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Qimosh - The New Qomish

Wo lassen Sie denken · Où laissez-vous penser? · Rent a brain…

2006-04-17

Hoert

Reine Wäsche gefragt

Man denkt an zu waschende Schmutzwäsche, aber das ist wohl zunächst nicht gemeint.

Also was?

Reine Wäsche, täglich reine Wäsche, ist ein Kulturprojekt, gewissermaßen.

In diesen Breiten und Längen ist das Selbstverständliche keineswegs selbstverständlich.

Die Fernsehwerbung bietet allerlei Körpertünche und Textil-Waschmittel an, sagt aber nicht, daß man sich vor der Tapezierung waschen soll.

Mit der Reinlichkeit der Mitteleuropäer war es nie weit her, in der Neuzeit wurde überpudert und parfümiert, bloß nicht gewaschen, nicht unbedingt.

Vor tausend Jahren erschraken die badenden Mauren, später die badenden Türken vor den stinkenden Christen, denn Jesus hatte ja gesagt, sie sollten sich erst einmal im Innern ihrer Seele rein halten, dann könnten sie auch mit ungewaschenen Händen ihr Brot essen.

Wenn sonst nichts, das ist hierzulande angekommen.

In unserer Moderne kommt der Dusch- und Bademuffel medizinisch zu seinem Recht.

Ärzte und Kosmetiker predigen, daß zu viel Wasser der Haut schade, na bitte.

In Indien gelten Menschen, die in der Wanne, also in stehendem Wasser, baden, als schmutzig.

Ein argloser Kollege ließ eine Platte auf seine Badewanne tischlern, wo die Familie alles abstellen konnte, was wo anders keinen Platz fand.

Auf die prompte Frage, ob das denn praktisch sei, kam die ebenso prompte Anwort, oft werde die Wanne ja nicht gebraucht.

Wer sich trotzdem wäscht, wechselt nicht unbedingt die Wäsche.

Verbreitet ist das Wochenendbad und das sonnabendliche Oberhemd.

Daher auch die Beliebtheit hochgradiger Kragen-Waschmittel.

Die Psychoanalyse liefert unerwartet Unterstützung.

Die sich so oft waschen, sind die eigentlich Schmutzigen, sonst täten sie's ja nicht.

Sauber ist also, wer sich nicht wäscht und die Wäsche nicht wechselt.

Für wen sind die vielen Waschmittel-Sorten gedacht?

Auch in einer Zeit des täglichen Outing bleiben Rätsel ungelöst.

Die Finnen und Russen hinterließen uns die Sauna, das Wälzen im Schnee, das Baden im Eis.

Türkisches Bad und Römisches Bad sind feste Begriffe.

Das alte Babylon ist berühmt für seinen technischen Bäderkomfort.

Spätere haben das übernommen, aber manche wollen bis heute nichts davon wissen.

Ist Baden Luxus oder ein menschliches Ur-Bedürfnis?

Die toranischen Empfehlungen zur Reinlichkeit gehen ins Detail, der Quran ist genauso penibel, in der wasserlosen Wüste nehme man Sand...

Europa ging an Pest und Cholera zugrunde, weil die Menschen sich zu wenig wuschen.

Wasser war wohl schon damals schädlich für die Haut.

Es hat sich also kaum was geändert.

Der Fortschritt ist über die Rückstände nur hinweg getreten, er hat sie nicht beseitigt.

Sind die frisch Gewaschenen darum die besseren Menschen?

Jesus wußte, was er sagte, sie fühlen sich im Moment nur wohler.

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