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2004-05-02

Unger Varnsdorf

Die Wander-Achse des Bösen

Der Heilige Stuhl glaubt an die leibliche Existenz des Bösen.

Die selbe katholische Kirche, die die heilige Dreieinigkeit predigt aus dem Vater, dem Sohne und dem Heiligen Geist, glaubt zugleich an die Existenz des Teufels.

Abtrünnige Katholiken, wie etwa Hitler und Goebbels, haben im bös Egomanischen das Teufels-Dogma aufbewahrt.

Der irrationale Antisemitismus hat die gleichen psychologischen Wurzeln wie der antiislamische Kreuzzug, ist aber von diesem weitgehend abgelöst worden.

Katholisch inspirierte Filme, Bücher, Bilder bezeugen die leibhaftige Existenz des Bösen, die Kehrseite der Passion Christi.

Die hebräische Torah geht mit dem Einen und Einigen Gott von einer anderen Prämisse aus: Gott ist weder gut noch böse, erst in seiner Beziehung zu den Menschen bzw. zu seinem Volk entsteht die Wertung:

Was dem Gottesvolk widerfährt ist je nach dessen Nutzen oder Schaden gut oder böse.

Die Verheißungen und Androhungen des Herrn bleiben zunächst wie Gesetzesregelungen für die Zukunft; das jüdische Volk hat in seinen nach-toranischen Schriften oft genug mildernde Uminterpretationen vorgenommen.

Die Achse des Bösen bewegt sich an der Oberfläche geistiger Verwirrung.

Freud sagt, daß mit der Schamlosigkeit der Schwachsinn beginne.

Angewandt auf die Lehre der Kirche, besteht also neben dem Heiligen Geist auch ein unheiliger und böser Geist oder ein Ungeist.

Wer keine Scham hat, hat keinen Namen (hebr. Schem), und anders herum kann man sagen, daß mit dem geistigen Namen, der die Identität eines Menschen befestigt, der "Sinn" seine Schwäche ablegt, d.h. der Schwachsinn endet.

Nun haben wir es mit paranoischen Erscheinungen zu tun, die sich nicht so leicht erklären lassen.

Die Lüge ist gewiß ein Teil jener "Achse"; aber die Lüge geht quer durch alle Parteien und Weltanschauungslager, d.h. sie verläuft als geistige wie die materielle Armutsgrenze quer durch die Nationen, Religionen, politischen Ordnungen.

Jede Religion nimmt für sich die Wahrheit in Anspruch, und sicherlich sind die Relationen mit einigem intellektuellen Fleiß zu definieren.

Wesentlich aber ist, daß nicht die Lehren, sondern ihre menschlichen Träger, Vertreter und Verbreiter die Wahrhaftigkeit oder Unwahrhaftigkeit einer "Sache" erst ausmachen.

Ich bin ein Christ, ein Moslem, ein Jude, ein Buddhist... Das ist noch kein Ausweis, kein Gütesiegel.

Es gibt buchstäblich schlechte Menschen, die sich aus den moralischen Verpflichtungen entlassen haben, mehr oder weniger unerkannt in jeder Gemeinschaft.

Wenn wir einen Maßstab anlegen wollen, so nehmen wir die Elle der Praxis, des Handelns.

Nicht, was einer sagt, zählt letzten Endes, sondern sein Tun und Lassen, schließlich die tatsächliche oder nur mangelhafte Übereinstimmung der Praxis mit der Theorie, des Handelns mit dem verkündeten Wort.

Wer diese Maßstäbe jedoch nicht anerkennt, muß vielleicht anders bewertet werden.

Das Böse erscheint uns als das geistig Kranke, das sich jeder Regel entzieht.

Wenn wir uns auf eine solche Unterteilung aber erst einlassen, wird uns die humane Moral möglicherweise einen Streich spielen.

Daß sich in und hinter der Krankheit eine Bosheit verbirgt, daß Krankheit ein teuflischer Eingriff in die Souveränität Gottes ist, eine Einmischung des Todes in das Leben, als das Gott sich ausdrücklich definiert und identifiziert, ist eine Einsicht, die eine gewisse Klarheit schafft, aber zugleich das Unveränderliche dabei hervor hebt.

Wenn es so ist, wird es so bleiben, der Mensch ist ein krankes Wesen, je kränker, um so menschlicher.

Die Achse des Bösen wird damit zur menschlichen Sache schlechthin.

Das unvollkommene, gestörte, kranke, unheilbare Tierwesen Mensch ist dieses Böse selbst, und nur der ebenso ewige wie nutzlose Versuch des Menschen, sich aus seiner eigenen Natur heraus zu lösen, ist das illusionär Einzig Artige und wohl auch Gut zu Heißende an und in ihm.

Damit haben wir freilich eine Kehrtwende beschrieben, wodurch die Tat entwertet und das Wort als das Bestreben selbst geheiligt wird.

Durch die Heiligung des Wortes haben wir das nachprüfbare Kriterium gefunden oder geschaffen, an dem die Wahrheit des Handelns und Sagens und die Wahrhaftigkeit des Handelnden und Sagenden in innerem und äußerem Vergleich gemessen werden können.

Der Mensch ist in all seiner Unzulänglichkeit, Zerbrechlichkeit und Krankheit gleichwohl verantwortlich für sein Tun und Lassen in Theorie und Praxis.

Wer das heilige Wort beschädigt, ist der eigentlich Böse.

Der Geistes Kranke, der die Vernunft und die Heiligkeit des Wortes bedroht, ist die von Gott eingesetzte Prüfung oder des Teufels Lakai.

Daß das Böse "nur" eine geistige Krankheit sei, mag naiv klingen, gibt aber doch die notwendigen Anhaltspunkte für die Beurteilung eines historischen Jahrhundert-, wenn nicht Jahrtausend-Phänomens, das allerdings in jüngster Zeit stark zugenommen hat.

Wo der Gedanke des Einen Gottes in Egomanie umschlägt, haben wir die Entstehung des Bösen.

Impudenza, demenza...

Sie macht sprachlos, und das zeigt ihren Charakter, daß sie gegen das Wort sich aufgemacht hat.

Der Schamlose wendet sich gegen den heiligen Geist und beißt sich an ihm die Zähne aus.

Historisch en bloc gilt das Reagan'sche "Reich des Bösen" der Sowjetunion und die heutige "Achse des Bösen" den sogenannten "Schurkenstaaten".

Schurkenstaaten unterstützen und verwahren den Terrorismus.

Die Achse des Bösen reicht in die amerikanischen Haftanstalten, wo muslimische Männer von schwachsinnigen, schamlosen Emanzen geschändet werden.

Hier wütet der schurkische Terror des Bösen schlechthin.

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