2004-07-25
Nach der politischen Niederlage
Die neue Weltlage
Eine Lage an sich
Die Lage an sich ist mehr als eine bloße Situationsbeschreibung, sie hängt an den Drähten der Götter.
Die neue Weltlage, mit der wir es zu tun haben, scheint dem zu entsprechen.
Die militärischen Pyrrhus-Siege der US-Allianz "gegen den Terror" und ihre politische Niederlage auf der ganzen Linie - von Afghanistan über Iraq bis zum israelischen Mauerbau - haben eine neue Gesamtlage geschaffen, die man erst einmal begreifen muß.
Der amerikanische Wahlkampf befördert die Verwirrung zusätzlich.
Amerika zieht sich aus dem Iraq sichtlich zurück, ohne ihn doch wirklich verlassen zu können.
Mit ihrem Ersatz-Saddam Allawi haben die Amerikaner einen scheinbar starken Mann installiert, der aber aus seinem "grünen" Wohn- und Arbeitsbezirk kaum heraus kommt.
Seine Auslandsreisen sind wie trotzige Fluchtversuche.
Das isolierte Marionetten-Regime ist eine Alibi-Station, an die fast schon der Name Allawi (sprich: Alliwi) erinnern möchte.
Der Widerstand hat indessen nicht nachgelassen, sondern zugenommen, und die moderatesten Autoritäten von Nation und Islam fordern das Ende der Besatzung und den Abzug der Besatzer.
Die raffinierten und ebenso schockierenden Methoden der Austreiber setzen dem Westen und seinen Verbündeten so zu, daß die lieber heute als morgen das Land verlassen möchten.
Was die kleinen Alliierten mit Leichtigkeit tun können, fällt den Führungsmächten, USA voran, um so schwerer.
Die Initiatoren des Krieges dürfen im Eigeninteresse (!) nicht weggehen, sie müssen bleiben.
Die Bringer von "Freiheit und Demokratie" hinterlassen in Afghanistan und im Iraq ein doppeltes Chaos samt Mini-Diktatoren, die nicht einmal den Anschein erwecken, als seien die Dinge gerade dabei, halbwegs wieder geordnet zu werden.
Das moralische Desaster ist unbeschreiblich.
Rußland hat sich nie die Mühe gegeben, als eine politische Instanz für Gerechtigkeit und demokratische Freiheiten in die Geschichte einzugehen; der Krieg in Tschetschenien setzt eine lange Reihe von Unterdrückungskriegen gegen schwache Nachbarn nur fort.
Die neuen "Anti-Terror"-Kriege der USA hingegen bringen eine neue Qualität ins amerikanische Image.
In Südamerika mag man durchaus eine Rußland vergleichbare Kontinuität wahrnehmen, in Europa und seinen mittelöstlich-afrikanischen Nachbarschaften waren die USA bei allen Vorbehalten und schlechten Erfahrungen doch eine Macht, die im Notfall auch gegen kolonialistische Bedrohungen in Schutz nahm.
Im Kalten Krieg war Amerika der Garant für die Freiheit Westeuropas, die Befreiung Osteuropas.
Mit dem Verschwinden der Sowjetunion wurde dem Westen früh genug klar, daß ein neues "Reich des Bösen" her mußte - und daß die islamische Welt sich dafür anbot.
Das Einzige, was die - ethnisch und sprachlich vielfältige - islamische Welt wirklich eint, ist der Islam, seine Lehre, seine Kultur, die Frömmigkeit seiner Menschen.
Die Resistenz der islamischen Welt gegen die Hochformen westlicher Dekadenz war offenkundig und entwickelte sich zu einer Gefahr für die wachsende Vorherrschaft der inneren Zerstörungskräfte des Westens.
Am Islam erfuhr der Westen zudem, wie weit die "westliche Kultur" sich von ihren - biblisch-monotheistischen - Wurzeln entfernt hatte, anders hätte sie in jedem Muslim keinen Feind, sondern einen Geistesverwandten erkennen müssen.
Natürlich hat es der Islam schwer, sich im westlichen Sinne zu demokratisieren, die Autorität liegt bei Gott, nicht beim wählenden Volk, und der römische Gedanke, daß die Stimme des Volkes die Stimme Gottes sei, ist dem textbezogenen Muslim ebenso fremd wie dem textbezogenen Juden.
Oder auch nicht:
Die jüdische Wahl eines messianischen Gesandten und die muslimische Wahl der Shariah-Ordnung sind demokratische Entscheidungen!
Daß ausgerechnet sie beide heute - Muslime und Juden - als die Erzfeinde auftreten und in Bündnisfragen nicht sonderlich wählerisch sind, ist tragisch und geistesgeschichtlich interessant zugleich.
Israel zeigt zum Beispiel keine Hemmungen, mit dem polytheistischen Indien gemeinsame Politik gegen den Islam zu machen, wie andererseits der Islam Freunde auch unter heidnischen Antisemiten findet und nicht ausschlägt.
Nun stehen wir hier vor einem geostrategischen Problem, weil diese Grundsatzpolitik Deutschland zumindest im Westen in die Isolierung und damit dem großen Rußland in die offenen Arme treiben muß.
Geopolitisch scheint der Gedanke Eurasien mit Rußland als der Zentralmacht logisch und richtig zu sein.
Wir sind Nachbarn, der Kontinent ist wie unendlich und potentiell mächtig.
"Eurasien" wird zu einer Illusion - einer im Marxschen Sinne politischen Ideologie: zu falschem Bewußtsein -, wenn man es der geistes- bzw. religionsgeschichtlichen Vielfalt und inneren Gegensätzlichkeit vergleicht.
Die Pluralität der Sprachen und Religionen bildet die Grundlage zum historischen Verständnis der innereuropäischen, innerasiatischen und asiatisch-europäischen Konflikte.
Rußland verbindet Asien mit Europa, und so ist es kein Wunder, daß die Idee eines politischen "Eurasien" in imperial-russischen Kreisen kultiviert worden ist.
Die deutsch-russische Interessen-Konvergenz verleitet zu dem Gemeinsam-sind-wir-unbesiegbar-Traum der Befreiungskriege gegen Napoleon, der sich zeitweilig zu bewahrheiten schien.
Das Wesentliche hat die russischen Bemühungen, ein "eurasisches" Weltreich zu schaffen, immer wieder scheitern lassen.
Die erste Einsichtnahme zeigt, daß mit "Asien" Rußland und seine traditionellen asiatischen Satelliten gemeint sind, nicht aber China, Indien, die Türkei und der arabische Raum.
"Eurasien" ist also ein ideologischer Begriff, der - abgesehen von russischem Weltmachtstreben - nichts weiter bringt.
Deutschland hingegen ist eine - wenn auch weitgehend gestutzte - mitteleuropäische Wirklichkeit.
Deutschland ist keine reelle, aber eine virtuelle Macht - in einer Größenordnung, die vom deutschen Kaiser Wilhelm II, dem in Deutschland gern Verlachten, und dem gleichermaßen karikierten Admiral Tirpitz richtig begriffen, konsequent realisiert und materialisiert worden war.
Der große gescheiterte Meister - nicht großartiger Pfau! - deutscher Politik war Wilhelm II.
Ein absurder Gedanke?
Das veröffentlichte, realpolitisch rückständige Deutschland ist in der Regel so durchschlagend tonangebend gewesen, daß für das kluge, weise und staatspolitische Deutschland im Hintergrund kein Platz und kein Raum mehr blieben.
Die contra-produktive Wirkung der in der Tat "vaterlandslosen" Sozialdemokratie soll dabei nicht unberücksichtigt bleiben.
Offenbar war es wirklich schwer, die Bedeutung, die Potenz und die geschichtliche Qualität Deutschlands in ihrer ganzen Tiefe einzuschätzen und in Politik umzusetzen.
Die Feinde Deutschlands erkannten es rechtzeitig und mobilisierten die geistigen und militärischen Gegenkräfte in aller Welt.
Im Gegensatz zum heutigen Israel war und wäre Deutschland - wieder - fähig, aus eigener Kraft (!) den nächsten Schritt zu wagen.
Die Bemühungen, es durch innere Feindseligkeit, auf dem Wege einer freiwilligen Selbstverstümmelung und des Selbstverzichts in bis dahin ungekanntem Maße zu schwächen und damit die urprünglichen - aus gegnerischer Sicht durchaus legitimen - Ziele der Feinde Deutschlands zu verfolgen, sind unverkennbar.
Der permanente innere Selbstverrat ist weder bewußt noch gar ein Thema in der politischen Auseinandersetzung.
Zuweilen blitzt allerdings eine Tendenz auf, die jedem Dialektiker Freude machen müßte.
Die deutsche Politik seit der kleinen Wiedervereinigung scheint nicht mehr ihren Aussagen und Ansprüchen zu entsprechen.
Zum Beispiel ist das offizielle Credo, eine Wiederkehr des Faschismus bzw. des Nationalsozialismus verhindern zu müssen, von der realen Politik nicht gedeckt.
Die Gesellschaftspolitik führt nicht erst seit gestern, sondern seit Jahrzehnten wie systematisch in jene Abgründe, an denen ein Christian Worch seine Auffangbecken aufstellen wird, um genau das zu verwirklichen, was die offizielle Politik der Bundesrepublik Deutschland angeblich verhindern will.
Die feministisch initiierte Zerstörung der Familie, die Verhütung und Vernichtung des Bevölkerungsnachwuchses bei gleichzeitiger Propagierung Deutschlands als "Einwanderungsland", ohne dabei an eine Rückgabe der 1945 geraubten Landesteile zu denken; die aus allem zwangsläufig folgenden individuellen Psychodramen, das Schrumpfen der Bevölkerung, ihre Überalterung, wo der getötete Nachwuchs fehlt, die ebenso allmähliche wie geförderte, sichere Verarmung des Volkes - das alles führt in die Revolution oder in den Faschismus.
Wenn ich betrachte, was politisch heute ansteht, frage ich mich, wohin das führen soll, wohin die politische Kaste mit ihren, wie ich meine: unverantwortlichen, unverfrorenen Machenschaften gegen das Volk, ohne die gesetzlich geförderten (!) und beschirmten (!) Ausbeuter anzutasten - wohin diese Politik und ihre mit Reichtum staatlich gesegnete Oberstubenlobby denn eigentlich wolle.
Diese Leute sind nicht dumm und wissen doch von Anfang an, wohin das führen muß: die innere Zerstörung des Volkes ist der nun sichtbare Erfolg einer jahrzehntelang planvoll durchgesetzten - zunächst subversiven, mittlerweile regierungsamtlichen - Politik.
Mit anderen Worten: Der Faschismus, genauer: Nationalsozialismus ist das dialektisch verdeckte Programm heutiger - offizieller - Politik.
Und warum?
Um Deutschland abermals in Grund und Boden stampfen zu können?
Ich bin gewiß kein Nationalist; doch wenn ich sehe, wie antideutsche Nationalismen keine Hemmungen zeigen, ihre alten Bestrebungen historisch fortzusetzen, so reizt mich diese Herausforderung kolossal.
Der Koloß ist die Herausforderung des deutschen philosophischen Denkens - bis auch das politische Denken die deutschen Köpfe erreicht, die erst noch geboren werden müssen oder gerade geboren worden sind.
Ohne die monotheistisch-islamische Orientierung (!) freilich ist Deutschland geschichtlich verloren.