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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2004-01-14

Sam Wonder

Verschwörungstheorien sind Legendenkritik

Political Correctness wider die Kritik wird flugs zur Verschwörungslegende

Die Verschwörungstheorien der Nachkriegszeit waren in Wahrheit Legendenkritiken.

Die Alleintäterschaftslegende um den Reichstagsbrand ist bis heute nicht aufgeklärt, die gegen sie entwickelte "Verschwörungstheorie" ist tatsächlich ein Paket bis heute unaufgeklärter, offiziell nicht beachteter Faktenbeschreibungen.

Legendenkritiken ("Verschwörungstheorien") richten sich gewöhnlich gegen hoheitliche Darstellungen politischer Kriminalfälle.

Die sowjetischen und DDR-Einmischungen in westdeutsche Politik galten zu ihrer Zeit als Legende, waren jedoch Realität, ihre Erkenntnis eine begründbare Hypothese bzw. Theorie dazumal, die Bestätigung folgte post Wende.

Der Mord an Kennedy, die deutsche Barschel-Affäre, das Attentat auf Olof Palme, jüngst die Ermordung der schwedischen Außenministerin sind Fälle, die offizielle Erklärungen erfahren haben, mit denen sich Sachverstand und rationale Analyse nicht zufrieden geben können.

In jüngster Zeit melden sich Gespensterseher zu Wort, die Gespenstersehern auf die Spur gekommen sind.

Verschwörungstheorien haben nicht nur verschiedene Gesichter, sie kommen auch aus unterschiedlichen politischen Richtungen und werden instrumentell eingesetzt.

Oft steht tatsächlich eine "Theorie" am Anfang solcher Auseinandersetzungen.

Hitler sprach von einer jüdisch-bolschewistischen Verschwörung, seine Gegner sahen und sehen in ihm das Instrument einer internationalen Verschwörung.

Die Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs ist zu einer Mischung aus Aufklärung und Legende geworden.

Die Schuldanteile der sozialdemokratischen Regierung an dem Verbrechen sind nicht bekannt oder kaum richtig bewußt.

Zu den Fällen Palme und Barschel wurden nach der Wende Tatsachen bekannt, die etwas mit der ehemaligen DDR-Stasi zu tun hatten; daß die Spiegel-Redaktion, der damals noch Erich ("Ich will nicht wiedervereinigt werden") Böhme angehörte, "mehrheitlich" (Böhme) entschied, daß Barschel Selbstmord begangen hätte, war als Komiker-Einlage nicht komisch genug, um in Deutschland verlacht zu werden.

Die Flugzeugattentate vom 11. September 2001 wurden regierungsamtlich als Akte einer islamistischen Verschwörung definiert und entsprechend beantwortet.

Am Anfang stand also eine offizielle Verschwörungstheorie, die allerdings etliche Lücken aufwies, was auch bald einige Kritiker auf den Plan rief.

Wenn aus einer zunächst berechtigten Kritik sich allmählich neue - entgegen gesetzte - Verschwörungstheorien entwickeln, so mögen sie gut oder schlecht begründet sein.

Meist stehen Hypothesen gegen Hypothesen, und alles ist immer auch nachprüfbar, man muß nicht den Holzhammer hervor holen, um eine ungenehme Theorie tot zu schlagen, möglichst, ehe sie jemand zu Gesicht bekam.

Gegen die offizielle Darstellung der Kennedy-Morde und ihrer Hintergründe sind begründete Zweifel angemeldet worden, die zur Kenntnis genommen werden müssen, wenn es mit rechten Dingen zugehen soll.

Interessenlagen helfen oft weiter, jeder Kriminologe fragt nach den Motiven für eine Tat und nach eventuellem Nutzen der Tatfolgen ("cui bono?").

Die Barschel-Affäre schaltete endgültig die CDU aus Schleswig-Holstein aus, außerdem wurde die verteidigungsstrategisch ernste Ostsee-Ecke im wohlverstandenen Interesse der damals noch existierenden DDR und ihrer Hintergrundmacht mit SPD-Engholm völlig aufgeweicht.

Nicht umsonst war der einst langjährige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Stoltenberg Verteidigungsminister in Bonn geworden.

Schleswig-Holstein war militärstrategisch von großer Bedeutung, die rot-grünen - Anti-AKW - Vertreibungskampagnen gegen die norddeutsche Wirtschaft verliefen ohne Rücksicht auf die ökonomischen Interessen des Bundeslandes.

Wer diese Situation aufhellt, macht sich bei den Verhüllern unbeliebt und "verschwörungstheoretisch" verdächtig.

Die "Verschwörungstheorien" um den Präsidentenmord von Dallas sind umfassend dargestellt und auch verfilmt worden.

Sowohl die offizielle Erklärung des Vorfalls, wie sie die Warren-Kommision amtlich festlegte, als auch die Gegentheorien gehen in jeweils bestimmte Richtungen mit angegliederten Interessenvermutungen.

Mit Oswald (Lyndon B. Johnson: "Ein dummer kleiner Kommunist") wurde eine Verbindung nach Moskau nahe gelegt, die Gegentheorien gingen in Richtung Ölkonzerne, später wurde die Heirat Onassis-Jacqueline Kennedy noch mit einbezogen.

Die eine Haupttheorie schaute ins Ausland, das sich eines Alleintäters bedient hatte, die andere, gegnerische, Haupttheorie suchte die Verschwörung im Innern des Landes, in den staatlichen und wirtschaftlichen Strukturen.

Was allerdings auch nicht im entferntesten in Betracht gezogen wurde, war die politische Biografie der Familie Kennedy und daraus eventuell resultierende Feindschaften.

Vater Joseph war von 1938 bis 1941 amerikanischer Botschafter in London und empfahl seiner Regierung eine prodeutsche - mithin antibritische - Politik.

Er galt als Antisemit und Kollaborateur der Nazis; der deutsche Botschafter in London, Herbert von Dirksen, der mit ihm intensive Kontakte pflegte, nannte ihn in Berlin "den besten Freund Deutschlands", der nicht nur außenpolitisch die Beziehungen zu Deutschland förderte, sondern auch die feindselige Judenpolitik Hitlers gut hieß.

Daß später in Washington anders entschieden wurde, ändert nichts an dem eben begonnenen Meinungsbildungsprozeß in jenen Tagen, als alles - zumindest theoretisch - noch unentschieden war.

Die Familie Kennedy ist katholisch und irischer Herkunft.

Die Regierung JFK hat den irischen Befreiungskampf mehr oder weniger offen unterstützt.

JFK heiratete Jacqueline Lee Bouvier aus französischer Einwandererfamilie, ihre Mutter war irischer Abstammung.

Was entfernt auch an "Vichy", vor allem aber an die Hilfe Frankreichs beim Befreiungskrieg der "Kolonialisten" Amerikas gegen das britische Mutterland erinnert.

Die Regierung Kennedy und den politischen Einfluß der irischen und französischen Linie ihres Familienumfelds auszuschalten, lag im britischen Interesse.

Während zur Klärung des tödlichen Autounfalls von Prinzessin Diana sämtliche Register gezogen werden, um ein Komplott nachzuweisen, ist seltsamerweise bei den Attentaten auf die Kennedy-Brüder an einen Londoner Hintergrund überhaupt nicht gedacht worden.

Im politischen Raum sind Intrigen und Verschwörungen sozusagen der Alltag, und wer entsprechende Vermutungen äußert oder Hypothesen entwickelt, macht zunächst den Versuch, mit offensichtlichen Unklarheiten irgendwie fertig zu werden.

Die in jüngster Zeit verbreiteten Angriffe auf "Verschwörungstheoretiker" sprechen für die Annahme, daß bestimmte Analysen - Kritik an offiziellen Legenden, daraus sich entwickelnde Hypothesen ("Theorien") - gar nicht erst ins Gespräch kommen sollen, weil man sie fürchtet.

Was als "politisch korrekt" gilt oder gelten möchte, ist allzu oft - in einer Demokratie zumal - alles andere als das:

Leicht erkennbare - quasi staatliche - Verschwörungslegenden sind keine Theorien, sondern Geschichten aus dem Regal für "Schwarze Propaganda".

Die organisierte Desinformation wirkt an allen Fronten, auf allen Seiten, niemand ist davor sicher, und es wird schwer sein, undialektisch, nur aus dem Bauch heraus, auf Verdacht und interessenbefohlen die an den Fingern einer Hand abzuzählenden Weizenkörner von der organisierten Spreu zu trennen.

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