2005-01-14
Rußlands Platz
Eine Neueinschätzung
Die kokhavischen Wertungen und Abwertungen Rußlands sind legendär und penetrant.
Es fällt schwer, die russische Politik - die historische Rolle Rußlands - zu rechtfertigen, gar wohlwollend abzuhandeln.
In Deutschland hat Rußland, haben die Russen und die russische Politik viele Freunde, was ich mir bis heute nicht erklären kann.
Die Deutschen hätten Grund genug, den Russen zu mißtrauen, doch regelmäßig setzt sich diese merkwürdige Russophilie durch, hinter der ich eine deutsche - sagen wir: neurassistische - Abwartehaltung vermute.
Frei nach Hitler: Da die «Ostvölker» den Zweiten Weltkrieg gewannen, sind sie die höhere Rasse.
Auffallend bleibt die unterwürfig auf Rußland fixierte Position der rechtsradikalen Parteien und nationalistischen Denker in Deutschland.
Die kokhavische Politik - verbunden mit einer ständigen Warnung vor Rußland, vor der russischen Gefahr - ist sehr wohl begründet und auch nicht neu zu konzipieren.
Eine notwendige Neubewertung Rußlands ergibt sich aus der neuen amerikanischen Überwältigungspolitik gegenüber dem alten eurasischen Kontinent, hier vornehmlich gegen die islamischen Länder, doch ebenso gegen das ferne Asien, wo der Islam allerdings auch eine gewichtige Rolle spielt.
Zum Ausgleich der internationalen Kräfte hat Rußland stets seinen Beitrag geleistet, seit einiger Zeit wieder von neuem, um etwa in Mitteleuropa die hier naturgemäß vorherrschende Macht - Deutschland - quasi an die Leine zu nehmen.
Auch zur Verheerung Tschetscheniens reicht die Kraft Moskaus allemal aus.
America in, Russia out, Germany down - ist die US-Politik in Deutschland und Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, und ich füge gleich an, daß die Konzeption mir «subjektiv» genehm war, «objektiv» jedoch - in gerechter Weise - meinen Widerwillen hervor rief.
Amerika war mir als Ton angebende Macht stets zupaß, die Idee der Freiheit von Natur aus sympathisch und auf Geist, Leib und Seele zugeschnitten.
Freiheit war mir die Sicherheit, die ich nicht hinterfragte.
Solange die Sowjetunion existierte, wollte ich nicht «balance of power», sondern das Ungleichgewicht zu Ungunsten Rußlands.
Die amerikanische «roll-back» Politik war erfolgreich, trug letztlich den Sieg davon, woraus geworden ist: Grund zur Sorge.
Im Nahen und Mittleren Osten fehlt der russische Widerpart.
Auch wo sich Moskau in «amerikanische Angelegenheiten» einzumischen scheint, glaube ich nicht an die gegenwärtige Kraft und den Willen Rußlands, der aktuellen und mittel-, falls nicht langfristigen Hypermacht USA offen in den Weg zu treten.
Mit der Sowjetunion ist Rußland als weltpolitischer Machtfaktor ausgeschieden.
Rußlands Medizin heißt Deutschland... - so bedeutungslos geworden, daß keineswegs sicher ist, ob Rußland dem Deutschen Reich zur Wiedergeburt verhelfen wird - oder der Untergang des Deutschen Reiches anno 1945 mittlerweile die USSR und damit das Russische Reich nach sich gezogen hat.
Die angeblich Israel beunruhigenden - heiklen - Waffenlieferungszusagen Rußlands an Syrien halte ich für eine am nächsten Nahost-Krieg orientierte Zweckmeldung.
Von einem russisch initiierten Ausgleich - «balance of power» - sollten sich die mittelöstlichen Länder gar nichts versprechen.
Die amerikanisch-israelische Partnerschaft zeichnet sich durch strategische Überlegenheit aus.
Nur das Phantom Al-Qaida und der iraqische Widerstand sind ihr gewachsen.