2004-12-25
Ich sehe nichts danach
Und nichts zuvor
Im Geheimnis des Seins, daß auch nichts daneben, drunter oder drüber sei - denn als ein lebendiger Anteil in den vierundvierzig Wänden der Arche.
Sobald wir an Land gehen, zieht die Erinnerung ihre ersten Fäden, die Geschichte beginnt.
Wir schauen zurück und voraus und vergessen das Geheimnis.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit heißt von Tag zu Tag und von Nacht zu Nacht.
Verlorenes Wissen.
Mit der Schrift beginnt die Geschichte, geht die Erinnerung verloren.
Mit dem Schreiben geht vieles dahin, und zwar vom Grundbestand des Wissens, was früher jeden Augenblick verfügbar.
Jetzt mußt du lesen, um wieder zu wissen.
Das Lesen und Forschen, die Untersuchungen an fremden Texten, der Weg durch die Sprachen...
Schreibend stehst du ständig am Anfang, nicht an irgend einem Anfang, nicht nur am Anfang deines jeweiligen Textes, sondern am Anfang schlechthin.
Indem die Geschichte beginnt, tritt die Vorgeschichte in den Hintergrund, sie schwindet und geht unter.
Vorgeschichte ist auch das aus der Schrift Erlernte, das angehäufte Wissen, alles Erworbene.
Was du aus der Geschichte Voriger erlernt, ist deine Vorgeschichte, die du vergessen wirst, die du dir zu eigen gemacht hast, sie ist nicht wirklich verloren, aber in concreto nicht mehr im einzelnen nachweisbar.
Dein Vorwissen ist dir zur Selbstverständlichkeit geworden, du verfügst über es wie über ein genetisches Wissen en gros, nicht so sehr en detail.
Willst du dir das Detailwissen wieder verfügbar machen, wirst du auf deine Geschichte verzichten müssen.
Du kannst nicht dein Leben rückgängig machen, könntest schon beim Versuch Schaden nehmen, hast eine alte Erkenntnis indessen aufgefrischt.