2006-12-04
Was geschieht in Afghanistan?
Ein Land, von dem jahrelang niemand sprach, obwohl es von strategischer, wirtschaftlicher, ordnungspolitischer Bedeutung war.
Ein Krieg in einer Reihe von Kriegen, alle asymmetrisch, im vorigen Jahrhundert wie in dem davor, und nun wieder.
Und alle Kriege sind so ausgegangen, wie es die Auguren voraus gesagt hatten, die Eindringlinge machten sich irgend wann wieder davon.
Ein Grund für den nächsten Überfall findet sich immer, vor fünf Jahren war es das Attentat vom 11. September.
Die Taliban wurden geschlagen, vertrieben, sie zogen sich zurück, sie sind wieder gekommen, bereiten den Invasoren größere Sorgen als zuvor.
Als wirtschaftliches Motiv für die militärischen Einfälle des Westens wird ein größeres Pipeline-Vorhaben genannt.
Afghanistan gilt seit der Vertreibung der Taliban wieder als der Welt größter Opium-Produzent.
In der Tat hatten die Taliban die Produktion völlig eingestellt.
Neuerdings heißt es, die zurück gekehrten Taliban würden jetzt die Opiumherstellung auch für sich nutzen.
Der Islam läßt dies allenfalls als Mittel gegen ungläubige Feinde zu.
Die Drogenverseuchung des im Zuge der Globalisierung ohnehin nutzlos gewordenen Sub-Proletariats - in West und Ost! - bietet sich - beiden Seiten! - als «Endverbrauch» an.
Die mit der Einkehr der Westmächte wieder aufgeblühte Opiumwirtschaft ist eine außergewöhnliche Geldquelle.
Die Kriege in Iraq und Afghanistan sind eine kostspielige Angelegenheit, wenn man nur die Ausgabenseite betrachtet.
Die Chefs der westlichen Finanzhaushalte wären unglaubliche Dummköpfe, was sie mit Sicherheit nicht sind, wenn sie die «außergewöhnliche Geldquelle» außer Acht ließen.
Ich behaupte, sie haben die Wiederankurbelung der Opium-Produktion von Anfang an im Auge gehabt.
Die Drug Enforcement Administration (DEA) - Task Force des US Department of Justice - war eine der ersten US-amerikanischen Behörden beim Einmarsch in Afghanistan.
Die DEA hat zwei Aufgaben:
a) Bekämpfung und Ausschaltung des «illegalen» Drogengeschäfts, b) «legale» Übernahme - «Kontrolle» - von Produktion und Vertrieb.
Der Kampf des - macchiavellistisch abgeklärten! - Staates gegen die organisierte Drogenkriminalität dient nicht der Vernichtung der Rauschgift-Erträge, sondern - vorerst - der Verstaatlichung der gesamten Drogenwirtschaft.
Die dann und wann durch geführten «Vernichtungsaktionen» sind Propaganda fürs Volk.
Wer über Milliardenwerte verfügt, überläßt sie nicht den Flammen.
Der enorme Aufschwung der Mohn-Opium-Produktion - aus dem Stand von Null auf Hundert! - in einer Zeit blutiger Kriegsereignisse! - ist nur unterm Schutz der Alliierten denkbar.
Die Taliban mußten daran gehindert werden, das neue Drogengeschäft zu stören.
Das alliierte Bündnis mit den Drogenbaronen ist nicht nur ein Stillhalte-Abkommen, sondern natürlich eine lukrative Geschäftsbeziehung, aus der die Kriege finanziert und weit darüber hinaus die ramponierten Staatshaushalte der Invasoren saniert werden können.
Man kann die Sache so oder so sehen:
Die Staaten sind ins organisierte Verbrechen eingestiegen, oder das organisierte Verbrechen setzt sich «legalisiert» fort.
Staat und Verbrechen sind nur noch als Wirtschafts-Konkurrenten von ein ander zu unterscheiden.
Die viel beschworene Wettbewerbs-Fähigkeit ist guter Hoffnung.
Die selbst in Ländern wie Deutschland zunehmende soziale Gewissenlosigkeit findet endlich eine Legitimation.
An der «afghanischen» Bereicherung und Staats-Finanzierung sind weder die Proletarier noch die Sub-Proletarier beteiligt.
Der Staat - samt privaten Nutznießern - hat keinen sozio-ökonomischen Grund, das Volk an den schwarzen Gewinnen zu beteiligen.
Der Mehrwert kommt nicht aus «proletarischer» Arbeit, sondern bestenfalls aus der Arbeit von Mohnbauern bzw. ihren Knechten.
Die «Hartz-IV»-Privilegierten - ganz im Sinne der «Drogenbeauftragten» erlöst vom denk-freundlichen Zigaretten-Rauch - werden bald im staatlich frei gestellten Drogen-Endverbrauch landen.
Im wirtschaftlichen Wettbewerb mit dem Mohn-Anbau hat der Tabak keine Chance.
Der menschenfreundliche Kampf gegen das tödliche Rauchen ist äußerst profitabel.