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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2006-02-08

Avram Kokhaviv

Der Same

Der Same enthält alles

Den Überblick erreichst du, indem du an, ja vor den Anfang zurück gehst.

Zyklisch gedacht, gibt es freilich weder Anfang noch Ende.

Der Krieg des Westens gegen den Islam beruht auf einem Mißverständnis.

Der Westen hat seine Geschichte weit gehend vergessen, weiß eigentlich gar nicht mehr, wovon er spricht, wenn er zum Beispiel sagt: «Islam» oder «christlich-abendländische Kultur».

Schon Samuel P. Huntingtons «Clash of Civilizations» hinkt der Überlieferung nach.

Denn im Grunde ist der Konflikt innerzivilisatorischer Art.

In der Tat ist der Streit zwischen Muslimen, Christen und Juden ein geistiger Bruderstreit.

Was die kämpfenden Muslime von ihren jüdischen und christlichen Feinden allerdings unterscheidet, ist das christliche und jüdische Vergessen.

Wo dieses Vergessen nicht um sich greift, gibt es auch nicht diesen «Zivilisationskonflikt».

Unsere Erkenntnisprozesse sind Erinnerungen aus dem Vergessenen.

In der islamischen Welt ist der religiöse Impuls weitgehend immun gegen die Anfechtungen, Herausforderungen und Schamlosigkeiten der modernen westlichen Welt.

Unter gebildeten Muslimen grassiert allerdings der Irrtum, daß die sogenannte Moderne nur übernommen werden müsse, um dem Islam zum endgültigen Sieg über den vor allem waffentechnisch weit überlegenen Westen zu verhelfen.

Wir haben am japanischen und in jüngerer Zeit am chinesischen Beispiel erfahren, daß mit der Einvernahme dieser westlichen Vorzüge zugleich etwas verloren geht, was ja eigentlich gerettet werden sollte.

Besonders in China ist zum Beispiel die demografische Frage ganz im westlichen Sinne gelöst worden, und das scheint mir ein schrecklicher Irrweg zu sein.

Mao Tse-tung wußte noch (!) sehr genau, daß die Politik sich in die generativen Prozesse nicht einmischen darf.

Dies Wissen ist verloren gegangen.

Die sogenannte Rückständigkeit des Islam, die zeitlose Bodenständigkeit, das unbeirrte Gottvertrauen sind keine Mängel, sondern die in der Tat nicht reformierbare Grund-Voraussetzung bei der Überwindung der «fortschrittlichen», «modernen» Westlichkeit.

Wenn China, dem eigentlich die Zukunft gehören sollte, nicht von Kung Fu-tse ab und auf den alten Meister Djuang-tse zurück kommt, bleibt die größere Chance beim Islam.

Wenn Papst Benedikt XVI. den Islam als unreformierbar betrachtet, so sollte dies nicht falsch verstanden werden; denn Benedikt ist alles andere als ein Reformer.

Als ob Joseph Ratzinger den Islam für sich oder Papst Benedikt XVI. ihn für das christliche Abendland und die katholische Welt entdeckt hat.

Gottes Wahrheit läßt sich nicht reformieren, Wahrheitsverständnis im biblischen und quranischen Sinne kennt keine Zeit oder Zeit allenfalls als einen Weg aus Abirrung und Unwissenheit.

Die Wahrheit des Samens umfaßt alles Gediehene und Gewordene, als wäre es nicht geworden, sondern gewesen von Anfang an, ohne von Anfang und Ende auch nur irgend etwas zu wissen.

Der «Islam ist die Lösung» wegen und auf Grund seiner «Rückständigkeit», will sagen: seiner zeitlos unbeirrten Standhaftigkeit auf dem Boden und unterm Himmel göttlicher Wahrheit.

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