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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2004-01-17

Sam Wonder

Der deutsche Rassismus ist öffentlich-rechtlich wie auch privat-kulturell

Der deutsche Rassismus ist selten da, wo man ihn vermutet oder gern lokalisiert, nämlich im Volk, sondern zum Beispiel in der deutschen Kulturbranche, beim deutschen Film, in den deutschen Medien anzutreffen.

Man spricht offen darüber: über große Nasen zum Beispiel, daß Schauspielern gesagt wird, sie könnten was werden, hätten eine Zukunft, nur ihre Nase müßten sie wegoperieren, nicht ganz weg, aber eben doch belanglos machen lassen.

Das hört sich so billig an, wie es ist, und stimmt mit den Tatsachen in Deutschland überein.

Es erledigt sich nicht etwa, nein, es wächst nach, ist stets und immer wieder präsent.

Ich muß sagen, daß in der Nazizeit mehr deutsche "Undeutsche", möglichst schwarzhaarige Nasen-Typen im deutschen Film auftraten als heutzutage.

Evelyn Künnecke hat ihre Nase nicht in der Nazizeit, sondern nach dem Kriege fürs bundesrepublikanische Show-Geschäft siebenmal umgestalten lassen.

Der Preis für die Selbstverhunzung war die Beschädigung ihrer Persönlichkeit, der Verlust ihres Gesichts.

Evelyn Künnecke hat ihr verändertes Antlitz besungen, komisch, ein bißchen altersweis und tragisch.

Doch nicht wiederherstellbar.

Es hatte sie niemand zu der Entstellung gezwungen.

Deutsche Schaupieler gehen nach Amerika, wo sie große Rollen erhalten, während bei der BRD-Vermittlung - es ist gar nicht volkstypisch, sondern kulturmedientypisch deutsch - nur ihre Nase im Mittelpunkt der Betrachtungen stand.

Daniel J. Goldhagen hat bei seinen Nachforschungen entdeckt, daß der deutsche Antisemitismus aus der Kulturbranche kam, von den Literaten, Philosophen und Bildungsbürgern.

Horst Mahler stimmt dem zu, wendet die Sicht und proklamiert die Rettung der deutschen Kultur via Auslöschung des jüdischen Geistes.

Eine bessere Bestätigung konnte Goldhagen sich nicht wünschen.

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