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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2006-10-15

Avram Kokhaviv

Nichts Nennenswertes...

... was nach uns kommen werde, meint Bertolt Brecht.

Beunruhigend und tröstlich, daß auch seine Genossen heute niemand mehr erwähnt?

Die von den Arbeitern Bewegten haben sich historisch davon gemacht und die Sklaven im «Hartz IV»-Dreck zurück gelassen.

Sagte er «Vorübergehende» oder «Vorläufige»?

Wir wissen, daß wir Vorläufige sind,
Und nach uns wird kommen: nichts Nennenswertes.

B.B.

Und erstaunlich, daß das - nennenswert! - Überholte und Uralte (!) inzwischen vor den ersten Erträgen seiner Neusaat steht.

Es hat sich zu getragen, woran niemand glauben wollte.

Ja, das ist wahr.

Dem Fortschrittsgedanken entgeht, daß der Ausgangspunkt unser Ziel ist, das Ziel unser Ausgangspunkt.

Was uns «nicht nennenswert» nach kommt, sind wir selbst.

Die Nachricht lautet: Was schon einmal da gewesen, kommt wieder.

Das Neue haben wir als Altes nur vergessen.

Vor und nach den WM-Spielen war Deutschland - Mitteldeutschland zumal - ein «rassistischer Sumpf», schon wurden «No Go Aereas» abgesteckt...

Die Welt war verblüfft, als - «wider Erwarten!» - dann doch alles gut lief, die deutsche Seele - jedermann sichtbar - im Fahnenmeer genas, Deutschland, Deutschland! ward wieder heil...

Die Propaganda-Mühle war umgestellt worden, so litt das WM-Geschäft nicht unter den bösen Buben.

Jetzt geht es aber wieder los.

«Die Deutschen» lassen sich zwar nicht provozieren, geben sich kaum Blößen - als ob sie ahnen, daß sie, bitte, bitte, wieder Nazis werden mögen, um ihnen ein neues 1945 bescheren zu können.

Doch immerhin wird aus jeder Mücke ein Elefant gemacht.

Es faselt von «den» Deutschen, er jammert über «das» Böse, und der Hörer weiß im besten Fall nicht was tun. Soll er beschließen, kein Deutscher zu sein? Wird die Hölle verschwinden, wenn er gut ist? Auch das Gerede von der Barbarei, die von der Barbarei kommt, ist von dieser Art.

B.B.

Nichts Neues unter der Sonne.

Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne?

Ein Geschlecht vergeht, das andere kommt; die Erde aber bleibt immer bestehen.

Die Sonne geht auf und geht unter und läuft an ihren Ort, daß sie dort wieder aufgehe.

Der Wind geht nach Süden und dreht sich nach Norden und wieder herum an den Ort, wo er anfing.

Alle Wasser laufen ins Meer, doch wird das Meer nicht voller; an den Ort, dahin sie fließen, fließen sie immer wieder.

Alles Reden ist so voll Mühe, daß niemand damit zu Ende kommt. Das Auge sieht sich niemals satt, und das Ohr hört sich niemals satt.

Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder, und es geschieht nichts Neues unter der Sonne.

Geschieht etwas, von dem man sagen könnte: «Sieh, das ist neu»? Es ist längst vorher auch geschehen in den Zeiten, die vor uns gewesen sind.

Man gedenkt derer nicht, die früher gewesen sind, und derer, die hernach kommen; man wird auch ihrer nicht gedenken bei denen, die noch später sein werden.

Qohelet (Der Prediger Salomo) 1:3-11

Es bleiben auch die

Fragen eines lesenden Arbeiters

Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen -
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon -
Wer baute es so viele Male auf? In welchen Häusern
Des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die Chinesische Mauer fertig war,
Die Maurer? Das große Rom
Ist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie? Über wen
Triumphierten die Cäsaren? Hatte das vielbesungene Byzanz
Nur Paläste für seine Bewohner? Selbst in dem sagenhaften Atlantis
Brüllten in der Nacht, wo das Meer es verschlang,
Die Ersaufenden nach ihren Sklaven.
Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte
Untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer
Siegte außer ihm?
Jede Seite ein Sieg.
Wer kochte den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein großer Mann.
Wer bezahlte die Spesen?
So viele Berichte.
So viele Fragen.

B.B.

Nach allem wäre der Krieg gegen die Sklaven - wie der Kreuzzug gegen den Islam - niemals ausgestanden, nicht zu gewinnen und nicht zu verlieren.

Auch der Djihad endet nimmer.

Der Geist menschlicher Natur kämpft gegen unser besseres oder schlechteres Wissen an: wir sollen ob der erkannten Wahrheit nicht resignieren.

Rennen biologische Dickschädel gegen die dicken Wände der universellen Wahrheit?

Die Welt ist per se ungerecht konzipiert und wird es somit bleiben?

Vielleicht braucht die Erde unsere Triebhaftigkeit, unseren Fleiß und unsere Mühen nur als Energieumwandler...

Universell ist unser Treiben weder notwendig noch sinnvoll.

Und wenn es Auschwitz gab, wird es Auschwitz wieder geben, nicht zum zweiten und nicht zum letzten Mal?

Sie haben es getan, weil sie es wieder tun würden. Sie haben es in sich.

Im richtigen Vergessen und im seligen Nichtstun haben wir den wählbaren Modus des Überwinterns und der Vermeidung von Fehlern, solange unsere Natur nicht dagegen rebelliert.

Das alte Asien hat diesbezüglich die reichsten Erfahrungen gesammelt und aufgehoben.

Nennenswert und doch auch nicht.

Manche Weisheit ist wie Trost für die Armen, wenn sie erfahren müssen, daß sich nichts ändern werde; daß alles so bleibt, wie es ist.

Weil niemand entgehe seinem Schicksal...

Der Entrechtete bäumt sich dagegen auf:

Allah'u Akhbar!

Daran wird man sich später erinnern.

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