2005-06-18
Attentat und kein Unfall?
Die Wahrheit bleibt rätselhaft
Als wir Sklaven noch besser verdienten
Zuerst dachte ich, jetzt wird mir mit einem Zimmermannshammer der Schädel zertrümmert.
Nun, ich war mit dem Hinterkopf gegen einen Eisenträger geschlagen.
Dennoch konnte der anfängliche Verdacht nicht einfach ausgeschlossen werden.
Der Mann rollte eine Zeitung zusammen und ging auf Fliegenklatschen.
«Mit den Fliegen ist es wie mit den Juden, du mußt sie tot schlagen, sonst kommen sie wieder.»
Ein anderer:
«Kennst du den Unterschied zwischen Juden und Türken? ... Die Juden haben es schon hinter sich.»
Später fällt neben mir eine Kombizange in den Sand, wo kam die her?
Ich hob den Kopf.
Hoch über mir der Ausleger des Krans.
Ein Kollege reparierte da irgend etwas an der Katze, ihm war die Zange runter gefallen.
«Wenn ich gerufen hätte, wärst du stehen geblieben, die Zange hätte genau deinen Kopf getroffen.»
In den Pausen führten wir in unserer Bude viele Gespräche, auch politische Diskussionen, bei denen sich die Gemüter erhitzten.
Wegen meiner Kibbutzmütze («Judenhut») über dem Vollbart nannten sie mich «Vater Abraham».
Robert sagte, «dir werden se noch mal tottrampeln».
Ich konnte und wollte «die Schnauze nicht halten».
Der Mann gab mir also einen guten Rat mit auf den Weg und fütterte meinen Argwohn.
Ging es um Politik, na klar, um wirtschaftliche Entwicklung, aber gewiß, ans Eingemachte, ja, die Illusionen, die du nicht antasten durftest.
Wir waren damals gut bezahlte Sklaven - immer einen Schritt vor dem Abgrund, doch das sagt man nicht unter Sklaven.
Der Überbringer froher und unfroher Botschaft bringt sich in Gefahr seit Menschengedenken.
Der Haß auf das Wort gehorcht einem Gesetz.
Die ganze Wahrheit ist uns fremder als zuvor, von Tag zu Tag fremder.
Eine kokhavische Einsicht lautet:
Sie haben es getan, weil sie es wieder tun würden. Sie haben es in sich.
Der Witz über die Türken wurde vor rund dreißig Jahren erzählt, seitdem hat sich einiges geändert.
Heute witzeln Türken verächtlich über die dummen, unfruchtbaren und gottlosen Deutschen.
Die Türken haben es offensichtlich geschafft, sich in Deutschland zu behaupten und machtpolitisch respektiert zu werden.
Warum aber haben die Deutschen vor den Juden keine konkrete - allenfalls eine magische oder intellektuelle - Angst?
Merkwürdig bleibt, daß trotz psychologischen Gegendrucks die antijüdischen Frechheiten - wenn auch verdeckt - nicht nachgelassen haben.
Neuerdings werden in Publikationen der extremen Rechten türkische Judenfeindlichkeiten wohlwollend vermerkt.
Warum kommen israelische Politiker bei offiziellen Deutschlandbesuchen - trotz arroganter Reden - aus ihrer irgendwie gebückten Haltung nicht heraus?
In Deutschland floriert mittlerweile - neben der chinesischen - eine türkische Wirtschaft, die ihres gleichen sucht.
Warum nicht auch eine russische und eine israelische?
Mit unseren analytischen Fragen stehen wir mal gerade am Anfang.