zu sein.
Man wirft ihm vor, in einem ähnlichen Fall von einer Frau und Mutter mit Gewalt eine Aussage erzwungen zu haben.
Sie gestand schließlich, ihr ebenfalls verschwundenes Kind selbst ermordet und zerstückelt zu haben.
Ich hoffe und fürchte zugleich, daß die über De Telegraaf insinuierten Parallelen von einem anonymen Trittbrettfahrer - nicht von einem Komplizen oder Mitwisser - ins Verwirrspiel gebracht worden sind.
Nachtrag vom 20. August 2007
Die Peinlichkeiten um die McCann'schen «Such»-Unternehmungen - bei gleichzeitigem Respekt vor einer womöglich echten Trauer - bewogen mich, mit einer Veröffentlichung meiner Überlegungen abzuwarten.
Nach zwei Monaten hat die Penetranz der Umstände noch zugenommen.
Das nunmehr reiche Ehepaar ist vor allem mit sich beschäftigt und scheint seine zwei jüngeren Kinder allmählich zu vergessen, wenn man's mit Gerrys täglichen Aufzeichnungen genau nimmt, und das soll man doch wohl.
Letzte Meldung
Portugal: Madeleines Eltern wollen zurück nach England
26. August 2007
Fast vier Monate nach dem Verschwinden der kleinen Madeleine hat ihr Vater angedeutet, daß seine Familie bald nach Großbritannien zurückkehren wird. Er wolle wieder als Arzt arbeiten, sagte Gerry McCann am Samstag im schottischen Edinburgh. Es sei «kontraproduktiv», in Portugal zu bleiben, da die Berichterstattung immer mehr von der Suche nach der Vierjährigen abweiche. Er und seine Frau Kate wollten aus dem Rampenlicht und ihre Medienkampagne zurückfahren. Es bestehe die Gefahr, daß die Suche nach Madeleine zu einer «Kate-and-Gerry-Show» verkomme.
Die Berichterstattung sei «außer Kontrolle» geraten, sagte McCann. Es sei nicht notwendig, die Menschen jeden Tag mit einer Madeleine-Geschichte «zu bombardieren», kritisierte er die Medien. Er und seine Frau wollten deshalb nur noch hin und wieder an Madeleines Verschwinden erinnern. Zwar hätten sie die Öffentlichkeit anfangs gesucht, doch die Berichterstattung sei zehn Mal größer gewesen, als sie es sich je vorgestellt hatten.
«Es zerreißt mir das Herz»
Wann sie in ihre Heimat in Rothley in Mittelengland zurückkehren wollten, sagte McCann nicht. Es zerreiße ihm jedoch das Herz, daß seine Familie zu fünft nach Portugal gereist sei und zu viert wieder nach Hause komme.
Madeleine war am 3. Mai aus einem Ferienappartement an der Algarve verschwunden. Die McCanns hatten mit einer unvergleichlichen Öffentlichkeitskampagne, unter anderem einem Besuch beim Papst, die Medien in die Suche eingebunden. Seitdem überschlagen sich die Spekulationen, ob oder wie das Mädchen ermordet wurde. Die Eltern betonten immer wieder, sie glaubten, daß Madeleine noch lebe.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Die erste Pfund-Spenden-Million ist überschritten.
Schon seit längerem rumort es in der portugiesischen Bevölkerung, werden Mauern beschriftet - etwa: Circus go home!
Viele portugiesische Kinder seien verschwunden, niemand habe sich um sie gekümmert.
Für die Kinder der Armen gibt's weder Spenden noch Theaterrummel, kein bißchen Zirkus, um das Vergessen aufzuschieben.