2004-12-12
Das Verursacherprinzip
Esteban Piñeiro, Isidor Wallimann: Sozialpolitik anders denken. Das Verursacherprinzip - von der umweltpolitischen zur sozialpolitischen Anwendung. Copyright © 2004 by Haupt Berne. Haupt Verlag, Bern, Stuttgart, Wien
Ein befreiendes Gefühl, qua "Verursacherprinzip" jegliche Sozial-Problematik als eine Art Umweltverschmutzung wegtun und abstrafen zu können.
Schon bei der umweltpolitischen Anwendung des "Verursacherprinzips" läßt sich weitaus rigoroser vorgehen als bisher gedacht.
Da kippt eine Firma ihren Gift-Müll irgendwohin in die Landschaft... - klar, wer der Verursacher ist.
Doch wir wollen den Dingen ja an die Wurzeln gehen, nicht wahr.
Dreckiges Altöl ist auf bestimmte Vorgänge zurückzuführen, die ihrerseits sehr komplexe Ursachen haben.
Ohne Autoverkehr und notwendige Reinigungen in Werkstätten und Garagen würde auch kein Dreck abfallen.
Letztlich geht alles auf die vielen Menschen zurück, die den Dreck machen oder notwendig machen.
Jeder Mensch wirft Verpackungsmaterial, alte Batterien, Papier, Obstschalen, Gemüsereste... in die Tonne.
Man unterschätze nicht den Schadenswert des aus einem Kinderwagen fallenden Bonbonpapiers!
Der Fresser ist der Verursacher, auch wenn er das Gefressene wieder abführt.
Er "frißt und säuft, kackt und pißt", würde man heute sagen, er kann gar nicht anders, als die Umwelt verschmutzen.
Im Menschen kommen Umwelt- und Sozialproblematik zusammen.
Wer nicht frißt, macht keine Kosten, braucht kein Geld, keinen Lohn, keine Unterstützung, keine Rente, macht keinen Dreck.
Der Mensch ist "Verursacher" schlechthin.
Jedes humane Wesen erfüllt den sozial- und umwelt-politischen Tatbestand.
Der Mensch wird mit seiner Geburt "Verursacher" und also schuldig!
Allein daß er lebt, macht aus dem Menschen einen Problemfall.
Wer nicht da ist, verursacht und hinterläßt keine Probleme.
Eine Windelsteuer muß her!
Wer nicht abtreibt, verfällt dem "Verursacherprinzip".
Jeder nicht abgetriebene Mittellose ist ein Verbrechen gegen Umwelt und saturierte Gesellschaft.
Das ist nicht kafkaesk, sondern die reine und einfache Wahrheit.
Der mittellose Mensch ist der Urfeind seiner natürlichen und gesellschaftlichen Umwelt.
Alle so verstandene und verstehende Politik ist daher sozial- und menschenfeindlich.
Wer so "anders" denkt, der hat zuvor dem Menschen die von Gott gegebene Würde abgesprochen, sieht nicht mehr Menschen, sondern wertlos gewordene Sachen, die in die Ecke gestellt und schließlich "entsorgt" werden können.
Ich will diese Art von gewissenloser Gesellschaft nicht gleich als neues Gangstertum abtun, sehe aber doch einen Grad des Kulturmangels erreicht, der sehr nachdenklich stimmen muß.
Um nicht die Menschen insgesamt, den Tabak, den Alkohol, alles Eßbare und Trinkbare... abschaffen zu müssen, hat man doch nur die wesentlichen sozialen Unterschiede zu beachten.
Ob ein Konzernmanager mit zwei, drei, vier oder sechs Millionen "Grundgehalt" den Henessy genießt und zur Havanna greift oder ein - selber schuld! - Arbeitsloser seine Rette rocht und das Bier aus der Blechbüchse schluckt, ist schließlich nicht dasselbe.
Rauchen, Trinken, Essen, Sitzen und Liegen auf öffentlichen Sammelplätzen von Obdachlosen sollte sowieso verboten und strengstens bestraft werden.
Wer kein eigen Haus, kein richtiges Zuhause hat, verliert peu à peu sein Lebensrecht, ist doch wohl klar.
Habenichtse sind Altöl für den nächsten - vorher hurtig, hurtig noch abzuarbeitenden (!) - Castor-Transport, wenn ich das mal so sagen darf.