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Qimosh - The New Qomish

Wo lassen Sie denken · Où laissez-vous penser? · Rent a brain…

2004-04-24

Kafka Bar Linah

Hätte ich gewußt

Wohin das führen würde, konnte ich nicht wissen, und ich habe es nicht einmal geahnt.

Das Dorf, das Schtetl Kukawka in Belorus, im Lida Distrikt...

Es gab eine Zeit, da tat ich mich schwer damit, hatte ich doch einen Lebensfaden verloren und nichts davon gewußt.

Warum forschte ich überhaupt nach?

So ist es halt, wo eine Neugier sich meldet, sich Fragen stellen, die bislang außer Reichweite lagen.

Mit der Antwort verweht der Zauber, es war wohl doch nicht so bedeutsam, immerhin...

Würde ich irgendwo in der Welt ein prächtiges Schloß oder eine reiche Farm entdecken und den Hinweis erhalten, daß irgendwelche Vorfahren damit etwas zu tun gehabt hätten, so bin ich sicher, meine Verwandten gehörten zum Hauspersonal, einer war der Gärtner, ein anderer der Kutscher, später der Chauffeur.

Schloßherren kommen in meiner genetischen Vergangenheit nicht vor, das weiß ich, zwar gab es Streber und Aufsteiger, aber die stürzten auch bald wieder ab, das Unbeständige ist das Beständige in meiner Genealogie.

Und wenn Vormütter und Vorväter in einem jüdischen Schtetl lebten, so gehörten sie gewiß zu den Armen, denn sie hatten kein Verhältnis zum Geld.

Sie konnten bestenfalls mit dem bißchen, was sie besaßen, sparsam umgehen, um nicht zu tief zu sinken...

Irgendwann machten sie sich auf und gingen ihrer eigenen Wege.

So gewannen sie das Gefühl, unabhängig zu sein.

Wandernde Händler waren das Höchste; auch wenn sie jederzeit wieder zurück gehen konnten, sie taten es nicht, weil sie nur noch nach vorn guckten, alles hinter sich lassen mußten.

Auf Hinkunft angelegt, nicht auf Herkunft, so zweigten sie vom Urstamme ab.

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