2004-10-20
Anfangsbewegungen eines großen Wurfs
Historisch verstanden
Jeder große Wurf braucht festen Boden unter den Füßen.
Der Boden unter den Füßen hat einen Namen, hat einen geschichtlich begründeten Namen.
Die Anfangsbewegungen des großen Wurfs, der hier zur Sprache kommt, ereignen sich auf deutschem Boden, gehen von deutschen Landen aus.
Der große Wurf provoziert ein neues Imperium, das seinen Aufgaben nicht gewachsen scheint.
Amerika brachte 1945 politische Freiheit nach Europa, zumindest den Gedanken daran; geordnet hat sich Europa dann selbst.
Das deutsch-europäische Handikap ist die deutsche Niederlage von 1945, und wir kommen nicht daran vorbei, daß diese Niederlage nicht die Nazis traf, sondern Deutschland und das deutsche Volk.
Die Alliierten nannten sich "Anti-Hitler-Koalition" - wären sie es gewesen, könnte Deutschland inzwischen frei und souverän sich in der Welt behaupten, ohne ständig neue Psycho-Aggressionen fürchten zu müssen.
Der Krieg wurde nicht gegen einen Politiker, sondern gegen ein Land und ein Volk, nicht gegen Hitler, sondern gegen Deutschland geführt; und solange dieses Deutschland - so oder so - existiert, wird auch die Anti-Deutschland-Koalition existieren und über uns wachen.
Erst wenn das Volk aufsteht, werden sich die Verhältnisse und ihre geschichtlichen Bedingungen ändern.
Doch wer ist "das Volk"?
Du steigst nicht zwei mal in den selben Fluß, kommst nicht zwei mal zu dem selben Volk; es hat seine Geschichte, durch die es jeden Tag von neuem mit sich identisch wird.
Was Heraklit wußte - wir haben es vergessen.
Das Moment der Solidarität in der Not ist eine grundlegende Rechtsstiftung.
Wie eine gesellschaftliche Monade zeigen die Arbeitskämpfe bei Opel in Bochum (den Betriebsrat lassen wir mal beiseite) ein in sich solidarisches Arbeitervolk sehr unterschiedlicher Herkunft.
Der gemeinsame Kampf - ob im Ruhrpott, in Sachsen oder Niedersachsen... - begründet die Zugehörigkeit zu diesem "Volk".
Rechte, Pflichten - auch historisch bedingte Lasten - sind Gemeingut, werden von allen gemeinsam getragen.
Es wird nicht ausreichen, sich defensiv aus den bisherigen Nachkriegsverflechtungen zu lösen; Deutschland muß seinen historischen Anspruch zur Geltung bringen.
In Verbindung mit einem notfalls (nur wie?) zu erzwingenden Friedensvertrag müssen territoriale Rechte, Kriegs- und Nachkriegskosten-Forderungen geltend gemacht werden, um die Vergangenheit urkundlich zu besiegeln.
Die Zukunft Deutschlands ist eine Rechts- und Machtfrage mit Bezug auf das ganze Europa.
Ich denke, daß Deutschland aufgrund seiner allgemeinen - und besonderen Kantischen (!) - Philosophie in der Lage und historisch befugt ist, Europa uneigennützig, gerecht, ja ungezügelt auf die Beine zu helfen.
Deutschland ist - in diesem wie im materiellen Sinne! - virtuell! - zur europäischen "Hegemonialmacht" prädestiniert - sichernd gegen den Nationalismus Frankreichs, die konterkarierenden Ambitionen Englands im Westen und ein drohendes, von den USA weitgehend protegiertes Rußland im Osten.
Es ist verblüffend, wie sich die Szenarien gleichen.
Das hier entworfene Gesamtbild ähnelt nicht nur, sondern entspricht der machtpolitischen Einschätzung der europäischen Verhältnisse durch Kaiser Wilhelm II eben so wie durch Hitler bzw. den nationalsozialistischen Staat.
Es zeigt, daß die europäische Grundproblematik von Personen und Ideologien völlig unabhängig ist und immer wieder in Erscheinung tritt, wenn die Umstände und Kräfteverhältnisse es erfordern.
Wir wollen uns nicht darauf einlassen, wie weit diese Erkenntnis zur "Rehabilitation" Hitlers beitragen könnte.
Hitlers Nicht-Rehabilitierbarkeit beruht - abseits von Lagebeurteilung, Kriegsgrund, Kriegführung, Mächtekonstellation... - auf seinem Frevel an den heiligen Prinzipien unserer Denkkultur.
Deutschland muß - prinzipientreu! - aus sich heraus - fußend auf seiner schöpferischen Kraft, seinen Werken und Niederlagen - Europa die geistige und materielle Substanz verleihen, die der heutigen Europäischen Union fehlt.
Deutschland hat in einem halben Jahrhundert Nachkriegsgeschichte bewiesen, daß es - für Europa! - auf vieles zu verzichten bereit ist, was bislang für einen souveränen Nationalstaat als unverzichtbar gilt.
Die "deutsch-europäische Reichsidee" sollte aber und muß grundsätzlich - mit eisernen Fäusten - als Vielvölkeridee (!) verfochten und verteidigt werden.
Der "Reichsgedanke" ist ein Widerspruch in sich, wenn er mit einem "völkisch" basierenden Nationalismus daher kommt.
Die deutsche Rechte mobilisiert bereits - als ersten Akt - die nächste ethnische Vertreibung und beweist damit ihre historische und politische Inkompetenz.
Die Wiedereroberung Deutschlands nach dem Vorbild der spanischen "Reconquista" ist so ungefähr das Falscheste, was sich eine Initiative der Wiedereinsetzung des deutschen Volkes in seine historischen Rechte einfallen lassen könnte.
Die rund zehn Prozent Zuwanderungspotential sind nicht nur eine gesellschaftliche, kulturelle und menschliche Bereicherung; sie sind auch ein Schutz vor der faktischen - wie einer noch unausdenkbaren (!) - Anti-Deutschland-Koalition.
Der - um im abgehoben hypothetischen und zugleich realen Bilde zu bleiben - "Vielvölkerstaat Deutsches oder Mittelländisches Reich Europa" - Europäische Union - leistet sich einen Bärendienst, wenn er - tendenziell und de facto - die Deportation und Abwehr seiner vornehmlich islamischen - mittelöstlichen und afrikanischen - Immigranten einleitet.
Mit der - rechtsradikal propagierten und bundesrepublikanisch sporadisch schmackhaft gemachten - Vertreibungspolitik macht sich Deutschland - im engeren Sinne - nicht nur unmöglich, es geht auch einer an den Wurzeln deutschfeindlichen Strategie auf den Leim.
Die Goldene Mischung der Deutschen und aller übrigen Europäer sollte sich im ureigenen Interesse nicht auf ein paar ethnische Anteile reduzieren lassen.
Die Propagandisten der kultur-ethnischen Sortierung und Aussortierung sind nicht nur afrikaner-, türken-, asiatenfeindlich, sie sind implizit auch Feinde Europas und ergo der Deutschen in ihrer spezifischen Mischung.
"Rasse-Germanen" sind die Geheimwaffe der Anti-Deutschland-Koalition.
Die neue arisch-eurasische - evangelikale und christ-orthodoxe - Kreuzzugs- und Vertreibungs-Kampagne gegen den Islam vertritt keine deutschen Interessen, sondern ein verbreitetes Gegeninteresse.
Die historische und politische Bedeutung der religiösen Energie-Zentren bleibt hierbei nicht außer Betracht.
Drei weltanschaulich bedingte Anlehnungen sind die aktuelle Offerte zur europäischen Geschichte: Amerika, Rußland und die islamische Welt.
Der Islam ist in sich zerstritten und historisch gespalten.
Die arabischen Herrscher verhalten sich passiv, opportunistisch, vielleicht ein bißchen konspirativ; Indonesien und Pakistan sind wie die Türkei an die USA gebunden, auch auf Indien und China fixiert.
Der "Heilige Krieg" - als ein Feldzug der Vernichtung - wird vor allem von den "Guten" - den Amerikanern, den Russen und den Israelis - geführt, während die islamischen - "bösen" - Gegenkräfte sich - so will es zumindest die Legende - hinter dem Phantom "Al-Qaida" verstecken.
Da die - reale! - islamische Welt ohnmächtig und apathisch darnieder liegt, muß die "Allianz der Guten (!)" das "Böse" wohl gleich mit erledigen...
Vom eingangs anbewegten "Großen Wurf" ist, wie man sieht, nicht viel übrig geblieben.
Was Allah unvermittelt und mittelbar dazu beiträgt, steht auf einem anderen Blatt.