2005-01-06
Tsunami, Tsunami
Jagt sie davon!
Wie eine vormessianische Prüfung der Menschheit mutet es an, oder wie ein bebenwissenschaftliches Experiment.
Im Grunde bleibt auch gleichgültig, wer das angestiftet hat, es lag in Gottes Hand und ist nun geschehen.
Die einen haben die Prüfung bestanden, andere sich als unbeschreiblich offenbart.
Das fröhliche Sonnenbaden an den Stränden des Todes raubt einem die Worte.
Bekenntnis eines deutschen «Sexurlaubers»: alles sei ruhiger und schöner geworden, kein Auto mehr auf den Straßen, das Leben aber in den Nachtlokalen geht weiter...
Eine deutsche Familie, der ein kleines Hotel gehörte, erlitt große Verluste und fühlt sich nicht mehr sicher, verläßt fluchtartig das Land.
Die Bundesrepublik Deutschland wird sie - so oder so - entschädigen.
Oder auch nicht; es sind «kleine Leute» darunter, ehrliche, echte, die nichts Böses im Sinn hatten, nur einfach und bescheiden leben wollten...
Wir kennen es aus der Nachkriegszeit, als der staatliche «Lastenausgleich» anlief, der letztlich nur für die in Frage kam, die ihre Verluste nachweisen konnten, die die nötigen Papiere hatten; ein ausgebombter oder vertriebener Arbeiter hat keine Papiere, außer dem Geburtsschein vielleicht.
Entschädigt wurden in der Regel die Grundbesitzer und Fabrikanten; vielleicht gab da und dort ein ostpreußischer Landarbeiter sich als Landwirt aus, manches ist möglich...
Ehrlich währt nicht am längsten, sondern zieht den Kürzeren.
Sklavenhändler nutzen die Gunst ihrer Stunde, die Hydra ist nicht zu schlagen.
Die deutsche Bundesregierung will dagegen offensichtlich (wohl gar ausdrücklich) nichts unternehmen.
Was sagt eigentlich Otto Schily dazu, gibt's den denn noch?
Fiel nicht auf, daß die für den «Sextourismus» bekannte Region zunächst gar nicht als solche in den Medien-Berichten vorkam?
Das seltsame Schweigen des deutschen Außenministers bezüglich der Opferzahlen unter Deutschen läßt vieles offen, wenn nicht Schlimmstes befürchten.
Es fällt auch auf, daß die Journalisten nicht nachhaken, sondern sich als Sprachrohr der offiziellen Verlautbarungen nützlich machen.
Einen kritischen Journalismus haben wir in Deutschland nicht mehr, keinen, der sich auch mit den glattesten Antworten nicht zufrieden gäbe.
Bei der amtlich verheimlichten Zahl der deutschen Flutopfer und Vermißten stellen sich die Fragen «warum» und «weshalb».
Die Einheimischen werden in Massen verscharrt, die deutschen Toten von mehreren Dutzend Gerichtsmedizinern untersucht, mit elektronischen Chips versehen, von angereisten Beamten des Bundeskriminalamtes identifiziert.
Dabei geht es ausschließlich um Regreßansprüche, um wissenschaftlich und amtlich verbürgte Belege für den Tod von vermutlich hochrangig Versicherten zwecks Auszahlung der Schadenssummen, Lebensversicherungen... an die Hinterbliebenen.
Es ist die Stunde der Erben, und da die kleinen Leute nichts zu erben und nichts zu vererben haben, muß es sich also um wohlbetuchte Deutsche handeln, um die so viel Theater gemacht wird.
Sind die deutschen Opfer «normale», meinetwegen «Sex»-Touristen oder großenteils den «Investoren», heißt: Unternehmern im Gastronomie- und Hotelgewerbe zuzurechnen?
Sind es Prominente oder Halbprominente aus Politik, Sport, Medien..., die plötzlich auftauchen, aber weder in der Zahl noch gar namentlich genannt werden sollen, sichtlich wenige, die für mehr sprechen; warum sonst dieser in Deutschland unübliche Regierungsaufwand?
Haben die da gerade mal ihren Urlaub verbracht oder überflüssiges Geld angelegt und nach dem Rechten gesehen?
Oder alles in einem?
Was zieht denn ins Anrüchige, wenn nicht der Gewinn. Pecunia non olet, sagten die Römer.
Die strenge Diskretion, die der Bundesaußenminister wahrt, wird so verständlich.
Die gestrige Pressekonferenz mit Bundeskanzler und Außenminister, die drei Schweigeminuten auf öffentlichen Plätzen und im Kommunalverkehr... sind, kein Zweifel, gute Werbeaktionen der Bundesregierung vor einem mehr oder minder unkritischen Publikum.
Zum Schweigen der Bundesregierung kamen die Schweigeminuten.
Wie es heißt, sei Joschka Fischer nach wie vor der beliebteste Politiker in Deutschland... - wo doch Bundeskanzler Schröder der weitaus bessere Anbieter und Verkäufer ist...
Ich vermute, daß wir einem - nationalen und internationalen - Skandal auf der Spur sind.