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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2005-12-27

Avram Kokhaviv

Das Ei oder das Huhn zwischen den Revolutionen

Ein Verlegenheitstitel

Ich habe «Revolution» nicht - wie sonst üblich - als Abschaffung des Gesetzes, sondern als seine Wiederkehr definiert.

Zwischen den Revolutionen liegt eine Zeit der Erosion.

Revolutionen sind heilige Kriege - nicht um politisch «Law and Order», sondern um Gottes Gerechtigkeit.

Zweifel entstehen und vergehen zwischen den Revolutionen.

Der «real existierende Sozialismus» war unattraktiv und bis zuletzt inakzeptabel.

Ob der Berliner «Palast der Republik» stehen bleiben oder abgerissen werden solle...

Noch steht die Quasi-Ruine, irgend wann wird sie wahrscheinlich verschwinden.

Ich war anfangs für den Abriß und möchte heute das Gebäude erhalten und renovieren.

Was hat sich geändert?

Die DDR nahm ich nicht ernst, hielt ich für eine Episode, die nun zu Ende ging, möglichst komplett.

An die Menschen, die vierzig Jahre unter dem Regime lebten und lernten, studierten, arbeiteten und liebten, dachte ich als nunmehr befreite.

Wie konnte ich aber die Geschichte eines 17-Millionen-Staatsvolks unter den Teppich kehren und den historischen Müllhalden überlassen.

Wie hat - unter diesen Umständen - die Wiedervereinigung gut gehen und an geschichtlicher Bedeutung gewinnen können?

Die Fragwürdigkeit der neuen Bundesrepublik erfaßt die innere Kompliziertheit unseres Landes deutlicher denn je.

Wahrscheinlich fehlt es am gemeinsamen Urerlebnis, nachdem man uns den 17. Juni 1953 (!) weg genommen hat.

Nichts - auch nichts an ihrer Geschichte - ist den Deutschen mehr heilig.

Deutschland ist offensichtlich nur noch für die eingewanderten Neu-Deutschen - die das Land soeben erobern - von Bedeutung.

Waren die beiden Weltkriege für Deutschland zu gewinnen?

Die Wortführer des unterlegenen Volkes werden es sofort verneinen.

Die Sieger denken darüber offenbar anders, sonst hätten sie in 60 Jahren Nach-Krieg den Geist und die Seele des Volkes nicht systematisch entmannt.

Deutsche Wortführer übernahmen freiwillig die Rolle des Schnitters.

Verlierer kleideten sich in die Pose des Siegers und überlebten nicht schlecht.

Wenn Deutsche siegen, tun sie es gründlich.

Doch nie taten sie es so gründlich wie in ihrem Krieg gegen sich selbst.

Ist nun das «Psychogramm» eine Folge oder die tief sitzende Ursache (!) der Niederlagen?

Vielen Armeen der Weltgeschichte wird nachgesagt, daß ihre Soldaten die Weiber und Töchter unterworfener Feinde in Massen vergewaltigt hätten.

Die Russen in Deutschland und überall in Osteuropa, die Japaner in Korea, China, Indonesien, die Pakistani in Bangladesh, die Türken und Franzosen...

Seit je sind die Frauen des Unterlegenen ein Naturrecht der Sieger.

Seltsamer Weise haben die deutschen Soldaten den Anspruch nicht erhoben.

Wo sie als Eroberer und Besatzer auftraten, haben sie Menschen verhöhnt, erniedrigt, wahllos getötet...

Sie haben Polen, Juden, Russen, Zigeuner... geschunden und gemordet, in Lager und Ghettos gesperrt, sie verelenden und verhungern lassen...

Zu den «Vergewaltigern» gehören sie indessen nicht.

Alles Böse wird den Deutschen vorgeworfen, nur daß sie Frauen vergewaltigt hätten, sagt ihnen keiner nach.

Mildert das die von ihnen begangenen Verbrechen, bessert es der Deutschen Ruf?

Oder ist die Neigung zur Menschenverachtung und zum organisierten Massenmord mit dem Unwillen - und einem Unvermögen - zur Massenvergewaltigung eng verknüpft?

Die Unfähigkeit zur Überwältigung der Frauen und Töchter des unterworfenen Feindes bringt den Selbsthaß der «Nicht-Täter» zur vollen Entfaltung.

Man könnte es auf den einfachen Nenner bringen:

Wer vergewaltigt, mordet weniger; wer Frauen liebt, bringt sie - in der Regel - nicht um.

Die Massenmörder sind zur Vergewaltigung nicht fähig...

Zwischen den Kriegen denken die Sieger über ihre Siege nach wie über Niederlagen.

Die Dialektik der Geschichte waltet in der Tat so widersprüchlich, daß die Verlierer des Krieges sich vorkommen, als wären sie letztlich die Gewinner - des Friedens.

Da nun der Frieden die auch heilende Mutter der Dinge - während der Krieg ja der Vater - zu sein scheint, bleibt den Verlierern der Trost, für ihre Unfähigkeit - zu vergewaltigen und zu siegen - im nachhinein kräftig belohnt worden zu sein.

Kriege stellen Gleichgewichte wieder her.

Frieden macht es ihnen nach.

Die Sieger hingegen wünschen sich inniglich eine ähnlich erfolgreiche Niederlage beim nächsten Mal.

Wenn in der wilden Vereinigung mit den unterworfenen Frauen aber ein Weltengesetz waltet, das «die Völker und Rassen gemischt und siegreich veredelt» sehen will, dann wird - «jenseits von Gut und Böse» - der uneingeschränkte Krieg wiederum zum «voraus schauenden Vater».

Oder waren die deutschen Krieger jene edlen Ritter ihrer Sagen, die zwar tapfer kämpften und gnadenlos töteten, jedoch niemals «einer Frau Gewalt angetan» hätten?

Und passen sie gerade darum nicht in «unsere» Welt?

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