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Qimosh - The New Qomish

Wo lassen Sie denken · Où laissez-vous penser? · Rent a brain…

2006-02-19

Anonymus

Nach dem Neustart

Kein Neustart, kein Neubeginn, solange das Grundproblem der klaffenden Welt nicht erkannt und angesprochen ist.

Die Situation im Nahen und Mittleren Osten bleibt kompliziert, wenn man sie mit westlichen Augen sieht.

Unsere westliche Betrachtungsweise ist mit einem Tabu belegt, was die einfache Angelegenheit erst kompliziert macht.

Wir sehen die islamische Welt als die Ursache, die alles hemmt, durch die alles behindert und letztlich verhindert wird.

Auch zwischen Nord- und Süd-Amerika ist die «westliche», nämlich nordamerikanische Sicht die «gültige», weil aggressiv dominierende.

Der alte Eurozentrismus hat sein Vokabular verwissenschaftlicht.

Wir sprechen von unserer «modernen Gesellschaft» und den anderen, den - natürlich wirtschaftlichen - «Entwicklungs-» oder gar «unter»entwickelten Ländern.

Hinter den sachbezogenen, trockenen, eher neutralisierenden sozio-ökonomischen Begriffen verbirgt sich der alte Rassismus.

Die «Weißen» - sprich: die Nordeuropäer - in Amerika, Europa, Australien, Asien, Afrika... - sind die herrschende Rasse.

Ihre «Überlegenheit» beruht auf einer sterilen Betriebsamkeit.

Der Tod ist dem Leben allemal etliche Schritte voraus.

Ihr verderbtes Naturell, auch letzte Skrupel abzulegen, macht sie den farbigen Völkern fremd und gefährlich.

Da im Abendland das Judentum stets mit seiner orientalischen Herkunft im Bewußtsein blieb, wurden die Juden Europas prominente Opfer dieses «weißen» Rassismus.

Im Nahen Osten nun hat sich mit der Gründung des Staates Israel eine politische Besonderheit eingebracht.

Die verfolgten und überlebenden europäischen Juden kamen als Opfer des deutschen und europäischen Rassismus ins Heilige Land.

Durch sie gelangte eine elitäre politische Weltanschauung und damit ein historisches Selbstverständnis in den Nahen Osten, das sich von anderen Menschen abhebt.

Der Zionismus ist eine auf Zion - den Jerusalemer Tempelberg - bezogene euro-national-jüdische Polit-Philosophie.

Nicht das Judentum, aber dieser enge zionistische Nationalismus ist dem Islam so fremd, daß an eine friedliche Eingliederung Israels in dessen arabisch-islamische Umwelt kaum zu denken ist.

Ein ähnlicher völkischer Nationalismus der Deutschen wurde von den übrigen europäischen Völkern - sprich: von Frankreich, England, Amerika und ihren Verbündeten - nicht geduldet.

Für den Nationalsozialismus wie für den Zionismus gab es geschichtlich bedingte existentielle Gründe, die freilich ideologisch dermaßen überlagert wurden, daß die ursprünglichen Motive ihre Bedeutung verloren.

Vergleiche hinken zumeist.

Das nationalsozialistische Deutschland ging unter, das zionistische Israel lebt.

Doch wenn wir uns vorstellen, daß das völkische Deutschland zuletzt nicht isoliert, sondern wie in seinen Anfängen von den großen Mächten gestützt und geschützt worden wäre, wie Israel bis heute, sieht die Welt plötzlich anders aus.

Die Geschichte unterwirft ihre Relativitäten einer eigenen Dialektik der Mächte.

Der historische Auftritt des völkischen Deutschlands war unerträglich, weil es sich über die anderen Völker erhob und einen geradezu obszönen Rassismus kultivierte.

Der völkische Zionismus, durch jenes Deutschland weitgehend bedingt, läßt sich dem bedingt vergleichen.

Wir stehen vor dem im Westen vernachlässigten, tabuisierten, im Osten hingegen täglich und stündlich beschworenen Grundproblem, das sich weder wegwischen noch verniedlichen läßt.

Wie Deutschland mit seiner hochmütigen Weltanschauung den Frieden der Völker gefährdete, so tut es heute Israel mit seiner hochmütigen Weltanschauung.

Der Zweite Weltkrieg gegen Deutschland hat dem Nationalsozialismus ein Ende gemacht.

Der Kalte oder Dritte Weltkrieg legte diesbezüglich eine - anti-kommunistische - Denkpause ein.

Der Vierte Weltkrieg gegen den Islam hat indessen sein proklamiertes Ziel, den Nahen und Mittleren Osten zu befrieden, verfehlt.

Nicht der Islam, sondern die Ideologie des Zionismus bedroht heute den Frieden der Welt.

Natürlich steckt unter allem das materielle Motiv, doch im Grundsatz stehen sich heilige, unverzichtbare Prinzipien gegen über.

Die Welt hat sich gedreht.

Damals kämpfte der Westen gegen Deutschland und den Osten.

Heute kämpft der Osten gegen Israel und den Westen.

Deutschland und Israel waren bzw. sind nicht die Guten im Feldzug gegen das «Reich des Bösen».

Die Weltgeschichte erlebt eine Wende, und ehe man sich's versieht, hat der Weltgeist die Seite gewechselt.

Die weltoffene Haltung bleibt - heute wie damals - gottgefällig: richtig.

Die nationalistische Enge ist - heute wie damals - verdammt.

Es war kein Segen auf Deutschland, und es ist kein Segen auf Israel.

Das muß wohl auch irgend wann erkannt werden.

Dennoch denke ich nach, über die hilflose Einsamkeit, das Alleinsein, über den neuen Hochmut der großen Zahl, über deren erbarmungslose Höllenfeuer, ob in Dresden, Berlin, Hamburg, Köln, Aachen, Hiroshima, Nagasaki, Vietnam, Tschetschenien, Afghanistan, Iraq...

Du näherst dich an und siehst Warschau mit Dresden in einem, Falludja und Jenin...

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