2005-06-15

Unger Varnsdorf

Angekommen und nicht angenommen

Zuwanderer wissen ein Lied davon zu singen, und die Geschichte geht weiter.

Wer ankommt und nicht angenommen wird, muß nun zusehen, wo er bleibt und wie er sich durchschlägt.

Auch die neue sogenannte Rechtschreibreform ist angekommen, wird nicht angenommen, wird noch einmal ankommen, um nicht - jedenfalls nicht freiwillig - angenommen zu werden.

Die Sprache ist unsere Seele, Lesen und Schreiben mögen Holpersteine nicht, weil die das innere Gleichgewicht stören.

Unsere Seele will sich nicht manipulieren lassen.

Was gleichwohl sinnvoll erscheint, hat in der sogenannten Reform bisher keine Spuren hinterlassen.

So Stümperhaftes habe ich selten erlebt.

Es ist auch kein ernster Grund zu erkennen.

Ein Grund hätte sein können, die Rechtschreibung, besondere Zeichensetzungen dem Computer anzupassen.

Die elektronischen Zwänge sind hinnehmbar, auch weil sie im übrigen große Annehmlichkeiten und Freiheiten mit sich bringen.

Davon kann aber keine Rede sein, sonst hätte man auf Ligaturen, Doppel-Konsonanten und Umlaute grundsätzlich verzichtet.

Die Moderne ist angekommen, wird in ihren eher schnöden Teilen ohne weiteres angenommen.

Ihre Annahme hätte vernünftigerweise kritisch abzulaufen, nicht entweder oder.

Andererseits sind wir in der Moderne angelangt, ohne es bemerkt zu haben, ohne nämlich wirklich angekommen zu sein.

Wir hatten nichts anzunehmen, wurden in sie hinein geboren und sind nun da, wo wir sind, in dem Glauben, ein Geschick oder Gott selber habe uns hier herein gesetzt.

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