2004-07-01
Ende des Kreuzzugs?
Rückkehr des Rechts?
Der amerikanische Präsident hat - kurz nach der Nacht-und-Nebel-Flucht aus dem Iraq - mit einem starken Plädoyer für den EU-Beitritt der Türkei und ein Islam und Christentum verbindendes Europa gleichsam den Kreuzzug gegen den Islam abgeblasen.
Was eben noch - in der Tat - ein Kreuzzug gewesen, reduziert sich auf ordnungspolizeilichen "Anti-Terrorismus" von anderer - verdeckt womöglich gefährlicherer - Art.
Die USA wenden ihre offene Politik in eine der Einsicht und der Fehlerkorrekturen nach verlorenem Krieg.
Sie befreien sich von dem Ruch, einen Krieg gegen den Islam, seine Kultur, seinen monotheistischen Geist und seine humane Rechtsbezogenheit zu führen oder geführt zu haben.
Die Gefangenen von Guantánamo erhalten den ihnen zustehenden Rechtsstatus.
Die Folterverbrechen insgesamt werden juristisch untersucht...
Die gerichtlichen Entscheidungen sind als Maßregelung der Bush-Politik lediglich mißverstanden worden.
Die wieder entdeckte Rechtsstaatlichkeit liegt auf gleicher Linie mit der in Istanbul vom US-Präsidenten angeschlagenen neuen Weisung.
Allenthalben rühren sich die Hohen Gerichte - in Israel, Amerika, Iraq und Qatar...
In Palästina wird der Verlauf der Apartheid-Mauer in Frage gestellt, in Qatar sind russische Staatsterroristen wegen Ermordung eines tschetschenischen Politikers zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt worden.
Im Iraq soll Saddam Hussein mit anderen ehemaligen Staatsfunktionären vor Gericht gestellt werden.
Die schnelle Wiedereinführung der Todesstrafe vorab ist nicht das beste Omen für die weitere Entwicklung des Landes.
Wir wollen uns also nicht zu früh freuen, doch insgesamt sieht es so aus, als habe der Djihad die Feinde des Islam zur Umkehr gezwungen.