2004-08-18
Die Sporen geben, sagt Djingis Khan
Den Auftrag kennen...
Die Montagsdemonstrationen rufen regierungs- und parteiamtliche Reaktionen hervor, die die Reaktionäre früher, als sie noch keine waren, zu Recht "faschistisch" genannt hätten.
Als ob der Mongolensturm herein brach - im politischen Establishment ist auf einmal die Hölle los.
Erstaunlich das hohe Bewußtseinsniveau der Demonstranten, die sofort das Wesentliche erkannt haben.
Ein kollektiver Djingis Khan - "Wir sind das Volk!" - hat der deutschen und europäischen Geschichte die Sporen gegeben.
Bei müder Mitmache im Westen und mangelnder Aufmerksamkeit der Muslime in Deutschland.
Werden die Neu-Deutschen - aus der Türkei, aus Bosnien, dem Iraq, aus Italien, Chile und Peru... - mit uns Alt-Deutschen solidarisch sein, wie wir es mit ihnen waren und bleiben?
Deutschland - "das Land der Ausländerfeindlichkeit, des Antisemitismus, des Rassismus..." - ist vielleicht das duldsamste, freundlichste, vorurteilsfreieste Land, das sich im Moment denken läßt.
Viele Menschen, die in ihren Heimatländern - Rußland, Peru, Israel... - unter dem Rassismus ihrer europäischen oder nicht-europäischen Landsleute zu leiden hatten, können in Deutschland erstmals frei und unbeschwert leben.
Die Deutschen heute sind - bis zur Selbstaufgabe - wahrscheinlich das toleranteste Volk der Erde.
Intoleranz ist aber ein Element der Selbsterhaltung.
Wenn also in Deutschland da und dort eine gewisse Unduldsamkeit wieder zutage tritt, regt sich womöglich nur ein Stück gesunden Menschenverstandes.
Djingis Khan wußte aus den Stürmen, er ahnte, sah über dem Horizont, was er wollte und wollen mußte...
Ungewißheit, die zögerliche Über-die-Schulter-Schande, zurück zu schauen, hätte seine Pferde und Pfeile aufgehalten, diese Pfeile Gottes...
Um zu wissen, was wir wissen müssen, um das Richtige tun zu können, haben wir vermutlich noch eine lange Lehrzeit vor uns.