2006-03-22
Angekommen
Gelandet, Boden unter den Füßen...
Gebt Frieden und Gedankenfreiheit!
Was für ein Boden, was für eine Entdeckung.
Da bist du über Jahrzehnte als Ausgeburt des Teufels durch die Nachkriegsgeschichte gewandert...
Nicht gleich, aber bald.
Zunächst wurden die Teufelskinder gebraucht, weil die Guten der Weltgeschichte sich nicht mehr einig waren.
Sie teilten das Teufelsvolk und bedienten sich je eines Teiles.
Den kleinen Teufeln wurde Aufschub gewährt - bis sich's drehte und wendete.
Es bedurfte einer gewissen Vorbereitungszeit, um die Suspendierten in ihren Teufelsstand zurück zu versetzen.
So geschah es vor dreißig oder vierzig Jahren, daß eine politisch-literarische Alternative - zur Geschichte, wie diese tatsächlich verlaufen war - sich etablierte und alles auf den Kopf stellte, was eben noch auf den Beinen stand...
Die Menschen hatten sich noch wieder erkennen können - jetzt aber wurden sie sich fremd gemacht.
Nicht, daß fremde Schläfer ausgeruht hätten und nun wach ans Werk gerufen wurden.
Der feindliche Einfluß war zwar leicht nach zu weisen, durfte jedoch - um des «Friedens» willen - nicht abgefragt werden.
Die Maulkörbe der achtziger Jahre waren die informelle Vorbereitung der in den Neunzigern endlich offiziell werdenden Formierung des Geistes.
Die einstigen - gewöhnlich wechselnden - Parteilinien wurden zur neuen Parteien-Linie der vereinten Bundesrepublik Deutschland.
Gedankenfreiheit einzufordern, paßt seitdem nicht mehr in die Landschaft.
Wir kommen - scheint's - aus den geistigen Zwangsjacken nicht heraus.
Der Gedanke der Freiheit erprobt sich nicht am Erlaubten, er prüft das Verbotene, Abwegige, die Rinnsale vom Hauptstrom dessen, was gedacht, gesagt und geschrieben werden «darf».
Denk- und Gesinnungsverbote sind aber ärgste Menschenrechtsverletzungen.
Die Unbefangenheit im politischen und philosophischen Denken nahm ein Ende, als sie in der sogenannten «Untergrund-Literatur» zu neuem Bewußtsein zu kommen schien.
Die «alternative» Zeit wagte nicht Freiheit, sondern probte - dialektisch - deren systematische Abschaffung.
Der Feind in deinem Bett, wie es ein Filmtitel beschreibt, wurde zum Typus der inneren Gefährdung von Freiheit und individueller Sicherheit.
Ein neuer Manichäismus im politischen Denken machte aus allem, was gesellschaftlich und historisch anstand, eine ideologische, fast religiöse Frage nach «Gut» oder «Böse».
Deutschland teilte sich nach dieser Schablone.
Die «Guten» - in ihrer Minderheit - erklärten die Mehrheit zu den - historisch absolut - «Bösen».
Das deutsche Volk erlebte - zunächst unauffällig, später mit zunehmender Deutlichkeit - seine Verbösung und Verteufelung durch die selbst ernannten Guten aus den eigenen Reihen.
Die gute - bald auch begüterte - Minorität kaufte sich - unter den Augen einer wohl meinend guten Weltöffentlichkeit - auf diese Weise! - von der geschichtlichen Bosheit ihrer armen (!) Verwandten moralisch und materiell frei.
Der Feind in deinem Bett war der «gute» Halbschläfer, der über deinen «bösen»Tiefschlaf wachte.
Du hattest freilich einen gesunden Schlaf, als sie in dir den Dämon «entdeckten & erweckten».
Eine «neue Aristokratie» - so das stille Selbstverständnis der «Alternativen» - machte sich - im Verein mit der alten - zum öffentlichen Ankläger und Vormund des deutschen proletarischen Volks.
Der Rassismus der Rechten erhielt sein linkes Äquivalent.
Der Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit lief mit einer neuen Inländerfeindlichkeit zusammen.
Haß und Selbsthaß sind die zwei Seiten der selben Medaille.
Eine - nationaltypische? - Menschenfeindlichkeit besetzt den Doppelplatz, der ihr zukommt.
Die als politischer Antagonismus deklarierte deutsche Zweisamkeit leugnet keineswegs ihre doppelt tiefe Feindschaft gegen die abweichende Meinung, gegen offenes, ehrliches, freies Denken.
Falsch gedacht, wir hätten es mit den Deutschen zu tun, wo zwei minoritäre Fußballmannschaften uns vormachen möchten, daß auf ihrem Spielfeld die deutsche Geschichte statt finde.
Ein «Teufelsvolk», diese Deutschen, nur zugespitzt?
Allein dem Teufel und den Deutschen bleibt Versöhnung verwehrt, wird der Frieden verweigert...
Das aber sei politisch, historisch, philosophisch - «volkspädagogisch» - ... weise?
Versündigt euch mal nicht!