2006-04-02
Die selbe Unruhe treibt dich
Der Wechsel ist in dir
Deutschland, wohin?
Mein Vater Arthur sagte zu mir in seinen letzten Tagen: «Jetzt bist du der Vater» und «Paß auf dich auf!».
Das war ungewöhnlich, weil es zu ihm nicht zu passen schien.
Aber ich will nicht von ihm und mir, sondern von Deutschland reden.
Ich muß unterscheiden zwischen einem Deutschland, dem Unrecht zugefügt worden ist, und dem anderen, das sich mühen mag, ernst genommen zu werden, es wird ihm doch nicht gelingen.
Der Jahresjux 2006 kommt aus Ulster, wo in universitärer Forschung fest gestellt wurde, daß die Deutschen das intelligenteste Volk Europas seien.
Das hat sich auch heute bestätigt, als Zigtausende dieser IQoryphäen durch Berlins Straßen rannten.
Die sind also nicht zu faul, mal wie die Franzosen für Bürgerrechte zu demonstrieren, es muß nur als Marathonlauf angesagt sein.
Es muß einer kommen, der ihnen sagt, wo's lang gehen soll.
Ob es sich um geschichtliche Belange, um größere Zusammenhänge und offene Fragen handelt, oder ob gesellschaftliche Skandale die Gemüter bewegen sollten, Deutschland rührt sich nicht aus eigenem Antrieb, da muß schon eine Organisation - Gewerkschaft, Fußballverein, Berliner Senat, eine politische Partei - dazu aufrufen.
«Sonntag morgen um halbacht», und schon sind die Straßen proppen voll.
Das deutsche Volk hält demnach nur still, weil und solange der - nationale und soziale oder national-soziale oder nationalsozialistische - Ruf nicht erschallt?
Mit dieser aktuellen Ausnahme:
Wenn im Fußball-Stadion ein Afrikaner auftritt, grölt es im Publikum ohne erkennbare Aufforderung los.
Der Mann wird aus dem einen Grunde beschimpft, daß er schwarz ist.
Der wohl eingeborene Rassismus dieser Repräsentanten des intelligentesten Volkes Europas tritt unangekündigt hervor.
Oder sind solche Gefühlsäußerungen doch abgestimmt - etwa mit den jüngsten Bekundungen der NPD zur Fußball-Weltmeisterschaft und ihrem neuen Rausschmiß-Kampf gegen hier ansässige Ausländer?
Sind die Pöbeleien organisiert?
Gleichzeitig heißt die NPD die iranische Fußballmannschaft zur WM 2006 herzlich willkommen.
Arier grüßen Arier...
«Weiß» ist angesagt - auch bei Ernst Zündel im Mannheimer Prozeß.
Ich halte den Volksverhetzungs-§ 130 StGB für grundgesetzwidrig.
Was da verboten wird, darf in einer freien Gesellschaft nicht verboten sein, man kann und muß über alles streiten dürfen.
Der Verdacht jedoch, daß sich hinter dem sogenannten Geschichtsrevisionismus ein neuer oder auch der alte Nationalsozialismus verbirgt, ist begründet.
Der Mannheimer Prozeß gegen den von Amerika an Deutschland ausgelieferten Revisionisten Ernst Zündel ist eine Fundgrube für interessante Entdeckungen.
Da tritt eine bekannte Garde rechter und ehemals linker Anwälte an - nicht einmal vorrangig, um Zündel zu verteidigen, sondern um der bundesdeutschen Justiz den Krieg zu erklären.
Diese nationale Einsatzgruppe ist ihrem selbst gestellten Auftrag offensichtlich gewachsen.
Wir wissen noch aus linken Tagen, wie die Gerichte an den Strategien und Taktiken Horst Mahlers und seiner Kollegen zu knabbern hatten.
Nach dem Aktionsprogramm «Deutsches Reich 2005» soll die Bundesrepublik «abgewickelt» werden.
Die Bereitschaft, zu zu hören, endet abrupt, die Überzeugung, daß ihnen Recht zukomme, fällt in sich zusammen, wenn Zündel und seine Verteidigerin Sylvia Stolz (Kampfname: «Fräulein Stolz») den «weißen» Rassismus hervor kehren, auf den sich schließlich alles stützt.
Ja, «Weiß» ist angesagt.
Das fällt in letzter Zeit auf:
Die deutsche Rechte - vom Revisionismus bis zur NPD - besinnt sich plötzlich wieder explizit auf die «weiße» Rasse.
Handle es sich um schwarze Fußballspieler oder orientalische Arbeiterfamilien, die seit Jahrzehnten hier leben, die «weiße« Karte wird mit Nachdruck ausgespielt.
Die IQ-Geschichte aus Ulster paßt wie abgesprochen ins Bild - auch die NPD legt größten Wert auf die intellektuelle Diskriminierung der Zugewanderten aus aller Welt.
Diese NS-Deutschen scheinen doch wirklich an ihre «rassische Überlegenheit» zu glauben.
Sie sind davon überzeugt, daß die sogenannten Arier die Spitzenrasse der Menschheit sind.
Jetzt fehlt nur noch der bewaffnete Kampf... - ein kleiner Militärputsch, sagen wir, mit verdeckter russischer Hilfe...
Aus Brandenburg ist bereits zu hören, daß die einst nur kokhavisch gestreute Vermutung, die NVA der DDR existiere zumindest strukturell als geheime Armee - «verborgene Wehrmacht» - weiter, sich inzwischen an Beispielen uniformierter und bewaffneter Kampfgruppen bestätigen lasse.
Siehe auch:
Lukas Storch: Europa vom Süden her aufrollen und einigen