2004-11-13
Abschied von Arafat
Abschied vom palästinensischen Staat
Ich hoffe, daß sich die Palästinenser nicht nur von Arafat verabschieden, sondern auch von der fixen Idee eines palästinensischen Staates.
Die Teilung Palästinas war ein historischer Mißgriff erster Güte, so was soll man nicht zementieren.
Die "Al-Aqsa-Brigaden", die sich jetzt "Arafat-Brigaden" nennen, sollten sich schnell wieder rückbesinnen und rückbenennen.
"Arafat" ist die nationale Enge, "Al Aqsa" weist in die Unendlichkeit des Islam.
Die arabische Befreiung ist der Djihad, nicht eine Aneinanderreihung säkularer Staaten, von denen wir eh schon genug haben.
Die weltlichen - laizistischen - Staaten des Nahen und Mittleren Ostens sind allesamt westlich inspirierte Vorposten im anti-islamischen Krieg.
Man muß diese Staaten in ihrer historischen Richtung erkennen; sie sind nicht bloß solche unter anderen, sondern Feindstaaten im tückischen Sinn.
Arafat ist tot, ein Nachfolger ist nicht in Sicht - wenn man von einem absieht, der im Moment allerdings nicht verfügbar ist.
Der Schlips-und-Kragen-Klüngel ist gerade mal für ermüdende Verhandlungen noch zu gebrauchen, eine Verankerung im Volke fehlt diesen Neureichen auf jeden Fall...
Barghouti, der alte Fatah-Fuchs, ist populär, ein erprobter Straßenagitator und Kämpfer für den palästinensischen Staat.
Niemand in der arabischen Welt - außer den Palästinensern - will einen solchen Staat.
Vielen jedoch erscheint der Kampf um diesen Staat "nützlich", weil damit viel Zeit verloren geht beziehungsweise gewonnen wird, nichts kommt dabei heraus...
Der Streit um "Palästina" ist ein "Abnutzungskrieg".
Es liegt im wohl verstandenen Interesse der Palästinenser, das Staatsziel nicht weiter zu verfolgen.
Israels Intelligence weiß natürlich, daß eine volle Umschaltung des Widerstands auf den islamischen Djihad problematisch wird.
Es gibt keine hinhaltenden, zeitschindenden Verhandlungen mehr, selbst die Räumung des Gaza-Streifens steht wieder in den Sternen...
Eine überraschende Freilassung Barghoutis muß unter solchen Aspekten denkbar erscheinen.
Er wäre der geeignete, vielfältig "nützliche" und zugleich glaubwürdige Nachfolger Arafats.
Mit ihm bliebe die national-staatliche Karte im Spiel.