2006-05-06
Das islamische Establishment
Der Kreuzzug gegen den Islam wird vom islamischen Establishment - sprich: von den islamischen Staaten, die als islamische kaum noch zu erkennen sind - nicht wahr genommen.
Der Djihad richtet sich gegen sie genauso wie gegen den ungläubigen Westen, den Zionismus...
Die den islamischen Ländern aufgepfropften Despoten, Militär-Diktaturen und Doppelzüngler sind letzten Endes alle samt Kollaborateure des Kreuzzugs.
Eher besteht ein Verständnis zwischen orthodoxen Juden und orthodoxen Muslimen.
Die anti-zionistische jüdische Orthodoxie hält sich zwar zahlenmäßig in Grenzen, darf aber auch nicht unterschätzt werden, stützt sie sich doch auf ein fundiertes Geschichts- und Torahwissen.
Was der Westen «Terrorismus» nennt, ist der nicht-etatistische, nur mäßig organisierte, ohnmächtige Versuch, den übermächtigen, hochgerüsteten, kreuzzüglerischen Staaten-Terrorismus in die Schranken zu weisen, was sogar weitgehend zu gelingen scheint.
Der Djihad sollte sich dabei nicht allzu vielen Illusionen hin geben, und manchmal entsteht auch der Eindruck, daß Kreuzzug und Djihad ein ander irgend wie in die Hände spielen, das Endergebnis sieht dann oft nach neuem Chaos aus, hinterläßt aber auch unerwartet neue Machtkonstellationen.
«The Clash of Civilizations» mündet in wechselseitige Einwirkungen, die von den einstigen Ausgangspositionen nicht mehr viel übrig lassen.
Natürlich geht es um Macht, aber man hätte doch auch ein wenig vom wahren Islam und von wahrer Demokratie zurück behalten können.
Indessen treten die Demokratien als böse Schurkenstaaten auf, während der Islam sich mittlerweile geriert, als hätte er die anti-islamische Propaganda seiner Feinde schon verinnerlicht.
In den Feinden spiegeln sich die Fratzen der gegenseitigen Verhetzung.
Hinter dem kultur-ideologischen, «religiösen» Feuerwerk entwickelt sich mittlerweile der wahre Krieg um konkrete Machtpositionen, ums materielle Fundament und um strategisch markante Schlüsselregionen.
Was sich im Iraq ereignet, ist schon nicht mehr Djihad oder Kreuzzug...
Es entsteht allmählich eine Synthese aus den alten Widersprüchen, so etwas wie ein «demokratischer Islam» oder eine «islamische Demokratie» - oder nichts dergleichen: weder Islam noch Demokratie.
Militärdiktatorische «Übergangslösungen» halten sich nicht gern an Zeitvorgaben.
Ich möchte nur darauf hin weisen, daß die alten Regeln und Gesetze der Geschichte nicht außer Kraft treten, auch wenn sie täglich verletzt werden.
Ebenso bleibt der «permanente Djihad» eine «asymmetrische, regelwidrig hochgradige Idee» mit zeitweiligem Realitätsbezug.
Das ist nicht satirisch gemeint.