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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2007-05-22

Avram Kokhaviv

Sarkozy und das neue ist das alte Europa

Frankreich, England und die Türkei, Deutschland und Rußland

Sarkozy, Erdogan und ein «moderater» Putschismus machen von sich reden

Ich vermute, daß Nicolas Sarkozy nicht der ist, für den ihn viele - Anhänger wie Gegner - halten.

Recep Tayyip Erdogan sieht sich einer mehrseitigen Übermacht ausgesetzt und braucht Frankreichs Hilfe.

Der schleichende Militärputsch in Pakistan und der Türkei geht mit einer von heimlichen Diensten finanzierten antiislamischen und antirussischen Propagandakampagne einher.

Die heißen Kriege werden von einem neuen Kalten Krieg abgelöst, der sich gegen alle volkswirtschaftlichen Konzepte richtet, seien sie nun nationaler oder islamischer Art.

Die globalistische Lobby hat Fuß gefaßt, Boden gewonnen und ihren künstlichen Widerstand durchorganisiert.

Die Attrappe hat echte Elemente vereinnahmt, so daß sie nur schwer, falls überhaupt als kriegerischer Propagandaschwindel durchschaut werden kann.

Die antidjihadischen Machenschaften - mit dem Versuch, den Kreuzzug gegen den Islam zu «islamisieren» - werden eine Weile die Medien beherrschen und die Geister verwirren.

Was der Westen mit Waffen nicht schaffte, will er jetzt mit Geld und karrierehungrigen Wortelakaien, durch Medien, Unterhaltungsindustrie, Lifestyle... bewältigen.

Es schlägt die Stunde der spielenden, tanzenden, singenden Marionetten...

Und der nachhütlichen Exekutive von Justiz, Polizei, geheimdienstlichen Sonderkommandos...

Welche Rolle kommt in diesem «Kalten» Krieg dem neuen französischen Präsidenten zu?

Bundespräsident Horst Köhler erwog die Begnadigung des RAF-Terroristen Christian Klar, sprach mit dem Häftling persönlich - und sah am Ende von einer Begnadigung ab.

Warum?

Meine anfängliche Theorie war, daß der RAF-Terror als Waffe gegen den «islamistischen Terrorismus» mobilisiert werden sollte.

Wenn meine Theorie nicht gänzlich falsch war, hat Köhler in seinem Gespräch mit Klar in dieser Frage sondiert - allerdings erfolglos.

Die heutige RAF - sprich auch: Die Linke. SDS - hat wahrscheinlich die islamische Revolution längst in ihre strategischen Überlegungen mit einbezogen.

Nicht nur Oskar Lafontaine, auch Reinhold Oberlercher und Hans-Dietrich Sander haben sich dem Islam vorsichtig angenähert.

Großrazzia gegen die Linke in Deutschland aus Anlaß des G8-Gipfels in Heiligendamm...

Die Berliner Kochstraße darf wohl bald - auf der vorgesehenen Teilstrecke vor dem Springer-Haus - in Rudi-Dutschke-Straße umbenannt werden...

Das Verwaltungsgericht hat - in erster Instanz - gegen die Anlieger entschieden, die das verhindern wollen.

Was ist im Gange?

Die subventionierte Linke macht mobil - wird hinterrücks mobil gemacht.

Wer diesen neuen Auftrieb an der Protestfront für spontan und politisch echt hält, hat die Entwicklung der vergangenen Zeit verschlafen.

Was längst vorauszusehen war, wird über Nacht als Überraschung gehandelt.

Überraschend sind allerdings Berichte, wonach die randalierende und zündelnde Linke in letzter Zeit wieder aktiv geworden sei.

Auf einmal ist von linkem Terror die Rede, während bis eben noch die Medien von «Islamismus» und dessen «Terrorismus» voll waren.

Alles Schwindel oder Halbwahrheiten, hinter denen versteckt der zunehmende Überwachungsterrorismus für die Zukunft rüstet?

Eine neue Außenpolitik ist im Spiel.

Ich denke, daß Sarkozy - wie Erdogan - falsch eingeschätzt wird.

Sarkozy ist für die Linken in Deutschland ein Araberfresser und Globalist, für Rechte der «zionistische Machtjude».

Die antisemitische Komponente tritt mitunter auch bei Linken auf.

In einem Fernsehbericht über die Stimmung unter Berliner Studenten machte eine Sarkozy-Karikatur - wie aus Streichers «Stürmer» - die Runde.

Sarkozy - l'Américain - und Erdogan, dessen Bemühungen um einen EU-Beitritt der Türkei von den USA unterstützt werden, sind nicht unbedingt Garanten des Djihad oder der subproletarischen Revolte.

Sie erinnern uns jedoch daran, daß wir das Kind Amerika nicht mit dem Bade seiner kreuzzüglerischen Politik gegen den Islam ausschütten dürfen.

Es gibt einen Aspekt, der Amerika erhaltenswert macht.

Ja, die USA vertreten und verbreiten einen gewalttätigen Imperialismus.

Vor diesem brutalen Monster ist heute niemand mehr sicher.

Die eigenen Bürger müssen um ihr Leben fürchten, wo das antiterroristische Ungeheuer seinen Terror durch Land und Leute treibt.

Aber die Bürger Amerikas sind dem nicht hilflos ausgeliefert.

Der brutale Staat USA hat im Gegensatz zum Friedensstaat BRD kein Gewaltmonopol.

Während die Bürger der Bundesrepublik Deutschland nur als unbewaffnete Kuschelkaninchen denkbar sind, tritt der demokratisch und männlich bewußte Amerikaner bewaffnet auf.

Der mündige Amerikaner ist gegenüber dem entmündigten Deutschen wie aus einer anderen Welt.

Nun wollen wir dies nicht auf die Kapitulation von 1945 zurückführen: Das deutsche Waffenrecht sieht von jeher den freien bewaffneten Bürger nicht vor.

Der Deutsche ist nach seinem eigenen Selbstverständnis ein waffenloser, zahnloser Untertan, ein politischer Eunuch.

Der Staat ist alles, der Einzelne ist nichts.

Indem wir also Amerika wie auch Israel von historischen Fehlinterpretationen und politischen Irrwegen abzubringen versuchen, wollen wir die amerikanische Demokratie retten und ihre geistigen Ursprünge bewahren.

Ob die Deutschen jemals daraus lernen werden, ist so ungesichert wie die von ihnen beschriene Klimakatastrophe.

Die unbeschnittenen Deutschen müssen sich buchstäblich erst einmal auf «Vordermann» bringen, um international mithalten zu können.

Den Krieg - als den Vater der Dinge - haben wir verloren.

Deutschland hat, wie es scheint, allerdings den Frieden gewonnen.

Wir müssen unter diesem Aspekt die besondere Rolle der Frau und des politischen Feminismus in der Bundesrepublik Deutschland betrachten und verstehen.

Wenn es dabei bleibt, wenn Deutschland also von der männlichen Erfahrung des kriegerischen Erfolgs sich selber ausschließt, wenn es dazu weiterhin verbissen Abstand hält, wird der souveräne - mündige, bewaffnete - Bürger hierzulande niemals eine Bedeutung erlangen.

Der Djihad reicht jedem die Hand, der sich der historischen Lage, der kosmischen Notwendigkeiten und des göttlichen Willens bewußt geworden ist.

Aber da ist noch Rußland.

Wenn die aus ihrem Winterschlaf einer scheinbar völligen Abwesenheit soeben erwachte Linke in Deutschland wieder mobil macht, zur gleichen Zeit aber der neue Kalte Krieg mit Rußland sich verschärft, müssen wir in Erwägung ziehen, daß zwischen dem sich zunehmend abwehrbereit gerierenden Rußland und der wieder tätigen Linken in Deutschland ein ursächlicher Zusammenhang besteht.

Und wir müssen in Erwägung ziehen, daß die traditionell russophilen Linken und Rechten Deutschlands ihre momentanen Bündnisüberlegungen in Richtung Islam nicht djihadisch, sondern taktisch verstehen.

Partiell mag die mehrfarbige Rußlandfraktion - deren russisches Einwanderungspotential nicht vergessen werden darf - die islamische Türkei im Zaum halten wollen.

Vieles ist in Bewegung geraten, einige Entwicklungsstränge sind schon ausgelegt, andere treten hervor.

Der zur Kampagne ausgeartete Fall Wolfowitz entpuppt sich mehr und mehr als Ausbruch des seit langem schwelenden Konflikts zwischen Europa und den USA, und wenn man genauer hinsieht: zwischen den europäischen Sozialisten und den europäischen Konservativen, den Ostlern und den Westlern, zwischen der US-Fraktion und der Rußland-Fraktion.

Welche Kräfte regieren künftig die Weltbank - oder wird diese Institution nicht mehr gebraucht, verlöre sie unter anderer als amerikanischer Führung ihren ursprünglichen Sinn?

Der neue Präsident Frankreichs ist nicht nur aufgrund der französischen Verfassung, sondern darüber hinaus durch seinen überzeugenden Wahlsieg bei hoher Wahlbeteiligung ein starker Präsident, der sich notfalls auch Dinge leisten kann, die man von ihm nicht erwartet.

Daß der als Neokonservativer geltende Sarkozy gleich zu Beginn seiner Präsidentschaft sich an die mächtigen Wirtschaftsführer - und ans Aktienrecht! - wagt, gehört in diese Kategorie.

Ist - l'Américain - Sarkozy den Globalisten zuzurechnen, oder wäre dies ein Fehlurteil?

Mit Blick auf den künftigen britischen Premier Gordon Brown könnte man auch an ein anderes Szenario denken.

Der Kreuzzug gegen den Islam wird vom neuen - «Kalten» - Krieg gegen Rußland verdrängt.

An diesem Krieg dürfte die EU allmählich zerbrechen.

Wenn der demokratisch gewählte Sarkozy und der politisch gewählte Brown die neue politische Lage Europas erkennen, werden sie zu folgenden Schlüssen kommen:

Die wieder erstarkende deutsche Linke samt terroristischem oder bewaffnetem RAF-Anteil - «Die Linke. SDS» - Mahler: «Waffen-SDS» - wird mit allen potentiell gebotenen anti-amerikanischen Bündnispartnern - von Nationalen Demokraten, Nationalen Sozialisten über wilde und geordnete Anti-Globalisten bis zu «moderaten, gesetzeskonformen», vielleicht schiitischen Muslimen - die weltpolitische Front verändern.

Wenn Westeuropa sich gegen Rußland stark macht, wird Deutschland nur zur politischen Hälfte mit dabei sein, die andere Hälfte wird die Seite wechseln.

Frankreich und England haben längst ihren alten Feind Deutschland wiederentdeckt.

Sarkozy hat seine Präsidentschaft nicht zuletzt einem antideutschen Wahlkampf zu verdanken.

Wenn die mit Sarkozy und Brown angerissene Tendenz sich verstärkt und in Europa bestimmend wird, bleibt Deutschland - Preußen-Deutschland! - keine andere Wahl, als sich endgültig für Rußland zu entscheiden.

Die Politik Erdogans gerät an eine Klippe.

Für die Türkei wird der Weg wieder frei - in eine EU, die es dann nicht mehr gibt.

Die Konsequenz lautet: Kemalistische Militärdiktatur oder Djihad in Richtung auf ein neues Khalifat.

All diese Entwicklungen können abgeschwächt oder verstärkt werden, sie unterliegen auch taktischen Zeitfaktoren, aber in großen Zügen scheinen sie heute aktueller, nämlich realisierbarer als vor zehn Jahren zu sein.

Sie setzen Veränderungen auch in östlichen Nachbarstaaten - Polen, Tschechien, Ukraine, Weißrußland, Baltikum... - voraus.

Sarkozy hat - während er die Türkei ausschließt - einen EU-Beitritt Serbiens befürwortet.

Alles in allem erinnert die in Aussicht stehende Geschichte Europas und der westlichen Welt - von der napoleonischen Zeit noch abgesehen - an die politischen Veränderungen und Zuspitzungen, die schließlich zum Zweiten Weltkrieg führten.

Die Weltkriege I und II haben ihren Namen nicht von Kriegen, die global sich da und dort entzündeten und zu einem großen Ausbruch führten.

Die Weltkriege I und II glichen sich auch nicht darin, daß Deutschland mit seinen Kriegsabenteuern die ganze Welt herausforderte und am Ende gegen sich einte.

Die Weltkriege I und II waren die ersten Akte eines Krieges - der fast gleichen Weltkoalition von Willigen in «war on terror» - gegen Deutschland zu dessen Ausschaltung als souveräner Macht.

Deutschland ist gleichwohl nicht vernichtet worden, es ist nach dem vorläufigen Ende des Vernichtungskriegs gegen das Deutsche Reich - wirtschaftlich, gesellschaftspolitisch, friedenspolitisch - in mehreren Teilgestalten wieder auferstanden.

Unzählige Versuche, es einzubinden, moralisch zu schwächen, haben es nicht vermocht, Deutschland substantiell in die Knie zu zwingen.

Die bisherigen Kriege gegen Deutschland bzw. das Deutsche Reich sind blutige Zeitabschnitte eines noch nicht beendeten - (Zwei-?) - Hundertjährigen Auslöschungskrieges.

Der nächste Abschnitt folgt bestimmt, was sich ohne jeden Anflug von Paranoia an konkreten Gegebenheiten ablesen läßt.

Die USA sind geschwächt, die antiislamischen Abenteuer kommen sie teuer zu stehen.

Der moralische Verfall der US-amerikanischen Politik hat im alten bösen Feind Deutschland den leuchtenden Rettungsanker wiedergefunden.

Frankreich und England werden auch diesmal die Vorarbeit leisten, bis die USA sich von den Folgen einer vermutlich völlig falschen Politik erholt haben werden.

Ein gravierender Unterschied zu den Weltkriegen I und II macht den zu erwartenden Weltkrieg III gegen Deutschland nur begrenzt berechenbar.

China und Indien sind Machtfaktoren, die so oder so einkalkuliert werden müssen.

Andere kommen hinzu...

Hundert oder zweihundert Jahre Krieg in dieser oder jener Form haben die Welt verändert oder sind selbst Ausdruck dieser Veränderung.

Am Ende wird es für viele Menschen schwer sein, die innere Dialektik dieses langwierigen Prozesses zu verstehen.

Zuletzt gibt es nur noch Außenstehende und Hinterbliebene, die beziehungslos über die Geschichte hinwegsehen.

Die Teilnahme an geschichtlichen Ereignissen ist ein Privileg, das sich nicht vererben läßt.

Dennoch ist das natürliche Desinteresse - eine apolitische, ahistorische Gelassenheit - dem wahren Weltzustand, der alle Bewegung in sich trägt, analog.

Die Passion passieren lassen, ist der Weisheit vorerst letzter Schluß.

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