2006-01-18
Wie denkt die persische Jüdin über den iranischen Präsidenten Ahmadinedjad?
Was will sie ihm sagen?
Spürt sie die gemeinsame - orientalische (!) - Seelenlage, den inneren Gleichtakt?
Unterschätzt sie nicht den tiefen Graben zwischen dem uralten Osten und dem entronnenen, zerronnenen Westen?
Was sagt sie ihm unter vier Augen?
Mach jetzt keine Fehler, und achte auf falschen Applaus.
Du hast, um Israel zu treffen, wo es ihm weh tut, den Holocaust zu einem Thema gemacht, hast ihn in Zweifel gezogen, hast die Europäer und vor allem die Deutschen und Österreicher als die historisch Verantwortlichen beim Namen genannt.
Um deine Zweifel aus der Welt zu schaffen, willst du in Teheran eine internationale Konferenz abhalten, die alle dich bewegenden Fragen bezüglich des Holocaust klären soll.
Ich lebe in Kalifornien, in der Nähe der mexikanischen Grenze, auf internationalen Flughäfen gerate ich unter Terrorismus-Verdacht, weil man in mir sofort die Frau aus dem Orient erkennt und ich - geboren im Iran und mit dem Personenstatus «staatenlos» (!) - keinen amerikanischen Paß habe.
Der tägliche Kultur-Rassismus ordnet mich dir, deinen Landsleuten, der sogenannten «Dritten Welt» zu.
Ich bin Middle East und außerdem Jüdin, was in den Staaten zunehmend problematisch wird.
Ich liebe Israel, meine Jerusalemer Großeltern sind vor einiger Zeit gestorben, eine platonische Erinnerung verbindet mich mit dem Heiligen Land.
Wenn du jetzt den Armen im Iran, wie Peretz den Armen in Israel, zu ihrem Recht verhelfen willst, stolz und entschieden den Iran gegen seine Feinde verteidigst, bin ich bei dir, schlägt mein persisches Herz hörbar in die weite Geschichte zurück und verknüpft untilgbare Wünsche und Träume für alle Zeit.
Wenn es dir jedoch nicht gelingt, die - von dir erkannten (!) - Unterschiede zwischen dem aktuellen politischen Judentum und seiner ewigen Religion so deutlich hervor zu heben, daß keine Zweifel an dir übrig bleiben, dann hast du etwas falsch gemacht, dann werde ich dich aus meinem Herzen verlieren.
Das heilige Israel und der heilige Islam sind Geschwister - was ich bei dieser Gelegenheit auch an Israel sage und schreibe.