2006-03-15
Abbas, Abbas, wie weit willst du reisen?
EU nur am Rande...
Als ob auch am Rande bleibt, was den PA-Präsidenten Abbas den amerikanischen und britischen Aufpassern im Gefängnis von Jericho so ähnlich macht.
Die anglo-amerikanische Aufsicht verschwand kurz vor dem israelischen Überfall.
Der Palästinenser-Präsident war zur gleichen Zeit außer Landes, um in Straßburg belanglose Gespräche mit Vertretern der Arabischen Liga zu führen.
Oder waren die Gespräche nicht belanglos, sondern verräterisch?
Die Arabische Liga ist der Hamas gewiß nicht gewogen.
Mubaraks kurzer Besuch bei Merkel in Berlin - Chirac folgte nach - spricht für keine Hamas-freundliche Zubereitung.
Alles sieht nach einem pro-israelischen Komplott aus.
Als ob die Israelis mit der massierten Gefangennahme der Gefangenen von Jericho einen interessanten Coup gelandet haben.
Sie können jetzt über die tapferen Fatah-Leute spotten, die mit der Waffe in der Hand sterben, sich niemals ergeben wollten - und schließlich doch ergaben.
Die politischen Anführer der Suicid-Bomber halten von einem eigenen Martyrium offenbar nicht allzu viel.
Vor Gott hat Israel in seinem Krieg gegen die Palästinenser allemal unrecht.
Vor Gott hat der palästinensische Widerstand gegen die israelische Besatzung allemal recht.
Israel ist seinen Opfern waffentechnisch unverhältnismäßig überlegen, alle Welt hält die Fahne Israels hoch und sich mit nötiger Kritik weitgehend zurück.
Was Israel schadet, sind seine Siege über einen Feind, der keiner ist.
Der palästinensische Widerstand besteht in starken Worten und selbstmörderischen Taten.
In seinem gepflegten Widerstandsmythos hat das organisierte Palästina sich gut eingerichtet.
Die Wahl der Hamas ist darauf zurück zu führen.
Das Fatah-eigene Bonzentum hat den Widerstand zu einer Farce gemacht, in der es an keiner neuen Uniform und keiner pseudo-staatlichen Etikette fehlt.
Vor diesem lächerlichen Feind kann auch der fanatischste Zionist nur noch lächerlich erscheinen.
Israel ist sich seiner Schwächen weniger bewußt als seiner militärischen Stärke, die sich bis jetzt allerdings nur gegen Möchtegern-Feinde bewährt hat.
Die Palästinenser, die Hamas wählten, waren sich über ihre tragikomische Situation im klaren.
Israel kann sich seit langem wieder einmal zurück lehnen - vor Gott zum Lachen, in der anspruchslosen politischen Realität jedoch eindrucksvoll.
Seit dem Wegschlich des Präsidenten und der Anglo-Amerikaner vor dem israelischen Überfall in Jericho sieht die Hamas arm und verlassen aus.
Das Kräfte-Parallelogramm rät den Palästinensern zur Aufgabe ihrer staatlichen Ambitionen.
Sie können nur - «asymmetrisch»! - kämpfen oder politisch untergehen.
Das Projekt Staat ist ein Irrlicht, eine Seifenblase, die den Israelis immer wieder eine Hilfe sein wird.
Im nachhinein entpuppt sich die Teilnahme an der Wahl als ein essentieller Fehler, aber auch als Lehre.
Die schwerste Auseinandersetzung steht noch bevor:
Der islamische Widerstand muß die säkulare Konkurrenz abschütteln.
Israel spielte einst die Hamas-Karte gegen Fatah, es könnte ebenso mit Fatah gegen Hamas spielen.
US-Präsident Bush denkt ohnehin an eine Isolierung der Hamas.
Vielleicht begann die vorerst letzte Phase des Spiels in dem Moment, als Israel die Gefangenen aus Jericho abschleppte, um ihnen, sagen wir, einen Deal vorzuschlagen.
Es wäre für die islamische Revolution in Palästina eine große Gefahr - und eine Chance.
Ein Akt der politischen Aufklärung.
Exil - eine Pause im Untergrund - zum Schutz vor Mord und falschen Gedanken - inbegriffen.